Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 8 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung. mit Hebräisch zu beschäftigen. Es gibt eine ganze Anzahl neuerer Werke, die man für den Selbstunterricht empfehlen kann. Ich gebe zu: Erleichterungen bringt diese Methode nicht dem Lehrer, sondern den Schülern, soweit sie bis jetzt überhaupt gearbeitet haben, aber dafür können beide, Lehrer und Schüler, große Erfolge und viel, viel Freude haben. Neue historische Literatur (hebräisch und deutsch). (Geschichte und Geschichte des Unterrichts und der Erziehung.) Von Dr. I. Vamberger, Nürnberg. Dr. Chaim Urmian und Dr. PH. Friedmann, /destorotll I'historiah jisraelith. (Quellen zur jüdischen Geschichte, zur.Benutzung an Mittelschulen). Heft 1, 2, 6, 7. Eber, Warschau. 5636—5690. Dieses Unternehmen stellt ein Beispiel der „Duplizität der Fälle" dar angesichts des Hürterschen Quellenbuches, von dem ebenfalls vier Teile erschienen sind: aber diese Reihen decken sich hinsichtlich ihres Inhaltes durchaus nicht, selbst die Hefte, die ungefähr historisch zeitlich zusammenfallen, haben ganz andere Quellenschriften herangezogen. Sonst wollen sich beide Unternehmungen in den Dienst des Arbeitsunterrichtes stellen, ohne das historische Leh buch ersetzen zu wollen, aber jedenfalls gewinnt der Schüler durch, diese Quellen ein ganz anderes Bild und ein vertieftes Verhältnis der Geschichte: vor allem berücksichtigen diese hebr. Quellenbücher stark die wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge in.einem Ausmaße, wie es bisher noch nicht geschehen ist. Für die Hand des Lehrers stehen nun eine Reihe wertvoller Bücher zur Verfügung. Güdemann, Quellenschriften zur Geschichte des Unterrichtes und der Erziehung. 5 Bände, Sulzbach, Quellenbuch. Siehe Asaf. ü/lelcorotll l'toledoth hachinuch b'jisrael (hebr.) 1. Band. (Vom Mittelalter bis zur Zeit der Haskalah), ferner Spanier Quellenbuch, diese Asafschen Quellen erschließen uns Einblicke, die von besonderem Interesse sind, und wissenschaftlich sind sie gründlich und kritisch dargestellt. Das gilt in besonderem Maße von den Ilrmian- Friedmannschen Quellen. Das erste Heft beginnt mit dem babylonischen Eril und reicht bis zum Ende der makkabäischen Zeit. Dieses Heft benutzt die Bibel, den Talmud. Flavius Josephus, die Keilschriften. Pseudoepigraphen und Apokryphen usw. Das 2. Heft umfaßt die Zeit von Herodes bis Jum Ende des 2. Tempels. Neben der rabbinischen Literatur werden Flavius Josephus, Philo und die nichtjüdisch-griechischen und römischen Schriftsteller berücksichtigt. Die Hefte 6 und 7 beschäftigen sich mit der Geschichte der Juden in Europa unter besonderer Berücksichtigung ihrer politischen Lage, beginnend mit der Herrschaft Roms: es folgen: die Zeiten der germanischen Reiche, der Islam, die Küsten- und Grenzgebiete: Byzanz, Krim, Chazaren, Rußland. Dann folgen Aufschlüsse über Bodenerwerb und Ackerbau, Zins und Kapital, Handwerk. Zölle. Judensteuern. Erziehungsmesen.. Kultus, Literatur (Piut), Eemeindeleben. Sagen, Legenden. Als Quellen sind nur zuverlässige Autoren benutzt, so stehen wir überall auf gesichertem historischen Boden und wir sind mit Hilfe dieser Quellenschriften und der großen historischen Darstellungen (Grätz, Berliner, Dubnow, Jawitz, Halevi/ Caro, Klausner u. a.) in der Lage, das Leben der Juden und ihre Geschichte umfassend zu betrachten. Nummer 8 Neuerdings erscheinen auch wertvolle Werke jüdischer Heimatgeschichte und die Zeitschrift für die Geschichte der deutschen Juden. Dadurch gewinnen wir erst ein l o b e n s t r e u e s vielseitiges Bild der Geschichte der deutschen Juden. n. Martin Philippson. Neueste Geschichte des jüdischen Volkes. Band I. 2. Auflage (Dr. R i e g e r). Dieser Band beginnt im 1. Buch mit dem Zeitalter der Revolution und des Kaiserreichs. Das zweite Buch behandelt das Zeitalter der Reaktion: ihm folgt das Buch der Neformbestrebungen in West- und Mitteleuropa und als viertes Buch die Emanzipation in West- und Mitteleuropa: es ist also die Zeit von 1789—1370 zur Darstellung gebracht. Der Herausgeber dieser Neuauflage. Dr. Nieger. mar ängstlich bemüht, innere und äußere Gestalt der 1. Auflage möglichst aufrecht zu erhalten, nur offenbare Versehen des Verfassers hat er stillschweigend abgeändert und Uebersehenes hat er da und dort nachgetragen. Eine vergleichende Betrachtung der beiden Auflagen bestätigt das vollauf. Nieger hat auch infolgedessen eine Reihe sachlicher Bedenken. die er einst selbst in einer kritischen Betrachtung geltend machte, nicht restlos beseitigen können. Es berührt deshalb doppelt verwunderlich, daß Nieger Dubnow gegenüber von dessen Bearbeitung des gleichen Stoffes von einer Tendenzschrift .spricht. Ist es Dr. Nieger nicht bekannt, daß PHLippsons Geschichte in der 1. Auflage gerade oeshalb vielfach Ablehnung erfahren hat, 'weil man sie als Tendenzschrift bezeichnete? Es ist ferner nicht richtig, zu unterstellen, daß die Juden schon vor der Emanzipation nach ihren Wöhnlündern kulturell und rituell streng geschieden gewesen seien, weil die deutschen Juden .sich gegen die polnischen, die sephardischen in Frankreich sich gegen die elsässischen Juden abgrenzten. Diese Differenzierungen erfolgten leider vielfach aus rein egoistischen Gründen ohne tatsächliche innere Gegebenheit: konnten nicht alle Juden emanzipiert werden, . dann suchte man für sich nach Vorzügen uni Vorteile damit einzutauschen. Man soll solche betrübliche Erscheinungen nicht durch sachliche Motivierungen beschönigen wollen. Damit laust man stark Gefahr zu tendenziöser Färbung. Band II ist in der 2. Auflage von Dr. Immanuel Bernfeld unter Mitwirkung namhafter Gelehrter (Professor Simonsen-Kopenhagen. Professor Zoller-Triest, Professor Elbogen in Berlin, Rabbiner Dr. Freudenthal in Nürnberg usw.) erschienen, und hier hat man den Eindruck einer völligen Umgestaltung, die einer Neuschöpfung gleichkonnnt. Auf Schritt und Tritt spürt man die Sachkunde tüchtiger Historiker, die die inneren und äußeren Zusammenhänge! wissenschaftlich aufzeigt. Der Stoff dieses 2. Bandes ist keine angenehme Lektüre. Der Antisemitismus in West- und Mitteleuropa ist der Inhalt des fünften Buches. Angefacht von katholischer Seite in den Zeiten des deutschen Kulturkampfes, geht der Antisemitismus in die Hände der Protestanten über — und in deren Händen ist er bis heute in der Hauptsache geblieben, während die Katholiken stch ihrer Christenpflicht bewußt sind und den Antisemitismus als unchristlich und unreligiös empfinden und abweisen. Im 6. Buch wird das europäische und amerikanische Judentum an der Wende des 19. Jahrhunderts dargestellt: praktisches Judentum, nationale Bewegung. Reformbewegung, äußere Erlebnisse, Lebensbedingungen des jüdischen Stanunes. die Juden im Leben der Völker. Das sind gewiß Stoffe, zu denen der Historiker in erster Linie wertend Stellung zu nehmen hat: das geschieht hier auch und man muß zugeben, in wohltuender sachlicher Art selbst dann, wenn man mit dem