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Jüdische Schulzeitung · 1930-02-14 · 2 (14.2.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
6 (1930)
Issue
2 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 2. Jüdische Schulzeitung. Seite 5 so liebt auch das Kind später die Unreinlichkeit. Die Patenbriese mit dem Gelde dürfen nicht zugesiegelt, sondern nur zugebunden werden, wenn das Kind nicht stumm werden soll. Auch bei der Erziehung bis zur Beendigung des ersten Lebensjahres hat sich viel Aberglauben erhalten. Wenn jemand in eine Stube tritt, in der ein kleines Kind ist, so muß er sich setzen, will er ihm nicht die Ruhe nehmen. Nieurals darf das Kinderbett aufgedeckt bleiben, auch wenn das Kind nicht in ihm ist, weil ihm sonst das Erab aufgedeckt ist. Die leere Wiege darf nicht schaukeln, um nicht dem Kinde die Ruhe zu nehmen: ähnlich ist es, wenn ein leerer Kinderwagen hin- und hergezogcn wird. Wenn das Kind im Schlaf lacht, so sieht es seinen Schutzengel und darf nicht geweckt werden. Auch darf man kleine Kinder nicht loben, weil man sie sonst verrust. Deshalb sprechen Mütter oder Wärterinnen, sobald ein Fremder das Kind schön findet, für sich hin: „Gestern war es besser!" oder: „Knoblauch, Hnazintcnzwicbel, dreimal weihe Bohnen!" Kleine Kinder dürfen nur mit den Füßen voran in die Stube getragen werden. Kinder, welche über der Nase eine Querader haben, sterben vor zwei Jahren. Noch stundenlang könnte man solche abergläubischen Regeln aufzählen, es feien jedoch an dieser Stelle nur die Zeit vom 1. Geburtstage bis zum Schulanfang und einige besonders drastische Regeln erwähnt. Man darf Kinder nicht nur an einem Fuß bekleidet gehen lassen, weil das ein Zeichen von Unordnung ist und die Kinder nie zu Bett kommen. Eltern müssen darauf achten, daß Kinder beim Schlafen nicht den Mund offen haben, weil sonst die Seele als weihe Maus leicht entschlüpfen kann. Wenn kleine Kinder mit Steinen spielen, so entsteht Teuerung: spielen sie Soldaten, so wird Krieg: ahmen sie ein Begräbnis nach, so stirbt bald jemand. Ist das erste Wort, das ein Kind sprechen lernt, „Papa", so wird das nächste Kind ein Knabe: ist cs aber „Mama", ein Mädchen. Uebcr den Aberglauben während der Schulzeit sei folgendes bemerkt: Weil der Montag ein Uuglückstag ist, so darf man die Kinder nicht an diesem Tage zum erstenmal in die Schule schicken. Aehnlich verhält es sich mit den: Donnerstag. Die Niren sind den Kindern gefährlich: deshalb müssen diese sich vom Wasser fernhaltcn. Die Niren ziehen sie sonst ins Wasser, saugen ihnen das Blut aus und sperren ihre Seelen unter umgekehrte Töpfe, die von jemand früher ins Wasser geworfen wurden. Oft zwingen sie die Kinder, sich selbst in Niren zu verwandeln: bisweilen entflieht eine Seele und steigt als Luftblase aus dem Wasser hervor. Altheidnisch ist auch die Sitte, Ostereier in Garten und Haus zu verstecken und sie von den Kindern suchen zu lassen in dem Glauben, das; die Findenden dann besonders vom Glück begünstigt seien. Doch genug der Beispiele von Aberglauben, die hier teils aus eigener Kenntnis, teils aus folgenden Büchern zusanunengestellt sind: Baumgarten, Aus der volksmähigen Ueberlieferung der Heimat: v. Neinsberg-Düringsfeld, Das festliche Jahr: Freschbier, Herenspruch und Zauberbann: Wuttke, Der deutsche Volksabcrglaube der Gegenwart. So viel steht fest, dah der Aberglaube mehr oder minder auch heute noch besteht und sich schwer vertreiben Iaht. Es gilt jetzt, die Mittel zur Bekämpfung des Aberglaubens in Kürze anzuführen und damit den Weg zur Heilung dieser Bollskraulheit zu zeigen. Eine wichtige Nolle in dieser Beziehung spielt die Schule: sie ist;das Feld, auf dem ein nicht geringer Teil des Kampfes ausgefochten wird. Alle Schulen sind, da der Aberglaube alle Bevöllerungsklassen beherrscht, in gleicher Weise zu diesem Kampfe heranzuziehen: doch muh der Lehrer und' Erzieher hierbei mit Vorsicht, Weisheit und Schonung zu Werke gehen, um nicht durch seine Nücksichtslosigkeit das Uebel zu vergrößern. . (Schluß folgt.) auf fachWLffCufchastlichSM GehistS. Referat, gehalten auf der Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien, zu Breslau, am 15. Dezember 1929, von Elfe Menkcn. Grau, lieber Freund, ist alle Theorie, doch grün des Lebens, goldener Baum. Das mir gestellte Themascheint graue Theorie zu fein. Ich habe versucht, unter der Fülle der Neuerscheinungen auf allen einschlägigen Gebieten diejenigen herauszunehmen, die zum größten Teil praktischer Arbeit entsprungen sind und - auf praktische Arbeit Hinweisen. Ich habe auch jahrelang vor der Klasse gestanden und weiß, was not tut. Und meine jetzige Arbeit bewegt sich gleichfalls in den Bahnen des Führens — die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Pädagog —, so daß Sie keinen vollrommenen Outsider vor sich haben. In der Auswahl und Einteilung der in Frage kommenden Werke bin ich nach altem schulmeisterlichem Rezept vorgegangen: vom Nahen zum Fernen. Ich will zunächst einige Werke erwähnen, die für den gesamten Neligionsunterricht in Frage kommen. Es ist erstaunlich, wie wenige man da finden kann, die speziell auf den jüdischen Neligionsunterricht eingestellt sind. Lassen Sie mich mit einer ganz trockenen Materie beginnen, mit der Sammlung der staatlichen Bestimmungen über Religionsunterricht an Volks-, Mittel- und höheren Schulen. Ich würde Ihnen raten, soweit Sie es nicht schon getan haben, das Buch in Ihren Schulbibliotheken einzustellen. Diese Sammlung ist herausgegeben von Walter Lande und ist in den Weidmannschen Taschenausgaben der Verfügungen des Preußischen Unterrichtsministeriums zu haben. Das Buch ist vor wenigen Wochen erschienen und bringt in bezug aus den jüdischen Religionsunterricht alle Bestimmungen von 1850 bis zur jüngsten Zeit. Es ist schwer, eine Methodik des Religionsunterrichtes zu schreiben, besonders aber des jüdischen, weil sich hier, wiej auf allen Gebieten von Schule und Unterricht, nicht aus jedem Holze ein Merkur schnitzen lässt. Vor ungefähr drei Jahren ist ein Buch erschienen, das wohl einigen von Ihnen bekannt sein dürfte: Nosenberg: „Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes." Es bringt keine neuen Wege, aber es führt so, daß man nicht in Sackgassen gerät. Der Verfasser steht auf dem Boden des Arbeitsunterrichtes, wünscht ihn aber für den Neligionsunterricht nicht in vollem Maße angewendet zu haben, z. B. verwirft er szenische Darstellungen durch die Kinder, zu häufige Händbetätignng durch Zeichnen usw., weil all das der Würde dieses Unterrichtes nicht entspricht. Der Methodik als solcher geht eine Geschichte des Neligionsunterrichtes voraus. Die früher fehlende Methode wurde immer wieder durch den Ausbau des religiösen Lebens im Hause ausgeglichen. Das Fazit, welches der Verfasser aus seiner Arbeit zieht, ist, daß lein Unterricht das Vorbild des Hauses ersetzen kann. Noch ein zweites tiefgründiges methodisches Werk lassen Sie mich erwähnen: Mcrhliug: „Soziale Gesichtspunkte im Neligionsunterricht und in der religiösen Unterweisung, zugleich eine Einführung in die soziale Gedankenwelt des Alten Testaments." Der Verfasser hat viel Material gebracht, er gibt uns damit vielleicht nichts Neues, wenn wir

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