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Jüdische Schulzeitung · 1929-07-15 · Heft 7 (15.7.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 7 (15.7.1929)
Date
1929-07-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4_; ____ _ Jüdische Schulzeitung. Nummer 7 Zeitalter dar. das immer Mieder fruchtbar werden kann und werden soll. Was sie geleistet haben, ist nie'zu einer überwundenen Stufe geworden oder auch nur zur Vergangenheit und kann nie dazu werden. Auch wir sehen zu ihnen empor. Seit sie über die Erde gegangen sind, ist jedes Erleben ein Wiedererleben dessen, was jene Mänüer erfahren. Sie haben gefunden — und wer nach ihnen kommt, kann nur wieder finden. Man kann die alte Entdeckung in neuen Formen wiederentdeckcn. aber was daran lebendig ist. das ist der alte Geist, was daran neu ist, zeugt von der'. Lebenskraft jenes ersten Vollbringens. Was die Religion der Propheten aufweist, blieb dem Judentum eigen. Das Judentum ist daher eine Religion, die ihre Bewährung im Leben sucht, während Tod und Hölle. Paradies und Teufel im Christentum eine große Rolle spielen. Selbst die erhabenste Wahrheit schließt kein Geheinmis und keine Mystik in sich, es sei denn, die Tiefe, die allem Göttlichen und Seelischen zukommt. Hieraus folgt, daß ein Gegensatz zwischen Geweihten und Profanen, zwischen Gläubigen ersten und zweiten Grades im Judentum nicht sein kann. Viel Mystik hat das Christentum bekanntlich von den Essäern übernommen. Wir wissen es alle und weisen unsre Jugend darauf hin, daß man keine besondere Weihe empfangen zu haben braucht, um einen Gottesdienst abzuhalten. Der Würdigste hat von alters her den Gottesdienst geleitet. Vor das Betpult konnte jeder Würdige hintreten. Und noch heute ist es in vielen Gemeinden Sitte, daß derjenige, der Jahrzeit hat, selbst vorbciet. Und wie cs mit dem Amte des Vorbeters, so war es „clss! dem Amte des Darscban. des Erklärers. des Predigers. Wer das Wissen darre, durfte zu der Gemeinde sprechen, seine Würdigkeit vorausgesetzt. Ter Priester des Christentums, namentlich der Katholiken, empfängt feine Priesterweihe. Er übernimmt dadurch ganz besondere Pflichten und erhält auch ganz besondere Rechte. Ja, er ist gleichsam durch die Weihe ein anderer Mensch geworden. Das wird auch bei der öffentlichen Weihe des Priesters duxch der, Bischof den Gläubigen deutliche gemacht. An dm Priester wendet sich der Gläubige und beichtet seine Schuld und seine Fehler. Er ist der Mittler zwischen Gott und dem armen Sünder. Er. der Priester, vergibt sie ihm, vergibt sie unter gewissen Voraussetzungen. Wie ganz anders im Judentum. Wir kennen keinen Mittler zwischen uns und Gott: Wir sprechen das allgemeine Sündeubekenntnis: das heißt einer für alle, alle für einen: UNDi! 132^0 W2K Unser Vater, unser König, wir haben vor dir gesündigt. Ob wir Vergebung erlangt haben, sagt uns unser Herz. Ter Priester gelobt auch die Ehelosigkeit, selbst Jesus war ehelos. Das Mönchtum, das Einsiedlerweseu gelten im Christentum als besondere. Frömmigkeit. Desgleichen sind dauernde Bußübungen, enthaltsame Lebensweise, die sogenannte Askese, die Weltverneinung. weil so viel Schlechtes auf der Welt geschieht. Kennzeichen besonderer Frömmigkeit im Christentum. Dem Juden und dem Judentum ist hingegen das Familienleben heilig. Das Gebot, eine Familie zu gründen, ist das erste Gebot der Thora. So lange das Heiligtum in Jerusalem bestand, nannte der Jude das Heiligtum sein Haus; cknd als es in Trümmer ging, da war die Familjie. das Haus, sein Heiligtum. Wenn der Mann dem Hause als Hoher Priester Vorstand., wenn die Mutter als Pjciefterin am häuslichen Altar schaltete, da hingen am Munde der Eltern die Augen der dankbaren Kinder. Es galt und gilt noch heute das Familienleben im Judentum als etwas Heiliges; jedes einzelne Mitglied der Familie glaubt sich, verpflichtet, das ni2K HOT, den Adel der Familie, heilig zu halten. Und wie viele hat schon die Rücksicht tfuf die Familienehre vor Schlechtem bewahrt und zu Gutem angespornt. Im ll. Buch Mose, Kapitel 19. 6, heißt es: „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk." Jeder im Judentum sein eigener Priester, der sich die Reinheit der Seele bewahrt: Täglich beten wir: wn rmra '2 nrhsy «Mein die Seele, die Du mir gegeben, kam rein herab aus Deiner Hand." Es ist dies eine Bestätigung des Thorasatzes: l. Buch Mose, Kapitel 8, 21: VH^JD $TI Q1K 2*? «Denn das Binnen des Menschenherzens ist böse von Jugend auf." Das positive Christentum hält noch immer an der Erbsünde fest. Ob er will, ob er nicht will, der Gläubige, der Christ sündigt, sobald er auf die Wett kommt. Durch Beichte und Abendmahl, beides beim Priester, sühnr er wieder seine Schuld. Abendmahl, das letzte Peßach Jesu, erinnert ja ganz an unfern Kiddusch usw. Wie das Judentum keine Prophetenverehrung kennt, so haben wir auch keine Stätten, die im christlichen Sinne uns Iheilig sind. Dem Christentum, das zum Mittelpunkt seiner Religion einen Menschen. Jesum, hat, gelten zwei Stätten als heilig: Golgatha und das Heilige Grab. Die Geschichtsbücher der Juden, namentlich am Rhein, wissen ja genug zu erzählen, wie die Kreuzfahrer, die die Ungläubigen von der Stätte des Heiligen Grabes verjagen wollten, erst zahlreiche Juden hinmordeten, alles im Namen der Frömmigkeit für Jesu, den die ungläubigen Juden angeblich gekreuzigt. Feiern wir unsere Feste 'n als Feste des Ewigen, so steht im Mittelpunkt des Christentums wieder die Person des Jesu: Weihnachten ist das Geburtsfest. Karfreitag der Todestag. Ostern Wiederauferstehung Christi. Wie die Feste, so erinnern auch die Symbole bei uns an Gott und im Christentum an Jesum. Auf den christlichen Kirchen winkt von weitem wie auch im Innern und auf Friedhöfen das Kreuz, das wahrscheinlich immer an die Kreuzigung Christi erinnern soll und zweitens den Wunsch ausdrückt, das Christentum möge sich nach allen vier Himmelsrichtungen ausbreiten. T-as Händefalten, das Sich kreuzigen am Körper des Priesters oder des Betenden ist hier unserer Jugend klar zu machen. Unsere Symbole Mögen Dowid oder die zwei Bundestafeln mit den zehn Geboten, die wir am Eingänge oder als Spitzen an Synagogen und im Innern derselben immer wieder finden, erinnern an Gott und seine Werke. Dabei muß die Jugend auf einen Irrtum aufmerksam gemacht werden. Es wird allgemein fälschlich angenommen, daß das Mögen Dowid das Wappen des Königs David gewesen wäre. Viel mehr Wahrscheinlichkeit hat neben anderen Erklärungen für dies Symbol die Meinung, daß das Mogeu Dowid zur Zeit der Perser entstanden ist. Tie damaligen Tempel der Götter der Oberwelt trugen als Kennzeichen von außen die Abbildung eines Dreiecks mit der Spitze nach oben, diejenigen Tempel der Unterwelt trugen die Treiecksspitze nach unten. Die Juden aber kannten nicht einen besonderen Gott für die Oberwelt oder Unterwelt, sondern nur einen eim&* einzigen Gott der Gesamtwelt und vereinigten die beiden Dreiecke zu dem bekannten Mögen Dowid. Es ist der Jugend natürlich zu sagen, daß es noch andere Erklärungen für dieses Symbol gibt. Wie die Feste des Jahres Feste Gottes sind, so ist der allwöchentlich wiederkehrende Sabbath ein Sabbath dem Ewigen, wie es heißt im vierten Gebot: Gedenke des Sabbathtages .. . Aber der siebente Tag ist ein Ruhetag d e m E w i g e n. D e i n e m G o t t e. Selbst Luther sagte.

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