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Jüdische Schulzeitung · 1930-04-15 · 4 (15.4.1930) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
6 (1930)
Issue
4 (15.4.1930)
Date
1930-04-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Jüdische Schulzeitung. -1ui 4 _ _ ___ ,_____ Ux Unierrich: uiib Ie&Baft, der Lehrer wird Mütterchens Srellvenreter, es mar heute so schön, sagen die Kinder, unser Lehrer ist so'n lieber Kerl usw.. wie dieses ganze ledere Vokabularium eben lautet. Und dennoch: nein! Wir dürfen uns nicht verlocken lassen. Der Weg ist anziehend, aber gefährlich. Ganz abgesehen davon, daß uns nichts hindert, den hebräischen Unterricht (den hebraisierten Unterricht) lebendig zu. geben, haben wir folgende Situation: wir sind ohne den Rückhalt eines jüdisch-volklichen Milieus nnd dennoch gezwungen, mit geringsten Mitteln der Zeit einen gewissen Status im Hebräischen zu erreichen. Die Umstände des Elternhauses sind meist ungünstig, wir stecken eben, noch dazu als Minorität, in zwei Kulturen, oder wie man cs sonst nennen mag. Unser Religionsunterricht steht für die nieisten Kinder in der isolierten Ecke einer einsamen Theorie. Der Weg zum Hebräischen ist also zweifellos schwierig. Und darum müssen wir, solange noch das Kind sich dessen kaum bewußt wird, daß es lernt, den Weg zum Hcbräischerr er'nschlagen, sofort zum Spezifisch-Jüdischen Vordringen, dabei das Tempo forcieren, um schnell den Anfang zu überwinden. Das Zuckerbrot des Geschichte^- oder Eeschichtenerzählens schmeckt freilich besser. Kommt aber die schwerere Kost des Hebräischen erst hintennach, so fühlen die Kinder auf einmal Hindernisse, Last und Joch, ungeheure Schwierigkeiten. Die blumige Süßigkeit der Geschichteleien verwandelt sich in „Moror", aus den goldigen Kindchen des Geschichtenerzählens werden „schlimme Kinder", „widerhaarige Beugels", der Lehrer wird zum Pauker, und das Ende? „Religion ist die Stunde, in die man nicht zu gehen braucht". Und das hat mit ihren Erzählungen die biblische Geschichte getan. Man möge bedenken: die Zeit für jüdische Geschichte, insbesondere auf der Unterstufe, läßt sich verknappen. Viel jüdisches Geschehen läßt sich im Zusammenhang mit der Fibel behandeln. Aber der Raum für das Hebräische in seinen verschiedensten schulischen Erscheinungsformen ist in jeder Schule Deutschlands zu knapp. Aus dieser Zwangssituation soll man endlich die Lehre ziehen. VII. Gibt es üb erhaupt einen gesonderten Hebräisch-Unterricht in unserem Religionsunterricht? Solange uns 2—3 Wochenstunden zur Verfügung stehen, solange die Schule sich bemühen muß, das kaum vorhandene jüdische Elternhaus zu imitieren — denn ersetzen kann sie es jniemals —, solange wir nicht mindestens eine Stunde am Tag dem Religionsunterricht — dem jüdischen Unterricht? — widmen können, solange wir zumeist weder jüdische Schulen - noch unterrichtsfreie Sabbathe und Feiertage haben, solange unsere Kinder das jüdische Leben nur im Guckkasten, im Buch und notfalls in der jüdischen Zeitung sehen, solange ist und bleibt dieser Unterricht ein Stück- und Flickwerk. (Bitte hebräische Wortfamilie. Von Hauptlehrer H. Unikower, Baisingen. Sinnverwandte hebräische Wörter hat man bereits zu Familien zufammengestellt: solche jedoch, die zugleich auch lautverwundt sind, meines Wissens noch nicht. Hier eine Familie, die ans fünf Gruppen besteht: b . a 1 "]T n ns HI IO IV . -Dt v tow Zu Gruppe I gehören: H-T ry »nx rnn nrn ~j>T I Zu Gruppe ll: nns Zu Gruppe III: “jfrn -pto yo: nnn non ddd hdd roo nno “io: -po Zu Gruppe IV: -)O2> “UD “DD Zu Gruppe V: ^O h"DD In Gruppe I ist das Ausgangs wort v)f, also ein Zahn- (Zisch-)Laut mit einem nicht sprechbaren Dumpflaut. Durch Anfügung des 2 entsteht oyT. — An Stelle des D kann ein anderer Bildungslaut herantreten, nämlich “ “yt, — Bei nm tritt außer differenzierter Schreibweise Wiederholung des zweiten Dumpflautes (n) ein. — Bildungslaui ist auch das sich in p)f einschiebt, so daß pDf entsteht. Fällt in “pf das ohnehin nicht hörbare aus, so entsteht “jf, das durch Anfügung eines p] Zweisilbig wiro. In rnn ist das pz zu der Umkehrung von Fl getreten, während in -p der Zischlaut verschärft, in pj>jj das j Hinzugetreten und FNiL analog FNl gebildet ist. 2n der III. Gruppe erscheint an Stelle des summenden ein zischender s-Laut: ß mit sämtlichen Differenzierungen (Schreibweise. Verwendung von Bildungslauten und Eintritt der Metathesis). Dabei achte man auf die Veränderung des I zu p|, die offenbar geschieht, um den Guttnralcharakter des Dumpslautes j zu wahren, wenn dieser an den Anfang des Wortes tritt, z. B. ~p —nori; erst in einer weiteren Bildungsfornk wird pj wieder in 3 zurückverwandelt, nämlich im Pial “DD, das nur im Pial gebraucht wird. Schließlich tritt an diesen Stammen von zwei Dumpflanten als dritter Dnmpflaut ein “) oder ein heran, so daß “Di und ^DO, in differenzierter Schreibweise wie auch in der Variation entstehen, daß der Gaumenlaut I ausnahmsweise als J erscheint. Soweit ist die lautliche Verwandtschaft aufgezeigi. Und nun zum Nachweis der Bedeutungsverwandtschaft. (Vorausgeschickt sei, daß auch das beste Wörterbuch nicht zuverlässig ist: andernfalls wäre diese Untersuchung nicht nötig.) w findet sich in Eit. 5, 9: 1JDÖ >>! Kpl Dp KP „Er Hand nicht auf nnd wich vor ihm nicht aus." (Eigentlich „ging nicht beiseite".) Dieses „beiseitegchu" ist die Grundbeoeutung dieser Familie. Infolgedessen ist ppy? in 2es. 28,19 als „Beseitigung" zu verstehen. pjyt ist nur als Hauptwort in 1. Al. 3, 19 belegt. Was je dazu Veranlassung gegeben hat. dieses Wort mit „Schweiß" zu übersetzen, ist mir unerklärlich. Um das Wort mit unserem Stamme in Einklang zu sehen, muß kurz auf den Grundgedanken der Menschenerschaffung eingegangen werden: Der Mensch war zwar als geistiges Wesen vom Schöpfer gedacht (im 1. Kapitel des 1. B. M.), aber doch als ein vom Körperlichen abhängiges, das für die Kost vom Baume des Lebens nicht geschaffen ist, dem solche Kost daher auch nicht bekommt. Das Kosten von der Frucht dieses Baumes erbringt den Beweis hierfür. Das Verlangen nach solchenk Genüsse geht vom Körpermenschen „Weib", der ppp] ans. der seinerseits wieder von dem 'Trieb, der Schlange, dazu angeirieben wird. Diese erwiesene Abhängigkeit vom Körper- und Triebleben machte ihn im Vorhinein für den Auf-

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