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Jüdische Schulzeitung · 1929-11-15 · Heft 11 (15.11.1929) · page 7

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 11 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nummer 11 Jüdische Schulzeitung. Seite 7 für gekommen. Andachlstunde und Konfirmation im Andachtsaale des Philanthropins einzustellen. Das Bemühen, den hebräischen und Religions-Unterricht zeitgemäß auszugestalten, aber ging unentwegt weiter. Davon geben uns die mannigfach ausgestellten neuen Lehrpläne, durch die man eine erfolgreichere Erlangung der gesteckten Ziele erstrebte. Zeugnis. So gab Stern, der großen Wert auf positiv jüdischen Inhalt des Religionsunterrichts legte. 1666 einen Lehrplan heraus, demzufolge zwar das ursprüngliche Ziel bei den Knaben „das Verständnis der Bibel inr Urtext" eine beträchtliche Einschränkung erlitt (bei den Mädchen hielt man seltsamerweise Hebräisch Lesen und Uebersetzcn einiger Gebete immer noch für ausreichend), der für den eigentlichen Religionsunterricht aber ein erhebliches Maß von Kenntnissen verlangte. Das gilt nicht minder von den späteren Lehrplänen, von denen wir den grundlegenden von Jakob Auerbach hervorheben wollen. "Auerbach wirkte von 1843—1879 am Philanthropin. Generationen haben aus seinen „Biblischen Erzählungen" und seiner „Schul- und Hausbibel" religiöse Belehrung geschöpft. Das Interesse, das die Schicke auch in den weiteren Zeitläufen dem Religions- und hebräischen Unterricht bewahrte, geht schon daraus hervor, daß Baerwald (Direktor von 1866—1899) in der Festschrift zur Jahrhundertfeier immer von neuem mit wohltuender Wärme auf den Religions- und hebräischen Unterricht zurückkommt. Besonders seine Ausführungen über die Bedeutung der nachbiblischen Geschichte für die Erziehung der jüdischen Jugend verraten den religiös empfindenden, feinsinnigen Historiker. Als praktischen Zweck des hebräischen Unterrichts bezeichnet er. rvas noch heute seine Gültigkeit hat: den Schülern den wesentlichen Inhalt des Gebetbuchs und der Heiligen Schrift zu vermitteln, so daß sie mit Verständnis dem öffentlichen Gottesdienst folgen können. Von der Wertschätzung, die Baerwalds Amtsnachfolger Adler (Direktor von 1900—1919) für den Religions¬ und hebräischen Unterricht hegte, zeugt es, daß er mit Vorliebe und. meines Wissens, während seiner ganzen Frankfurter Zeit nur in diesen Fächern als Lehrer tätig war. Verschiedene Uebelstande aber stellten sich einem vertieften und ausreichenden hebräischen und Religions-Unterricht hindernd in den Weg. Hatte schon der amtliche Lehrplan von 1662 die Stundenzahl des hebräischen Unterrichts verkürzt, so war der wahlfreie Charakter, der diesem Fach von jeher gegeben wurde, von weit größerem Schaden als Baerwald in der Festschrift zur Jahrhundertfeier vermeint. Einem wahlfreien Fach wird nie dieselbe Wichtigkeit beigemessen wie einem Pflichtfach, und wollte man — sagen wir einmal — den Latein- oder den Mathematikunterricht zu einem wahlfreien stempeln, eine Anzahl Schüler splitterte bestimmt von diesen Fächern ab. Zu dem Uebelstand der Wahlfreiheit kam noch die Gleichgültigkeit der Eltern, über die Heß schon 1812 bewegliche Klage führt und, um das Maß voll zu machen, die Kalamität des Sonntagsunterrichts. Da die Verteilung der vielen Unterrichtsstunden auf fünf Wochentage auf Schwierigkeiten stieß, galt der Sonntag als allgemeiner Unterrichtstag. Verschiedene Umstände (unter ihnen das Verbot der staatlichen Aufsichtsbehörde, christliche Lehrkräfte am Sonntag zu beschäftigen) aber bewirkten es. daß der Sonntagvormittag seit 1897 für die Knaben von Quarta an aufwärts —. neben Linearzeichnen und Stenographie — mehrstündigem hebräischen und Religions-Unterricht Vorbehalten blieb. Sonntags aber pflegen die Frankfurter mit ihren Kindern Tagesausflüge zu machen, und ein Teil der jüdischen Jugend obliegt an ihm irgendeinem Sport. Infolgedessen fehlte durchweg ein Teil der Schüler unter den nichtigsten Ausflüchten beim Religions- und hebräischen Unterricht, der auf diese Weise nicht nur eine große Hemmung, sondern auch eine ebenso große Herabwürdigung erfuhr. Als nun im Laufe der Jahre immer mehr. Kinder aus konferoatioen Kreisen dem Philanthropin zugefuhrt wurden. erblickten diese in Verschiedenem, was den Religkons- und hebräischen Unterricht betraf, u. a. auch darin, daß der hebräische Unterricht ohne Kopfbedeckung erteilt wurde, daß in der Mädchmschule für alle und in der Knabenschule für die beiden obersten Klassen wöchentlich nur eine hebräische Stunde angesetzt war. eine stiefmütterliche Behandlung des ihnen am Herzen liegenden Unterrichts. Die konservative Opposition erstarkte schließlich so. daß sich Direktor Adler (1917) nach langem Zögern und innerem Widerstreben zu der unpädagogischen Konzession bereit fand, einen konservativen Parallelunterricht emzurichten. der unter der Oberaufsicht des konservativen Gemeinderabbiners Nobel stand und von zwei konservativen Lehrern. B. May und 2. B. Levy, erteilt wurde. Diese Einrichtung hatte aber in unterrichtlicher und schultechnischer Hinsicht eine Kette von Unzuträglichkeiten im Gefolge. Sie alle hier aufzuzählen, würde zu weit führen. Es ist das große Verdienst des nach Adlers Heimgang mit der Leitung des Philanthropins betrauten Direktors Driesen, der sein Interesse für den Religionsunterricht schon dadurch bekundet, daß er mit den Schülern und Schülerinnen der oberen Klassen kn besonderen Stunden „Allgemeine Probleme des Judentums" bespricht, im Jahre 1921 die Wiedervereinigung der geteilten. Unterrichtsabteilungen erreicht zu haben. Der hebräische Unterricht fand nunmehr mit Kopfbedeckung statt, die Stundenzahl wurde vermehrt, und somit war Gelegenheit geboten, den hebräischen Unterricht auch nach der sprachlichen Seite hin methodischer zu gestalten. Außerdem trat neben dem 1909 von der „Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M." herausgegebenen Religionslehrplan für höhere Lehranstalten ein neuer Lehrplan für den hebräischen Unterricht im Philanthropin in Kraft. Die Kollegen B. May und 2. B. Levy wurden unter die Zahl der der Schulleitung unterstehenden Lehrkräfte aufg> nommen. Sie haben durch Herausgabe verschiedener aus der Praxis hervorgegangener Schulbücher dem hebräischen und Religions-Unterricht nach Kräften zu dienen gesucht. Desgleichen haben zur Belebung des Religionsunterrichts, zur Stärkung des jüdischen Bewußtseins und zur Weckung religiös-künstlerischen Sinnes die Philanthropinlehrer Kuttner, Gut, Gallmer und Freudenberger gern gelesene jüdische Jugendbücher herausgegeben. — Die Aufgabe des Religions- und hebräischen Unterrichts im Philanthropm ist es auch, fernerhin, ihn zu einem Majon hammisgabber „zu einem immer stärker werdenden Borne" zu gestalten, der zu einem Strome religiösen Wissens und sittlichen Empfindens wird. Ansprachegehalten beim Jugendgottesdienste am Sabbath K'doschim in der Synagoge des Krankenhauses zu Breslau von Rabbiner Dr. Halperfohn. Meine lieben Schüler und Schülerinnen! Der Schriftnbschnitt, den ich vorhin verlesen habe, birgt in sich eine Reihe köstlicher Sätze, die ohne Ausnahme es verdienen, daß Ihr sie fest Euch präget in den Sinn und in . die Seele. Aus dieser reichen Fülle von Geboten und Verboten will ich ein einziges herausgreifen u,'nd es mit Euch näher betrachten: Es ist dies ein kurzes, aber inhaltreiches und bedeutungsschweres Wort und lautet: Lau sselech rochit b’amecho Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter Deinem Volke.

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