Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 12 (15.12.1929)
- Date
- 1929-12-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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einflussung des Schülers weitere Möglichkeiten eröffnen, fei nur nebenbei erwählt, wie überhaupt die Tatsache, daß diese wesentlichen Momente bisher von jüdischen Lehrerkreiscn im allgemeinen wenig beachtet worden sind. Die jüdische Ethik in ihrer ganzen Erhabenheit erfordert es aber, das; der jüdische Erzieher, der nicht bloß in der Uebermittlung von Lehrstoffen feine. Aufgabe zu erfüllen sucht, das Gebiet des Friedens und der sittlich-gerechten Ortmung der Dinge in den Dienst der Arbeit um die Seelen- und die Willensbildung der jungen Menschen zu stellen hat. Wir wissen alle, daß ein wichtiger Weg ins Land der Jugend die Lektüre darstellt. Hier muh zunächst Rechnung getragen werden, und es wird sich nicht umgehen lassen, in Kürze von kompetenter Seite ein „Friedensbuch für die jüdische Jugend" zusammenzustellen, das vor allem die in dieses Erzichungsgebiet hineinragenden. wundervollen Abschnitte aus den Propheten, Gedankengänge und Aussprüche aus Mischnah und Talmud usw. umfassen muh — in einer Darstellung allerdings, die dem jugendlichen Verständnis angepaht ist. Heute gibt es für speziell jüdische Zwecke ein derartiges Büchlein noch nicht. Wir müssen uns — wie in der gesamten Lesebuchfrage — behelfen. Und da sollten unsere Lehrer zu dem jetzt erscheinenden „Lesebuch des Vülkerfriedens" von Prof. H. Werneke, einem bereits feit Jahren bewährten Friedenserzkeher. greifen. Das Buch (Preis 1.50 fRM, doch bei Mehrbezug hohen Rabatt!) ist für uns schon insofern interessant, als es in allen feinen Teilen direkt kindertümlich geschrieben ist. keine hochtrabenden Worte macht und trotz feiner Mängel — es ist ja ein erstes Experiment! — sich auf sämtliche Bereiche des Friedensproblems erstreckt. Die Kinder werden zu Patrioten des Friedens erzogen, nicht in jenem unglücklichen. romantischen Glauben, dah die Weltgeschichte lediglich eine Kette von gewonnenen und verlorenen Kriegen fei. Interessant ist die Sammlung von Aussprüchen bedeutender Männer aller Zeiten gegen den Krieg — wir treffen die Namen Jesaja. Micha, Worte aus dem Talmud neben Tagore. Stresemann und Briand. Der Verfasser, der noch eine Reihe ähnlicher Schriften in unermüdlicher Arbeit herausgebracht und weitere in Vorbereitung hat. läht dieses Werk im Selbstverlag. Kehl a. Rh., erscheinen. Fast zu gleicher Zeit fendet mir der Generalsekretär der österreichischen Völkerbundliga. Arthur Müller. Wien, fein wertvolles Buch „Jugend und Völkerbund", das — gemäß unserer Reichsverfassung — sehr fein geeignet ist. die Jugend im Geiste der Völkerversöhnung zu erzielen. Im Plauderton wird hier das sonst etwas trockene und spröde Material an die Schüler herangebracht. Die beiden Teile des Buches. „Krieg. Frieden. Völkerbund" und „Völkerbund, Vaterland". Welt werden hervorragend ergänzt. was ich bisher noch in jedem zeitgemähen Geschichtsbuch vermiht habe, durch den Wortlaut der Wilfonschen 14 Punkte, des Völkerbundsstatuts, der Bestimmungen des Paktes von Locarno, des Antikriegsvertrages (Kellogg) usw. Diese notwendigen Terte dürften selbst für die Lehrer nicht ohne Bedeutung fein. Das Büchlein ist zu beziehen vom Verlag der österreichischen Völkerbundliga. Wien. Nibelungengasse 4. Als drittes: ein unscheinbares Heft für 20 Pfennig: „Kindergedanken über Krieg und Frieden". Es enthält eine Anzahl bezeichnender Kinderarbeiten, die vor etwa Jahresfrist von der rührigen österreichischen Frauenliga für Frieden und Freiheit in der Form eines Preisausschreibens zusammengestellt werden konnten. Die Veranstalter dieses originellen Preisausschreibens (man sollte gerade in jüdischen Schulen das Friedensheldentum zum Gegenstand einer ähnlichen intensiven Behandlung machen!) waren überrascht, wie viele entschiedene Anhänger die pazifistischen Ideen hatten. Die sonst recht blinde ..Heldenverehrung" der Kinder kann durch derartige Kleinarbeit in sittlich gerechtfertigte Bahnen geleitet werden. Dieses Heft ist erschienen im Verlag des Bundes der Krkegsdienstgegner. Berlin. — Es bleibt noch übrig, darauf hinzuweisen, dah der Verlag „Friede durch Recht", Wiesbaden. Gartenstraste 18. der einen wirklich her« vorragenden Kalender herausbringt — und der ganz kurz und flüchtig hiermit jedem Lehrerzimmer empfohlen fei! —. immer bereit ist, genaue Verzeichnisse über Friedensliteratur kostenlos zu versenden und jedes gewünschte Buch dieser Art zu beschaffen. Literarisches. Geschichtliches Handbuch für Lehrende an weltlichen Schulen. Herausgeber Freier Schuloerlag, Berlin. 2. Teil: Die einfache Warenproduktion und der Hanidelskapitalismus von Max F elfen. Wie fchon der Titel andeutet, und wie 'der Verfasser ausdrücklich bemerkt, steht das Buch im Lichte und im Dienste der materialistischen Eeschichtsauffasiumg. Damit 'ist seine Tendenz und Beideutung gekennzeichnet. Quellen- und Literaturnachweis sind einseitig und 'dürftig. Schätzbar aber ist das Material, das auch von Lehrern, die nicht 'den Standpunkt des Verfassers teilen, mit grastem Nutzen verwertet werden kann. Dr. H. Ster n. Lehren des Judentums» Teil 5. Herausgegeben von der „Dereinigung für Schriften über jüdische Religron" (ehemaliger „Verband der deutschen Juden"), Leipzig. Gustav Engeln 500 Seiten. Preis 7.50 'M. Der vorliegende fünfte und letzte Band des Werkes „Die Lehren des Judentums nach den Quellen" ist ein Meisterwerk der Apologetik. Er zerfällt in vier Hauptabschnitte: l. Abwehr fremder Anschauungen, 2. Abweichungen der christlichen Religionen vom Judentum in den Grundgedanken, 5. Abwerchungen der christlichen Religionen vom Judentum in den Erscheinung»» formen, 4. Einfluß des Judentums auf die Weltliteratur. Das Werk ist besonders für die jüdischen Lehrer beachtenswert. Es enthält das Rüstzeug für ihn für oen Religionsunterricht in den höheren Klaffen, ganz besonders zweifelnden Fragern gegen» über; es gibt ihm in weitgehendstem Maste Stofs und Anregung in seiner Tätigkeit als Prediger, und es stattet ihn mit dem erforderlichen Material aus. um öffentlich die in unseren Tagen leider so erforderliche „Abwehrtätiykeit" erfolgreich durchführen zu können. Das Buch darf in keiner Lehrerbibliothek fehlen. Zu erwägen wäre eine billige Massenauflage dieses Merkes, um ihm die weiteste Verbreitung in jüdischen wie nichtjlldischen Kreisen zu verschaffen. M. Steinhardt. Bars Handbuch der Geschichte. Teil 6. Der Kampf um das europäische Gleichgewicht und die Ohnmacht des Reiches. Union Deutsche Derlagsgesellschaft, Berlin SW 10. Preis brofch. 7 m. :;2li Seiten. Was in Nummer 10 bei der Besprechung des Werkes 4 gesagt worden ist, ist auch für den vorliegenden Band 8 cm ganzen Umfang aufrecht zu erhalten: Ein vortreffliches Werk! Dieser Band zeichnet sich dazu noch durch besonders reiches Quellenmaterial aus. Sachlich wäre zu bemerken, daß die Gesamtwürdigung der Politik des Großen Kurfürsten zu günstig ist, die neuere Forschung sucht seine Bündnrspolitik nicht mehr zu rechtfertigen. Dr. H. Ste r n. Lion W o l f f: Lehrbuch der israelitischen Religion für Proselyten. Leipzig. Gustav Engel. Der alte Vorkämpfer des lüdifchen Lehrerstandes, Lwn Wolff. der seit einigen Jahren in Berlin im Ruhestand lebt, hat im Alter von 84 Jahren noch ein praktisches Lehrbuch für den Religionsunterricht an Proselyten herausgegeben. Um es sogleich vorweg zu sagen: das Buch ist brauchbar und als erstes dieser Art sogar vortrefflich! Die genaue Durchsicht des Werkes läßt noch einiges vermissen, was vielleicht später, bei einer zweiten Auflage, nachgeholt werden kann. Dcr erste Teil: „Hebräische Lesefibel könnte anstatt vieler für den Schüler noch unverständlichen Worte Vokabeln aus dem praktischen jüdischen Leben bringen, die beim Lesen bereits erklärt werden: z. B. Mizwoh, Mesusoh, Minchoh, Scholaum, Kiddusch. Zedokoh, Mazzoh usw. Anderseits ist ein großer Teil des systematischen Vokabulariums vollständig überflüssig, da er viel zu schwer und dem ersten Uebersetzungs- oder Anschauungsstoff gänzlich abseits liegt. Von den 205 übersetzten Wörtern sind nur 67