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Jüdische Schulzeitung · 1929-10-15 · Heft 10 (15.10.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 10 (15.10.1929)
Date
1929-10-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Jüdische Schulzeitung. Seite 6 gestellt werden könnte. Aber auch in der Zielsetzung sind unsere Lehrbücher äußerst unvollkommen. Die wenigsten gehen über die ersten Anfangsgründe hinaus und vermögen tatsächlich in die Sprache einzuführen. (Eine sachliche Kritik aller uns zu Gebote stehenden Lehrbücher soll bei anderer Gelegenheit erfolgen.) 4. Die Lehrmethode. Aus alledem ergibt sich mit Notwendigkeit, datz von einer den modernen Anforderungen des Sprachunterrichts genügenden Methodik des hebräischen Unterrichts in den meisten Schulen nichts zu merken ist. Vielmehr herrscht bei weitem noch die sogenannte Chedermethode. die Reinhardt treffend als „geistlose Unmethode" bezeichnet. 5. Die Folgen. Diesen Mitzstanden ist es zuzuschreiben. datz die meisten' Schüler unserer Religionsschulen erschreckend geringe Kenntnisse in der hebräischen Sprache aufweisen, wodurch das Ansehen unserer Religionsschulen in weiten Kreisen der jüdischen Jugend sehr gesunken ist. Ist es nicht beschämend für die Religionsschulen. wenn Jugendliche. die diese Schulen 7—8 Jahre ununterbrochen besucht haben, später als Studenten oder Kaufleute die elementaren Kenntnisse der hebräischen Sprache in den hebräischen Sprachschulen sich aneignen müssen, wie dies in den Großstädten vielfach beobachtet werden kann? Daß hier Wandel geschaffen werden mutz, wird jeder Einsichtige wohl zugeben. 6. Vorschläge, a) Uni alle ermähnten Mitzstände nach Möglichkeit zu beseitigen, wäre die Einberufung einer Konferenz notwendig, für die der „Reichsverband der jüdischen Lehrer" die Initiative ergreifen mützte und an der Vertreter aller Lehrervereine, der Rabbiner-, Gemeinde- und Jugendvcrbände sowie sonstiger an der Erziehungsarbeit interessierter Kreise sich beteiligen. sollen. b) Auf dieser Konferenz wäre eine Kommission zu wählen, welche die Ausarbeitung von Richtlinien für die hebräische Ausbildung der Lehrer an Lehrerbildungsanstalten sowohl wie auch für die Schaffung eines einheitlichen Lehrbuches der hebräischen Sprache, das unserem Lehrziele und den Anforderungen der modernen Pädagogik entspricht, übernehmen soll. c) Um die Vorarbeiten dieser Kommission zu erleichtern, müsste vorher ein pädagogisches Archiv geschaffen werden, in das zunächst alle in den letzten Jahrzehnten in Osteuropa. Palästina und Amerika erschienenen Lehrbücher der hebräischen Sprache neben den in Westeuropa eingeführten gesammelt werden. Es gibt nämlich in den östlichen Ländern und in Palästina eine ganze Anzahl Lehrmittel, die den meisten Lehrern Westeuropas völlig unbekannt sind. Aus diesen von erstklassigen Pädagogen und ausgezeichneten Kennern der hebräischen Sprache und Literatur verfaßten Lehrbüchern könnten die Verfasser hebräischer Lehrbücher für das deutsche Sprachgebiet sowohl in bezug auf die Auswahl des Stoffes wie auch in methodischer Hinsicht sehr viel lernen. Auch hier gilt wie auf anderen Gebieten die talmudische Deutung des Satzes: imin non ’nb ny Wenn die Erhaltung des Judentums neue Wege fordert. dann mutz man den Mut haben, mit Altern^ durch EewohnlM und bleberlieferung Liebgewordenem und scheinbar Geheiligtem zu brechen. Literarisches. »illajttt Wett." — Eedichtsammlung für das 5. bis 8. Schuljahr. Herausgegeben von Berliner Schulmännern. Genehmigt unter U III A 2172/1 vom 4. November 1923 durch das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und'Volksbilduna. Erotzoktav, 224 Seiten. In Ganzleinen gebunden'-5;— Nummer 10 Mit der Gedichtsammlung „Unsere Welt" hält ein Werk in unseren Schulen Einzug, das in ergreifender Wahrhaftig, keit die Wendung zeigt, welche die neue Schule in der neuen Zeit vollzogen hat. Dichter der letzten Jahrzehnte erhalten das Worr. stehen in allen Brennounkten des wirklichen Lebens, spüren mit uns jeden Schnittpunkt der alten Ideale mit der neuen desillufionierenden Nüchternheit der Seins, bauen also unsere Wett auf. Es ist nicht der alte Orgelklang früherer Schulbuch-Literatur, aus der man Grundgedanke. Gliederung. Inhaltsangabe herauspretzte und sogar noch ein Aufsatzthema gewann, an der man herum'„behandelte", weil sie die vorschriftsmäßige Weltanschauung bilden sollte. Es ist die Welt, die uns allen plötzlich einen Schritt näher getreten ist. daß wir uns stoßen an dieser Nähe des Wirklichen, sei es rm Erglühen für die Schönheit der Natur, fer es im Erdrücktsein unter der Wucht der Alltagselends. Das find nicht Gedichte, die man auswendig lernen läßt — alle Zucht- und Strafpädagogik um das Nichtgelernte entfällt hier, die unwahre Vorstellung von der Aufspeicherung „köstlicher Proben aus dem Literaturschatz" hat hier keinen Boden. Das in seiner Wachheit dem Dichter so nahe Kind wird hier selbst wählen den Lersch oder den Bröger. den Toller oder den Dehmel, den Goethe oder den Morgenstern. Wir brauchen hier keine ..Hinleitung" und keine „Anleitung". In allen Teilen des Buches steht der Dichter dicht neben dem Kinde und das Kind sieht mit erschreckt wissendem Blick in das vom Dichter Gestaltete. Ob die Stadt Mittelpunkt ist, „Fabrik". „Mittag am Fabriltor", „Das Warenhaus . „Predigt ans Erotzstadtvolk" gestaltet werden, ob die Fahrt auis Land geschildert wird, ob der Dichter in die „tiefste Ferne der Kindheit hinabschaut". ob schließlich Nationen der Völkergeschichte — „Hunnenzug". „Märzsturm", „Revolution" vom Dichter festgehallen werden — überall das unfeierlich Wahre, das greifbare Stahe. — Der Sammlung find fünf Bilder der bekannten Künstlerin Käthe Kollwrtz beigeaeven. Es ist wohl das erste Mal. datz die tiefe reife Koklwiksclie Kunst in einem Schulbuche unseren Kindern betannt wird. Der Band ist sehr gut ausgestattet, genügt allen Anfprüchen, die man an ein modernes Buch stellen kann, vor allem ist das Buch billig. Man darf wohl sagen, datz man diesen Gedichtdand mit Beendigung der Schulzeit nicht vergessen wird, er wird auch den Heranwachsenden Menschen stark beschäftigen. Bacher. Kassel. Buse mann. Adolf: Das Geschlechtsleben der Jugend und feine Erziehung. Vorträge in einer Volkshochschule Berlin. Union 1929. 57 S. Gbd. 3 RM. (Pädag. Weg. weiser Bd. 15.) Der Zielsetzung entsprechend — Vorträge in der Volks- Hochschule — ist das Buch ohne wissenschaftliches Beiwerk klar, einfach, zuweilen nüchtern. Der Verfasser beleuchtet die Stadien des Geschlechtslebens im Kindesalter, in der Vorpubcrtät, iin Reifealter und im Alter von 20—30 Jahren. Als Hauptursache geschlechtlicher Frühreife ist die Wohnungsnot anzusehen. Den Begleiterscheinungen der Vorpubertal und der geschlechtlichen Reife wird Beachtung geschenkt. sie werden aber nicht als Todsünden angesehen. Gleich Hoffmann und Stern steht der Verfasser auf dem Standpunkte, die Jugendlichen nicht erst auf das Verwerfliche der Onanie hinzuweisen. Sie geht vorüber wie jede „Kinderkrankheit". Wie jeder vernünftige Sozialpolitiker verlangt der Verfasser die Frühehe. natürlich auf gesicherter wirtschaftlicher Basis, ein Wunsch, der in unserer gegenwärtigen Wirtschaftskrise noch lange Wunsch bleiben wird. N. 46. Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Inhalt: 1. Jahresbericht des Kuratoriums für 1926, 2. „Die Feier der drei Wallfahrtsfeste im zweiten Tempel" von Professor Dr. I. Elbogen, Berlin 1929. Der vorliegende Bericht enthält die üblichen Angaben über den Vorlesebetrieb, die Studierenden, die Stiftungen, die Stipendien, die Bibliothek und die Finanzen der Hoä^ schule. — Die wissenschaftliche Beilage von Elbogen bringt den Abdruck eines Vortrages, den E. im lnstitutum fuckaicum an der Universität Berlin im letzten Winter gehalten hat. Es ist eine lebhaft und anschaulich geschriebene Darstellung der Feier der drei Wallfahrtsfeste, wie sie nach den Angaben des talmudischen Schrifttums und unter Heranziehung der geringen, sonst vorhandenen Quellen — wie Josephus. Philo, Plutarch, N T—. gegeben werden kann. Der Gerfasser unterlätzt es bisweilen nicht, diese Feiern mit dem '-ver<*k««ken -undlieht’— wohl im Heber-

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