Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1929-10-15 · Heft 10 (15.10.1929) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 10 (15.10.1929)
Date
1929-10-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2825247-2825274-2825284--0334-2825934
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nummer 10 3übtid)C Schulzeitung. Seite 7 maft — die religionsgeschichtliche Methode heran, um gewisse Riten zu erklären, wie besonders reichlich beim Hüttenfest und beim Fest des Wassersclchpfens, mit Unrecht wohl, denn es handelt sich doch zumeist um -Vermutungen oder nur mit Vorsicht hinzunehmende Deutung. So wenn Josephus beim Palmenstrauß — Lulaw — von Thyrsosstäben redet, so ist dies nü. E. kern Beweis dafür, daß hier irgendwie I. selbst an Riten eines Bachüsfestes denkt, er berücksichtigt vielmehr seine römischen und griechischen Leser und verwendet ihnen zuliebe einen Terminus aus dem Bereich ihrer Feste. "Andererseits betont E. mit vollem Recht, daß bei aller Möglichkeit des Nachlebens fremder Riten sie Umbiegung in die eigene Gedanken- und Feierwelt bei den Juden beachtet werden muh. Reiche Anmerkungen bringen die Quellen für die gelieferte Darstellung. Wertvoll rst auch der Anhang über die Geschem-Komposttion Kalirs. Rabbiner Dr. A. Posner, Kiel. Ero 1 hjahn. Utlfrcb — Jung e, Gustav: Maßvolle Schulreform. Praktische Vorschläge eines Arztes und eines Lehrers. Mit 15 Abb. Leipzig, Alfred Kroener. 1929. VIII. 179 S. 5,50 RM. ..Wir haben den hohen Wolkenflug der Reforinlitcratur unserer Tage vermieden und uns aller hehren Weihetöno enthalten. — Unsere Forderungen kosten wenig Geld." Langsam scheint man sich in Schulkreisen barauf zu besinnen. das; die Schule auf der Erde steht, daß sie eins Schule fürs Leben sein soll, das; man bei allen Reformen. so ideal sie auch sein mögen. ein wenig an den vorhandenen nervus reruin zu denken hat. — Die Reformen, welche die beiden Verfasser in der Lern- und Sitzschule angewendet wissen wollen, sind nicht neu; „maßvolle Pädagogen und maßvolle Eltern" haben sie angewendet. Das Büch ist jedem zu empfehlen, dem es ernst ist mit einer Umgestaltung. wenn sie auch nicht einer von ihm gehegten Lieblingsidee entspricht. Aber der Zorn der Lehrerschaft wird sich über die Verfasser ausschütten, denn ihre ,»n;aßvollen Reformei;" erstrecken sich auf die Ferien, btc für die Jugend nicht lang genug sein können, für die Lehrer aber „nur" fünf Wochen im Jahre betragen sollen, wie in den meisten anderen Berufen. Man denke! Bei einer Neuauflage wäre zu wünschen, daß innerhalb eines Abschnittes die Verfasser nicht zweimal, sondern nur einmal zu Worte kommen. Der derzeitige Aufbau verwirrt den Leser. E. M. Ulitz. Arnold: Aufruhr der Kinder. Roman. Berlin. Propyläen-Verlag. 1928. 244 S. „Alles war Ordnung, System. Gesetz; ein Befehl ohne Sinn, aber doch ein Befehl, und Sinn, war Unsinn, und Befehl war Sinn..." Die Worte, gleichförmig und schwer, lasten auf uns, wie sie in ihrer Ausführung auf den jugendlichen Seelen lasten. Jeder Lichtstrahl verschwindet, jedes Quäntchen Freude geht zugrunde, wenn nur System und Gesetz regieren. In das „düstere Haus der Jugend" (contrncliotio in adjecto) kommen Uli und Peter Berger, einer Art Boheme- Familie entstammend. "Rur schwer finden sie sich in das Leben der ..Spittellrebse" ein. Peter Berger gründet den Bund der Moskianer: er will mit Hilfe einiger Kameraden die -„Frau Mutter" ermorden. Sie und ihr Mann haben die Stellung als Wvaiseneltern auf den Zivilversorgunysschein hin bekommen. Kinderseelen sind ihnen, den Kinderlosen, unerforschtes. unbekanntes Land. Alles das wird uns so schwer und wuchtig erzählt, wie der Tritt der Waiseniungen klingt, wenn sie auf den; Fahrdamm zur Schule marschieren. Der Schluß, will mir scheinen, ist ziemlich unwahrscheinlich: zu sprunghaft, zu schnell vollzieht sich die Umstellung von einem veralteten System auf ein nach neuen pädagogischen Prinzipien geleitetes Erziehungsheim. Ulitz gibt uns ein Buch vom Jugendland, das uns — trotz der Vorzüge moderner Aniraliserziebung. von der wir überall höre,' und lelen — «: fcenin eener :rüii tos 2rn«rr.'. -"Hd' Ld ■£* uerrruerr 7r—.blder mr; ■damvziB. Klerus anö ödbenüranOs ernnn«irr eine ernst zu nehmende Ergänzung in der Frage der Jugendfürsorge. Else Wien fe n. . _ Beiträge zur Wesenserkemitnis des Judentums von Bezirksrabbiner Dr. Beermann. Herausgegeben vom Verlag der „Abwehr-Blätter", Berlin W 35, Flottwellstr. 7. Gerade in unserer Verbandsperiode, in welcher der Lehrerverband als Thema die Durchprüfung und Erörterung des Problems: „Apologetische Fragen im jüdischen Religionsunterricht" aufgestellt hat. begrüßen wir um so lebhafter das Erscheinen dieser unseres Erachtens wertvollen Broschüre. Sie stellt die überarbeitete und ergänzte Artikelserie dar, welche Dr. Veermann, der in der Lehrerschaft wohlbekannte Verfasser so manchen pädagogischen und methodischen Aufsatzes, im vorigen Jahre in den „Abwehr-Blättern", dem Organ des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, veröffentlicht hat. Wir glauben, daß diese Broschüre jedem Wahrheitsfreunde reichhaltiges und beweiskräftiges Material zum besseren Verständnis des Judentums, der Juden und ihrer religiös-sittlichen Lehre barbietet, und daß sie in der Hand des jüdischen Lehrers ein brauchbares Lehrmittel sein kann. Die Schrift behandelt in lebendiger Sprache, aus der> sicheres. festbegründetes jüdisches Wertbewnßtsein klingt, aber doch m u ohl abgemessener, nicht angreifender Form eine große Reihe wichtiger in Frage kommender Punkte, io: das Judentum cls Gesinnungsreligion. Die Originalität der jüdischen Lehre. Der „Rache- und Nationalgott" Israels. Die „Doppelmoral" des Judentums. Jüdische „Engherzigkeit" u. a. Das Merkchen, dessen Preis auf 75 Pfg. festgesetzt ist. ist sicherlich auch wohl geeignet für reifere Schüler. Vielleicht darf gehofft werden, das; der Herausgeber, der Verein zur Abwehr des Antisemitismus, bei gleichzeitiger Abnahme einer größeren Anzahl Eremplare einen wesentlichen Nachlaß gewähren werde. c . M. Abraham, Berlin. Moses Mendelssohn, der Mensch und fein Werk. Zeugnisse. Briefe. Gespräche. Herausgegeben und eingeleitet von Bertha Badt-Strauß. 1929, Welt - Verlag. Berlin. Die Herausgeberin entwirft in der Einleitung ein vortreffliches Bild des großen Mannes, den sie in seinem Wirken und Schaffen aus Zeit und Umwelt zu verstehen lehrt. Die Anmut ihrer Schreibweise, die man aus mancher Veröffentlichung schützen gelernt hat. genießt man um so lieber, als sie immer aus gründlicher sachlicher Kenntms. fließt. Gerade bei Mendelssohn, dem man dieselbe Fähigkeit nachrühnlt. ist dieser Stil besonders am Platzei Die Darstellung wird gestützt und ergänzt durch klug ausgewählte Proben aus Mendelssohns eigenen Schriften und den "Aeußerungen seiner Zeitgenossen. Es kann also jeder Leser durch ..Quellenstudien" sich selber ein Bild machen und mag bei dieser Gelegenheit die unterrichtliche "Arbeitsmethode schätzen lernen, die ähnlich verfährt. Auch wird man auf diesem Wege manchmal die Entstehung von Legenden und falschen Ausschmückungen erkennen, die sogar noch in den jüngsten populären Lebensdarstellungen Mendelssohns ihre unberechtigte Stelle finden. Der Heine-Bund hat sich durch die Veröffentlichung dieses Buches, dem er durch interessante Bildbeigaben und schöne Druckausstattung ein würdiges Aeußeres gegeben hat. ein großes Verdienst erworben. Solange uns eine volkstümliche, auf wissenschaftlicher Grundlage gearbeitete umfassende Biographie Mendelssohns fehlt — ich denke an eine Darstellung in der "Art des Bielschowskyschen Goethe — wird das vorliegende Werk uns von besonderen; Werte sein. Die neuesten Veröffentlichungen von Dr. Bruno Strauß, den; Sohne unseres unvergeßlichen Kollegen "Abraham Strauß, Marburg, i,.Mendelssohn in Potsdan;", Soncino-Verlag; Mendelssohn. Verlag Lambert Schneider) lassen hoffen, daß in absehbarer Zeit unser Wunsch erfüllt wird. Dr. Spanier. Berlin. Moses Mendelssohn, das Märchen seines Lebens, Erzählt von Jakob Seifensieder. Philo-Verlag. Berlin 1929. Jakob Seifensieder, als Gabriel Rießer-Biograph bekannt. T>at die märchenhaft anmutende Laufbahn Moses Mendelssohns in einer Schrift geschildert, der man von Herzen zahlreiche Leser wünscht. Das Buch gibt neben dein Le -.y-rf .-6 ■i.-y.i?>., J.f,-,, z£f.tU~i ->.< ftnnr.^ W'rfr auch einen - gewisten ,Gr-rd geistiger Schulung und geistiger Bildung. Mendels'ohns Wirken für Aufklärung und Humanftät. fein mannhaftes Auftreten gegen Irttümrr, Aberglauben und Unbildung, sein Eintreten für Israels Men-chenrechte unJ> ,et!L-*>arnW öc9en Intoleranz, dies, alles ist in lebensvoller Wege in schöner Sprache glücklich dargestellt. Man kann das Buch auch der reiferen Jugend in die Hand geben und möchte ihm schließlich zahlreiche nichtjüdische Leser ' wünschen. ... E. Gut.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.