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Jüdische Schulzeitung · 1930-03-14 · 3 (14.3.1930) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
6 (1930)
Issue
3 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 iKlmitfl, die Bibel nicht nur nicht als ab.aetancs Märchenbuch beiseite legen, sondern in ihr mit Stolz den erhabenen Exponenten indischen Geistes und ein wertvolles Vademekum für ihr Leben erblicken werden. In derselben lichtvollen Weise sind im 3. unb 4. Teil vom spezifisch jüdischen Standpunkt aus „die Lehre von Gott" und „die Lehre vom Menschen" (Würde, sittliche Freiheit und Aufgabe des Menschen) behandelt. Der Abschnitt von der „religiösen Heiligung" bringt eine Uebersicht über das Zeremonialgesetz. einschließlich der gottesdienstlichen Einrichtungen. Bei diesem letzteren Teile hat man zuweilen das Gefühl, als glaube der Verfasser eine gewisse, mir nicht angebracht erscheinende Rücksicht auf hergebrachte Ansichten walten lassen zu müssen. Aber warum? Bei der Orthodoxie und der Scheinorthodorie wird das Buch, schon rein dogmatisch betrachtet, gar keine Gnade finden können. Beispiele: Das Sabbathproblem als solches — und in unserer Zeit gibt es ein Sabbathproblem (s. 2cs. Kap. 53, V. 13). auch 'wenn man die Augen davor verschließen will — hätte wenigstens angedeutet werden müssen (S. 96). Der Darstellung der Thoravorlesung ist die herkömmliche (orthodore) Ordnung zugrunde gelegt (Seite 94). Ich vermisse hier den Hinweis auf gewisse Aenderungen liberaler Synagogen, die z. T. in Einrichtungen des jüdischen Altertums (z. B. 3- und 7jähriger Zyklus, Meturgeman usw.) begründet sind. Noch eine Anregung sei abschließend gegeben: 2n der heutigen Zeit verlangen die reiferen Schüler nach einer eingehenden vergleichenden Betrachtung der Grundlehren von Judentum und Christentum. M. E. würde der Wert des Buches erhöht werden, wenn in der 2. Auflage ein entsprechendes Kapitel hinzukäme. Der gedankliche und unterrichtliche Wert des Buches wird durch meine Ausstellungen in keiner Weise beeinträchtigt, sie sollen lediglich Verbesserungsvorschlüge für die zweite Auflage darstellen. Hierher gehören noch zwei Wünsche mehr äußerlicher Natur. Da das Buch ein Schülerbuch ist, würde es sich enipfchlen. in einer folgenden Auflage Kernsätze durch den Druck hervorzuheben, ferner am Schlüsse eine Uebersicht der angeführten Bibelstellen nach der Gliederung des Buches zu bringen. Für einen Vorzug des Buches halte ich endlich die reiche Literaturangabe, deren 2. Teil, wenn ich den -Autor recht verstehe, die Werke angibt, die im Unterricht selbst mit den Schülern zu lesen sind (Arbeitsunterricht!.). Ueberall, in allen Teilen, läßt das Buch dem Lehrer volle Bewegungsfreiheit, aus Eigenem hinzuzutun. Nun noch eine Schlußbemerkung: Vor Jahren hat mein verewigter Bruder Dr. Felir Coblenz ein vielbeachtetes Neligionsbuch für die Mittelstufe geschrieben. Er wollte einen 2. Teil für die Oberstufe der höheren Schule folgen lassen. Leider hat ihm der Tod allzufrüh die Feder aus der Hand genommen. Dieses Buch für die Oberstufe scheint mir in der „Israel-Religion" von Dr. Joseph Gutmann in ausgezeichneter Weise geschaffen 3U sein. Ihr liberalen Religionslehrer, euch hat bisher ein solches Buch gefehlt. „Hier habt ihr's nun köstlich in Händen!" Der Aberglemöe hei der MndererZiehung. Von Konrektor Speyer, Frankfurt a. M. (Schluß.) Man hat nun als Mittel zur Heilung den Spott bezeichnet. Der Lehrer darf aber diesen Spott, der durch seine scharfen Spitzen und durch beißende Würze aufs schärfste verletzt, nur bei besonders wahnwitzigen Fällen von Aberglauben gebrauchen: er darf nicht glauben, damit nun schon den Aberglauben an der Wurzel gepackt >zu haben. Oft gerade wird dieser sich noch tiefer zu ver- Nmnmer 3 bergen suchen und damit um so fester Wurzel schlagen. Spott und verächtliche Behandlung bewirken es nur zu oft. daß der Aberglaube mit deni Leben des Menschen noch fester verwächst. So mancher Aberglaube stützt sich auf Sagen und Gebräuche, die einen ' tiefen Sinn haben und von unfern Altvordern zu uns überkommen sind. Es steht unzweifelhaft fest, daß viele, die in einem Aberglauben aufgewachsen sind, darum diesen noch nicht ablegen. weil sie ihn als solchen erkannt haben. In Frankreich soll es Vereine geben, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, alles direkt umgekehrt zu machen, als der Aberglaube es ge- oder verbietet, also z. B. zu 13 bei Tische zu sitzen, am Freitag, der im katholischen Frankreich ein Unglückstag ist. zu reisen, große Käufe abzuschließen, zu heiraten usw. Ohne Zweifel werden infolgedessen manche einsehen. wie nichtig der Aberglaube bei vielen Sachen ist: aber zweifelhaft ist es, daß viele trotz besserer Einsicht und Erkenntnis sich wirklich ändern werden. Leicht ist also der Kampf gegen den Aberglauben nicht: deshalb erwächst gerade der Schule die heilige Pflicht, ihn mit allen Mitteln aufzunehmcn. Das wichtigste Mittel ist der Religionsunterricht. -Dadurch, daß der Lehrer sich bemüht, in der Religionsstunde den Glauben an das göttliche Walten im Lebenslaufe des Menschen zu stärken, wird er am besten die Art an die Wurzel des Aberglaubens legen. Jüdisches Leben im Herzen der Jugend zu wecken und zu fördern, religiöse Wahrheit, die in manchen Kindern schlummert, zur Blüte zu entfalten, das gilt es, wenn der Kampf gegen den Aberglauben Erfolg bieten soll. Aus Kindern werden Erwachsene: wenn diese gelernt und an sich erfahren haben, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen, wenn sie ganz mit Gott sich verbunden fühlen, so werden sie nicht mehr an den Aberglauben denken und abwarten. was die Zauberkünstler ihnen Vorreden. Der rechte Glaube an Gott als den Schöpfer. Erhalter und Regierer der Welt in allen ihren Gliedern und als den Vater aller Menschen trägt den Sieg davon über den Aberglauben, d. h. den Glauben an finstere Mächte und heidnische Gestalten der Phantasie. Wenn nun auch der reine, geläuterte Gotteswille den Kindern zur Erkenntnis gebracht wird, so ist das nicht so zu verstehen, als ob übermäßige Frömmelei den Aberglauben bezwingen würde. Oft grenzt diese gerade schon an Aberglauben und ist eine Vorstufe zu ihm. Bei wahrer Frömmigkeit wird kein Raum im Herzen für den Aberglauben sein: dann haben sich die Menschen zu dem vernünftigen geistigen Gottesdienst hindurchgerungen. Rabbiner Dr. N. Vamberger selig. Andenkens hat in dem von ihm bearbeiteten Leitfäden für den Religionsunterricht in der israelitischen Schule eine ausführliche Definition vom Aberglauben gegeben,' und diese lautet: „Aberglauben ist. wenn man übernatürliche oder sonstige Wesen als Leiter unserer Geschicke glaubt: wenn man aus gewisse Zeiten im Jahre, im Monat oder im Tage oder auf Himmelszeichen oder Sterne derart achtet, als könnten sie unsere Tätigkeit zum Vorteil oder Nachteil beeinflussen: zufällige Begegnungen als gute oder böse Vorbedeutung zu betrachten." Die Kinder konnten mir stets solche abergläubische Gebräuche oder Redensarten nennen. Die Kinder konnten leicht von den sündhaften, das zweite Gebot verletzenden Sitten aufgeklärt werden. Ein anderes Mittel, um den Aberglauben zu bekämpfen, bietet der Unterricht in der Natur! eh re, indem hier eine klare Einsicht in den wirklichen Zusammenhang des natürlichen Geschehens die Wahnvorstellungen zerstört, mit denen die Phantasie des Jüdische Schulzeitung.

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