Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 7 (15.7.1930)
- Date
- 1930-07-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Jüdische Sajuljciiuns. Stummer 7 >3:oI) in der Weltliteratur cinnimmt, behandeln seine Sprache, geben eine Disposition, schildern die Geschlossenheit des Au,- Laus, den Reichtum und die Feinheit der Darstellung' in Form und Inhalt, führen analoge Erzählungen anderer Völler an. bemerken den wichtigen Amstand der Erwähnung Hiobs Lei Ezechiel, beweisen die Geschichtlichleit des Inhalts, malen die Szenerie des Buches in bezug auf Schauplatz und Volkszugehörigkeit, identifizieren und charakterisieren die drei Freunde Hiobs und zeichnen einen umfassenden kulturgeschichtlichen Hintergrund der Hiobsgeschichte mit deutlicher Betonung dessen, dag und warum derselbe nicht spezifisch jüdisch ist. IV. Systematische, zumal katechismusartige Religionslehre ist mit Siecht wohl ganz allgemein nicht mehr Gegenstand des Religionsunterrichtes. Das Hecht aber nicht, daß die Grundfragen religiösen Denkens und die Kernfragen jüdischer Anschauung nicht zusannncnhängend behandelt werden sollen; das besagt doch nur. daß sie nicht als besonderes Unterrichtsfach,, losgelöst von dem übrigen Unterrichtsstoff, gelehrt werden sollen, sondern, das; sie im Zusammenhang mit Bibel- und Geschichtsunterricht wirksamer .und interessanter, aber nicht weniger gründlich und eingehend besprochen werden müssen. Insbesondere an dem Gedankengang des Buches Hiob darf der Religionsunterricht nicht stillschweigend vorübergehen. Denn früher oder später, mehr oder weniger drängend und quälend tritt das Problem, mit dem dieses Buch sich beschäftigt, an. jeden heran: und wer nicht gelernt hat, auf diese Zweifelsfrage der Menschheit eine befriedigende Antwort zu geben, läuft Gefahr, in feinem religiösen Fühlen, in seinem Gottesglauben wankend zu werden. Die abschließenden Bemerkungen, dip König seine'.n Kommentar anfügt, erleichtern diese Unterweisung außerordentlich. Sie heben noch einmal hervor, wie Hiob mit dem Vorhandensein des Uebels in der Welt, mit sein.em eigenen unerträglichen, ihm so ungerecht erscheinenden Heiden ringt, wie er im Disput mit seinen Freunden und in Ueberwindung ihrer oberflächlichen Erklärungsversuche um sein Gottesbewußtsein und seinen Gottesglauben kämpft, wie er fortschreitend und sich innerlich entwickelnd und läuternd seine Anklagen unterdrückt und seine Zweifel besiegt und schließlich, durch Gott selbst belehrt, demütig sich beugt vor des Allmächtigen linb Allwissenden Unerforschlichkeit und Ruhe findet in dem neu gewonnenen Glauben an Gott und seine Gerechligkeit, in dem zuversichtlichen Gefühl: „Mein Erretter lebt!" Röntg faßt die Lösung des Problems, Tendenz und Ergebnis des Bruches Hiob in die Worte zusammen: „Richtet der Mensch seinen Blick auf das Ganze der Weltphünomene, so findet er in diesem eine große Anzahl von Punkten, bei denen er vor Verwunderung stillstehen und die alles überragende 2ntelligenz des Weltendenkers anerkennen muß. Hat ec daraus also nicht den Schluß zu ziehen, daß. diese Intelligenz das Universum in allen Beziehungen durchwaltet? Muß er ihr nicht einen vernünftigen Zweck auch bei der kleinen Dosis von Weltbestandteilen Zutrauen, die nach des Menschen Empfinden als Uebel betrachtet werden, obgleich sie sich hundertfältig als SJiiticI zu Fortschritten erweisen? Wird er also nicht auch zu dem Urteil gedrängt, daß. die Weltgeschichte mit ihren Wellenbergen und Wellentälern von derselben überragenden Intelligenz schließlich doch zu einer lichten Höhe geleitet werden wird?" Oder positiv: „Ein Blick auf die vielen Geheimnisse der Weltentstehung und des Weltbestandes muß uns lehren, daß neben der Allmacht auch eine übermenschliche Intelligenz und Güte im Hintergründe des Weltalls thront. Zu dieser Intelligenz und Güte muß man also auch das Vertrauen hegen, daß sie zu einem vernünftigen Zwecke auch Uebel unter die Momente des Weltbestandes und Weltgefchehens gemischt hat und mischt." Daneben werden auch andere wichtige Fragen der Religionsphilosophie behandelt oder gestreift, wie die der Unsterblichkeit der Seele, der Freiheit des Willens, des Inhalts der jüdischen Ethik u. a. Ein ausführliches Sachregister gestattet, sich auch bei deren Behandlung leicht das Buch Hiob und Königs Kommentar zunußs zu machen. Troß aller freudigen und dankbaren Anerkennung all dessen, was König uns mit seinem neuen Kommentar zum Buche Hiob so reichlich geschenkt hat. sei doch die Bemerkung nicht unterdrückt, daß wir natürlich auch ihm nicht blindlings und wahllos in allem folgen können. — Eines aber sollen und wollen wir wieder und wieder aus dem 'Buche Hiob lernen und lehren, beherzigen und betätigen: „Sieh, die Furcht vor dem Allherrn ist Weisheit, und Vermeiden des Bösen ist Verstand." „Note AMrmlMorl." Von Hans Löwenberg. Hamburg. Ein Problem, dem seit einiger Zeit wachsende Aufmerksamkeit zugewandt wird, ist die Stellung der Jugend zur Gemeinde. In dieser Fassung ist die praktische Seite des Problems ausgesprochen: ihr gegenüber steht die Frage nach der Einstellung der Iugend zum Iudentum und zum Iüdischen überhaupt. — Mit diesen Fragen ist der Fragenkompler unlschrieben, der gemeinhin zusammengefaßt wird in das Stichwort von der „Erfassung der unorganisierten jüdischen Iugend". Er ist hier eingeengt, indem er hier auf das Gebiet der Gemeinde beschränkt bleibt: doch nur scheinbar — denn Gemeinde, als die organisatorische Zusammen-- fassuug der am Orte wohnenden Gemeinschaft, ist mehr als nur eine Organisation, als ein Verwaltungsapparat. Vielmehr manifestiert sich in ihren Aeußernngen (Kultus, Bildung und Erziehung, Wohlfahrt) zugleich der Wille der Gemeinschaft, welcher als Wille der jüdischen Gemeinschaft die Intensität des jeweils herrschenden jüdischen Lebens kennzeichnet. So gesehen drückt die Forderung nach „Erfassung der Unorganisierten" den Willen aus zu stärkerer Intensivierung des jüdischen Lebens durch Heranziehen der Aüfeitsstehenden. Es muß zunächst untersucht werden, warum überhaupt jüdische Jugendliche abseits stehen vom jüdischen Leben, warum, sie nicht zum mindesten von den jüdischen Iugendbünden erfaßt und damit der jüdischen Sache in welcher Ucberzeugung vom Wesen des Jüdischen auch immer erhalten bleiben. Verschiedene Gründe bedingen diese Erscheinung. Zunächst ist die religiöse Welle, die nach dem Kriege eingoseßt hat, für einen großen Teil unserer Iugend infolge der sich überstürzenden Ereignisse der Zeit schon wieder aügeebüt. Für diejenigen, die heute in die Iugendbünde eintreten, har großenteils der religiöse Inhalt des Judentums eine nur geringe oder gar keine Bedeutung. — Ferner spielt die Abwanderung der jüdischen Iugend vom Lande in die Stadt eine Stolle: die jüdische Erfassung kann in einer kleinen Landgemeinde eine intensivere sein als in den größeren Gemeinden der Stadt. Zudem dürste sich auf dem Laude der Antisemitismus viel fühlbarer bemerkbar machen als in der Stadt, zumal in Industriestädten mit politisch links orientierter Arbeiterbevölkerung. — Hinzu kommt weiter die Gleichgültigkeit, mit der weite Kreise der älteren Generation jüdischen Fragen gegenüberstehen, angefangen von. der inneren Gleichgültigkeit des Interesses bis hin zu Aeußernngen wie Taufen und Mischehe, Schritte, die wohl kaum in allen Fällen mit dem erforderlichen Ernst und nach reiflicher Prüfung getan werden. — Immerhin sind dieses alles Gründe, die außerhalb der Jugendlichen liegen, die von außen an sie herantreten. Viel wesentlicher dürften die in der Jugend selbst liegenden Motive sein für ihr Desinteressement oder