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Jüdische Schulzeitung · 1930-08-15 · 8 (15.8.1930) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
6 (1930)
Issue
8 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 8 Jüdische Schulzeitung. Sprechen bzw. ein wirkliches Verstehen der Texte bei den Kindern erreichen, ohne Grammatik zu pauken. Als ich das erstemal in meinem Leben als Student einen ABE-Schiitzen hebräisch unterrichten sollte, war mir die ganze Aufgabe klar, nur eins wus;te ich nicht: wie beginnt man's?! Ich erzähle dabei bewusst vom 6 jährigen Kinde, weil im späteren Alter die ganze Arbeit dem Unerfahrenen sehr leicht erscheint. Man peitscht das Alpbabct schnell durch, inan hat Erfolg und — — — man erlebt nachher bei genügender Selbstkritik die grotze Enttäuschung. Die Vorbereitung war nicht methodisch durchdacht und das rächt sich bitter. Aber wie wollen wir an die Arbeit Herangehen, wenn wir an Hand der Hamburger Fibel unterrichten wollen? Also.. wie beginnt man's? Die drei Wege, auf denen das Kind die Dinge der Umwelt erfasst, nämlich der akustische, der visuelle und der manuelle, müssen in unseren Dienst gestellt werden. Da'die meisten tätigen Religionslehrer eine freie hebräische Unterhaltung nicht führen können, setze ich diese Möglichkeit gar nicht voraus. Ich nehme nur an, das; der unterrichtende Lehrer durch seine gründliche Vorbereitung die nötige Bewegungsfreiheit in der hebräischen Satzbildung hat. Bevor noch die Fibel in die Hand genommen wird, sollen bei biblischer Geschichte und bei Spielen einige Ausdrücke der ersten 10 Lektionen gebraucht werden. Ebenso müssen die wichtigsten Worte auch bei den späteren Besprechungen der Lektionen mit eingeflochten werden. Alles soll aber besprochen, gelesen, die Bilder bemalt, die Worte im Lesekasten zusammengesetzt und recht bald im Heft gedruckt werden, um die Worte dem Schüler ohne Vokabelpauken einzuprägen. Das wichtigste ist aber, spätestens mit der sechsten Lektion mit dem hebräischen Sprechen und Erzählen anzufangen. Sehr bald müssen die Frageworte *>0, HD, iT'K, gebraucht werden, einzeln) eis werden die weiteren Frageworte, wie HUK, 'HD und ynD herangezogen und dann ist ja das ganze eine hebräische Unterhaltung und eine sehr interessante dazu. Mir passierte es bei einem nervösen, verwöhnten Kinde, das; es bei der Uebersctzung „ich weis; nicht" geantwortet hat und in der hebräischen Unterhaltung dieselben Worte tadellos gebrauchte. Zu bemerken ist dazu, datz alles schon Verstandene unübersetzt bleiben soll, ja die unbekannten Worte sollen die Kinder auch möglichst in der Vorbesprechung des Abschnittes, am Bilde oder aus dem Zusammenhänge verstehen, um die Unmittelbarkeit des Sprachunterrichts im Interesse der Kinder und .her Aufgabe zu wahren. Die Behandlung der Stücke soll möglichst und die Prüfung der Schüler auf ihre Leistungen soll unbedingt durch hebräische Fragen und Unterhaltungen geschehen und keinesfalls durch Abfragen der Vokabeln. Im zweiten Band, genannt pnin IT n“V)K/ gibt es einige nette Erzählungen, die man mit verteilten Rollen lesen oder leicht in Szene setzen kann. Es macht den Kindern eine riesige Freude, sie erfassen dabei den Sinn der Worte ausgezeichnet und behalten die Worte sehr gut. Inzwischen sind zwei Jahre vorbei, das Kind liest und schreibt tadellos hebräisch, besitzt einen groszen Vokabelschatz und kann einen leichten Chumeschtext verständnisvoll lesen und freut sich mit dem hebräischen Unterricht. Wir können im Unterricht auf eine Verkehrs- bzw. Unterrichtssprache nicht verzichten, wenn sie auch im Jnr. resse der Sache weitgehend verdrängt werden soll. Auch d.e konsequente Durchführung der Sprachmethode soll nicht üverst-anni werden, da bei der unmittelbaren Methode, in bcbräi-mp!')-)^^ r.'1‘"Cy genannt, bei ungenügenden LehrlU'-.-.f.-;, der Lehrer leicht unverständlich, auf die Dauer iwei-.ig werden kann und er so das wichtigste Lehrmittel, das Jn'.ercsse des Kindes, verlieren mutz. Be- Scite 5 merken inutz ich dazu, das; ich überall, wo die Voraussetzungen für die Iwrith beiwrith-Methode bestehen, wie in den hebräischen Sprachschulen mit ihrem (in dieser Ziehung) einheitlichen Schülermaterial, mich für diese einsetze und selbst als Lehrziel das Beherrschen der hebräischen gesprochenen Sprache aufstelle. Ich glaube, das; der konsequente Unterricht und die Erziehung in der lebenden hebräischen Sprache innerhalb einer wahrhaft religiösen Umgebung stärker die Erhabenheit des Tnach erfassen lägt, als das Festhalten an den Begriffen der G'ebetsprache. Abgesehen von niemer Ueberzeugung, das; jeder Jude die hebräischen Kulturleistungen des Iifchuw in Erez Israel, seine Presse und seine sonstigen Veröffentlichungen verstehen mutz. Für uns in den Neligionsschulen mit der besonderen pädagogischen Situation bleibt aber nur die gemätzigte Methode der Hamburger Fibel. Dasselbe gilt auch für die späteren Schuljahre. Im dritten Jahr kann man ruhig mit Pentateuch und m. A. milder nj" oder □ri“Dvv<“ Geschichte beginnen. Hat man noch genügend Stunden, soll man zwei Jahre ein Lesebuch benützen. Wenn man keines der neuhebräischen Bücher nehmen kann, wie das ausgezeichnete “)DDT so behilft man sich mit dem Buch von I. B. Levy (aber erst in diesem Schuljahr und keinesfalls früher). Einige ausgewählte Stücke dieses Buches lassen sich ganz gut bearbeiten. Meine Schüler haben einige Erzählungen davon mit sehr gutem Erfolg in Szene gesetzt. Sehr gut eignet sich für dieses Alter eine biblische Geschichte in hebräischer Sprache, wie sie öfter schon verfatzt wurde. Aber selbst im Pentateuch- Unterricht mutz man nach unserer Methode Vorgehen. Den Vorkenntnissen entsprechend werden weniger Sprachübungen gemacht und später werden die Unterhaltungen nur ganz zwanglos aus der notwendigen Erklärung des Textes entstehen. Nie darf es Vorkommen, datz irgendein Wort im ”pn vom Schüler übersetzt wird, ohne datz er seine Bedeutung unmittelbar erfatzt hätte, denn jeder Abschnitt des Pentateuch und der Propheten und noch mehr in der späteren Literatur soll inhaltlich hebräisch wiedergegeben werden. Grotzero Schwierigkeiten bieten die Gebete, Psalmen und andere poetischen Stellen, und eben aus diesem Grunde dürfen sie in den Vorschuljahren nicht oder nur ausnahmsweise beim Unterricht herangezogen werden, denn die Kinder behalten sie ja doch nicht. Datz ein Vor- und Nachübersetzen jedenfalls abzulehnen ist, braucht ja gar nicht hervorgehoben zu werden. Ich stimme mit den Ansichten Hirnheimers» wie er sie auf einer Konferenz zu Nürnberg ausgeführt hat, überein: „Nur die begabten Schüler werden frei hebräisch sprechen erlernen, die Minderbegabten werden nur die Texte ohne größere Schwierigkeiten begreifen." '.nvn jrp 'D Und nun zum Schlutz noch einige Worte über die angeblichen Schwierigkeiten der Umstellung. Herr Jaffa erwähnte mir seinen alten Plan, den Kollegen Mandelbaum, den Verfasser der Hamburger Fibeh für eine Lehrprobe zu einer besonderen Konferenz einzuladen. Ich hoffe, datz dieser Plan verwirklicht wird. Aber ohne diese Lehrprobe soll die Umstellung auch nicht unerreichbar sein. Es ist nicht unbedingt notwendig, datz der Lehrer ein hervorragender Hebraist ist. Wenn auch eine umfassende hebräische Bildung jedem Juden und besonders einem Lehrer eindringlich zu empfehlen wäre. Er mutz aber den guten Willen haben, sich jedesmal gründlich vorzubereiten. Bevor noch das neue Schuljahr mit der neuen Fibel und mit der neuen Methode beginnt, mutz er das Buch gründlich durchgearbcitet und sich für alle möglichen Fragen der Kinder vorbereitet haben. Empfehlenswert ist es, nicht nur ein deutsch-hebräisches Wörterbuch zu besitzen, sondern sich nebenbei möglichst viel

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