Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 3 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung. Nummer 3 reizen. Das 52 Seiten starke Bändchen ist fest broschiert, der Druck ist groß und klar. Die beigedruckten Zeichnungen sind jedoch kaum als Bereicherung anzusehen. N ~. Ausbau. Erziehungswissenschaftliche Zeitschrift. (Freier Schulverlag E. in. b. H.,Berlin SO 36.) Bst das Qfswl des „Bundes Fteitzr ischnlnesellschaften", Vor sich in seinem Programm, das in dem uns vorliegenden Heft (3. Jahrg.. 2. .Heft, Februar 1630) abgedruckt ist, als den ..organisatorischen Träger der weltlichen Schulbewegung" bezeichnet. In diesem Programm nimmt Walter Kluge (Grimma) in einem Artikel „Programmatisches zum Programm" Stellung. Besonders beachtenswert ist ein Aufsatz „Bürgerliche und sozialistische Wissenschaft" von Prof. M. H. Bacge (Jena), der an die Stelle des „bürgerlichen", absolutistischen, abstrahierenden Denkens ein „sozialistisches", relativistisches, auf reiner Erfahrung beruhendes Denken setzen will und als Konsequenz jede reine Reflexion und Metaphysik aus der sozialistischen Wissenschaft verweist, „weil die sogenannten Ergebnisse der Metaphysik praktisch völlig wertlos sind". „Mit Metaphysik kann man nicht nur keine Maschinen bauen, mit Metaphysik kann man auch keine Gesellschaftsordnung ändern oder gar eine neue aufbauen." Weitere Artikel „Naturwissenschaft und Marxismus". „Marxistische Kritik der Psychoanalyse", „Was heisst Körperschulung?", eine Statistik über „Jugendwohlfahrt und Alkoholverbot", Rundschau und Buchbesprechungen zeigen die Vielseitigkeit und doch Konzentriertheit dieser in ihrer Art bedeutsamen Zeitschrift. / R b. Das Erbe im Blut. Von Ludwig L e w i s o h n. Deutsch von Gustav Meyrink. Leipzig. Paul List 1929. Ludwig Lewisohn ist Vollamerikaner, bereits als Achtjähriger kam er in den Süden der Vereinigten Staaten. Wir kennen seine Bücher „Gegen den Strom" und „Der Fall Herbert Erump", und es will oft uns scheinen, als fei er entjudet. Aber das „Erbe im Blut" bleibt. llebrigens gibt die Uebersetzung des Titels.nicht voll und ganz den Grundgedanken des Buches wieder. „The Island with'in", die Insel mitten im Ozean, die innere jüdische Zugehörigkeit inmitten eines Ozeans von gleichgültigen Unjuden, von feindlichen Nichtjuden. Kurz der Inhalt: Die Nachkommen des Melamed Mendel und seiner Frau Braine in Wilna gehen nach Deutschland, über den Ozean nach Amerika, werden Vollblutamerikaner. Nur einer der Urenkel findet nach einer zerrütteten Ehe mit einer Christin zu sich zurück, die Sehnsucht der Ahnin Braine, in Jerusalem zu sterben, steckt ihm im Blut. Er will nach dem Osten, dahin, wo seine Ahnen wohnten. Er schließt sich einer Studienfahrt nach Rumänien an. Damit schließt auch das Buch. Ich must mich einer führenden jüdischen Zeitung anschlietzen, wenn ich sage, das Buch ist Anschauungsunterricht. Wir sehen die Welt des russischen Melamed, wir sehen das Einbrechen liberaler Ideen in die Familie des nach Ostpreußen eingewanderten Ephraim, wir lernen die erste Hochflut des Antisemitismus in Deutschland kennen, wir sind Zeuge der Flucht in die Taufe, ilnd das amerikanische Judentum rollt sich in einer Reihe von Bildern — Geschäft, Universität, Familie — vor uns auf. Und schließlich steht vor uns der Jude, der sich auf sich selbst besinnt, vorsichtig den neuen alten Weg beschreitet. Menken. 1. Das „Philanthropin". Jubiläums-Nummer. 2. Bausteine praktischer Pädagogik. Unter Mitwirkung von Kollegen, gesammelt und dargeboten von Studiendirektor Dr. Otto Driesen. 112 Seiten. 3 Jl. Am 1. Dezember vorigen Jahres konnte das Philanthropin in Frankfurt a. M. auf ein 125jähriges Bestehen zurückblicken. Aus Anlaß dieser Jubelfeier erschienen die beiden obengenannten Schriften. Die Jubiläums-Nummer der Zeitschrift: „Das Philanthropin", die von ehemaligen Schülern und Schülerinnen für alle Freunde der Anstalt herausgegeben werden, ist eine reich illustrierte Doppelnummer und zeigt die früheren Direktoren der Anstalt im Bilde. Charakteristische Schilderungen aus ihrer Arbeit, aufschlußreiche Reden lasten einen Blick werfen in die Arbeitsweise und in die Gedankenwelt dieser führenden jüdischen Schulmänner. Dazwischen kommen ehemalige Schüler zum Wort, die uns vom hohen Norden unter Türken und Afghanen, aus dem Land der aufgehenden Sonne etwas erzählen. Das wertvolle Heft läßt den Leser etwas von dem hohen warmen Geiste ahnen, der an dieser Bildungsstätte weht. Die Bausteine wollen einen kleinen Ausschnitt aus dem pädagogischen Leben des Philanthropins der Gegenwart geben, einer Gegenwart, die verheißungsvoll in die Zukunft weift. Sie enthalten ein Spähen, Tasten, Suchen, Einhaken, Zupacken, das den Weg zur Höhe führt. Der Leiter der Schule, Herr Studiendirektor Dr. Driesen, schreibt über: „Erziehung zur Freude als sittlicher Grundhaltung." Es ist charakteristisch für die Schule, daß Dr. Driesen diese Arbeit an die Spitze stellt, denn sie zeigt deutlich, wie ernst sich der Leiter der Anstalt mit dem wichtigen Problem der Freude in der Schule befaßt. Der alte Rhabanus Maurus hat gesagt: „Fröhlich der Schüler, fröhlicher der Magister, am fröhlichsten der Nektar," Das Milanthr-.n'in hat einen solchen Rektor, und das ist gut. Er zeig: uns in seiner Arbeit die Freude als Vildungsmittel für den Lehrer, für den Schüler und in der Schulgemeinfchaft, und er zeigt uns die Freude als Bildungsziel. Eine feine Skizze, die wert ist, von allen, die unterrichten, gelesen zu werden. An diese Arbeit schließen sich elf weitere an. Sollen wir sie alle aufzählen? Sie alle atmen einen Geist, den Geist opferwilliger Hingabe, den Geist moderner Arbeitsweisen im Unterrichten und ein frisches Verständnis für die Großstadtjugend, mit ihren starken Auftriebs- und Reaktionskräften, mit ihrer starken Aktivität. Wir heben hervor: „Unterichtliche Problerne im heutigen England nach persönlichen Eindrücken", von Studienrat Dr.' Jul. Plaut. Beim Lesen spürt man den Wunsch: „Da möchte ich auch auf der Unterrichtsbank sitzen." Für den jüdischen Lehrer sind noch hervorzuheben: „Künstlerische Gestaltung der geschichtlichen Teile des jüdischen Religions-Unterrichts", von Dr. Henry Philipp. „Zur Geschichte der jüdischen Jugendliteratur", von E. Gut. „Die hebräische Grammatik als Stütze grammatisch-logischer Ausbildung am Philanthropin", von 2. V. Levy. Alle diese Arbeiten sind für uns nicht nur aufschlußreich, sondern auch wegweisend. Auch Schüler kommen zum Wort, sie halten die Ergebnisse einer Studienfahrt fest. Mit offenen Augen und aufgeschlossenem Herzen haben diese Schüler die Fahrt mitgemacht, und geben ihrem innern Erleben Ausdruck. Hier sind Lehrer am Werke, die ihre Schüler nicht nur unterrichten, sondern die die Kinder kindlich leben lassen und die als positives Ziel die ganze werdende Persönlichkeit des Schülers im Auge haben. Die beiden Schriften find von der Direktion des Philanthropin in Frankfurt a. M. zu beziehen. Rothschild- Eßlingen. Bei der Schriftleitrrng emgegangene Bücher. Langenscheidts Neues Wörterbuch der französischen und deutschen Sprache. Teil I: Französisch-Deutsch. Von Stud.-Dir. Dr. B. E a st e r. In Ganzleinen geb. 6.50 Jl. 66 lustige Geschichten, erlebt und erzählt von unseren Leserekruten, aufgeschrieben zum fröhlichen Lesenlernen von G. Unterlauf. -Rektor in Berlin. Verlag: M. Schneider, Verlin-Kaulsdorf, Adolfstraße 35. 1930. 52 S. 0.90 Jl. U. Werneke: Lesebuch der Sittenlehre für Unterricht und Erziehung. 2. Auflage. Verlag: U. Werneke, Kohl (Baden). Preis brosch. 2 Jl. Lehr- und llebungsbuch der Einheitskurzschrift (Schlüssel hierzu). Schönschreibheft Nr. 1—3 der Einheitskurzschrift. Darmstadt. 1930. Winklers Verlag (Gebr. Grimm). Notizen. Vom N e i ch s a u s s ch u ß für hygienische Volksbelehrung ist ein Verzeichnis empfehlenswerter schul- und volkshygienischer Literatur herausgegeben worden, das sich auch ganz besonders zum Gebrauch für Schul- und Lehrerbüchereien eignet. Das Verzeichnis wird an Interessenten kostenlos abgegeben gegen Einsendung eines freigemachten Briefumschlages oder Erstattung der Portokosten. Anforderungen sind zu richten an den Reichsausschuß für hygienische Volksbelehrung. Berlin NW 6. Luisenplatz 2—4. Die Bearbeitung von Literaturberichten über Belletristik hat Frl. Else Menken, Breslau, die für jüdische Spiele und Beschäftigungsmittel Lehrer Mar Bayer. Berlin- Weißensee. übernommen. Berichtigung. Im Inhaltsverzeichnis der vorigen Nummer muß es statt: Neuerscheinungen auf „hoch wissenschaftlichem" Gebiete, „fa ch w i s s en s chaf tli ch cm“ heißen. 4