Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 2 (14.2.1930)
- Date
- 1930-02-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung. den Unterricht in Chumesch und T'nach immer wieder mit dem Leben um uns zu verquicken suchen. Sowohl bei dem Mahlingschen Buche als auch bei dem gleichwertigen Kabisch. Wie lehren wir Religion? müssen wir die spezifisch protestantische Einstellung in Kauf nehmen. Fante de mieux, m. H. Der Unterricht in der Geschichte wird heute ungleich lebensvoller gestaltet als früher, nicht nur in der Profangeschichte, sondern auch in der jüdischen Geschichte und Literatur. Welche Werke zum Studium Zur Verfügung stehenbrauche ich hier nicht zu erwähnen, sie sind Ihnen allen bekannt. Wir haben für unseren Geschichtsunterricht die vorzüglichen Quellenbücher von Hölter, deren vierter Teil vor kurzem erschienen ist und die Zeit von 1492 — Moses Menselssohn behandelt. In den Nahmen dieses Referates würde es gehören, über die Methodik des hebräischen Unterrichtes Werke anzuführen. Einmal gibt es für dieses Thema Berufenere als ich es bin, und dann wurde mir bei der Themastcllung mitgeteilt, mich als Meister zu zeigen, mich in der Beschränkung zu üben. Ich sagte, daß ich Sie vom Nahen zum Fernen führen will. Selbstverständlich sind allgemein erziehungswissenschaftliche Werke keinem fern, der mit Erziehung und Schule zu tun hat. Ich hoffe, richtig verstanden worden zu sein, wenn ich mit dem Religionsunterricht als nächstliegend begonnen habe. Dag Reformen in Schule und Unterricht, wenn sie sich in mäßigen Grenzen halten. Sie ebenso angehen, wie alle anderen Kollegen, versteht sich von selbst. „Maßvolle Schulreform" betitelt sich ein Werk, das von Grothjahn und I u n g e, einem Arzte und einem Schulmann, im Laufe des Iahres veröffentlicht wurde. Iin Vorwort heißt es: „Wir haben den hohen Wolkenflug der Reformliteratur unserer Tage vermieden und uns aller höheren Weihetöne enthalten: unsere Forderungen kosten wenig Geld! Das Buch ist jedem zu empfehlen, dem es ernst ist mit einer Umgestaltung, die sozusagen mit beiden Beinen auf der Erde steht: Kleine Klassen, mehr Ferien. Unterricht im Freien usw. Der Leitragende in diesem Buch ist — honni soit qui mal y pense — der Lehrer. Er soll, gleich allen anderen Berufsschichten, nur seine fünf Wochen Ferien haben, die Ferienzeit zum Studium im praktischen Leben benutzen. Gerade Sie in den kleinen Gemeinden haben mit Ihren Schülern weit über die Schulzeit hinaus zu tun, sei es im privaten Leben, sei es an einigen Orten in der Berufsschule, im Vcreinsleben usw. Sie werden wissen, wie schwierig es oft ist, mit den Jungen und Mädchen in der Uebergangszeit umzugehen. Zwei ausgezeichnete Bücher sind da in den letzten beiden Iahren erschienen, das eine von der hohen Warte des Sozialpolitikers aus geschrieben, das zweite von einem Dolkshochschullehrer. Das erste ist Heklpach: „Prägung". 12 Abhandlungen aus Lehre und Leben der Erziehung. „Ich wünschte, daß alle, denen es obliegt, Mitmenschen prägen zu helfen, im Studium dieser Reden und Aufsätze nachdenklich werden. Diese Absicht liegt dem Buche viel stärker zugrunde als Belehrung oder Bekehrung." Soweit das Vorwort. Geboren aus dem Leben, ist es erschaut mit dem Weitblicke des helfenwollenden Mitmenschen. Der ausreisende Mensch soll arbeiten lernen, keinen Amerikanismus treiben, sondern um des Ethos der Arbeit willen. In bunten Bildern werden vor uns in dem Buche von Eduard W e i t s ch Gespräche mit Siebzehnjährigen aufgerollt, pädagogisch, nicht allzu pädagogisch, wie der Verfasser sagt. Der ganz aus Würde bestehende sich unfehlbar dünkende Lehrer wird das Buch kopfschüttelnd und mit Entrüstung aus der Hand legen. Weitsch verlangt für seine Pädagogik kein Patent, er verlangt nur: „Ziehe den Eehrock aus, denn es ist lachendes Land, das Du betrittst." Nummer 2 Immer lauter ertönt der Ruf nach der Selbständigkeit der Erziehungswissenschaft und als Assistenten dabei die große Mutter Philosophie und die Schwester Psychologie und Psychiatrie zu beschäftigen. Wir haben heute eine Reihe von Werken, die auf Grund von Erfahrungen von Lehrern, Erziehern und last not least von Aerzten, wissenschaftlich ein fruchtbares Erdreich zum Weiterbau geschaffen haben. Ich nenne Ihnen zunächst A d l e r - F u r t m ü l l e r: „Heilen und Bilden". Ein Buch der Erziehungskunst für Aerzte und Erzieher. Es ist aus einer Arbeitsgemeinschaft hervorgegangen und will auf den Umwegen über das Unschuldsparadies der Kindheit, über die Freudfche Höllenschlucht der Sünder aus Wollust zur individualpsychologischen Einstellung auf Kind und Erziehung gelangen." Die reiche Fülle der Arbeiten bewegt sich auf dem von Alfred Adler vorgezeichneten Wege: Analyse, Ermutigung, Heilung oder Besserung. Es ist ein Buch der Erziehungskunst, die so alt ist wie die Menschheit, die immer wieder, wie die bildende Kunst, sie ist es wohl in gewissem Sinne, neue Wege der Gestaltung sucht. In diesem Zusammenhänge lassen Sie mich eines zweiten wissenschaftlichen Werkes Erwähnung tun: Winkler: „Der Trotz". Der Trotz, der in allen Entwicklungsphasen — vom Säuglingsalter bis zur Reifezeit — allen Eltern und Erziehern zu denken und zu rätseln gibt, wird als krankhafte Erscheinung des Seelenlebens behandelt. Winkler geht den Weg des Arztes: Beobachtung, Diagnose. Therapie, und wie bei allen Krankheiten Prophylaxe, Vorbeugen, Verhütung. Am Schluß dieses Abschnittes möchte ich noch auf eine wertvolle kleine Schrift Hinweisen: Albert: „Erziehungsprobleme der Gegenwart, ein Querschnitt durch die pädagogische Bewegung des 20. Jahrhunderts". Es ist ein Spiegelbild des Wandels der Erziehung in Familie, Schule, Gemeinschaft, Staat und Menschheit. Alle Beiträge verraten ein Abrücken von der rein psychologischen Einstellung zugunsten menschenlundlicher Erwägungen. Es kommen zu Worte: Monteffori. Förster, Kerschensteiner u. a. Ihnen in der Provinz liegt bei der Kleinheit der Verhältnisse ein Gebiel, mehr ob als den großstädtischen Kollegen im allgeineinen: Jugendpflege, Iugendwohlfahrt... In Ihrer Person konzentriert sich zumeist das innere Leben der Gemeinden und der Familien. Ihnen wird das von Erich Stern herausgegebene „Jahrbuch der Erziehungswissenschaft und Iugendkunde" bekannt sein, dessen vierter Band im Laufe des Iahres erschienen ist. Dieser Band bringt u. a. eine gründliche und verständnisvolle Arbeit der Iugendpflegerin der Indischen Gemeinde Berlin Edit Cohn über „Prinzipien und Organisation der jüdischen Wohlfahrtspflege". Die Theorien sind ausgezeichnet entwickelt, wenig erfahren wir von den praktischen Einrichtungen, noch weniger von der Provinz. In Berlin steht man auf dem Standpunkt der Zentralisierung, ohne zu bedenken, daß für Sprottau oder Kanth andere Gesetze zu gelten haben als für die Eroßgemelnde Berlin. Für Sie, die Sie in Ihren Gemeinden mitten im Gemeindeleben stehen, ist es notwendig, einen Ueberblin zu gewinnen, da kann ich Ihnen das Buch von Marie Vau m über „Familienfürsorge" und ihren Einbau in die Gesamtorganisation warm empfehlen. Die Familienfürsorge iteht wohl ethisch am höchsten, weil sie das kleinste Gcmoii^ wesen, die Familie stützen und erhalten will, eine Tatsache, die in der jüdischen Wohlfahrtspflege besondere Beachtung verdient. Die Betreuung der Jugend außerhalb der Schule führt uns auch auf das Gebiet der Fürsorge, der offene;! und der geschlossenen, das uns gerade in der jüngsten Zeit viel zu denken gab. Sie wissen, daß die Frage der ge-