Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 7 (15.7.1929)
- Date
- 1929-07-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nummer 7 Jüdische Schulzeituna. __ Seite 5 die Jude» feiern den Sabbath richtig. Noch heute ist der Sonntag ein Tag des Herrn, gemeint ist des Herrn Jesu. („Das ist der Tag des Herrn" v. Uhland.) Daß man es im Christentum' selbst sür falsch hielt, den Sonntag als Ruhetag zu feiern, geht schon daraus hervor, daß erst auf dem Konzil zu Nicäa im Jahre 325 der Sabbath auf den Sonntast verlegt wurde. Und die Entwicklung ist ja noch nicht zu Ende. Biel Aufhebens hat man in christlichen Kreisen immer davon gemacht, daß Jesus gelehrt haben soll: Liebet Eure Feinde. Nun, meine Verehrten. rQPlKI -pDD „Du sollst Deinen Nächsten lieben, er ist wie Du." Auch der Satz Hillels: „Was Du nicht willst, daß man es Dir tu. das tu auch Deinen: Nächsten nicht." Diese Satze sind zu bekannt, als daß in diesem Kreis noch näher darallf eingegaugeu werden sollte. Aber für die Jugend ist diese Gegenüberstellung sehr wichtig. Nicht vergessen dürfen wir auch, auf die Eigenart des jüdischen Gottesdienstes hinzuweisen. Gerade, weil man fälschlicherweise im schlechten Sinne auf die Pharisäer hinweist, zeigen wir unserer Jugend, daß die stille Beterin Hannah das Muster einer frommen Beterin ist. und daß die gute Tat immer im Judentum als oberster Grundsatz galt. Bei der Offenbarung am Berge Sinai anwortete das ganze Volk einstimmig: „Alles, was der Ewige gesprochen hat. wollen wir tun und hören." Wie hier zuerst die gute Tat genannt wird, so sagen unsere Weisen: ErnDH *6 H&'ysn "Ipy „Nicht das Lehren und Lernen ist Hauptsache, sondern die Tat." Daher ist auch der Jugend deutlich zu machen, daß Gottesdienst und Arbeit in unserer heiligen Sprache denselben Ausdruck haben: Awaudoh heißt sowohl Gottesdienst als auch Arbeit. Und will uns lehren, daß rechtschaffene Arbeit bei Gott so viel gilt wie Gottesdienst. Endlich ist die Jugend noch darüber zu belehren, daß es nie int Judentum Proselytcnmacherei gab. Die einzige Ausnahme unter Johann Hyrkan blieb eine solche. Nicht zu vergessen ist, die Jugend darüber aufzuklären, daß das griechische Wort Christos Messias bedeutet, das heißt Gesalbter und will sagen, daß der gläubige Christ seinen Erlöser bzw. seine Erlösung schon gefunden hat. Das Judentum hingegen hofft auf die Zeit des Moschiach. das heißt auf den Zeitpunkt, da alle Menschen sich brüderlich lieben werden nach dem Worte des letzten Propheten: Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht alle ein Gott geschaffen? Warum sollten wir treulos sein einer gegen den anderen? Schließlich muß unserer Jugend gegenüber als das besonders wichtige betont werden: Das Judentum ist die Religion des Lebens, es gibt keine Angst- und Bangemacherei für das Jenseits. rD~Q DVH ODvjDV frU ’OJK HiO Siehe, ich lege heute vor Euch hin Segen und Fluch — und du sollst das Leben wählen..." Wir glauben zu sehr an die Zukunft unserer Religion, als daß wir unsere Religion erheben wollten^ indem wjr eine andere herabsetzen sollten. Dies müssen die Kinder immer durch den Unterricht selbst fühlen und empfinden. Fühlen und empfinden muß die Jugend auch, weil Jesus als Jude gelebt und gestorben, daß derjenige, der uns .zum Christentum bekehren will, uns auffordert, von dem Juden Jesus fortzugehen — und hinzugehen zur Mythe. Wer allein den echten Ring besitzt, wer die allein wahre Religion hat. wir erkennen in unserer Religion jenen echten Ring, die wahre Religion.; ni'jxni wnbx 'r6 nnnmn Das Verborgene ist des Ewigen, unseres Gottes; aber das Offenbare ist unser und unserer Kinder bis auf ewig: '' Litera tur: B aeck, Wesen des Judentums und Vorlesungen dess. Güdemann. Apologetik des Judentums. Köhler, Grundriß usw. Hochfeld, Vorlesungen dess. Bergmann. Vorlesungen dess. Fortbildungskurse für Rabbiner und Religionslehrer. Eine kritische Betrachtung von Rabbiner Dr. Schlesinger Buchau a. F. Seit einigen Jahren finden in verschiedenen süddeutschen Ländern regelmäßig Fortbildungskurse für Rabbiner und Religionslehrer statt. Es scheint mir an der Zeit, diese Veranstaltungen einmal einer allgemeinen kritischen Würdigung zu unterziehen. Sie liegt nicht nur im Inter ^, esse der Beteiligten, sondern ebenso in dem der betreffenden Oberräte, denen es doch wohl nicht lediglich um eine schöne Geste zu tun ist. Als Einer, der an einer Reihe von Kursen teils lehrend teils hörend teilnahm, halte ich mich zu einer öffentlichen Stellungnahme für befugt. Vorausgeschickt sei die Anerkennung der Notwendigkeit' oder wenigstens der Berechtigung der ganzen Veranstaltung. „Wer an Wissen nicht zunimmt, nimmt ab", heißt es in den „Sprüchen der Väter". Gewiß können und sollen die Fortbildungskurse das Selbststudium und die eigene Fortbildungsarbeit nicht ersetzen, aber sie können und sollen sie fördern und im einzelnen Anregungen dazu geben. Darin sehe ich ihren Zweck. Und unter welchen Bedingungen sie ihn am besten erfüllen, das eben ist die Frage, die hier zur Diskussion gestellt sei. 1. Was zunächst die Zusammensetzung der Hörerschaft betrifft, so muß die Forderung ihrer Homogenität erhoben werden. So wenig es z. B. gemeinsam« Fortbildungskurse sür Gymnasial- und Grundschullehrer gibt, so wenig dürste es solche für Rabbiner und Religionslehrer geben. Trotz mancher sachlichen Berührungspunkte und Gemeinsamkeiten besteht doch — jedenfalls heute noch und von Ausnahmen abgesehen — eine starke Verschiedenheit einmal der Vorbildung, sodann der beruflichen und wissenschaftlichen Interessen. Eine Ignorierung dieser Tatsache führt zu einem allseits unbefriedigenden Zustand Berücksichtigt man ausschließlich die Lehrer, so haben die Rabbiner herzlich wenig von der Sache und ebenso umgekehrt, sucht man es beiden Teilen zugleich recht zu machen, so macht man es in Wirklichkeit beiden nicht recht. Manche mögen anders urteilen: ich kann nur meine eigenen Eindrücke wiedergeben und von meinen Beobachtungen reden, die ich einerseits bei den für Rabbiner und Lehrer gemeinsamen württembergischen Tagungen, andererseits bei den besonderen süddeutschen Rabbiner- und badischen Lehrerkursen gewonnen habe. 2. Das Gegenstück zur Hörerfrage ist die der Dozenten. Nur solche Persönlichkeiten sollten lehrend wirken, die entweder auf den betreffenden Gebieten anerkannte Fachleute sind oder wenigstens eine größere gründlichere Sachkenntnis besitzen als der Durchschnitt der Hörerschaft. Das heißt für die Praxis: daß bei den Rabbinerkursen zwar vereinzelt auch Rabbiner selbst mit Lehraufträgen betraut werden können, im allgemeinen jedoch Dozenten an Universitäten und Rabbknerseminaren berufen werden müssen. Entsprechend sollten bei den Lehrerkursen neben vereinzelten sachlich hervorragenden Lehrern in der Hauptsache Dozenten an pädagogischen Akademien und Lehrerseminarien geeignete Rabbiner gewonnen werden. Diese For-