Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 3 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Schulzeitung. Seite 5 Nunuucr a Lewkowitz auf die Theodizee Lei Leibniz ein, der dem Deismus die grösste Tiefe wissenschaftlicher Begründung gibt, der sowohl nach Locke als auch nach Leibniz den Kern aller historischen Religionen bildet, während die Unsterblichkeitslchre, die letzten Endes auf das -Judentum zurückgeht, den bedeutsamen Unterschied von Judentum und Christentum darstcllt. Dann setzt L. die Weltanschauung der Populärphilosophie auseinander, wie sie Wolfs, Mendelssohn. Üessing vertreten, und gibt uns eine Begriffsdefiniton dieser Philosophie: diese Denker verdanken die grohcn Linien ihrer Weltanschauung der Arbeit ihrer Vorgänger: die Popularisierung der Philosophie des Deismus und ihre Erhebung zu einer geistigen Macht im deutschen Bildungsleben ist ihre grohe kulturgeschichtliche Leistung. So entfällt jeder üble Begriff, den inan so leicht mit diesen: Terminus verbindet, und cs erübrigt sich, dagegen anzukämpfen, wie es der Autor tut, mit dem wir uns nachher beschäftigen werden. (Groz i n g e r.) Nach Wolfs wird Mendelssohns Philosophie einer eingehenden kritischen Beurteilung unterworfen. Wohltuend wirkt die sachliche Untersuchung, die sich freihält von jeder Uebertreibung, die uns sonst bei Mendelssohns Würdigung begegnet. Wir danken Mendelssohn die Befreiung -des jüdischen Geistes. Dadurch konnte das Erbe der Vergangenheit im vollen Lichte geschichtlicher -Erkenntnis erneut zur Grundlage unseres seelischen Lebens werden. Andererseits sind wir aber genötigt, über Mendelssohns Auffassung vom 2r:dentun: hinauszugehen. Wir können uns mit dem Rationalisinus der Aufklärung nicht zufrieden geben. Nicht die Erkenntnis der Vernunft, sondern die geheimnisvolle Offenbarung Gottes in der Seele des Frommen ist Grundlage der Religion. Der Reichtum und die Tiefe der jüdischen Gotteserfahrung bildet den ewigen Gehalt des Judentums. An Stelle des Nationalismus der Äufklärung. muhte ein neu sich entfaltender historischer Sinn die tiefe Verbundenheit der jüdischen Religion mit den: geschichtlichen Leben und der geistige:: Produktivität des jüdischen Volles erfassen, um im jüdischen Geist den Quell der Kontinuität des jüdischen Lebens zur Entfaltung zu bringen. Mit Lessings Philosophie, der die religiöse Wahrheit in die Perspektive der geschichtlichen Erkenntnis stellt — und darauf ruht die geschichtliche Erkenntnis auch der Eigenart und des Wahrheitsgehaltes des Judentums, die Leistung und die Aufgabe der Wissenschaft des Judentums —, und mit der Skepsis Humes schlicht L. seine Darstellung. In seinem Schluhwort kann er mit Recht sagen, dah das Werden der Menschheitsreligion, die Geschichte des geistigen Ringens um eine wissenschaftliche Synthese von Religion und Naturerkenntnis in: Zeitalter der Aufklärung hier zur Darstellung gebracht fei von Descartes bis Hume. Wir fügen hinzu, dah das folgerichtig, klar und zwingend geschehen ist. Darüber hinaus weist L. auf neue Probleme hin, die der Erneuerung und Erhaltung der religiösen Energie, die das Ghetto in seiner Abgeschlossenheit zur tiefsten Kraft der jüdischen Seele hatte werden lassen. „Das Leben der jüdischen Gesamtheit ist und bleibt in allen Tiefen mit dem Leben Europas verbunden. Daher wird die Vertiefung der Synthese von Judentum' und europäischer Kultur und gleichzeitig die vertiefte Erkenntnis des geschichtlichen Eisengehaltes des Judentums von entscheidender Bedeutung für das jüdische Geistesleben." Wird Lewkowitz ' uns das in einen: dritten Heft noch aufzeigen? Es wäre gewih zu begrühen. Wir find überzeugt, dah auch dieser 2. Teil: die Aufklärung allen Gebildeten, ein willkommener Führer sein wird durch die geistigen Strömungen der Neuzeit, und dazu anregt, diese philosophischen Klassiker wieder zu lesen und sich in sie zu vertiefen, dann auch von: Standpunkte des Judentums zu betrachten und die jüdischen Probleme in ihnen zu finden. Fast wie eine Fortsetzung und Ergänzung zu Lewkowitz empfinden wir: Erozinger: Geschichte der jüdischen Philosophie und der jüdischen Philosophen von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart. . Erster Band: Von M o s e s Mendelssohn bis Salomo:: Maimon. (Berlin SW 63, 1930, Philo- Verlag.) In einleitenden Kapiteln werden die Stellung der Juden in der voraufklärerischen Philosophie, die geistigen Komponenten des jüdischen Denkens, der Chassidismus, die deutsche Aufklärung geschichtlich und kritisch dargestellt. Erst dann geht der Verfasser zu Moses Mendelssohn über, schildert seine Vorgänger und Nachfolger und sein schriftstellerisches Talent. Grozinger verwahrt sich dagegen, dah man Mendelssohn einen Populärphilosophen nenne. Wir halten aber diese Polemik für überflüssig: wenn man diesen Begriff so ersaht, wie cs Lewkowitz tut. Alle systematischen Fächer der Philosophie Mendelssohns gelangen dann zur Darstellung, ebenso die seiner Jünger und Nachfolger: Wessely, Markus Herz, Vendewid: am Ende dann gelangt das Leben und die Philosophie Salomon Maimons zu einer systematischen Darstellung. Eine Fülle gelehrter Anmerkungen und Literaturangaben sind angesügt, leider auch eine ebenso grohe Menge beinahe von vermerkten und nicht vern:erkten Druckfehlern, die den Ecnuh des Werkes beeinträchtigen. Sprachliche und stilistische Härten sind auf Kosten dessen zu setzen, dah der Verfasser als Gelehrter in Ungarn lebt. Aus der ganzen Darstellung tritt uns ein starkes Bemühen entgegen, in allen geistigen Erscheinungen den jüdischen Einfluh als vorherrschend aufzuzeigcn: in derselben Richtung liegt das Streben, viele bedeutende Denker als „Halbjuden" u. ä. zu bezeichnen, ohne dah dazu inriner eine zwingende Veranlassung vorliegt oder eine historische Berechtigung. Unangenehme Uebertreibungen beeinträchtigen den' wissenschaftlichen Wert des Buches. Sonst ist die Arbeit recht instruktiv und sie regt uns an, die Jubiläumsausgabe der Schriften Mendelssohns zu benutzen, um all diesen Eedankengängen Grozingers nachzugchen, und ferner Fromers Monographie über S. Maimon aufs neue zu lesen. Und das ist schliehlich das wertvollste all solcher historischer Darstellungen, dah sie uns zwingen, die Quellen selbst zur Hand zu nehmen, .sie kritisch zu prüfen und sestzustellen, wie weit die historische Literatur ihnen objektiv gerecht wird. Literarisches. 66 lustige Geschichten. Erlebt und erzählt von unseren Leserekruten. Ausgeschrieben zum fröhlichen Lescnlernen von G. Unterlauf. (Verlag: M. Schneider, Berlin-Kaulsdorf, Adolfstrahe 35.) 52 S. Preis 0.90 Jl. Wenn die erste Lesefertigkeit erreicht ist, bereitet die Beschaffung von geeignetem Le'sematerial manche Schwierigkeiten. Die Auswahl in der Fibel ist erschöpft, die Stücke im ersten Lesebuch sind für viele Kinder oft zu umfangreich, die Märchen für das Klassenlesen fast immer. Da ist dieses Büchlein willkommene Hilfe. Die sechsundsechzig anspruchslosen Stücklein sind das, was die Kleinen meinen, wenn sie „einmal eine Geschichte erzählen" wollen. Sie kommen aus dem unmittelbaren Erlebnisbereich der Kleinen, aus ihren Erfahrungen „von der Tücke des Objekts" und ihrer Freude am harmlosen 'Streich. Am Stil merkt man zwar, dah der „Aufschreiber" auch „Nacherzähler" ist: weniger Korrektur wäre manchmal besser gewesen. Dennoch haben die „Lustigen Geschichten" ihre Frische behalten, sie werden das Entzücken der kleinen Leser sein und oft zur Dramatisierung an-