Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 8 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Schule müssen. Gilt anderer Versuch: Bei schönem Wetter schliefst der llttterriclji nach der zweiten oder dritten Stunde. (Ausjerdem dürfen die Binder mit Rücksicht auf die Sirasze nicht ihre Schulmappetr mitbringen.) Auch dieser Versuch ist nur eine Kompromiblösung und zeigt, dab der Svnntagsunterricht als ein akutes Problem empfunden wird. Und scl,lieblich hat man sich an einer anderen Schule dahin geeinigt, während der wenigen Sommermonate den Sonntag sreizugeben und int Winter Sontitags zu unterrichten. 2n einer der letzten Nummern des Philologenblattes, das im allgemeinen eine streng konservative Einstellung zur Schau trägt, wird die Forderung der 5-Tage-Woche für die deutsche Schule erhoben und dabei auf Amerika als Vorbild verwiesen. Die Frage des freien Sonntag ist aber nicht nur -eine Angelegenheit des Lehrkörpers und der Schule, sondern berührt auch die Eltern. Auch in Kreisen der Eltern, die auf dem Boden der jüdischen Schule stehen und auf die Heiligung des Schabbos Wert legen, wird der freie Sonntag verlangt. Stärker ist das Verlangen bei denen, welche ans anderen als religiösen Beweggründen ihre Kinder der jüdischen Schule anvertrauen. Das Interesse für die jüdische Schule ist glücklicherweise seit einiger Zeit ein sehr reges, linb viele Eltern, die für ihre Person ein rein jüdisches Milien ablehnen. schicken ihre Kinder in jüdische Schulen, tun ihnen auf diese Weise eine jüdische Erziehung zu geben. Es soll in diesem Zusammenhang nicht das jüdische Schulproblem aufgerollt, sondern nur die Tatsache gekennzeichnet werden, dab in allen jüdischen Schulen heute ein grober Prozentsatz von Kindern ist, deren Eltern nicht den Schabbos halten. Deshalb wolletr sie ihre Kinder aut Sonntag um sich haben. Selbst wenn man diesen Eltern erklärt, wer eine jüdische Schttle besucht, habe sich eben mit dem Sonntagsuntcrricht abzufinden, wird das Problem des Sonntagsunterrichts nicht aus der Welt geschasst. Es ist auch keine Konzession an diese Kreise, wenn der Sonntag schrtlfrei gemacht wird. Nicht ohne Absicht wies ich darauf hin. dab an mattchen Schulen die Kinder Sottntags ohne Schulbücher bzm. Schulmappen zur Schule kontmen. Dafür haben Kinder ein feines Empfinden und das prägt sich damt in verminderter Arbeitsfreudigkeit an diesem Tage am, Darüber jedenfalls dürfte kein Zweifel bestehen, dab. für alle jüdischen Kinder der Sonntag ein z w eittl a > s i g e r Unterrichtstag ist. Ich habe diese Ausführungen gemacht, um zunächst vor den Fa ch g en o ssen-diese Frage zu diskutieren, habe aber dabei besonders die Momente unterstrichen, die für den Fortfall des Unterrichts an den Sonntagen sprechen, weil ich der festen Ueberzeuguttg bin, dab der Sonntag auf die Dauer ein ungeeigneter Unterrichtstag ist und dab wir mit fünf Arbeitstagen, wenn sie gut ausgenutzt werden, auskommen können. Wir dürfen es allerdings nicht soweit kommen lassen, das; rliis von auben her der Sonntag als Unterrichtstag gcitommen wird, sondern es ist unsere Aufgabe, in dieser Frage 5U einer grundsätzlichen Regelung zu kommen und dann die entsprechenden Mabnahmen zu ergreifen. Sie ist aus pädagogischen und gesundheitlichen Gründen notwendig und es stehen ihr keinerlei religiöse Bedenken entgegen. Wenn man, vollends bei einer fünftägigen Arbeitswoche hin und wie-, d e r Schttlausflüge auf die freien Sonntage legt oder den Vormittag bisweilen zu biologischen und ähnlichen Uebungen betucht, dann kann bei den Schülern gar nicht das Gefühl auflommen, man wolle mit dem freien Sonntag etwa eine Glcichsetzuttg mir dem Schabbos aussprechen. Nummer 8 Jüdische Voka!- und ZustrmneuLülmusilr. Von Anselm Ving. 1. Teil: Die Vokalmusik. Die Quellen unserer synagogalen Nezitative und Melodien sind im Laufe der Jahrhunderte verschüttet worden und heute schwer oder gar nicht mehr aufzufinden. Wir müssen uns also auf das beschränken, was durch die Tradition erhalten wurde. Das; sich unter den uns bekannten synagogalen Melodien noch Neste des alten Levitengefanges befinden, möchte man zwar wüttschen, es sprechen jedoch keinerlei Gründe dafür: diese Annahme mutz sogar bei der auf keinerlei schriftliche Fixierung gestützten Ueberlieserung als sehr unwahrscheinlich bezeichnet werdet!. Nur in den pentatonischen Weisen, die die Bibelvorlesungen begleiten, in einigen Psalmengesängen lässt sich das Vorhandensein alter traditoneller Gesänge, welche die Jahrhunderte überdauerten, vermuten. Für die Wahrscheinlichkeit dieser Annahme spricht die Tatsache, das; in den verschiedensten Gemeinden der Welt, die gar keine Verbindung miteinander hatten, bei einigen Gebetsvorträgen gleiche Weisen gesungen wurden. Obgleich die Zerstörung des jüdischen Staates dem Volk die Freude am Gesang genommen haben soll^), liegt die Vermutung nahe, dab man in den Simagogen die Gebete niemals ohne Gesang vorgetragen hat-'). Der melodische Charakter dieser Intonierungen ist eine Arf Sprechgesaug, der die Gebete mit Heben und Senken der Stimme sinn- und stimmungsgemäb begleitet. Wenn der Vorbeter, innerlich bewegt und in gehobener Stimmung skandiert, so ist sein Vortrag ernsten, feierlichen Charakters: klagt und jammert er, so ist seine Vortragsweise von einer gedrückten Stimmung erfüllt 2). Es ist wahrscheinlich, das; schon zu dieser Zeit auf eine angenehme Stimme Wert gelegt worden ist und eine wohl abgetönte und verständige Vortragsweise erwünscht war. Spüterliin wird die Forderung einer ständig sinn- und stimmungsvollen Interpretation der Gebete als selbstverständliche Voraussetzung eines geregelten Gottesdienstes für nötig erachtet H. In diesem Zeitabschnitt zeigen sich die ersten Ansätze zu einer gewissen Melodik, aber die Forderung nach einem ständigen tnelodischen Vortrag tritt erst im Verein mit dem Lesen der religiösen Literatur aufs,). Es wird die schriftliche Fixierung") von Motiven und Intervallen eingeführt (ähnlich der mittelalterlichen Neumenschrift), nach der nun die Bibel und die zugehörige Literatur gesungen wird. Damit erhält allinählich der Vortrag der heiligen Schrift eine kantillierende Form, die sinngetnäbe und ausdrucksvolle Auslegung des Teiles anstrebt. Die ästhetischen Formett dieser an und für sich primitiven Kunst sind nichts weiter als die verfeinerten und abgeklärten der Sprache in der Rhetorik?), und von intensiver Nachwirkung auf die spätesten Formen und Stilbildungen der Synagogenmusik gewesen'). In den Kantillationen wird die Form durch das Wort bestimmt, das der Deklamation zugrunde liegt. Der jel) Sota IX, 11: Hinweis auf das Aufhören des freudigen Volksgesanges nach 70 n. Ehr. -') Rabbenu "Ascher. Alfasi zu Berachoth. Fol. 30 b. 3) Megillah Fol. 32 a, Ausspruch Nabbi Iochanaus. A) Pesiktah rabbathi Fol. 25. 5) Megillah Fol. 32 a. c) Die Handschriften ans Babylon und Jemen, die die Akzentzeichen enthalten, datieren nach Jdelsohn wahrscheinlich aus dem 7. Jahrhundert (vgl. Idelsohn. Der jüdische Tempelgelang). ') Die Bedeutung der Akzentsymbolik lässt in vielen Zeichen darauf schlieben, z. B. sitzenbleibender Ton ist Ausrufezeichen: ferner Schluß-, Halbschlus;- und Ganzschlni;- Weitdungen: die übrigen Akzente haben mehr Verzierungscharakter. 8) Selbst in modernisierten Synagogengesängen. Jüdische Schulzeiturtg.