Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1929-07-15 · Heft 7 (15.7.1929) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 7 (15.7.1929)
Date
1929-07-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2825247-2825274-2825281--0299-2825896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

?Ium,”cr 7__ Jüdische Schulzeitung. (Seite 3 nen, oder daß ein Mensch zur Vollkommenheit Gottes sich erheben könnte. Unser großer Lehrer Mose ist das typische Beispiel für die letzte Behauptung, da seine eigenen Mängel, die Fehler seiner Anverwandten nicht in der Tho>rah verschwiegen werden. Es ist aber der Jugend Aar zu machen, daß die; soeben erwähnte, in unserer Religion genauest durchgcführte Abgrenzung aber nicht den Zweck und die Bedeutung hat. etwa eine Absonderung Gottes von den Menschen herbeiznführcn; ebensowenig, daß der Mensch in seiner Endlich> keit und Niedrigkeit nicht den Weg zu Gott, dem Unend^ lichen und Erhabenen, stnde. New. vielmehr ist diese Kluft nicht durch einen menschlichen Vermittler. sondern durch eine g e i st i g e Verbindung überbrückt. Durch diese wird die innigste Gemeinschaft hergestellt zwischen beiden, die in der Vaterschaft Gottes und in der Kindschast des Menschen ihren Ausdruck findet. Das Grundbekenntnis war und ist unveränderlich dasselbe in unserer Religion; nur die Formen, die Zeremonien haben eine andere Gestalt angenommen. Ter Jugend kann man dies am besten klar machen durch den Hinweis aus den Grundsatz in der Mathematik a a, gleich dem Grundsätze: „Jede Größe ist sich selbst gleich". Diese Wahrheit ist eine Wahrheit und war immer eine Wahrheit. Oder man zeigt der Jugend an der Form des Grußes und ihrer Veränderung. daß der Grundgedanke des Grüßens immer derselbe war und ist. nur die Form des Grüßens hat sich je nach dem Alter des Kindes geändert. Im Gegensatz zum Christentum hat das Judentum überhaupt keine Dogmen. Auf den wissenschaftlichen Streit zwischen Herrn Prof. Scheftelowitz und Herrn T«r. Baeck in der Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums soll hier nicht eingegangen werden. Es ist selbstverständlich, daß in einer positiven Religion religiöse Grundlehren vorhanden sind und mehr oder minder festgehalten werben. Aber zu Dogmen im strengen Sinne des Wortes werden diese erst, wenn ihr Ausdruck in feste, unverbrüchliche Formen gegossen wird, deren unbedingte Anerkennung dann die Rechtgläubigkeit ausmacht. Im Gegensatz zum Christentum, das ist charakteristisch für das Judentum, lehnt letzteres in seinem ernsten Selbstbewußtscin alle Weihen des Mysteriums und des Sakraments ab. Nur. wo im Mittelpunkte der Religion bestimmte Glaubensgeheimnisse bestehen und stehen, dort ist es nötig, daß für sie die entscheidende Bezeichnung durch das Dogma geschaffen wird. Es wird nicht schwer sein, der reiferen Jugend an einzelnen Dogmen der christlichen Kirche zu zeigen, nche sie dort im Gegenfsatz zum Judentum unentbehrlich sind. Ohne die Sakramente empfangen zu haben, ist man kein Christ; hingegen Jude ist oder wird man durch die Geburt. Es ist darauf hinzuwcisen. daß die Bris-Miloh nicht der Taufe etwa gleichzustellen ist. Das Hauptwort für das Christentum ist das Credo. Nur der Glaube macht selig. Ein Hinweis auf die Bergpredigt: Matth. V, 11: „Selig seid Ihr. um meinetwillen schmähen und verfolgen sie und reden allerlei Uebel gegen Euch und so sie darum lügen." Jesus. Mutter Maria, bzw. die Kirche und das Papsttum sind allein seligmachend. Im Judentum ist wohl die Bibel das autoritative Element. Jedoch ist sie nicht das einzige, sondern auch die mündliche Ueberlieferung. Während im Christentum der Bibel (Altes und Neues Testament) Jahrhunderte hindurch nur von Priestern und Gelehrten gekannt war und von ihnen studiert wurde, war sie im Judentum von grauer Vorzeit her Gemeingut des Volkes. Wandte sich Jesus zuerst nur an einen klemm Teil seiner Mitmenschen, nammtlid} an bis uw . labentn imb an verborgenen Orten, so konnte Israels Gesetzgeber sagen: „Nicht im Verborgenen habe ich, geredet..." Ein Mose hatte den Wunsch: IV. Buch Moses^i □\vOD3 'n Dy bD Möchte Gott geben, daß das ganze Volk des Ewigen Propheten wären!" Noch heute gilt das Sprichwort im Judentum TDPI {HKH Dy *6 „Ein Unwissender kann nicht fromm sein." Die Bibel enthätl das Wort Gottes. Diese göttliche Verkündigung ist nach unserer Auffassung an den Menschen schlechthin gerichtet, nicht nur an den, der damals lebte. Eindringlich wurde es daher eingeschärft: 1. „Auch an Dir hat Gott diese Wunder getan." 2. „Auch Tu bist aus Aegypten gezogen." 3. „Auch Du stehst, bzw. standest am Sinai, um das Wort Gottes zu empfangen." Die Bibel, das Wort Gottes, war im Judentum nie ein altes Buch, sie blieb das Wort Gottes, die Schrift des Lebens, die Schrift des Tages. Im Mittelpunkte dieser heiligen Schrift und des Judentums stand und steht stets ein einig-einziger Gott» währmd im Mittelpunkte des Christmtums ein Mensch, Jesus, steht, der selbst noch nach Evang. Marcus XU, 20, das 8cti'ma zum Grundsatz seines Glaubens machen will. Aber schon Matthäus 28, 19 steht die Formel der Dreieinigkeit: Vater. Sohn,und Heiliger Geist anstatt des biblischen Einheitsglaubens. Am entschiedensten haben Paulus und Johannes die Trinität als den Gottesglaubm des Christentums bingestellt. Nun darf man aber aus fcriax. Fall öiefe und andere Äaoftel ciraa rnrr anferen . vergleichen. Unsere Propheten halten daran fest, daß fir nur davon Zeugnis ablegen. wovon ihre Seele zeugen kann, von dem. was die göttliche Wesenheit in rein religiöser Hinsicht ist. was sie für jedes Menschenwesen bedeutet. Es liegt den Prophetm fern, etwa aus dem Zusammenhang der Naturkräfte logisch die Existenz einer ersten Ursache abzusolgern. Wohl aber wird ihnen die göttliche Einheit unerschütterlich gewiß durch, die innere Erfahrung, daß es nur eine Gerechtigkeit, nur eine Heiligkeit gibt. Gott ist der Einzige. weil er der Heilige, der höchst vollkommme ist. Die Ueberzeugung von der Einzigkeit Gottes hat so im religiösen Bewußtsein ihre Wurzelkraft. Und deshalb werden religiöse Forderungen aus ihr zu ziehen sein. Gott ist einig-einzig, darum 'fl TW DDriKlsollst lieben den Ewigen, deinen Gott usw." Er ist der Gott des .Himmels und der Erde. Gott ist allwissend und allweise, darum sollen wir zu unserem Besten seine Satzungen beobachten. Ebenso werden die anderen Eigenschaften Gottes auf den Grund der Religion gestellt. Gott ist ewig, darum ist er unsere Züflucht für und für. Gott ist unvergänglich, deshalb darf unsere Hoffnung auf Gerechtigkeit uns nie verzweifeln lassen. Von den sonstigen Eigenschaften Gottes gilt dasselbe. Der religiöse Charakter ist immör gewahrt, so sehr auch die Gefahr philosophischer Spekulation naheliegt. Tie Evangelien hingegen sind außer vom Geiste der Hellenisten und des jüdischen Alexandrinismus in Aegypten, die bald von der Weisheit und bald von dein Logos als selbständige Wesen. Teile Gottes sprechen, durchtränkt. Tenn Philo, der Repräsentant der alten jüdischen Philosophie, nennt ausdrücklich den Logos den erstgeborenen Sohn Gottes. (Das zuletzt Gesagte gilt natürlich nur für die reistre Jugend.) „Unsere Propheten waren eben schöpferische Genies, während die Apostel sammelnde Talente waren." Während die Apostel, die Priester, die Vermittler zwischen Gott und den Gläubigen sind, die Vermittler des Heils, sind unsere Propheten yux Mittler der religiösen Wahrheit, Träger 'Die PrrphQen im Judentum stellen Las AaWA?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.