Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 4 (15.4.1929)
- Date
- 1929-04-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 4 Seite 7 Jüdische Schulzeitung. schicdensten Schulgattungen zu rein jüdisch- und religiöspädagogischen Bestrebungen zusammen. Das gemeinschaftliche Ziel war eine tiefwurzelnde Bildung und Erziehung der jüdischen Jugend für das Judentum. Schaffung und Darbietung des wertvollsten Stoffes in schönster Form und nach bester Methode, dementsprechend eine tiefgründige sachwissenschaftliche Fortbildung der Lehrenden durch Vorträge und Förderung der Standesinteressen. Rabbiner und Lehrer standen einmütig an der gleichen Kampffront und auch zwischen Akademikern und Seminarikern fiel die Trennungslinie fort. Allen schulpolitischen, parteilreligiösen Streitfragen wurde, wenn sie hereinzufluten drohten, ein unübersteigbarer und nicht zu durchbrechender Damm entgegengesetzt, und so blieb die Einheit gewahrt. Dadurch wurde erst eine ersprießliche und reiche Früchte tragende Arbeit ermöglicht. Am stärksten war in der ersten Zeit des Bestehens der Vereinigung die Gesamtheit ihrer Mitglieder an der Schaffung eines Lehrplans für den jüdischen Religionsunterricht an den Simultanschnlen interessiert, da diese erste und wichtigste Voraussetzung für die Ertetzlung des Unterrichts damals noch nicht gegeben war. Rach drei Jahren war das Werk vollendet, das, nach drei weiteren Jahren auf Grund der praktischen Erfahrung umgeändert und veröffentlicht, uns und anderen Gemeinden über ein Jahrzehnt die wertvollsten Dienste geleistet hat, bis — unter Führung des Referenten der Religions-Unterrichtskommission der israel. Gemeinde die berufenen Fachvertreter der Vereinigung dem Plan seine beit veränderten Verhältnissen und pädagogischen Errungenschaften angepaßte gegenwärtige Gestalt gegeben haben. Neben dieser langjährigen praktischen Arbeit gingen Vorträge über die Methodik der verschiedenen Gebiete, auch des hebräischen Unterrichts, einher, wurden unterrichtlichc, erzieherische, psychologische Themen behandelt, fanden fortlaufend Besprechungen der neuesten fachwissenschastlichen Literatur statt, und wurden Referate über die Ergebnisse aus dem Arbeitsbereich der produktiv schaffenden Kräfte erstattet. Ein Werk, durch das wir die 25jährige Tätigkeit veranschaulichen, und das den Lehrplan nebst methodischen Ansführnngen und die wichtigsten Referate enthält, kann hoffentlich im nächsten Jahre erscheinen. Ein bleibendes Verdienst hat sich die Vereinigung dadurch erworben. daß sie berufenen Methodikern, die nach Erncueruno und Verjüngung der Lehr- und Lernmittel strebten. den Auftrag oder starke Impulse zur Herausgabe einer Tesilla, von Schulbüchern für den"ätschen UebersetzungSuntcrricht, den systematischen usunterricht. das Bibellesen, die Jüdische Geschichte .urd von guter Jugendlektüre gegeben und ihnen den Rücken.stärkt und den Weg gebahnt hat. Die Vereinigung arbeitete so bewußt auf die innere Hebung des Religionsunterrichts und auf die Fortbildung der Religionslehrer hin. Um diesen das geistige Rüstzeug zur vertiefenden Weiterarbeit zu verschaffen, begründete sie eine pädagogische Bibliothek.; die, später zu einem jüdischen Schularchiv für Deutschland ausgebaut, heute eine der wertvollsten Sammlungen fachwissenschaftlicher und fchulpraktischer Art ist. Für besondere Notfälle hat sie eine Zentraldarlehensikasse für jüdische Lehrer — „Adlersonds" genannt — mit einem Grundstock von 30000 RM. gegründet, für Hilfeleistungen in den eigenen Reihen eine Hilss- und Pensionszuschußkasse mit einem Kapital von 225 OO0 Reichsmark ins Leben gerufen und zum 60. Geburtstag Direktor Adlers fast 20 000 RM. für eine „Adlerstiftung zur beruflichen Ausbildung von Töchtern jüdischer Lehrer und Gemeindebamten" aufgebracht. Anläßlich der 150. Sitzung der Vereinigung wurde 1923 der meinen Namen tragende Fonds von 10000 RM. als „Rechts- und Wirtschastsfonds des Jüdischen Beamtenbundes" geschaffen, der im Gegensatz zu den drei obengenannten in der Inflationszeit zerronnenen Fonds, seinen Papierwert auf den gleichlautenden Goldwert erhöht hat und in Bälde eurer anderen Bestimmung zugcführt werden soll. Ueber den Pflichten gegen den eigenen Kreis, über der ideellen und materiellen Förderung der Mitglieder hat unsere Vereinigung nicht das vergessen, was sie der Gesamtheit schuldet und hat sich darum im Verband der jüdischen Lehrervereine stets als „dienendes Glied", als verbindendes und ausbauendes Element gut bewährt. Die Vereinigung hat sich unter den Schwestervereinen einen geachteten Namen erworben. Können wir nun auch vertrauensvoll in die Zukunft schauen und nach der silbernen Gegenwart einer goldenen Zukunft entgegen hoffen? Dürfen wir eine kontinuierliche und fortschreitende Weiterentwicklung der Vereinigung voraussehen? Wenn in der Entscheidungsstunde, da wir Alten die Verantwortung und Bürde auf jüngere Schultern abwälzen müssen, sich junge Makkabäer fänden, die in edler Selbstverleugnung und in Begeisterung für die Sache sich an die Spitze stellen und durch Kampf zum Sieg gelangen wollen, wenn sich ihnen gleichgesinnte Mitarbeiter zugcsellen. die sich des hohen Zieles bewußt und von Gemeinschaftsgeist erfüllt sind, alles Trennend^ ausschaltcn und alles Gemeinsame in den Vordergrund stellen, Eigennutz und Eigenbrödelei. Sonderbestrebungen und Gegenströmungen aus ihrer Mitte bannen, danni wird der Vereinigung ein neuer Blütenfrühling lachen. Wir können nur aus tiefstem Herzen wünschen, daß der Vereinigung in der kommenden Aera ein weiterer Ausstieg und ein frisches, kräftiges Leben beschieden sei. Literarisches. „Lehren und Lernen", ein Führer durch die Theorie und Praris des Unterrichts in der deutschen Einheits- Kurzschrift. Durch die Einführung der deutschen Einheitskurzschrift at dieser Unterrichtszweig in der Schule, im Verein und ei Behörden einen großen zahlenmäßigen Aufschwung genommen. Der Erfolg des Unterrichts ist, abgesehen von der Persönlichkeit des Lehrenden, im besonderen Maße abhängig von der Methode, die dieser anwendet, um zum Ziele zu gelangen. Da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. so bedarf jeder Lehrende auch der Anleitung eines Erfahrenen. Heinrich Konersmann hat in seinem oben genannten Buche einen „Führer aus der Praxis, für die Praxis" geschaffen. Er bezeichnet sein Buch mit Recht „Lehren und Lernen". In kurzer, knapper Form (120 Seiten) gibt der Verfasser mit feinem psychologischen Verständnis eine Methodik des Kurzschriftunterrichts und zieht daraus die didaktischen Folgerungen. Da nicht bloß Kenntnisse, son- .dern Erkenntnisse gewonnen werden sollen, so ist auf die theoretische Begründung der Systemvorschriften eingehend Rücksicht genommen worden. Die neuzeitlichen Forderungen des Arbeitsunterrichts kommen in keiner Weise zu kurz. Besonders hervorzuheben ist das Kapitel über die Konzentration mit den anderen Unterrichtsfächern. Die beigefügten Unterrichtsbeispiele und Entwürfe sind nach dem Prinzip -,Anschauen. Denken, Ueben" aufgebaut. Sie werden gerade dem Anfänger eine wichtige Stütze sein. Ein mechanisches Nachmachen wird durch die verschieden aufgebauten und verbreiteten Lehrbücher verhindert. Für den Praktiker will das Buch als Vorbereitung auf die Kurzschriftlehrerprüfung dienen. .Es wird somit seinem Titel gerecht. Das Buch ist allen, die Kurzschriftunterricht zu erteilen haben. wärmstens zu empfehlen. M. Reschke, Dipl.-Hdl.