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Jüdische Schulzeitung · 1930-08-15 · 8 (15.8.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
6 (1930)
Issue
8 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Jüdische Schulzeitung. (5ciie 3 öcuminer 8 meil'i.ac Sümmungsgehalt aber ergibt sich aus dem Charakter des Vortrags. Alan uutcrscheidet die Kantillationen für die Thora- und Haphtaraoorlesung. Davon sind die Vortragsweisen der Klagelieder Jeremias und die des Buches Esther abweichend. Fernerhin wird an. besonderen Tagen Lei der Thoravorlesung eine weitere Variierung intoniert. So sind die Akzente keine feststehenden Gesangsnormen, sondern veränderungsfähige. Weisen, deren Vortrag in verschiedenen Gemeinden geschwankt hat. Gegen Ende der talmudischcn Epoche §) wird die Forderung nach wohlklingender Vortragsweise der Gebete immer bestimmter10). Der Gesang emanzipiert sich nach und nach zu einem selbgandigen Faktor, der nun mit dem Gottesdienst auf das engste verknüpft ist^). Der Piui^) erobert sich schließlich die ganze Tesillah. Jede Stelle im Gebet und jede Zeremonie, welche die Möglichkeit zu poetischen Einschaltungen bietet, wird von den Piutdichtern umgestaltet. All diese Neudichtungen erhalten (vielleicht nach dem Muster orientalischer Liturgien) von den Piutdichtern ihre musikalischen Weisen, die entweder selbst erfunden oder von anderswo bezogen und vielfach auch von ihnen vorgetragen wurden. Die Weisen der Piutim entstammen den verschiedensten Quellen. Es finden sich Ent- IcT)nunscn aus Volksliedern, Minneliedern und aus den Kirchengesängen des Mittelalters13). Verschiedene energische Abwehrbewegungen gegen das Eindringen der fremden Elemente konnten nichts Wesentliches ausrichten. sie führten jedoch zur Festlegung des Melodienschatzes für den Vorbeteru). Der deutsche Ritus unterscheidet sich dabei wesentlich vom polnischenu), der an Sangcsfrcudigkeit den deutschen weitaus übertrifft und der Stegreifkomposition der Vorbeter weitesten Spielraum läßt. Die Pflege mehrstimmiger Musik — einige Sänger unterstützen den Vorbeter an hohen Feiertagen —1C) ist in Italien z. Zt. des Salomone de Nossi (1620) an einzelnen Stellen nachweisbar^). Auch in Polen hat der Brauch, Chorknaben (Meschorerim) zu verwenden, eine lange Geschichte. Die früheste Veröffentlichung mehrstimmiger hebräischer Gesänge besitzen, wir in Salomone Nossis: Haschirim ascher lischlomoh (Venedig 1623). In der heutigen Zeit wurde mehrfach versucht, den Synagogengesang zu reformieren. In bedauerlicher Unkenntnis der wertvollen Schätze des jüdischen Volksgesanges und in momentaner Ratlosigkeit versprach man sich eine Genesung der jüdischen Synagogenmusi? durch den modernen Kunststib Der moderne Kompositionsstil besitzt schon von vornherein andere Grundlagen als der Synagvgengesang. Aus der gleichen Klangwelt, aus der der Synagogengesang seine Weifen schöpfte, hat die Gregorianik wohl auch ihren Ursprung genommen. Im Synagogengesang bedingte der Inhalt, der Gedanke die Form des Gesanges, während in der Gregorianik neben dieser selbstverständlichen Auffassung gleichzeitig eine kritische Beurteilung des Gesar.ges selbst eintrat. Synagogengesang blieb bis ins 19. Jahrhundert hinein Vvlksgesang. Kirchengesang aber entwickelte sich zum Kunstgesang, indem er unter Zuhilfenahme immer neuer Kunstmittel den musikalischen Ausdruck vervollkommnete und verfeinerte. Unr eine Individualisierung des Synagogeustils zu erreichen, verließen die Komponisten teils vollkommen jede v) ca. 500 n. Ehr. 10) Traktat Sosrim XIV, 9. 31) 2m 3. Jahrhundert. Aufkommen der Piutim im 6. Jahrhundert. Vgl. Elbog. 281 ff. ' . *) Ackerm. 32/33. ") dk. Moses Jsserles. Krakau, 1580, Anm. zu Orach Chajim (Nr. 619). 1&) Maharil, Lekute Meril, Fol. 616. ^) Hier liegt der Ursprung des Synagogenchors. *•) Ackerm. 45. : traditionelle Unterlage und reihten ihre Kunstwerke in die europäische Musik einandere verarbeiteten die Schätze der Volksmusik -- mit modernen Hilfsmitteln und schufen damit neue eigenartige Kunstwerke. Dieser Weg ermöglicht den im Volkston schaffenden Künstlern breiteste Entfaltung ihrer Kräfte und gewährleistet die Schaffung einer neuen jüdischen Volksmusik. (II. Zcil folgt.) Der hsöMfchs AntererHt in der Neligionsfchule. Von WerczberFer. Leipzig. (Schluß.) Kein Wunder! Es würde jedem Erwachsenen auch sehrschwer fallen, sinnlose Buchstabenzusammenstellungen, bedeutungslose Worte, zusammenhanglose Sätze und ganz uninteressante Stücke zu lesen. Noch weniger kann es das 6- bis 7jährige Kind erfassen, da es seine Phantasie nicht anregt. Versucht man aber die Stücke dieser Fibel zu übersetzen und den Schülern beizubringen, diese den Kindern meistens un!- begrerflichen Ausdrücke und die zusammenhanglosen Abschnitte. bar jedes, die kindliche Phantasie anregenden Gedankens. dann begeht man nur 1 oder 2 Jahre früher ein großes Verbrechen an der geistigen Kraft des Kindes. Selbst im zweiten oder dritten Schuljahr, in denen man, durch eine unverständliche langjährige Tradition veranlaßt, mit der Uebersetzung der Gebete beginnt, statt mit den pädagogisch entsprechenden Erzählungen des Pentateuch, begeht man noch einen schlimmen Fehler. Die Ausdrücke und Begriffe sind in diesem Alter viel zu wenig verständlich, als daß sie in festen Besitz des Schülers übergehen könnten. 2m Cheder wird ja auch mit Pentateuch begonnen und erst später werden die Psalmen und damit die Gebete übersetzt. Erst zu der Zeit, in der sich das Kind in den Geist des Gottesdienstes eingelebt hat und einen recht großen Vokabelschatz besitzt, dürften Gebete systematisch übersetzt werden.. Zum Verständnis unserer Situation möchte ich noch bemerken, daß der Erfolg des Unterrichtes nicht von der beanspruchten Energie des Kindes, von seiner tatsächlichen Aufmerksamkeit allein, noch vom Lehrplan in erster Linie abhängig ist, sondern primär von den Leistungen des Lehrers. Diese können aber auch nicht nach seinen Anstrengungen, sondern nach der methodischen Qualität seines Unterrichtes gemessen werden. Die Methode beschreiben heißt aber, das „Wie" und „Was" des Unterrichtes darstellen. Beide sind gleich ausschlaggebend für den Erfolg und damit für die moralische Berechtigung jedes Schulwesens. Ich ziehe dabei die erzieherischen Leistungen im Religionsunterricht nicht in Betracht, aber selbst die müssen unter der jahrelangen Erfolglosigkeit des Unterrichtes sehr stark leiden, ja wirkungslos sein. Diese erzieherische Arbeit wie alle damit zusammenhängenden Fragen bilden einen Komplex für sich und der gehört nicht zu unserem Thema. Das allgemein gültige „Was" des Lehrstoffes ist Voraussetzung für das pcrlönlidjc' „Wie" des Lehrers. Da das „Was" des hebräischen Unterrichtes, nämlich unsere Lebrstosfverteilnng, in den meisten Fällen willkürlich und leider überhaupt nicht pädagogischen Erfordernissen entsprechend bestimmt ist, kann selbst der persönlich begabte und methodisch gut geschulte, weitsichtige Lehrer nur sehr beschränkte Erfolge haben, außer wenn er den Lehrplan nicht beachtet und die Klasse vom ersten Schuljahr ab ununterbrochen leitet. Um so schwerer ist es einer pädagogisch durchschnittlich begabten Lehrkraft bei schlechter Lehrstoffverteilung und unpädagogischen Lehrbüchern, ansehnliche Erfolge zu erreichen. Wir müssen also erst die bestmögliche Lehrstoffverteilung und Unterrichtsmethode finden, um bet

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