Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1929-04-15 · Heft 4 (15.4.1929) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 4 (15.4.1929)
Date
1929-04-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2825247-2825274-2825278--0275-2825869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6 _ Jüdische^Schulzeitung. _ _ Nummer 4 und auch nicht nach Capernaum. weil er behauptete, daß infolge des Regens, der übrigens Wohl der letzte Gruß des Malkosch, des so erwünschten Spätrcgcns war. der Weg dahin nicht zu bewältigen wäre. .. Aber auf Capernaum wollte ich nicht verzichten, und so fuhr ich denn am nächsten Morgen, weil sich noch keine Mitfahrer zur Verringerung der Kosten eingcfunden hatten, allein dahin. Und ich bedauere es nicht. Vielmehr bedeutet Capernaum für mich eines der eindringlichsten Erlebnisse meiner Reise. Hier, am Nordostuser des Genezarethsees. sind die aufgefundenen Reste eines Tempels aus der Römerzeit an der Fundstelle so ausgestellt und zusammengesi'lgt. daß sie das Bild der Synagoge deutlich machen. Das muß ein edler, wohlproportionierter Bau aus bestem Material gewesen sein. Wie kunstsinnig und kunstverständig müssen Gemeinde. Bauführer und Steinmetzen gewesen sein. Und dieser Tempel mag noch nicht einmal einer der größten und schönsten gewesen sein. Wie schön muß der Tempel gewesen sein, dessen Zusammenbruch noch tagtäglich in Jerusalem beklagt wird! XIV. Verfolgt man die Uferstraße des Genezarethl-Sees nach Süden, so gelangt man zuerst zu der schönen Kwuza Kinereth. die auch Bananenpflanzung hat. und dann nach der ebenfalls sehr schönen Kwuza Dagania. Das Hauptgebäude liegt in einem ganz prachtvollen Garten, der sich bis zum Jordan hinstreckt, über den hier eine lange Holzbrücke führt. In der Kwuza sind im ganzen 32 Kinder, darunter 12 kleine, deren Obhut Tag und Nacht in dev Hand bestimmter weiblicher Mitglieder der Kwuza liegt. Die Eltern müssen beide ihre Pflicht als Arbeiter erfüllen, und so mag die Trennung der Mutter von ihrem Kinde, da sie es gut aufgehoben weiß, ihm nabe bleibt, es jeden Tag sehen kann, von ihr als eine Erleichterung empfunden werden. Ich nahm gern die Einladung an. über Tisch zu bleiben und an dem gemeinsamen Mittagessen teilzunehmen. Nach und nach kehrten die Männer und Frauen von ihrer Arbeit da irgendwo auf den Getreidefeldern zurück, wuschen sich und setzten sich an die einfachen, ungedeckten Tische. Dreierlei gab cs als Mittag: gewissermaßen als Hors! d'oeuvre rote Rüben mit Bohnen und Schnittlauch (kalt), dann eine warme Suppe von allerlei Kräutern und dicke Weizengraupc. Bei einigen Männern sah ich auch Mohrrüben und etwas, was mir als Klopse erschien. Mit der Bahn fuhr ich dann von der Station Semach nach Ge sch er Nechalim und sah mir unter Führung eines Beamten das große bedeutungsvolle Werk an, das hier Ruthenberg in Angriff genommen hat. Es handelt sich im wesentlichen darum, die Kraft des Wassersalles, den der Jarmuk, der sich hier in den Jordan ergießt, bisher vergeudet, zu nutzen und umzuwändeln in elektrische Trieb- und Leuchtkraft. Verstärkung soll aber gewonnen werden aus dem Jordan selbst. Dazu sollen die Wasser des Jarmuk und des Jordan von ihrem bisherigen Wege abgeleitet und zu einem neuen, viel tie/eren und stärkeren Fall gebracht werden. Leicht sind die dazu notwendigen Arbeiten in dem felsigen Boden nicht, aber sic werden geleistet und schreiten gut vorwärts. Zur Zeit wurden 300 jüdische und 60 arabische Arbeiter beschäftigt. Die Oberleitung liegt in den Händen eines christlichen deutschen Architekten. Der technische Leiter. Herr Livschitz, rühmte die Arbettsfteudigkeit. Tüchtigkett und Hingabe der jüdischen Arbeiter. Sie leisten bei weitem mehr, als der christliche Oberingenieur aus Grund seiper sonstigen Erfahrungen in Anschlag gebracht hatte, infolge ihrer höheren Intelligenz und in ihrer Liebe zur Sache, weil Liebe zum Boden Palästinas. Alle die komplizierten Maschinen, die gebraucht werden. sind in Einzelteilen vom Ausland gekommen, aber ohne fremde Hilfe von den jüdischen Arbeitern zusammengesetzt worden. Für die Arbeiter sind gute soziale Einrichtungen getroffen. Der Eßsaal ist weit, hell, lustig. Eine stattliche Bibliothek bietet ihnen Wissen und Belehrung; diesem Zwecke, zugleich der Anregung und Abwechslung, dienen auch Abcndvorträge und das Kinema. Jeder Arbeiter bezahlt für die volle und gute Pension 12 Piaster pro Tag. d. i. zirka 2.50 RM. Er verdient 30 Piaster, hat aber zumeist eine Familie zu ernähren. (Fortsetzung folgt.) Dereinsjubttäum. Die „Vereinigung israelit. Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M." feierte im Dezember vorigen Jahres ihr 25jähriges Bestehen. Der Vorsitzende. Dr. Julis Höxter, hielt die Festrede, aus der wir nachfolgendes wiedergebcn: Auf einem Höhepunkt des Aufstiegs angekommen, halten wir Rast und blicken rückwärts auf den zurückgelegten Weg. Da fällt unser Blick zuerst auf die dahinC geschiedenen Gründer und Mitglieder, und wir weihen ihnen aus dankerfülltem Herzen ein ehrendes Gedenken. Die Namen: Direktor Dr. Salo Adler, JohanM Deutsch. Eckmann, Gretel Fiedberger, E. Gabriel-Offenbach. Rabbiner Dr. Goldschmidt- Offenbach. Rabb. Dr. Grombacher. Rabb. Dr. Paul G r ü n e b au m. Max H ö ch st e r. Rabb. Dr. Marcus Horovitz. Joseph Krisch. Prof. Dr. Bernhard Kuttn e r. Fräulein N e u, Ludwig Neumann, Rabb. Dr. Nehemias Nobel. Rabb. Dr. Rudolf Plaut. Jacob Scherer. Hermann Schwab. Prof. Julius Schwarz. Heinrich Stamm. Vogel-Offenbach sind lebendig in unserem Gedächtnis geblieben und ihre Persönlichkeit wirkt fort in unserem Denken und Tun. Wir. die wir Schulter an Schulter mit ihnen gearbeitet und gekämpft haben, wissen am besten, was wir ihnen verdanken urid die junge Generation muß es erfahren, was ^jene als Wegbereiter vor ihr geleistet haben. Es ist unsere Ehrenpflicht, einen der Getreuen. Direktor Salo Adler, besonders hervorzuheben; denn keiner hat so wie er seine ganze Persönlichkeit für das Wohl der jüdischen Lehrerschaft im Reich und und in Frankfurt eingesetzt, keiner war wie er mit Leib und Seele, mit Verstand und Gemüt mit der Vereinvgung und jedem einzelnen von uns verbunden und gab sein Bestes dafür her, opferte unaufhörlich Zeit und Kraft, ohne jemals zu fragen, welchen Nutzen bringt es mir? Möge sein zehnjähriger Todestag am 26. Februar 1929 unserem Geschlecht zur ernsten Mahnung dienen, möge das Andenken an alle genannten Gerechten uns zum Segen gereichen. Die mehrbändigen Protokolle von nahezu 200 Monatsversammlungen entrollen ein fesselndes Bild der Entwicklungsgeschichte unserer Vereinigung und zeigen wie in einem Spiegel die Beziehungen zur innerjüdischen Welt und zur nichtjüdischen Umwelt, geben einen Ausschnitt aus der jüdischen Geistes- und Kulturgeschichte des letzten Vierteljahrhunderts und lassen die Vereinigung als wichtigen jüdischen Kulturträger in der Frankfurter Jüdischen Gemeinde erkennen. Wesen und Zweck der Vereinigung blieben immer gleich: in ihr schlossen sich jüdische Pädagogen jeglicher Vorbildung aller Richtungen M Anschauungen. der ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.