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Jüdische Schulzeitung · 1930-08-15 · 8 (15.8.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
6 (1930)
Issue
8 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. beu gegebenen Verhältnissen die Möglichkeit eines Erfolges auch im Normalfalle zu haben und so die Berechtigung des Lehrzieles feststellen zu können. Der hebräische Unterricht ist ein Sprachunterricht, der erfolgreich oder erfolglos, leicht oder schwer, gut oder schlecht, aber in der Golah nie etwas anderes als Sprachunterricht sein kann. Der Sprachunterricht beginnt, wenn der Schüler dazu reif ist. möglichst bald mit Lesen und Schreiben in dieser Sprache, denn so erreichen wir auch gröbere Uebungsmöglichkeiten, also ein leichteres Erlernen derselben. Von der öfters vernehmbaren Anschauung, dast das Hebrüifchlesen. um später einmal Kadisch sagen zu können, genüge, wollen wir ja abschen. Wir müssen dem blinde eine Fremdsprache beibringen und es in die Literatur derselben einführen und es gibt keinen grundsätzlichen Unterschied beim Kinde im Erlernen der Fremd- und der Muttersprache. Hildebrand sagt: „Der Sprachunterricht sollte mit der Sprache zugleich den Inhalt der Sprache, ihren Lebensgehalt voll und frisch und warm erfassen." Zweifellos gelten für den fremdsprachigen Unterricht alle Gesetze, die für die Weiterentwicklung des Verständnisses der Schriftsprache im Gesamtunterricht gültig sind, wie sie auch an unseren Volksschulen beachtet werden. Von diesem Standpunkt aus ist ja unser Uebersetzungsunterrkcht nicht einmal diskussionswürdig. Weil die Voraussetzungen für die Anregung der Eigenarbeit der Binder fehlen, bleibt die Arbeit erfolglos. Man kann die eingepaukte Uebersetzung einiger Kapitel nicht als Erfolg bezeichnen. Die nicht anziehende Art des Unterrichts und noch mehr die Erfolglosigkeit der Arbeit nimmt den meisten Bindern die Freude am Lernen und der jüdische Religionsunterricht wird zum Spott. Leider nur wenige Kinder sind dabei Ausnahmen, denn nur ein Elternhaus mit sehr warmer jüdischer Atmosphäre kann dagegen wirken. Was sollen wir aber tun? Gibt es denn einen anderen Weg für unsere Emp der für die Kinder leichter und anziehender und für das Lehrziel wirkungsvoller sein kann?- 2a! Es gibt pädagogische Wege, die dem hebräischen Unterricht mit seinem religiösen Sinn und seiner besonderen Bedeutung alle Erleichterungen und Verbesserungen des modernen Sprachunterrichts bieten. Unsere Beobachtungen zeigen, dast Kinder sehr schnell eine Sprache erlernen, wenn sie in ihrer Umgebung gesprochen wird, denn da trifft ja die Hildebrandsche Forderung „den Lebensinhalt der Sprache voll,, frisch und warm erfassen" zu. Inhalts- und lebenslos wird sie für das Kind,: wenn ihm statt gesprochener Sprache nur Terte beigebracht werden und sich das Kind nichts lebensvolles unter den einzelnen Worten und in den einzelnen Sähen vorstellen kann. Es begreift sie nicht und behält sie daher nicht. Leider haben wir für die Kinder keine hebräische Sprachumgebung und können ihnen zur Zeit durch diesen Umstand auch keine natürliche und wirkungsvolle innerhalb des Religionsunterrichts ins Leben rufen. Dafür beabsichtigen wir. in der Klasse durch eine gute Fibel und den Arbeitswillen des Lehrers einen Ersah zu schaffen. Wir können das an Hand einer guten Fibel machen, und so können wir auch die praktischen Fragen der Methodik untersuchen. 2ch must einige ausgezeichnete Bücher, wie das rP'D Einleitungs-Bücher des puySn» des “1SD und ^22 auster acht lassen. Alle diese sind in Erez Jisrael und in heür. Schulen der Eola mit gutem Erfolg eingeführt. Sie haben teilweise kleinere pädagogische Mängel, aber das schlimmste ist, dast sie eine rein hebräische Atmosphäre voraussehen, die gerade bei uns fehlt. Ganz ohne Bedenken können wir aber für unsere Aufgabe die Ham- Nummer 8 bürg er Fibel benützen und sie den weiteren pädagogischen Ausführungen zugrunde legen. Wie erfüllt Mandelbaum feine pädagogische Aufgabe in den beiden Bünden seiner Fibel bzw. wie könnten wir sie ohne Fibel erfüllen? Wenn wir einem normalen Kinde eine Fremdsprache beibringen wollen und neben dem gesprochenen auch das gedruckte und geschriebene Wort, also das Buch als Unterrichtsmittel in Anspruch nehmen, so must dies Werk grundsätzlich genau so verfastt sein wie eine moderne Fibel in der Muttersprache. Terte müssen ausgewählt und zusammengestellt sein, die sich mit dem Interessengebiet des Kindes beschäftigen und in seiner eigenen Sprache geschrieben sind. Rur schrittweise würden wir neue Begriffsgruppcn einführen, in einer Form, in der sie das Interesse des Kindes auf sich lenken, seine weitere Denkarbeit veranlassen müssen, anderseits aber ihre Bedeutung aus dcni Zusammenhang möglichst ganz klar erscheinen lassen. Wie vollzieht sich denn die Weiterentwicklung des Verständnisses für die Schriftsprache auch in der eigenen Muttersprache? Die unbekannten neuen Worte werden in einem Satz gehört oder gelesen, eingekapselt zwischen bekannten Ausdrücken, die leicht die dazugehörige Vorstellung reproduzieren lassen. Die neuen Worte werden entweder sofort in den Sprachschatz ausgenommen oder sie bedürfen einer Erklärung durch bereits bekannte Wörter und werden erst nachher, gewöhnlich erst nach einiger Wiederholung, beim Lesen oder Hören assimiliert. Ebenso wird es unsere Aufgabe sein, den neuen Ausdruck ganz zwanglos im weiteren Tert oder im Gebrauch wiederholen zu lassen. Eine Zeitspanne Zwischen den einzelnen Hebungen des Wortes, die nicht zu lang ist,, wird das Gedächtnis nur stärken und die neuen Wörter werden unmerkbar und ohne' jeden Zwang Eigentum des Kindes. Nie wird aber ein Begriff dem Kinde ganz klar werden, wenn er nicht an einem sichtbaren Gegenstand oder an einem Erlebnis, in einer klar verständlichen Erzählung, gewissermasten demonstriert, verständlich wird, Unklare Begriffe oder unverständliche Worte behält das Kind nicht, auster wenn sie in einem Gedicht oder sonst in einem Terte memoriert wurden, sie haben aber für die Beherrschung der Sprache keine Bedeutung. Hier must man besonders eindringlich darauf Hinweisen, dast wir die pädagogischen Gesetze des deutschen Sprachunterrichts auch für das Hebräische sehr ernst nehmen müssen. Die für das Kind interessanten Erzählungen müssen dann durch weitere Begriffe und Interessengebiete in der Richtung der praktischen Notwendigkeit bereichert werden, ohne dast die Terte uninteressant werden. Nach denselben Prinzipien mich unsere Fibel verfastt sein, nur müssen wir im Sinne unseres Lehrzieles den Wortschatz möglichst aus den ersten zwei Büchern des Pentateuchs ergänzen. Wir merken sehr bald, dast fast alle Worte, die wir als im Interessengebiet des Kindes liegend gebraucht haben, auch in Genesis und Erodus Vorkommen, anderseits, dast wir die meisten geschichtlichen Abschnitte der beiden Bücher glatt als dem kindlichen Interesse entsprechend, insbesondere im zweiten Schuljahr, behandeln können. Das bedeutet selbstverständlich noch nicht, dast der unveränderte Tert des $7,Sri für den Fibel unterricht geeignet wäre. Ganz unmerkbar must das Kind die grammatikalisch richtigen Formen benützen bzw. verstehen lernen. Mandelbaum bringt im ll. Band, in einer Erzählung, die erste Person einigemal und das Kind übersetzt zwei Lektionen nachher '^271^ ohne Ueberlegung mit „ich werde beten". All diese grammatikalischen Gesetze beherrscht ja jedes Kind in seiner Muttersprache, ohne es erst systematisch und mit Formeln gelernt zu haben, viel später erst lernt - es die theoretischen Gesetze. Auch wir müssen wenigstens in beschränktem Maste ein fehlerfreies Jüdische Schulzeitung.

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