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Jüdische Schulzeitung · 1929-08-15 · Heft 8 (15.8.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 8 (15.8.1929)
Date
1929-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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vT* Nummer 8 S. Jahrgang Züclische schulreilung Monatsschrifk für Pädagogik und Schulpolitik Herausgcgeben vom „Neichsverband der jüdischen Lehrervereine" Die „Jüdiscl'e Schulzeitung" erscheint am 15. eines ledenMonats und wird allen Nitgliedern der dem „Reichsverband der jüdischen Lehrervereine" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post - Bezugspreis für Nicht» Mitglieder : Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg,!3. August IU2S Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Letz mann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Tel.: Sammelnummer C 4 Damm cor 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil; M. Steinhardt- Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 H für die Kgespaltene Nonpareille-Zeile, . I n h a l t d i e s e r N u m m e r: Der hebräische Unterricht von Neinhardt, Köln. Wie sind Disziplinarfälle in der Religionsschule zu behandeln? von Konrektor Speyer, Frankfurt a. M. Heimatkunde in der jüdischen Volksschule von Katzenstein, Soest. Bei der Schriftleitung eingcgangene Bücher, Notizen. Literarisches. Der hebräische Unkerrichk. Von Reinhardt-Köln. Kein Unterricht bietet dem Lehrer so viele Schwierigkeiten. wie der hebräische Unterricht. Zunächst in der Beurteilung der Eltern. Es gibt jüdische Eltern, die die ganze Arbeit des jüdischen Lehrers nach dem Können des Kindes im Hebräischen beurteilen, während andere Eltern in diesem Fach eine überflüssige Belastung erblicken. In anderen Fächern, besonders in der Volksschule, haben wir bestimmte Richtlinien, die der Willkür des Lehrers seste Zügel anlegen. Anders im hebräischen Unterricht. Die Rent Vorgesetzte Behörde kümmert sich gar nicht um dieses Fach, sie kennt es nicht, und es liegt in dem Belieben des Schulinspektors, sich auch dieses Unterrichts anzuuchmeu; in fast allen Fällen fehlen ihm die Voraussetzungen dafür. Ob aber diese absolute Freiheit des Lehrers immer dem Unterrichte zum Segen gereicht, möchte ich sehr bezweifeln. Die Freiheit ist. das muß offen gesagt werden, zur Willkür ausgeartet und in methodischer und stofflicher Beziehung wirkt sich, wenn man wilh tobt sich diese Willkür aus. In letzterer Reihe-ist nie zu vergessen, daß wir hier Unterricht in einer frencden Sprache, die dazu noch eigene Lesezeichen hat. zu erteilen haben; unsere Schüler der Volksschule sind in sprachlicher Beziehung nicht ausreichend vorgebildet, und dazu muß der Unterricht in dieser fremden Sprache schon zu einer Zeit beginnen, wo von einem Sprachverständnis noch gar keine Rede sein kann. Diese Fülle von Schwierigkeiten kann man beklagen, aber sie kann nicht beseitigt werden. Diese Schwierigkeiten müssen bei der Beurteilung unserer Arbeit berücksichtigt werden. und der Lehrer muß sich mit ihnen abfindcn. Als Ziel des Unterrichts ist daran festzuhalten, daß durch ihn das Kind befähigt werden soll, verständnisvoll am öffentlichen Gottesdienst teilzunehmen. Das Kind soll einmal am Gottesdienst teilnehmen können, und es soll mit Verständnis mitbeten. In jeder Stunde ist dieses Ziel zu berücksichtigen. Bei jedem Gebet, das gelesen oder übersetzt wird, ist seine Stellung in der Liturgie zu besprechen, das Kind soll wissen, wo und wann dieses Gebet beiin Gottesdienst vorkommt, und die verständnisvolle Teilnahme kann nur durch die Übersetzung in die Muttersprache angebahnt werden. Ich betone, sie kann angebahnt werden, sie ist aber'mit der Uebersehe setzung noch nicht erreicht. Es gehört dazu eine eingehende Besprechung, eine liebevolle Vertiefung. Wenden wir uns nunmehr dem eigentlichen hebräischen Unterricht zu. Wie bereits betont, äußerlich ist es ein Unterricht in fremder Sprache, seinem inneren Wesen nach jedoch ein Religionsunterricht. Es ist ein Unterricht in einer fremden Sprache, weil seine Stoffe im' Gewände der hebräischen Sprache dargeboten werden, seinem inneren Wesen nach ist er Neligionsunterricht, weil der Inhalt des Stoffes ausschließlich religiöser Art ist. weil wir durch ihn das Kind zu den Quellen unserer Religion führen, weil wir durch den hebräischen Unterricht das Kind befähigen, an den gemeinschaftlichen Handlungen der Religion verständnisvoll teilzunehmen, weil wir das Band weben, das es verbindet mit unserem Ahnen bis hinauf zu jenem Geschlecht, das am Berge Sinai stand, um das Wort der Lehre zu vernehmen. Diesem doppelten Charakter des hebräischen Unterrichts, als Sprach- und als Religionsunterricht entsprechend, unterscheiden wir drei Stufen, in denen die erste Seite, das sprachliche, immer mehr und mehr zurücktreten kann. Die erste Stufe ist die Fibelstufe. Es ist heute in allen Lehrkreisen unumstritten, daß diese Stufe erst dann beginnen kann, wenn alle technischen Schwierigkeiten des deutschen Lesens überwunden sind, wenn das Zusammenziehen der einzelnen Laute, doppelter Aus- und Anlaut und alle anderen Schwierigkeiten der deutschen Fibel eben keine Schwierigkeiten mehr verursachen. Die jüdische Lehrerschaft hat dieser ersten Stufe des hebräischen Unterrichts eine besondere und liebevolle Sorgfalt gewidmet. aber diese Sorgfalt setzte an einem falschen Punkte an. Man hat die methodischen Fortschritte, deren sich die deutsche Fibel in den letzten Jahrzehnten zu erfreuen hat, geradezu mechanisch auch der hebräischen Fibel zugutekommen lassen wollen. Man hat nicht bedacht, daß methodische Feinheiten überflüssig sind, wenn das Kind bereits die Stufe der deutschen Fibel überschritten hat. daß es dann bereits alle Laute ohne jede Schwierigkeit znsammenziehen kann, daß eben das Kind bereits lesen kann. Unsere Fibelmethodiker haben das Lesen an sich als Schwierigkeit hingenommen, und das jüdische Kind kann bereits lesen, wenn es die hebräische Fibel in die Hand bekommt. „Lesen aber heißt Inhalt gewinnen", und in dieser Richtung haben alle Verfasser der hebräischen Fibel versagt. Die Schwierigkeit besteht darin, daß wir die Kinder vor die Aufgabe stellen, für sie sinnlose Wörter zu lesen. Was das bedeutet, macht man sich am besten klar, wenn man einen Erwachsenen, der kein Latein kann, veranlaßt, einen lateinischen Text zu lesen. In der lateinischen Sprache gibt es keinen in der deutschen Sprache fremden Laut. Wenn man dieses Lesen anhört, dann bekommt man Respekt vor dem. was unsere Kleinen in der Fibel, ja überhaupt beim Hebräisch lesen! II ■ ir!! : 1 ii 7.;i

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