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Jüdische Schulzeitung · 1929-09-15 · Heft 9 (15.9.1929) · page 11

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 9 (15.9.1929)
Date
1929-09-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nummer 9 Jüdische Schulzeitung. Seite U Wolke allgemeiner Wertlosigkeit erscheint, der dieser Stern allein entstrahlt. Man schreibt 1767. Zwei Jahre spater halt Lavater diesen Stern reif für den Himmel des Christentums. Allein der psychologische Moment ist falsch gewählt. Die Ent. scheidung, die allerdings jetzt endgültig fallen mutz, fällt zugunsten des Judentums. Schwere innere Rümpfe hat Mendelssohn zu bestehen, Er sicht seine Stellung in der öffentlichen Meinung wis in der gelehrten Welt der deutschen Nation bedroht, deren Interessen seine eigenen.geworden waren: denen der Judenheit aber, deren Wortfülfter ihn verbittert hatten, war er entfremdet. Doch ist tzr überzeugter Jude und ehrlich, und verweigert „was die Gesellschaft von ihm fordert". (So schreibt Abraham Mendelssohn 1820 an seine Tochter zu deren protestantischen Konfirmation: „Du hast durch Ablegung Deines Glaubensbekenntnisses erfüllt, was die Ge>- schaft von Dir fordert, und heißest Christin.,") Moses Mendelssohn kämpft so schwer, daß er an Hennings schreibt: „Ich verlor infolge der Lnvaterschen Zudringlichkeit die Fähigkeit zu meditieren und mit ihr anfangs den größten Teil meiner Zufriedenheit." Aus dieser zeitweisen Gebrochenheit erwacht er, der Eeschichtsfremde. mit einer wichtigen geschichtlichen Erkenntnis; datz der Einzelne nur in seiner eigenen Gemeinschaft wurzeln und von ihrem Mutterboden aus Entscheidendes auch für andere wirken kann. Er verzichtet auf den Außensefter-Wettlauf in der christlich-deutschen Gesellsclxrst. mit der er Schritt gehalten hat. deren Ziel er aber nicht will. Er kehrt über dem Umweg der bei der Umwelt errungenen Verdienste und Erfolge zur Judenheit zurück, ihr das Errungene. Wissen und Ansehen, nutzbar zu machen, und alle nun auf ihn herniederprasselnden Vorwürfe von nutzen her festigen ihn nur noch in seinem Entschlüsse. In seiner jüdischen Gemeinschaft aber >hört er auf. Außenseiter zu sein, trotz mancher Bedrohungen und Angriffe gewisser Rabbiner. Er verliert sein allmählich wiedergewonnenes Gleichgewicht nicht oder kaum mehr. Allerdings: „Es gehört Nachsinnen dazu, wenn wir begreifen sollen, datz Haß und Rachsucht. Neid und Grausamkeit im Grunde nichts anderes als Schwachheit, lediglich Wirkungen der Furcht sind. . . Wer sich seiner Ueberlegenheit mit Sicherheit bewutzt ist, findet weit größere Glückseligkeit in Nachsicht und Verzeihung." Hier — im ..Jerusalem" (S. 105 der Weltverlag-Ausgabe von 1919). berausgekommen drei Jahre vor seinem Tode, sind alle Außcnseiier-Komplere gelöst: der Außenseiter ist heimgekehrt: der Mendelssohn der Bibelübersetzung schreitet seiner Gemeinschaft als Führer voran, aber in gleichem Schritt und Tritt mit ihr kämpfend um ihre Einfügung in die Kultur ihrer Zeit, um ihre bürgerliche Gleichberechtigung. Groß sind seine Verdienste als Förderer, Vermittler, Anreger der deutschen Wissenschaft. Aus der Geschichte der > Juden aber ist er nicht fortzudenken: Der Außenseiter Moses Mendelssohn. Mendelssohn und die Dessauer Philanthropen.*) Von L. Horwitz, Kassel. In einer Schulzeitung von der Bedeutung der Philanthropen und der Verwirklichung ihrer Ideen, durch Erziehung die Menschen glücklicher zu machen, zu sprechen, ist Wohl nicht angebracht. Wir müssen uns schon das Zeitalter der Aufklärung und ihren Weg von England über Frankreich nach Deutschland Vorhalten, um die Bestrebung Basedows. Campes und Salzmanns mit ihren Vorzügen . *) Benutzt sind: „Lessing-Mendelssohn Eedenkbuch", Leipzig 1879. S. 173 u. f. wie des Verfassers Schrift: „Geschichte der Herzoglichen Franzschule in Dessau 1798—1843". und Jrrtümern zu verstehen. Obwohl die Dessauer Musterschule die Aufmerksamkeit der damaligen Geisteswelt auf sich zog. hatte sie doch von vornherein den Krankheitskeim zu bannen und gegen den fortwährenden Geldmangel zu kämpfen. In dieser Not sollten die Juden als Helfer auftreten. Ob man Campe „dem energischsten, talentvollsten und vielseitig hochbegabtesten Förderer der Re-' formidee" nicht Unrecht tut. daß er aus rein materiellen Gründen Mendelssohns Hilfe anrief, sei dahingestellt. Es fehlt hierfür der Beweis. Aber Mendelssohn, der ja stets mit Dessau in Fühlung war und mit den damaligen Führern im Briefwechsel fhand. sollte seinen Einfluß auf die Hebung des Philanthropins bei den Juden geltend machen. Nach T«r. Frankels Meinung ist ein diesbezüglicher Brief Campes an Mendelssohn niemals veröffentlicht worden?) Seinen Inhalt erkennen wir nur aus der Antwort, die nachstehend im Wortlaut wiedergegeben sei als Wesenszeichnung jener Zeit: ..Mein teuerster Freund! Vorausgesetzt, daß sich alles wirklich nicht anders verhalte, als sichs Ihr etwas ängstlicher Eifer für die gute Sache vorstellet: daß nämlich kein Einziger meines Glaubens sich das Anerbieten des Philanthropinums wird zu Nutze machen, und daß so manche Ihres Glaubens sich dieserhalb ein schadenfrohes Hohngelächtcr erlauben werden; dieses alles, sage ich. als ungezweiselt, vorausgesetzt: was folgt daraus? Daß Sie Ursache hätten, den Schritt, den Sie getan, zu bereuen? Sicherlich nicht! Wohl aber, daß von der Hand weder Christen noch Juden eine philanthropische Erziehung gehabt, und daß ein solches Institut dem menschlichen Geschlechte um so notwendiger sei. Was der Fürst, mein gnädigster Landesvater, dazu sagen wird? Nach dem Begriffe, den ich von den Gesinnungen dieses Prinzen hege, wird er denken: die weiseren Juden dürften wohl nicht zugleich die reichsten sein, und' wird fortfahren, sich derjenigen väterlich anzunehmen, die nicht reich sind, und durch menschliche Begegnung vielleicht weise werden können, daß aber dieser Herr aus das Philauthropin dieses Vorfalles halber einen minder gnädigen Blick werfen könnte, läßt sich meines Erachtens gar nicht von ihm denken. Aber bester Freund! War denn der Schritt wirklich so außerordentlich, so kühn, den das Philanthropin zum Besten meiner Brüder getan? Liegt es nicht schon im Begriffe eines philanthropischen Instituts, daß ihm der Mensch als Mensch erziehungswürdig und willkommen sein muß. ohne darauf zu sehen, ob er einen beschnittenen oder unbeschnittenen Vater gehabt? Und die Stifter und Vorsteher dieses Instituts haben so äußerst viel gewagt, - daß sie sich einer wesentlichen Bestimmung desselben gemäß erklärt haben? Wollen befürchten, daß ein aufrichtiges Bekenntnis philanthropischer Grundsätze dem philanthropischen Erzichungswesen geschadet, dasselbe zugrunde gerichtet habe? Ich muß gestehen, daß ich dieser mehr als melancholischen Kleinmut, mit Ihren und Basedowschen Grundsätzen, die ich sehr verehre, nicht recht zustimmen kann. Ich von meiner Seite finde das Anerbieten der philanthropischen Vorsteher ihrer würdig, aber nicht außerordentlich. Denn daß jüdische Schüler und Zöglinge ausgenommen werden, dieses geschieht aus allen niederen und hohen Schulen Deutschlands, und auf Abschaffung kleiner *) Den Originalbrief besaß früt Probst in Dessau. Ern vollständiger S. 178/81 im genannten Eedenkbu buch für 2üd. Geschichte 1917" und von, an und über Mendelssohn. rr Kommissionsrat M. Abdruck findet sich aus y. ■ Man sehe: „Jahr- Geiger. Ludw.: Briefe

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