Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 8 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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AmnMSr 3 cj... | GERMANIA „ I Jl’DAiCA 2. JahrgEI"" Monatsschrift für Pädagogik und SchulUolMK Herausgegeben vom „Neichsverband der jüdischen Lehr erv er eine" Die „Iud. Schulzeitung" erscheint am 15. einesjedenMonats undwird allen Mitgliedern der dem „Neichsverband der jübiftfjen Lehrervcreine" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post - Bezugspreis für Nichtmitglicdcr: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15. August 1639 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, AVC-Straße 57. Tel.: Sammelnuuimer C4 Dammtor 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil. M. Steinhardt- Magdeburg, für den In seratenteil: L.K n u d s e n, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die Ogespaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Nummer: Soll in der jüdischen Schule am Sonntag unterrichtet werden? von Direktor Dr. Jonas, Hamburg. Jüdische Vokal- und Instrumental-Musik von Anselm Ving. Der hebräische Unterricht in der Neligionsschule (Schluß) von Werczberger, Leipzig. Neue historische Literatur von Dr.' I. B a m b e r g e r, Nürnberg. Literarisches. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher. Notizen. SsL ln htt jüdischen Schule am Sonntag unterrichtet Werben? Von Direktor Dr. Jonas, Hamburg. Vor einiger Zeit ging durch die jüdische Presse die Nachricht, das Provinzialschulkollegium Berlin-Brandenburg habe angeordnet, es dürfe in den jüdischen Volksschulen Berlins am Sonntag nicht mehr unterrichtet werden. Man erblickte in dieser Maßnahme eine Schikane des Stadtschulrates und wehrte sich gegen diesen Eingriff in den Jnnenbetrieb des 'Schullebens. Ein zweiter Fall spielt in Krefeld, wo sich der Gemeinde- Vorstand an die Negierung mit der Bitte wandte, sie möge einen ständigen Wegfall des Sonntagsunterrichts anordnen. Die Negierung hat daraufhin in einer Verfügung an die Schulleitung gestattet, das; der Sonntagsunterricht in Wegfall kommen kann, wenn die überwiegende Mehrheit der Erziehungsberechtigten sich dafür aussprechen würde. Diese beiden Vorfälle zwingen zu einer Stellungnahme gegenüber diesem seit einiger Zeit brennenden Problem. And zwar handelt es sich hier um eine Angelegenheit, die einzig und allein wir zu entscheiden haben. Deshalb hat man sich auch mit Nccht gegen die diktatorische Entscheidung des Berliner Stadtschulrates gewandt. Anders lag die Sache in Krefeld, wo von jüdischer Seite aus der Wunsch geäußert wurde, die Negierung möge sich mit einem 5 tägigen Schulbetrieb in der jüdischen Schule einverstanden erklären. Hier liegt zunächst die größte Schwierigkeit. Während an allen anderen Schulen sechs Tage in der Woche Unterricht ist, würde beim Wegfall des Sonntagsunterrichts die vorgeschricbene Wochenstundenzahl auf fünf Tage beschränkt werden. Dazu kommt noch die vermehrte Zahl der Stunden für den jüdischen Unterricht. Die Schüler der jüdischen Schule müssen dieselben Leistungen aufweisen, welche von der Vorgesetzten Behörde grundsätzlich gefordert werden. Außerdem besteht der erweiterte Lehrplan für den jüdischen Unterricht. Der zweite Ginwand, welcher gegen den freien Sonntag erhoben wird, geht vom religiösen Standpurui aus. Es könnte, so wird argumentiert, bei den jüdischen Schülern der Eindruck erweckt werden, daß der Sonntag gleichbedeutend mit dem Schabbos sei und durch den Ausfall des Unterrichts eine Heiligung des Sonntags als allgemeiner Ruhetag ausgesprochen werde. Dies sind die einzigen Einwände, welche man gegen den schulfreien Sonntag an der jüdischen Schule erhebt. r Ueber den letzten Eiinwand läßt sich nicht diskutieren. Er beruht auf einer grundsätzlichen Einstellung, die man respektieren muß, auch wenn man die Folgen, welche aus der Freigabe des Sonntags gezogen werden, nicht befürchtet. Anders ist es mit dem ersten Einwand. Ihm gegenüber muß folgendes bemerkt werden: wir leben nun einmal in einer Zeit, in der das Verlangen, zu wandern und Sport zu treiben in den Vordergrund gerückt wird. Auch unsere Binder haben ein Anrecht darauf, sich einen ganzen Tag in der Woche austoben zu können. Das gilt vor allem für die Großstädte, wo die Binder kaum ins Freie kommen und wo sie am Schabbos kaum ihre Wohnviertel verlassen. Es kommt hinzu, daß viele Kinder heilte Jugendverbänden und Wandergruppen angehören, die gerade am Soilntag ihre Ausflüge und Wanderungen unterilchmen. Die wirtschaftliche Lage hat es mit sich gebracht, daß viele Eltern nicht mehr mit ihren Kindern in den Ferien verreisen können, so daß der freie Sonntag mit als ein Ersatz für die frühere Ferienreise gelten muß. Und nun zu der Frage, ob in fünf Tagen dasselbe,Pensum bewältigt werden kann wie in sechs Tagen. Die Tatsache, daß an mehreren jüdischen Schulen Deutschlands, sowohl Volksals auch höheren Schulen, dieser Versuch gelungen ist. niüßte eigentlich n'ls Beweis ' genügen. Trotzdem ist noch darauf hinzuweisen, daß die Aufnahmefähigkeit der Kinder nach zwei schulfreien Tagen stärker ist und bei Ausnutzung der Arbeitszeit das Pensum sehr wohl bewältigt werden kann. Es kommt ja auch bei der modernen Methode nicht so sehr auf das Pensum als auf die Fähigkeit an, einen Stoff selbständig zu erfassen und zu behalldeln. Es kommt zweitens hinzu, daß heute die Klassenfreguenz nicht so hoch ist wie früher. An einer Reihe jüdischer Schulen sind überhaupt kleinere Klassen, so daß ein individueller Unterricht etwaige Schwierigkeiten beheben kann. Es wäre auch möglich, einige technische Fächer auf den Nachmittag zu legen, so daß eine Entlastung der Vormittagsstunden emtritt. Auf andere Einzelheiten soll in diesem Zusammenhang noch nicht eingegangen werden. Es soll die grundsätzliche Frage, ob an der jüdischen Schule Sonntags unterrichtet werden soll oder nicht, hier zur Diskussion gestellt werden. Noch ein- Wort über die Teillösung dieses Problems, welche an einigen Schulen versucht worden ist. Es gibt Schulen, an denen die Grundschulklassen während des ganzen Jahres am Sonntag frei haben, die anderen Klassen haben Unterricht. Diese Lösung hat den Nachteil, daß die jüngeren Geschwister am Sonntag frei sind, die älteren .m die