Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 4 (15.4.1929)
- Date
- 1929-04-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung. Nummer 4 - in der neuen Sprache heimisch sind, einen 3. als Erzähler zwischen die Sprache und das Kind zu stellen. Solche Erzählungen, etwa Geschichten aus der Bibel und dergleichen müssen einer späteren Stufe Vorbehalten bleiben. Der 2. Teil meiner Fibel bringt solche gegen die Mitte des zweiten Schuljahres, einem Zeitpunkt, über den sich streiten läßt, der nach meiner Erfahrung aber solche Mittelbarkeit schon verträgt. Der dauernd drohenden Gefahr allzu früher Abstraktion. eines leeren Wortunterrichts. sollen auch die Bilder der Fibel entgegenarbeitcn. Sie bilden allerdings nur einen Ersatz für die Wirklichkeit und doch können sie uns über die Schwierigkeiten hinweghelfen, daß sich die Wirklichkeit nicht immer und immer wieder stellen läßt. Sie halten das Kind in konkreten Sachvorstellungen. Dieser rein didaktische Zweck war mitbestimmend und ausschlaggebend bei dein Entwurf der Bilder. Damit sollen natürlich nicht alle anderen Zwecke als weniger bedeutend hillgestellt werden, wie Freude zu erzeugen, Liebe zum Buch und Anreiz zur Enträtselungdes Textes. . Und nun das Schreckgespenst aller Sprachen, die Grammatik. Es bedarf keiner Frage, daß sie für 7jährigc und auch noch ältere Kinder ganz entschieden abgelehnt werden muß. Das hieße den Teufel mit Belzebub austreiben. Wir können aber die Geläufigkeit gewisser Sprachformcn nicht entbehren, müssen also doch üben. Aber üben wollen wir, nicht abstrakte Grammatik treiben. Auch da ist die Forderung nach Inhalt. Sinn und Leben das Primäre. Wie das gemeint ist, zeigen viele Beispiele der Fibel, besonders deren 2. Teil. Das Kind soll an dem Inhalt beteiligt sein und die Uebung als Begleiterscheinung austreten. Wenn die Kinder so die Sprache verstehen lernen, können sie auch hebräisch lesen lernen auf ebenso natürlicher Art, wie sie es im Deutschen tun. Die Praxis hat gezeigt, daß die Kinder ebenso sicher lesen, wie solche, die seitenlange Uebungsstücke sinnloser Silben oder unzusammenhängender Worte hinunterwürgen mußten. Ein Ding rein äußerer Natur will ich noch berühren. Es betrifft das Lesen unpnnktierter Wörter. Da taucht auch gleich die Frage auf „wozu?" Ist cs nicht eine weitere Erschwerung? Der Hinweis auf spätere Notwendigkeit ist keine eigentliche Begründung. wenn er auch mitbestimmend in Betracht kommt. Im wesentlichen sind es zwei Gesichtspunkte, die mich dazu bewogen haben, ein Psycho'- . "/logischer und ein sachlicher. Jeder weiß, daß wir Evwachsenen ganz anders lesen als Lescansänger. Während dieser von Buchstabe zu Buchstabe blickend das Wort sich .zusammensetzt, überblickt der Geübte das Wortbild .als Ganzes. Mit einiger Uebung stellt sich das Wortbildlesen auch bei den Leseanfängern bald ein. wenigstens bei den Wörtern, die ihnen auch von anderer Seite her! näher bekannt sind. Der Charakter des hebräischen Wortbilvcs liegt aber einzig und allein in den Konsonanten. Diesen Charakter unterstreicht man. wenn man die Leselhilfen. die Vokale wcgläßt. Das erleichtert mithin ganz j wesentlich die Entwicklung zum Wortbild-, d. i. Schnell- \ leser. Wir wünschen und wollen, daß alles, was die? Kinder lesen, ihnen sprachlich vertraut genug ist, daß dem j Verständnis beim Lesen keine allzu großen Schwierigkeiten; mehr im Wege stehen. Wir wollen aber darauf hinarbeiten. j natürlich im allmählichen Entwicklungsgänge, daß sie eben-!| so leicht Texte zu lesen im Stande sind, von deren f Inhalt sie keine Kenntnis haben, wenn ihnen nur der?• Wortschatz geläufig genug ist. Wer schon je auch mit Erwachsenen hebräisch zu kernen Gelegenheit hatte, weiß, wie schwer es oft, dem. Ungeübten wird, die zufällige Punktation zu abstrahieren und die Grundbedeutung in den Konsonanten zu erkennen. Diese Eigenart des Hebräischen gegenüber anderen Sprachen bedeutet eine wesentliche Unterstützung beim Lernen und Erfassen selbst schwieriger Texte, und verhütet zugleich in starkem Maße das Verblassen der anschaulichen Frische durch die abschleisende Wirkung des täglichen Gebrauchs, wie wir es in so erschreckendem Maße in fast allen modernen Kultursprachen finden. Diese Wesensart des Hebräischen verhindern, ja man kann sogar sagen, verbauen wir. wenn wir durch immerwährendes Auftreten den Vokalen, den Lesehilsen, scheinbar die gleiche Gewichtigkeit beimessen, wie den Trägern der Bedeutung, den Konsonanten. Ganz besonders wertvoll wird das teilweise unpunktierte Lesen auf späterer Stufe als überaus wertvolles und sinnentsp rech ende s Mittel zur Uebung grammatischer Kenntnisse, beruht doch die Grammatik im wesentlichen auf einer Disfürentiation der Wortwurzel durch Vokalisation. Ein wert- , volles Hilfsmittel für unseren Zweck ist der hebräische Lesekasten, mit dem sich die Kinder gern spielend beschäftigen. erfahrungsgemäß auch in ihrer Freizeit, wie mit einem Baukasten. Wir sind in der glücklichen Lage, seit zwei Jahren einen gut ausgestatteten hebräischen Lesekasten zu besitzen, der allen Ansprüchen moderner Pädagogik genügt. Er ist von Kollegen Erlebacher. Höchberg, herausgegeben und bei Kauffmann, Frankfurt a. M.. verlegt. Ich möchte bei dieser Gelegenheit gerade auf dieses wertvolle Arbeitsmittel Hinweisen, das in keiner Schule fehlen sollte. Es fehlt nun zum Schluß nur noch auf das wesentlichste hinzuweisen in unserem Verhalten zum Kinde und somit im Aufbau unseres Unterrichts und eines ersten Buches, der Fibel. All das. was ich bis jetzt vorgebracht habe, hatte mehr oder weniger den Charakter des Reflektorischen. Das kann wohl richtunggebend, aber nicht grundlegend sein. Es fehlt noch die Unmittelbarkeit der Beziehung, das frische, erquickende, sprudelnde Leben, die Atmosphäre des Kindes, die nicht aus der Reflexion kommt, sondern aus dem Gefühl, aus der Liebe zum Kind, wenn ich das abgedroschene Wort im Sinne Pestalozzis wieder auffrischen darf. Leben, das aus der eigenen inneren Lebendigkeit fließt. Sicher werden alle Reflexionen davon beeinflußt sein, aber wer etwa Zimmermanns Hansa- Fibel in die Hand nimmt, fühlt, was für ein Leben, welche Unmittelbarkeit. Frische und urwüchsige Kindertümlichteit hinter diesem echten Kinderbuche steckt. Freilich ist es für eine hebräische Fibel ungleich schwerer, solche Unmittelbarkeit in sich aufzunehmen und wieder auszustrahlen. Unser Streben ist es aber, ihr soweit nur irgend möglich Raum zu geben, damit auch Unmittelbarkeit und lebendige Frische das Kind umgebe, das sie von uns in seiner eigenen Unmittelbarkeit und Lebendigkeit verlangt. Eindrücke von meiner Paläslknareise. Von M. Abraham, Berlin. (Fortsetzung.) XU. Nun geht es nach Nord-Galiläa; zunächst nach Liberias. Der Weg führt am bergigen Nordrande des Emek dahin. Der Herr, der ein Stück mitfährt, gibt sich im Laufe des Gesprächs als ein Ingenieur zu erkennen, der in diesem' Gebiete die Entwässerung fettet. Die Entwässerung. so sagt er. dürste im ganzen jüdischen Emek, und das ist nun beinahe das ganze Kischonland, noch in diesem Jahre vollständig durchgeführt sein, wodurch dann die Malnriagefahr als beseitigt gelten kann.. Die EnL-