Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 6 (16.6.1930)
- Date
- 1930-06-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Geile 4 3üb ischr Sch utscil it ng. Shtuuncc 6 lgrsAnrus SrsLZr. Voic E. Gut. Die historische Svommtnion der Stadt Frankfurt a. Äk. hat das Buch van Dr. 'Arthur Galliner, Studienrat am Phiianthrovin, „Sigismund Stern, der Reformator und der Pädagoge" für würdig befunden, als Band XU der Frankfurter Lebensbilder zu erfcheinen. Die Arbeit ist zum 125jährigen Jubiläum des Philanthropins geschrieben und dem Andenken Salo Adlers und Julius Ziehens gewidmet. Sigismund Stern, der Großvater des bekannten Hamburger Aniverfitätsprofeffors William Stern, der Gründer der Reformgemeinde in Berlin uitb Direktor des Frankfurter Philanthropins von 1655—1867 ist den Heutigen fast ein Fremder und nur einem kleinen Kreis von Fachleuten bekannt. And doch war er eine schöpferische Persönlichkeit von starker Originalität. Die beiden Pole, um die sein Leben kreist, sind Berlin und Frankfurt: was aber den ganzen Lauf seines Lebens kennzeichnet, ist hier wie dort das Streben nach Fortschritt und Vervollkommnung. Jeder Kreis, in den er kam. sah in ihm alsbald den Führer, den Mann der ideenreichen Aufwärtsbewegung. Nicht deshalb lebt er für alle Zeiten, weil er „den Besten seiner Zeit genug getan", sondern weil sein festes und weksheitsvolles Eintreten für eine Sache Menschen für seine Ziele gewann. Es ist bemerkenswert, dag dieser Mann, von dem so starke pädagogische Wirkungen ausgingen, nicht in konzentrischen Kreisen von innen nach äugen von der Idee der^ Kindererziehung über die Heranbildung der Jugendlichen zur allgemeinen Menschenbildung vorschreitet, sondern umgekehrt von der universellen Frage der Gesinnungsbildung der Erwachsenen 5u der speziellen der Kindererziehung im engen Schob, der Familie zurüclgeht. So ist seine letzte und wohl anch umfangreichste Schrift in der Reihe seiner zahlreichen pädagogischen Publikationen, in der er dem Grund und Ursprung aller erzieherischen Ideen nachgeht, seine „Häusliche Erziehung". Stern ist, wie Ealliner in seinem Werk nachweist, bei aller Schöpferkraft doch Eklektiker. Er ist in die Schule Basedows gegangen und hat sich wie dieser von Rousseau beeinflussen lassen. Er steht im Banne der Aufklärung, aber ihr Intellektualismus ist gemildert durch die Empfindungswelt Pestalozzis, die ihn gefangen hält. Er hat später mit Diesterweg — auch in persönlichem Umgang — neue Wege gesucht und es oerstanden, die Ideen der Groszen zu verwirklichen. ohne ihren Aebertreibungen zu erliegen. So hat sich in ihm unter der Einwirkung seiner persönlichen Kräfte ein starkes pädagogisches Talent entwickelt, für das ihm die Leitung der größten jüdischen höheren Lehranstalt Deutschlands mit ihren besonderen und eigentlichen Lehr- und Erziehungs- Problemen ein reiches und lohnendes Wirkungsfeld bot. Somit ist Sigismund Stern doch eure ausgesprochen selbständige und aus vielen Gebieten neuschasfende Persönlichkeit gewesen. Die Leser des Buches — möchten es alle jüdischen Lehrer seiit — schreiten voll BewUttdertlng von Stufe zu Stufe mit diesem aufrechten Mann, der uns hier zum ersten Male in feiner Totalität vor Augen geführt wird. Wir verfolgen seinen Lebensweg, der in einem kleinen Orte der Provinz Posen seiiren Ausgatlg nimmt. Das Stitdium des Talmud erschließt seine Denkkrüfte, er besucht das Gymnasium und studiert Philologie. Er widtiret sich sprachphilosop'hischen Studien, publiziert bald bemerkenswerte Schriften und übernitnmt, selbst noch Jüngling, die Leitung der Jostschen Erziehungsanstalt in Berlin. Er wendet sich zeitweise von rein wissettschafilicher Uiib pädagogischer Tätigkeit ab, um mutvoll und entschlossen an den religiösen Reformbewegungen der Zeit tniizuwirken. Der Leser mag selbst Stellung zu dieser Seite seiner Krasientfaltung nehmen und auch erkennen, dasz auf dieser Bahn ihm manches Dornenvolle nicht erspart geblieben ist. Die Schilderung dieser Kämpfe nimint fast die Hälfte des Buches ein und ist geradezu ein Abriß der Kulturgeschichte der Juden jener Zeit. Die zweite Hälfte des Buches ist dem Pädagogen, gewidnret. Sie beginnt mit einer uorireislichen Einleitung über die pädagogischen Zeitideen, deren Kenntnis zum Verständuis der Eigenart Sterns notwendig ist. Mit Genugtuung erfüllt es, daß Sigismund Stern auch weit außerhalb seines eigentlichen Lebenskreises geschätzt und in seinem 'Wert erkannt wurde. Als ein Beispiel für viele sei angeführt, daß Stern im Aufträge der Frankfurter städtischer: Behörden am 10. November 1359 bei der Jahrhundertfeier von Schillers Geburtstag die Festrede hielt. Die Rede ist im Buche abgedruckt und beweist noch heute ihre künstlerische Kraft. Dem Werk, das sich aus gewissenhafte archivalische Studien stützt, ist vom Verlage eine vornehme Ausstattung zuteil geworden. Eine bedeutende Persönlichkeit hat einen würdigen Biographen gesunden. Sis WrffsrrfHast des Judentums zugleich eine Besprechung der Festschrift zum 75 jährigen Bestehen des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraeuclelscher Stiftung. Breslau 1929, zwei Baude. Von Rabbiner Dr. Arthur Posner, Kiel. An zweiter Stelle seien die talmudrschen Stellen genannt. Hier zuerst Adolf Schwarz, der die Tvsesca des Traktates Horijoth mit einem Kommentar ediert und somit seinen Ansangsarbeiten, die er wohl noch als Schüler deö Breslauer Seminars vor fast fünfzig Jahren in der Monatsschrift veröffentlicht hat. die Treue bewahrt.hat. Der Verfasser schreibt auch eine hebräische Einleitung zu seiner Edition. Sehr gründlich ist die Arbeit von Joseph Lohn, der die ialnucdischen Marktbezeichnungen und -jv-p philologisch untersucht und zu ganz neuen Resultaten kommt, nach denen m. E. die Angaben unserer Talmudlerita zu ändern sein werden. In denselben Komplex gehört die Untersuchung von Alexander Guttmann „Das Problem der Misnaredaktion aus den Sätzen Rabbis in Misna und Tofephta synoptisch beleuchtet", eine Arbeit, die au die Anfänge der Breslauer Gelehrtenarbeit anknüpft und selbstverständlich des grundlegenden Werkes von Z. Frankel rp'.y£n 'ÜT’T sedenkt. Ein Fachmann, der erst 1923 eine ähnliche Arbeit in den Schriften der „Akademie" veröffentlicht hat. orientiert hier über ein uraltes Probleni und zeigt einen neuen Weg. die Entstehung der Mischna klarzulegen. Das Ergebnis der Untersuchung zeigt die große Arbeit, die die Redaktion der Mischna zu leisten hatte, um das uns vorliegende Werk zu schaffen, und wendet sich gegen die Forschungsergebnisse Albecks, der die Arbeit des Mischnaredaktors auf eine Zrcsammenordnung von Mischnajoth beschränkt, ohne Auswahl. ohne Stilveränderuugen, . ohne neue Fassungen und Kürzungen. Talnttldisch-juristisch ist die Abhandlung von Rachum Wahrmann, „Die Entwicklung der Bedingungsformen im biblisth-talmudischen Recht, ein Beitrag zur Geschichte der Halacha". die die Formeln und Formen der Bedingungen behandelt, bei recht starker Heranziehung der Dezisoren. Wie aus einer Anmerkung sich ergibt, arbeitet der Verfasser auf diesem Gebiete noch weiter. Es füllt mir auf, daß keinerlei Literatur angegeben ist, und doch gibt es darüber — neben M. Bloch, der Vertrag nach mosaisch-talmudischem Rechte (Budapest 1393) — einen Abschnitt in L. Fischers Abhand-