Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 4 (15.4.1930)
- Date
- 1930-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2825247-2825261-2825265--0387-2825992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Isaiah 1× ep/1005097
OCR text
Jüdische Schulzeitung. Nummer 4 und „sacht" gehören xdoTjI hierher. Auch ~)JJD „verschliefen" ist ein Verwahren (vergl. auch Wie das deutsche „wahrnehmen" mit „wahren" zusammenhängt. so das hebräische mit “]T bzw. “)DT/ wie in 1. Sam. 13. 30, wo die Kunst des Wahrnehmens im Kampfe, die Umsichtigkeit also, David mehr als alle Führer Sauls auszeichuete. Nunmehr erklärt sich auch die Stelle in 1. M. 48. 14. die sonst nicht geringe Schwierigkeiten bot. Dort heißt VH"1 „Er (Jakob) hatte (da er nicht mehr sehen konnte) seine Hände wahrnehmen gemacht, welcher der Erstgeborene Menasse sei," d. h. durch Betasten mit den Händen (wie einst sein Vater, Jsak, es mit ihm selber getan). Ein rDIJiO Dy ist ein bewahrtes Volk, bewahrt wie das Junge des Adlers, das dieser arck der Gefahr fortträgt. 2. M. 19. 4—5. inK ist ein Verwahren, um nicht wieder loszulassen. Siche Hohel. 3, 4. DD “ die im Versteck verwahrte Nachteule „Kauz". DD Verwahrer des Getränks --- „Becher". DDD „bedecken": DDD mit Verwahrtem umgehen. (Vergleiche „Kasse".) 2. M. 12. 4. Da "s „rein" bedeutet, verstehen wir nTH als „Hel! sehen", rOW „anschaulich sein". — PiDD „verwahrt sei". — nHD ist "p in der Umkehrung. Denkt man an das deutsche Wort „zag" (-Haft), so hat man etwa die Uebersefung. Für den hebräischen Religionsunterricht lassen sich solche Wortfamilien mit Gewinn verwenden, erleichtern sie doch wesentlich das Behalten von Vokabeln, regen auch zu sprachlichen Vergleichen, innerhalb der hebräischen Sprache sowohl, als auch dieser mit der Muttersprache, und schließlich ist ohne eine solche sprachliche Vertiefung ein Eingehen auf Zusammenhänge in der heiligen Schrift gar nicht möglich. Wer möchte wohl ähnliche Untersuchungsergebnisse Lekanntgeben? Oder wer möchte sich zu obigen Darlegungen äußern? Vielleicht findet sich auf diese Weise Gelegenheit zu Ergänzungen und zur Aufklärung. LeiL§LLKrrLeN Lei meinem RnLermchL. Von M. Abraham, Berlin. A m o s. A. Persönliches. Amos ist der erste Prophet, dessen Aussprüche und Reden uns in einer besonderen Schrift überliefert sind. Er stammte aus Thekoa (1,1) in Juda (VH, 12) südlich von Jerusalem und war nach seiner eigenen Angabe Rinderhirt und Züchter von Maulbeerfeigen (VII, 14). Der Gottesstimme gehorchend (VI1,15) trat er im Nordreich Israel, damals der Hauptmacht des Volkes, als Prophet auf, und zwar zur Zeit Jerobeams ll. (um 760 v.) in Beth-El (!, 1, VH, 10—13). Seine Wirksamkeit.war nur von kurzer Dauer (VH, 12—17). B. Inhalt seiner Reden.!. Die Totenklage. Inmitten festfeiernder Menschen stimmt er die Totenklage über Israel an, das er im Geiste bereits vernichtet am Boden liegen sieht. (III, 1—2.) II. Das Strafgericht. Das Verderben sieht er sich vollziehen in Form 1. einer fürchterlichen Niederlage (durch einen nicht genannten Feind) (III, 3), 2. einer verheerenden Pest (III, 16—17), 3. der Verbannung des Restes (III, 27). Seite 5 III. Die Begründung des Strafgerichts. Dieses Strafgericht Gottes stellt sich ihm dar als die gerechte Folge der schweren sittlichen Vergehen, namentlich der Neichen im Volke, (die aber dem Eesamtvolke zur Last fallen). 1. Der mafiosen Schwelgerei (VI, 1, 4—6), 2. der Goldgier der Kornhändler und der Auswucherung der Armen (VIII, 4—7), 3. der Beugung des Rechtes (II, 6—6). IV. Zurückweisung etwaiger Einwände. Dem Volke wird nichts nüfen: 1. feine Auserwähltheit (III, 1—2), denn diese legt ihm nur eine höhere Verantwortung auf: auch andere Völker haben die Fürsorge Gottes erfahren (IX, 7), 2. seine Gottesverehrung durch Opfer und Feste (V, 21 bis 23, 25), denn diese sind infolge des sündigen Tuns wertlos und dem Ewigen -verhaft, . 3. demgemäf erst recht nicht sein Glauben an eine noch herrlichere Zukunft, an den Tag des Herrn (V, 18 bis 20). V. Die Forderungen Gottes. Was Gott wirklich fordert, ist vor allem: Gerechtigkeit üben (V, 24). Gott suchen heißt: das Gute suchen (V, 4—6, 14—15). VI. Das Wesen Gott es. 1. Denn das Wesen Gottes Ist Gerechtigkeit, die zwar Nachsicht übt, aber das Böse endlich doch austilgen muf. 2. Das ist ihm in drei Visionen klar geworden: a) in der Vision von den Heuschrecken (VII, 1—3), b) in der Vision vom Feuer (VII, 4—6), c) in der Vision vom Senkblei (V, 7—9). C. Amos und der Priester von Beth-El. Der (Ober)Priester von Beth-El bezichtet Amos, Aufruhr zu stiften, und verweist ihn des Landes. (VII, 10—15). Amos muf der Gewalt weichen, ändert aber nichts an seinen Gedanken und seiner Ueberzeugung (VII, 14—17). D. Amos Bedeutung. „Das Auftreten des Amos in Beth El hat. so kurz es war. in Israel ein ungeheures Aufsehen gemacht und eine grotze Wirkung ausgeübt. Den Beleg dafür liefert die Tatsache, daf in den nächsten 30 bis 40 Jahren solche Männer wie Hosea, Jesaja und Micha, in seine Fufstapfen traten und seinen Gedanken so grofen Nachdruck verliehen, daf sie die spätere Entwicklung der Religion Israels bestimmt haben." (Euthe in Kaufsch: Die heilige Schrift.) Hosea. I. Hosea wird sein häusliches Schicksal zum Gleichnis für das Verhältnis zwischen Gott und Israel (I—III). II. Und so schildert er namentlich 1) des Ewigen Liebe und Treue (XI, 1—4), 2) des Volkes Undank und Untreue (XI, 7, VI, 4 und VIII, 1—3). III. Hosea tadelt mit gleicher Strenge wie Amos die sittlichen Verfehlungen des Volles (IV. 1—2, 11—12) und eifert daneben auch gegen den religiösen und politischen Verfall, der sich zeigt 1) in der Veräußerlichung des Kultus (VIII, 11—13), 2) in dem Kälber- und Eöfendienst (VIII, 5—7), 3) in der Zügellosigkeit des Königtums (VIII, 4) und 4) in der Verbindung mit heidnischen Völkern (VIII, 8—10). IV. Das Erundübel erblickt Hosea in dem Mangel an rechter Eotteserkenntnis (IV. 1—6).