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Jüdische Schulzeitung · 1929-08-15 · Heft 8 (15.8.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 8 (15.8.1929)
Date
1929-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 8 auf keiner Stufe erreicht werden kann. In keiner höheren Schule werden einer fremden Sprache weniger als 3 Wochenstunden gewidmet, und ich exemplifiziere immer auf diese Schulen, weil wir so sehr geneigt sind, für alle Schwierigkeiten und Mißerfolge das Hebräische an sich verantwortlich zu machen, ohne das wir unserseits ein Minimum von Bedingungen schaffen, unter denen dieses Fach gedeihen kann. Ist nun diese Voraussetzung der drei Wochenstunden für Hebräisch erfüllt, so ist die Fibelstuse in dem 2. Schuljahr zu erledigen, für die 2. Stufe ist das 3. und 4. Schuljahr vorzuschen. so daß also nach Absolvierung der Grundschule im 6. Schuljahr der eigentliche Uebersetzungs- Unterricht beginnt. Ich halte das für erwünscht auch mit Rücksicht auf die Kinder, die nach Besuch der Grundschule zur Höheren Schule übergehen. Ter Religionslehrer der Höheren Schule hat dann eine Grundlage, auf der weitergebaut werden kann. Im 5. Schuljahr beginnt also der eigentliche Uebersetzungsunterricht. Es ist eine Frage nur der Zweckmäßigkeit. ob Pentateuch oder Gebetbuch in erster Reihe berücksichtigt werden sollen. Es wäre aber unverzeihlich wenn die bisherige mühevolle Arbeit dadurch in ihrer vollen Auswirkung ohne Ergebnis bleiben würde, wenn hier nach der alten Chedermethode vor- und nachübersetzt würde. Für diese geistlose UnMethode ist auf keiner Stufe mehr Raum. Deshalb sollen die Kinder die Uebcrsetzung des Textes nur dadurch erlernen, daß sie den Stamm des Wortes erkennen, und die Emprägung darf nicht erfolgen an Hand einer gedruckten Uebersctzung. sondern ausschließlich mit Hilfe eines Vokabulariums oder Wörterbuches. Für das Gebetbuch besitzen wir ein ausgezeichnetes Wörterbuch von Abraham, und die ausgewählten Stücke des Pentateuchs von Abraham und Rothschild sind ausreichend für jede Religions¬ und Volksschule. Die Kinder sind im Anfang im Gebrauch eines alphabetisch eingerichteten Wörterbuches zu üben, was nach meiner Erfahrung keine Schwierigkeiten bereitet. Der sprachliche Charakter des Unterrichts tritt in den Hintergrund, aber ganz kann auch jetzt nicht auf sprachliche Uebungen verzichtet werden. Es sind die übrigen Konjugationen vom Niphal an zu üben, aber sie bieten keine Schwierigkeiten mehr, und die schriftlichen Uebungen erleichtern sehr die Arbeit. Auch das unregelmäßige Zeitwort ist zu üben. Ich meine nicht, daß irgendwelche Regeln gelernt werden sollen, aber die häufig Vorkommenden Wörter wie -j^n ,TOJ? ,iM „iTTl ,K"D ,NP^> usw. sollen wenigstens in der Reihe aufgesagt und ausgeschrieben werden. Wir haben nun 'Texte des Gebetbuches oder des Pentateuchs vor uns. und es ist bereits betont, daß die inhaltliche Besprechung nun ein wesentlicher Teil des Unterrichts ist.' Ich müßte mich zu sehr in Einzelheiten verlieren, wollte ich mich auch über diese Seite des hebräischen Unterrichts ausführlich aussprechen. Für das Gebetbuch sei auf ein Werk hingewieseu. das dem Lehrer sehr viel Anregung geben wird, nicht nur für den Unterricht; es ist Ellbogen: Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung. ' Die Auswahl der einzelnen Stücke des Gebetbuches erfolgt am besten nach liturgischen Gesichtspunkten. Die Kinder haben erst im 5. Schuljahr das Gebetbuch, als eigentliches Buch für den hebräischen Unterricht in die Hand bekommen, und jene Vertrautheit mit dem alten Siddur, die wir in unserer Jugend gewonnen haben, ist verloren. Diese Vertrautheit ist nach meiner Meinung rricht ein Prvdutt uur des Unterrichts Zervestn, und Seiet S es ist ein Fehler, für die Fremdheit der meisten Juden dem Gebetbuch gegenüber den Unterricht verantwortlich zu machen. Aber doch werden die Kinder mit dem Gebetbuch bekannter. wenn sie zuerst nur häusliche Gebete, also Stücke aus dem Tisch- und Nachtgebet, im Anschluß daran das Abendgebet und dann, das Morgengebet übersetzen. Ganz konsequent läßt sich dieser Plan nicht durchführen, denn die Psalmen müssen ihrer Schwierigkeit wegen dem 7. und 8. Schuljahr Vorbehalten bleiben. Ich glaube, das wichtigste über diesen Unterricht gesagt zu haben. Wenn wir den Unterricht nach diesen Grundsätzen erteilen, so ist unsere Arbeit nicht vergebe lich gewesen. Alle jüdischen Vereine sind bemüht, das Judentum innerlich zu stärken. Wir können diesen Bestrebungen nicht mehr dienen als durch einen erfolgreichen hebräischen Unterricht. Wie sind Disziplinarsülle in -er Aeliglonsskunde zu behandeln? Von Konrektor Speyer in Frankfurt a, M. Die Schule ist ihrer Bestimmung gemäß nicht nur Unterrichts-, sondern auch Erziehungsanstalt. T-araus geht hervor, daß sie es mit Objekten zu tun hat, die zu erziehen finb, weil sie noch unerzogen, ungezogen oder verzogen sind, denn ein gut erzogener Mensch braucht keine Erziehungsanstalt. Daß die Schulkinder verzogen und ungezogen sind, weiß jeder praktische Pädagoge, denn unter der zu seinen Füßen sitzenden Schar, die oft recht groß ist, befinden sich immer einige Kinder, die auf das Eigenschaftswort „wohlerzogen" keinen Anspruch machen können. Sei es aus Leichtsinn, sei eS aus Bosheit, sie schlagen über die Stränge, welche die Schulordnung und die Disziplin ihnen zieht und bereiten dem Lehrer manchen Verdruß, manche böse Stunde. Daran sind die Lehrer gewöhnt. Jugendstreiche, die nicht aus böser Absicht entspringen, nehmen sie gern in Kauf, sind sie doch häufig der Ausfluß jugendlicher Regsamkeit und frischen Tatendranges, — aber schlimmer sind die Ungezogenheiten, die in der Roheit des Gemüts, in der Absicht, dem Mitschüler zu schaden oder den Lehrer absichtlich zu ärgern, ihre Wurzel haben. Gegen solche Zeichen verdeckten Charakters muß der Lehrer mit aller ihm zu Gebote stehenden SKenge Vorgehen, er darf auch, trotz des Straferlasses, vor der Ultima ratio. dem Gebrauch des spanischen Rohres nicht zurückschrecken, wenn alle anderen Zuchtmittel ihren Zweck verfehlen. Ehe der Lehrer zu dem letzten Mittel greift, wird er natürlich, vorausgesetzt, daß er ein ruhig denkender und erfahrener Mann ist. die ganze Stufenleiter der pädago-? gischen Zuchtmittel, die ihm zur Verfügung stehen, ausprobieren und erst dann ein schärferes Mittel wählen, wenn das gelindere keine Besserung geschaffen hat. „Schlagharts" gibt es. Gott sei Tank, in der Lehrerschaft nicht allzuviele. und derjenige Lehrer hat seinen Beruf verfehlt, dessen Universalmittel der Stock ist. Wenn er unter normalen Verhältnissen nicht durch seine Person und seinen Unterricht die Kinder derartig beeinflußt, daß sie auf dumme und schlechte Streiche nicht kommen, dann mag er ruhig seinen Beruf einpacken, er ist dann nicht an der richtigen Stelle. Trotzdem wird es jedem Lehrer, auch dem besten, passieren, daß er mitten, im Unterricht etwas Ungehöriges sieht oder hört. Er ist eben auch abhängig von dem Schülermaterial, das er vor sich hat, und das gerade in der neuerer, und neuesten Zeit schon von klein auf verzogen tmb '*&&&&* & Jüdische Schulzeitung.

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