Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 7 (15.7.1930)
- Date
- 1930-07-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Jüdische Schulzeitung. ' mit diesen ©nippen z. B. in Berlin und Hamburg sind gnie. In Berlin sind geeignete Menschen aus der Jugendbewegung Führer der Gruppen, in Hamburg besteht Personalunion mit der Jüdischen Berufsberatungsstelle. Bis zu diesem Punkte find die Dinge — wenn 'auch vielfach in anderer Form und unter Ausdehnung auf dis Schuljugend: es sei hier an die sozialistischen Schülerbünde erinnert! — bereits auf der Führertagung des Reichsausschusses der jüdischen Äugendverbände in Seesen Weihnachten 1929 geklärt worden (vgl. Mitteilungen des Reichsausfchusses der jüdischen Äugendverbände Hl, 1. Berlin, März 1930). Die Frage, auf die es ankommt, ist nun ab et., wie das Jüdische bei dieser Erfassung der Unorganisierten aussehen wird. Einer Organisation jüdischer Arbeitnehmer — wie sie jüngst in Hamburg unter Ablehnung alles Jüdischen anher der „Provenienz" ins Leben trat — bedarf es nicht: zur Vertretung der Arbeitnehmer sind die Gewerkschaften ohne Ansehen der persönlichen Besonderheiten des einzelnen da. Es wird die jüdische Note jeder jüdischen Jugendpflegegruppe das Gepräge geben — wann im Laufe des Bestehens einer solchen Gruppe, ist eine zweite Frage. Vielleicht wird es „in der Luft" liegen, ohne daß 'es besonderen Ausdruck außer bei Anlässen wie jüdischen Feiertagen und dergl. fände. Denn bei einem großen Teil? dieser Jugendlichen stößt alles Jüdische auf einen bewußten Widerstand, weil sie es mit ihrer sozialistischen Gesinnung nicht für vereinbar halten. Das nationale Judentum lehnen sie ab, weil sie fälschlicherweise „national" mit „chauvinistisch" und „imperialistisch" gleichsetzen, statt im Nationalen die begriffliche Abgrenzung eines Kulturkreises gegen andere zu sehen, in welcher Bedeutung dann „national" und „international" keinen Widerspruch bedeutet. Gegen das religiöse Judentum wenden sie sich, weil sie in ihm einen Bundesgenossen des Kapitalismus sehen. Und hiergegen Stellung zu nehmen, ist besonders schwer, wei.l tatsächlich die Mehrza7)I der religiösen Juden — orthodoxe und liberale — „bürgerlich" sind und dadurch in den meisten Füllen mit ijhrem praktischen Handeln in Widerspruch zu den Forderungen der Religion geraten. Auch spielt die Unterstützung des Krieges durch die Rabbiner in dieser Argumentation eine große Nolle. Nicht zuletzt aber trägt an diesem'Mißtrauen gegen alles Jüdisch-Religiöse die oben mit „versteckt" bezerchncte Stellung der jüdischen Führer zu den Lebensfragen, die heute jeden beschäftigen, wie z. B. Elfe, Kindererziehung. Geburtenregelung, Beruf und Arbeit. Politik, ein groß Teil Schuld (die Rabbinerversammlung, die sich mit diesen Fragen befaßte, diskutierte unter Ausschluß der Oefsentlichkeit). Auf diese Weise wird es gerade jüdischen religiösen Sozialisten besonders schwer, den Argumenten ihrer areligiösen oder antireligiösen jüdischen Genossen standzuhalten. Eine weitere Schwierigkeit für die Herausbildung eines jüdischen Gepräges liegt in der hinsichtlich des Jüdischen mangelhaften Qualifikation der meisten jungen jüdischen Menschen, die auch bei den Führern der Jugendpflegegruppen ebenso wie bei denen der Jugendbewegung anzutreffen ist. Die Berliner jüdische Jugendbewegung hat sich in der „Schule der Jugend" einen Ausweg geschaffen, der sich gut bewährt. Auf einem 'ähnlichen Wege dürfte auch die Lösung für die Jugendlichen aus der jüdischen Jugendpflege liegen, sei es innerhalb einer solchen „Schule der Jugend" oder in einer selbständigen Institution. (Immer aber wird das Bestreben sein müssen, den jüdischen Gesamtbezug, den Anschluß an die jüdische Jugend überhaupt, herzustellen.) Die Gestaltung wird jedenfalls eine ganz andere sein müssen als sie in der „Schule der Jugend" in Berlin, deren Besuch auf der Freiwilligkeit und auf dem jüdischen Bildungsstreben ihrer nach besonderer jugendgemäßer Methode arbeitenden Jugendlichen (aus der Jugendbewegung) Nummer 7 beruht. Für die Jugendlichen, die aus den Jugendpflegegruppen kommen, wird von einer solchen Bildungseinrichtung mehr verlangt werden müssen. Man wird vor allen Dingen auszugehen haben von den Gegebenheiten des heutigen Lebens, von denen aus man dann zu den jüdischen Fragen Vordringen wird, denn in dieser Neihenfolge verläuft das Denken im Bewußtsein des proletarischen Menschen. Man wird, bevor man das kann, sich selbst auseinandcrzusetzen zu haben mit den speziellen Problemen, die sich aus dem Zusammentreffen sozialistischer Lehren mit jüdischem Lehrgut ergeben, beispielsweise mit der Frage nach der Anwendbarkeit der Methode der materialistischen Geschichtsauffassung auf die Geschichte des Judentums. Es wird sich hier um die Aufstellung eines speziellen jüdischen Bildungsprogramms handeln. — Auch für die, welche kein unmittelbares Interesse an dieser Arbeit haben, ist die Teilnahme an ihr wichtig. Denn der Kreis .derer, die sich aus Gründen der Jugendbildung für die proletarische jüdische Jugend mit diesen Problemen beschäftigen, wird beschränkt sein: wesentlich sind die Probleme heute für uns alle. Denn die „rote Assimilation" steht nicht nur harrte als Gefahr vor uns: sie wird aller Voraussicht nach entsprechend der Gesamtentwicklung der jüdischen Jugend auch bestehen bleiben. Mehr zu sagen, verbietet sich. Die Dinge sind noch nicht bis zu einer eingehenden Diskussion gediehen. Aber auf die Notwendigkeit einer solchen Diskussion sollte hier unter Darlegung der in ihr zu berücksichtigenden Gesichtspunkte hingewresen werden. Denn auch von weiten Kreisen der jüdischen Jugend gilt mutatis mutanclis: „2a, für die schulpflichtige Jugend, die durch den Unterricht schon Stütze und Festigung hatte, richtete man Knaben- und Mädchenhorte. Feriem kolonien und rudere gute Dinge ein. Aber die schulentlassene Jugend ließ man ihre Wege gehen." „Wo aber hatte die kapitalistische Wirtschaftsordnung, die schonungslos nach Weib und Kind 'greift, Erziehungsmöglichkeiten für die schulentlassene „Jugend des Arbeiterstandes gelassen? Da lagen Aufgaben, die damals nur von ganz wenigen erkannt und von noch viel wenigeren gelöst worden sind: Erziehung der werdenden Menschen im entscheidenden Lebensalter" (Hermann Maurer, Clemens Schultz, das Lebensbild eines Jugendführers und Volksmannes. S. 49). Der hebräische Unterricht in der Neligionsschule. Von Werczberger. Leipzig. Was ist Methodik? Die Erklärungsweise des Lehrers, die bewußte Gestaltung der Lernarbeit des Kindes und die zeitliche Verteilung des Lehrstoffes, bezogen auf das Lehrziel, insbesondere aber auf die Aufnahmefähigkeit des Kindes, können wir als die Methodik des betreffenden Faches bezeichnen. Die Unterrichtsmethode soll keinen äußeren Erscheinungen, sondern den eigenen Fähigkeiten der. Schüler angepaßt sein und ihre Aufgabe ist es, durch die beschränkte Unterrichtszeit gehindert und durch die geschwächte Aufnahmefähigkeit des Schülers gehemmt, ohne seine geistige und körperliche Schädigung, durch die geeignete Verteilung des Stoffes die wohlüberlegte Leitung der kindlichen Eigenarbeit und klaroerständliche, wenn möglich, fesselnde Erklärungsweise des Lehrers, das Interesse der Schüler für dieses Fach erwecken und wachhalten, dadurch die Aufnahmefähigkeit des Schülers ganz ausnützen, sein bestes Können entwickeln und ihm möglichst das größte Wissen beizubringen. Bei einer Untersuchung der Aufgaben des Lehrplans werden wir auch ohne theoretisch-pädagogische Vorkenntnisse die Feststellung machen. daß er nützt' Voraussetzung der Methodik sein kann, sondern gerade im Gegenteil, aus langjährigen Erfahrungen für eine bestimmte