Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 8 (15.8.1929)
- Date
- 1929-08-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 2 Jüdische Schulzeitung. Nummer 8 '7* leisten. Es gibt bis heute nur eine einzige Fibel, die dieses Problem zu lösen versucht. Es ist die erst kürzlich erschienene Fibel von Mandelbaum. Hamburg, mit Bildern von Rothschild. Was gelesen wird^ sollen die Kinder auch verstehen, die Fibel soll nicht nur ein Leselehrbuch. sondern ein Lesebuch sein. Ich kann nicht sagen, ob dem Verfasser die Lösung des Problems gelungen ist. ein solches Urteil läßt sich nur auf Grund der Praxis fällen, und im Unterricht habe ich diese Fibel noch nicht benutzt, aber ich möchte jedem empfehlen, sich mit dieser Fibel zu beschäftigen, sie ist etwas ganz Neues, und ich verspreche mir sehr viel von ihr. Die zweite Stufe möchte ich die Stufe der Vorbereitung des eigentlichen Uebersetzungsunterrichts nennen. War auf der ersten Stufe, der Fibelstuse, der Hebräische Unterricht nur Sprachunterricht, so tritt auch hier dieser Charakter noch in den Vordergrund. Die Aufgabe dieser Stufe ist. das Kind für den späteren eigentlichen Uebersetzungsunterricht vorzubereiten, der Inhalt der Sprachstücke ist also auch in dieser Stufe von sekundärer Bedeutung, wenn es auch erwünscht ist. daß die Kinder mit eines Geistes Hauch von dein verspüren, dem auch diese Stufe dient. Das Ziel dieser Stufe ist. die Kinder mit einem Vokabelschätze auszurüsten, sie zu befähigen. Stamm und Bildungssilbe zu unterscheiden, ihnen die Kenntnis der Bedeutung der wichtigsten Bildungssilben zu vermitteln. Das Ziel ist erreicht. wenn die Kinder imstande sind, einen nicht so schweren Text zu übersetzen. wenn sie die Vokabeln kennen. Lösen wir diese allgemeine Aufgabe in ihre Einzelheiten auf. so ist es: 1. das Hauptwort mit Artikel, Mehrzahlendung, verbundene Form und mit den Endungen des Possesiv« Pronomen, 2. das persönliche Fürwort im 1., 3. und 4. Fall, das Verhältniswort mit den Endungen des Pronoms, 3. das Zeitwort in der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, 4. das Zahlwort von 1 bis 10. Die Schwierigkeit besteht darin, daß die Kinder alle diese grammatischen Begriffe überhaupt noch nicht kennen, daß das Verständnis nur durch den Schluß der Analogie ermöglicht werden kann. Das erfordert sehr viele Beispiele und zwingt zur Reihenbildung. An Lehrbüchern für diese Stufe besitzen wir die Tefillah Kezarah von Abraham und die Schaare-Torah von I. B. Levy. Wie schon aus dem Namen hervorgeht, wählt Abraham als Text Teile von Gebeten, während Levy in seiner Schaare- Torah freie Texte darbietet. Beide Bücher, so gut sie in ihrem Aufbau auch sein mögen, sind in der Methodik veraltet. Es sind reine Lehrbücher, die Kinder müssen Vokabeln, Bildungssilben, Reihen, kurz den ganzen Inhalt gedächtnismäßig sich einprägen, eine bleierne Schwere liegt über dem ganzen Unterricht und erweckt Unlust bei den Kindern und Lehrern. An die moderne Arbeitsmethode kann nicht gedacht werden, alles erfordert Pauken und abermals Pauken. Wer aber die Energie ausbringt. diese Schwierigkeiten zu überwinden, der kann das Ziel dieser Stufe erreichen, der bringt die Kinder gut. vorbereitet zur 3. Stufe. In den letzten Tagen ist nun für diese Stufe ein neues Lehrbuch erschienen, das von Levy und Abraham gemeinsam bearbeitet worden ist. Es ist die Schaare Zedek, erschienen bei Kauffmann in Frankfurt, wovon bis heute nur der erste Teil vorliegt. Ter Lehrstoff ist geblieben, aber die Fehler der ersten Lehrbücher sind vermieden. Die bleierne Schwere ist geschwunden, es herrscht Leben. Die Vokabeln werden nicht nur aus dem Buche gelernt und gepaukt, sondern es werden die Gegenstände gezeigt und benannt, es wird in hebräischer Sprache gefragt und in hebräischer Sprache geantwortet. Natürlich darf man sich, nicht vorstellen, daß etwa die deutsche Sprache aus dem Unterricht verbannt ist. Wäre das möglich, so würden wir nach meiner Ueberzeugung viel weiter kommen; nein, so weit sind wir alle nicht, es sind nur ganz einfache Fragen und ebenso einfache Antworten. Und die Schaare Zedek fordert schriftliche Arbeiten. Es ist angebracht, hier über das hebräische Schreiben ausführlicher zu sprechen. Wir haben das Schreiben vernachlässigt. Es ist eine völlig überflüssige Belastung des Religionsunterrichts, wenn es deshalb geübt wird, um deutsche Wörter mit hebräischen Buchstaben zu schreiben. Für die deutsche Sprache haben wir bereits zwei Schriftarten. die deutsche und die lateinische, und ich kann keinen erzieherischen Wert darin erblicken, wenn das jüdische Kind dieselben Worte auch noch mit hebräischen Buchstaben schreiben kann. Etwas ganz anderes ist es aber, wenn wir die hebräische Schrift in den Dienst des hebräischen Unterrichts stellen. Ist es schon ein Vorteil, wenn wir in nicht gegliederten Schulen die Kinder auch schriftlich beschäftigen können, so ist der Wert dieser Uebung gar nicht zu überschätzen. Ein S p r a ch - Unterricht ohne schriftliche Uebungen ist überall undenkbar, und nur wir leisten uns den Luxus, diese Selbstverständlichkeit zu ignorieren. Und der hebräische Unterricht ist nun einmal auch Sprachunterricht, durch das Schreiben wird die Distanz zwischen dem Kinde und dem Hebräischen verringert. was es schreiben kann, das bleibt sein geistiges Eigentum. Nehmen wir nur die Reihen als Uebungsstoff der schriftlichen Beschäftigung/ so sind wir für alle Stufen reichlich mit Uebungsstoffen versehen. Ich empfehle deshalb, den Schreibunterricht mit der Fibelstuse zu verbinden. Es ist auf dieser Zeit genug dafür vorhanden. und es ist ratsam, zuerst die Quadratschrift in einer vereinfachten Strichform zu üben, aus dieser dann die Kurrentschrist zu entwickeln. Wir haben dann eine sehr gute und nützliche Vorarbeit für alle anderen Stufen geleistet. Und die Kurrentschrift ist für die spätere Arbeit deshalb von Bedeutung, weil sie flüssiger ist, weil ln ihr das Anschreiben an die Tafel und schriftliche Aufgaben nicht so schwerfällig sind. Wir wenden uns nun der 3. Stufe, dem eigentlichen Uebersctzungs - Unterricht zu. Wann soll. resp. wann kann derselbe beginnen? Diese Frage erheischt zunächst die Antwort auf die Frage, wieviel Wochenstunden mindestens dem hebräischen Unterricht einzuräumen sind. Ich möchte es klar und deutlich, aussprechen, daß wir niemals etwas erreichen können, wenn wir ihm nicht mindestens 3 Stunden in der Woche widmen. Ob in den Religionsstunden dieser Forderung entsprochen werden kann, hängt von der Gesamtstundenzahl ab. die an der Religionsschule erteilt wird; jedenfalls eine behördliche Hemmung gibt es an diesen Schulen überhaupt nicht, und es ist den Lehrern überlassen, wieviel Stunden der Woche auf die einzelnen Fächer kommen. Anders ist es in den Volksschulen. Für den Religionsunterricht sind nach den neuesten Bestimmungen vier Wochenunden vorgesehen. Du nun für den Religionsunterricht außer Hebräisch doch mindestens 2 Stunden erforderlich sind, so blieben für das Hebräische nur 2 Stunden Übrig. D-ie Väter dieser Stundentafel haben sicherlich nicht daran gedacht, daß es Schulen gibt, in denen Hebräisch als Religionsfach erteilt wird. Ich meine, daß einer deutschen Stunde kein Abbruch geschieht, wenn in ihr ln der Bibel gelesen wird statt im Lesebuch, oder wenn die Kinder statt eines profanen Stückes eine Geschichte aus der Bibel erzählen. Jedenfalls, das steht für mich fest, daß unter 3 Wochenstunden unser Ziel