Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 3 (15.3.1929)
- Date
- 1929-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Schulzeitung. Seite 4 voll Hingebung spricht: „Mein Leben ist in deiner Hand". — Da tritt Hainan aus und spricht von Krankheitskeimen des Landes, die er. auf seinen Reisen durch die Provinzen des Reiches, in Gestalt des seltsamen und schädlichen Volkes der Juden kennengelernt habe. Die Folge ist das Vernichtungsurteil. Der zweite Akt spielt abends int' Garten vor dem königlichen Jagdschloß. In langem Zwiegespräch fordert Haman Esther auf, sich dem Könige zu nahen und Gnade für die Inden zu erbitten (!). Doch sie gedenkt wohl des Köniigsgesetzcs und weigert sich dessen. Lange schwankt sie hin und her zwischen ihren Volksgenossen und ihrer bedrohten Liebe. Da büßt sie. durch eine erbärmliche Hinterlist Vasthis. mit einem Male ihre strahlende Schönheit ein, und,nun erst, der äußeren Vorzüge entkleidet, verspürt sie wieder ihren inneren Wert; der Geist des alten jüdischen Volkes wird wieder wach in ihr und treibt sie, die Bitte für ihr Volk vor den Thron zu bringen. Aber nun empfängt sie von Haman das Geständnis seiner eigenen Liebe zu ihr, und daß er — ein Jude sei; ihm möge sie. trotz Hinschwindens ihrer äußeren Schönheit, angehören und nicht dem ^Heiden. Am selber: Abend aber gibt ihm Esther in der Kammer, in die er sie geführt, den Tod durch den Dolch. Im dritten Akt sehen wir Esther in der Morgendämmerung, auf Mardochai gestützt, wieder in der schluchtartigen Waldf gcgend. Da erscheint der König. Er versichert sie seiner ewigen Liebe, auch als sie gesteht, daß sie eine Jüdin sei. Sie aber entgegnet, daß sie denen angehöre und fürder augehören wolle, die Hamar: verfolgt habe. Zu ihnen wolle sie wieder ziehen. Und so sehr auch der Köllig bittet uild fleht, so süß er auch wirbt um das Weiterbestehen ihres glücklichen Bundes, so sehr er versichert, ihm erscheine sie, auch nach der Verunstaltung durch Vafthi, noch immer schön und liebenswert. — sie nimmt dennoch wehmütig Abschied von ihm ulld kehrt gu ihrem Volke zurück. — Es ist schwer zu sagen, was Max Brod in Wirklichkeit meint. Vielleicht geißelt er die Halblheit, die auch dem jüdischen Volke unserer Tage vielfach anhastct. Es ist. als ob er riefe: „Fernab sollt ihr sein von jeder Assimilation, ganz und eins m der jüdischen Idee, ganz bei eurem Volkstum und-eurem alten Stamme!" Vielleicht gar meint Brod als Zionist: „Euer Blick sei auf ein Ziel fortab gerichtet — aus Zion!" — Im Jahre 1927 ist ein Schauspiel „Esther" von Felix Braun herausgekommen, das. obwohl der Verfasser Jude ist. christologische Anspielungen enthält. Befremdend wirkt es auch, daß Esther hier so gar nicht als die sittige jüdische Jungfrau erscheint, sondern sich dem König aus Ehrsucht austwängt. Wohl bringt sie Haman zu Fall; doch nicht etwa, um ihre jüdischen Brüder und Schwestern zu retten, als vielmehr, weil sie ihlr eigenes Leben bedroht sieht. Dann aber naht-ihr Schicksal. Der König erfährt, daß sie ihn beirog, da er sie fragte, wes' Bluts sie sei. In Acht und Bann getan, dem Wahnsinn nahe, darf sie schließlich, auf Mardochais Fürbitte, in dessen Haus, die Stätte ihrer Jugendzeit, zurückkchrem Vasthi aber winkt die Aussicht, wieder des Königs Gemahlin zu werden. — Braun versucht, wie es den Anschein hat, den Spuren des Weges nachzugehen, den Grillparzer bei Fortsetzung seines fragmentarischen Stückes andeutungsweise gegangen wäre. Was sonst von Juden an zahllosen Esther- und Purimspiclcn auf die Bühne gebracht worden ist. neigt dem Karncvalistisch-Parodistischen zu und ist ohne poetischen Wert. Ja. ein hier in Frankfurt im Jahre 1708 veröffentlichtes jüdisch-deutsches Ahasverosspiel war so albern und abgeschmackt, daß es. nach einmaliger Aufführung, Nummer :t von den jüdischen Vorstehern verboten ward und sämtliche Exemplare verbrannt wurden. — . Daß auch die bildende? und die Tonkunst sich des Estherstoffes angenommen, sei hier nur beiläufig erwähnt. Man denke nur an zwei diesbezügliche Gemälde Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle und an das Prachtgemälde Julius Schräders, eines Meisters aus der Düsseldorfer Schule, in der National-Galerie in Berlin, wie auch au Händels -Oratorium „Esther". („Gcmeindeblatt der Israel. Gemeinde Frankfurt a.M.") Eindrücke von meiner Palästinareise. Von M. Abraham, Berlin. V. Bon den Kolonien in der Umgebung von. Tel-Awiw habe ich nur zwei gesehen. Ri schon le Zion liegt auf fruchtbarem Boden und ist reich an Wein - und Mandelgärtcn. Auf dem höchsten Punkte des freundlichen Städtchens steht die hübsche Synagoge. Die groß ange legten umfangreichen Rothschildschen Weinkellereien werden willig den Besuchern gezeigt und erklärt. Das Betriebspersonal in ihnen war zur Zeit nicht sehr zahlreich. Kurz nach Verlassen der Kellerei hatte ich ein kleines Erlebnis, das doch einen großen Eindruck auf mich machte. Ich traf ein junges Mädchen von guter Haltung und intelligentem Aussehen mit einer Spitzhacke über der'Schul ter. Mir fiel nicht gleich der Zweck dieses Instrumentes ein. und ich fragte die junge Dame, nachdem ich die erbetene Auskunft über den Weg erhalten hatte, was denn ihre Beschäftigung sei. Steine klopfen, war die Antwort. Auf meine weitere Frage, worin denn ihre frühere Beschäftigung bestanden habe, sagte sie. daß sie Buchhalterin gewesen sei. und fügte außer einer anderen Bemerkung noch hinzu: „Wenn es wenigstens immer Steine zun. Klopsen gäbe!" Ernst, aber festen Schrittes setzte sie ihren Weg fort, sinnend ich den meinigen. Ich hatte außer auf Bildern noch keine Juden Steine klopfen sehen, am Tage nach Purim sah ich gleich eine ganze Schar in der harten Wirklichkeit. Die Chaussee nach Pethach Tikwa wurde in Stand gesetzt. Di«: Straßen von Tel-Awiw nach den jüdischen Kolonien sind sozusagen jüdische Straßen; sie werden in erster Reihe von Juden hergestellt. Da saßen sie nun. die jüdi schen jungen Leute, in der Sonnenglut am Weg rand aus den Steinhaufen, um Material zu schaffen für die Besserung des Weges, die jungen Menschen beiderlei Geschlechts, von denen so manche, des Idealismus und der Begeisterung voll, freiwillig Heimat. Bequemlichkeit, Bildungsstätten verlassen hatten. Und andere karrten herbei. breiteten aus. ebneten die Steine, welche ihre Käme, radcn zurecht geklopft hatten. Ein rührender Anblick für mich, einen Juden des „Galuth". der dieses nicht als solches empfindet. Pethach Tikwa ist die älteste und größte Kolonie Palästinas. Sie wurde bereits 1879 durch Bewohner Jerusalems begründet. Nebst Rechoboth besitzt Pethach Thikwa die größten und schönsten Orangengärten. Es ist ein Pracht, eine solche Orangenplantage, beladen mit dem Segen ihrer goldgelben, saftgetränkten Früchte, zu sehen. Am Rande solcher Gärten, da wo die Zäune sind, sind häufig Zitroncnbäume ^itm Schutze der Orangen vor Diebstahl gepflanzt. Es gibt sehr wohlhabende Orangengärtenbesitzer in Pethach Tikwa. Aber der Erfolg' will auch in geduldiger, mehrjähriger Arbeit errungen werden. Ein freundlicher „Pardessan" aus Pethach Tikwn hat mir auf seinen eigenen Feldern und Anlagen wie an nachbarlichen das ganze Werden einer solchen Pflanzung vor