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Jüdische Schulzeitung · 1929-04-15 · Heft 4 (15.4.1929) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 4 (15.4.1929)
Date
1929-04-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 4 Jüdische Schulzeitung. Seite 5 Wässerung, geschieht mit allen modernen Methoden. Das entzogene Wasser wird sofort wieder zu fruchtzeugendev Bewässerung verwendet. — In diesem Emek ist großes geleistet worden. Ein Sumpfgebiet, das nur Brutstätte des Malariaschrcckcus war, ist durch jüdische, aufopferungsvolle. den Gefahren der Krankheit. Entbehrung und Ueberanstrcugung trotzende Arbeit in ein Fruchtfcld umgcwandclt worden, das noch viel reicheren Erntesegen verheißt. als es schon bringt. Wer wie ich als Tourist mit dem eilenden Wechsel eines Mikroskops Kolonie an Kolonie an sich vorüberglciten sicht, muß sich immer wieder die Strecken vor Augen halten, auf denen die Felsen wie Scherben umhergestrcut sind oder — wie am Hulesee weiter im Norden — aus trüber Wasserfläche nur starre Gräser gucken, um nur einigarmaßen zu ermessen, was hier geschaffen worden ist. Das Tal des Kischon ist dem Leben, der Brotvcrsorgung. der Kultur wiedergcgcbeu worden. Ich halte in N a h a l a l. um mir die dortige Mädchen'- färm anzuseheu. Es hat eben stark geregnet, der Boden ist anfgeweicht. der Lehm heftet sich an das Schuhzeug. Ich finde eine Gruppe von jungen Mädchen am Waschtrog vor und im Waschhause, kräftige, rüstige, gesunde, wenn auch in ihren Hosenröcken, und wadenfreien Kurzstrümpsen nicht gerade elegant aussehende Mädchen, die gewiß handfeste. tüchtige Frauen werden, die ihren «Männern in ihrer Landwirtschaft oder ihrem sonstigen Berufe eine zuverlässige, wackere Stütze sein werden. Sechzig Mädchen sind hier in der landwirtschaftlichen Schule, an der 4 Lehrer mib 3 Lehrerinnen wirken. Das' Schul- und Wohnhaus ist recht stattlich. Die Wohnräume sind schlicht, aber nett und sehr sauber. Die Stallungen liegen gegenüber, auf der anderen Seite .der Straße. Eben kehren die Kühe von der Weide heim. 32 Kühe hat die Farm. 500 die ganze Kolonie. 1 Für heute erfolgt nur noch ein Abstecher ins Enwk nach dem K'phar j'ladim. dem von Dr. Pugatschow gegleiteten K i n d e r d o r f bei B a l f o u r i a. Die Fahrt geht dann weiter über Nazareth. Die Aufenthaltspause genügt nur zu einem kurzen Spaziergänge in hie zwiar judenreine, aber anscheinend doch hübsche nnd interessante, in eine fruchtbare. immergrüne Umgebung gebettete Stadt. In -^tstündigcr Fahrt, erst auf den Höhen der Berge von Nazareth, dann allmählich hinab in ein langes, wohbbestelltes Tal. gelangt man. schon einige Zeit den Anblick des Wassers genießend. nach Tiberias am prächtigen, fischreichen Genezarethsee. dessen Spiegel 208 Meter unter dem des Mittelländischen Meeres liegt. Zum ersten Male sieht man hier andersfarbige Häuser in anderer Bauart; das Material ist schwarzer Basaltstein. Drei Viertel der Bewohner von Tiberias sind Juden, zirka 6000 an der Zahl. Zum ersten Male habe ich hier den über den Weg gespannten Draht mit einev entsprechenden Tafel gesehen, welcher die Sabbathgrenze anzcigen soll. Im Altertum dürste sich die Stadt un»- gleich weiter, bis zu den jetzt eine halbe Stunde entfernt liegenden Heilquellen, erstreckt haben. Die Badceinrichtungen. in arabischen Händen, sind noch in höchstem Grade primitiv und unzulänglich. In unmittelbarer Nähe derselben wird in einem Bau. der eine Synagoge und ein Lehrhaus enthält, das Grab des Rabbi Meir Baal Neß gezeigt — leider unter Umständen, die peinlich wirken, da sowohl die sephardischen wie die aschkenasischen Juden die Besucher abzufangen bestrebt sind für den natürlich mit klingendem Beigeschmack begleiteten Besuch des ihnen gehörigen Teiles des Gebäudes. . j In den Bergen am Wege nach Nazareth werden die« Gräber hervorragender jüdischer Gelehrter gezeigt, dar? unter das von Rabbi Jochanan ben Sakkai. Rabbi Akiba. Rabbi Moses ben Maimon. Die Stätte, welche das Grab des Maimonides umschließt, ist renoviert.. Zu ihr führt ein dreiteiliges Tor mit Inschriften in hebrä.ischer und englischer Sprache. XIII. Ein hoher Genuß ist eine Fahrt auf der Uferstraße nach Norden zu und dann hinein und hinauf auf die Berge Nord-Galiläas. Bei M i g d a l erhebt sich ein mächtiges Felsplateau, auf dem einst Barkochba in seinem heroischen Befreiungskriege eine Burg gehabt. Auf einer Anhöhe weiter hinwärts haben Amerikaner, vertrauend auf die Gunst der Lage in der Nähe des ausbaufähigen Tiberias- Bades. vor kurzem ein großes Hotel errichtet. Zwischen Tiberias- und Meromsee zieht sich eine Reihe jüdischer Kolonien hin: Machanajim. Mischmar hajarden, Ajcleth haschachar. Jessod hamaala. Beim Einfluß des Jordan in den Meromsee beginnen (oder enden) die malariareichcn CH ulesümpfe. Büffelherden weiden im Sumpfgras. Ihre arabischen Besitzer Hausen in Zelten von sclbstgefertigten Rohrmatten. Bei der Kolonie Tel-Chai auf freier Höhe ruht neben einigen andern Trompeldoor. der jüdische Nationalheld aus dem Weltkriege. -Noch erhebt sich an seinem Grabe kein Denkstein. Die Straße geht wieder steil bergan. Von der Gebirgsschlucht bei Metulla, dem Tannur. dem landschaftlichen Stolz Palästinas, fällt in breitem Strahl das Wasser, jedoch Metulla selbst, die nördlichste jüdische Kolonie, der Grenzort gegen Syrien, kann seine Schönheit, die Gunst seiner Lage nicht entfalten, da heftiger Regen einsetzt, der den sonst sichtbaren Hermon.hinter einem dichten Schleier verbirgt. Aber auf dem - Rückwege bricht, zeitweilig wenigstens, die Sonne durch, und im Glanze seines Schnccmantels beuchtet der Hermon und gaukelt uns ein Stück Schweiz vor. Dieses Mal halten wir für eine kurze Weile in der schönen alten Kolonie Rosch Pinna. Man kann von einem szenisch kunstvollen Aufbau sprechen. Aufs neue finde ich bestätigt: die Welt ist klein, zumal in Palästina. Mir war nämlich in Tiberias von einer jungen Mutter, die mit ihrem kranken Kinde dort zur Kur weilte, der Auftrag gegeben worden, ihrem Vater in Rosch Pinna einen Gruß zu bestellen und ihm von dem Fortschritt in der Genesung seines Enkels zu berichten. Der erste Mann, den ich am Halteplatz fand und bei dem ich mich erkundigte. war der Gesuchte selbst. Kurze Zeit darauf ist Safed erreicht, die hoch gelegene Stadt, die z. T. wie an die Felsen geklebt erscheint. Manche Straßen der Stadt laufen gewissermaßen übereinander. Die Dächer der einen Hausreihe bilden die Straße für die nach oben sich anschließende andere. Safed ist bekannt und berühmt als Stätte jüdischer Frömmigkeit und Gelehrsamkeit. Will man die Erinnerungsplätze daran aussuchen, muß man immer tiefer und tiefer die im Regen nicht sehr angenehmen Straßen hinabsteigen. Tg gibt es mehrere jahrhundertealte Grabstätten und Lehrhäuser; die berühmteste und stets ausgesuchte Synagoge ist die des Ari (Rabbi Isaak Lurja). des Meisters dev Mystik, der tief drunten, zu ihren Füßen bestattet ist. Leider wollte der Chauffeur durchaus nicht mehr, wie es eigentlich ausbedungen war, nach Meron hoch in die Berge fahren, wo das Grab von Rabbi Simon bax Jochai gepflegt und gezeigt wird, an Um jüdischen Pjlgerscharen am Lag boaumer Freudentänze vollziehen.

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