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Jüdische Schulzeitung · 1929-03-15 · Heft 3 (15.3.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 3 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung. Nummer will Lehrer werden") war bei ihm nicht sowohl der Ausdruck persönlicher Neigung, obwohl das Lehren. E r z i c h e n und Mensch enbilden wirklich seiner innersten Natur, dem in ihm wohnenden Dämon entsprach, sondern in dieser bescheidenen Form lag die große Reform idce beschlossen, daß es anders, daß es besser werden müsse mit der Gesellschaft und mit der Welt der Menschen und daß das nur geschehen könne mit Hilfe einer neuen Menschenerziehung und Menschenbildung." Dem Lehrer, dem Menschen, dem Dichter Jakob Lvewenberg. dem Manne, in dessen Sein und Wirken. Glaube und Heimat. Judentum und Deutschtum vollendete Prägung, herzbezwingenden Ausdruck gestlnden haben, wird die jüdische Lehrerschaft Deutschlands treues Erinnern weihen. I 0 s. Feiner. Hamburg. Das Buch Esther in -er neueren Literatur. Von Dr. David Hartmann (Frankfurt a. M.). Nur wenige Wochen noch trennen uns von dem Pur im feste, an dessen abendlichem Beginn die israelitischen Gotteshäuser so gefüllt sind wie fast nur am Kol Nidre-Abend. Im Anhören der Megilla sieht Israel eine wichtige religiöse Pslicht. An den Tagen vor dem Feste erzählen wir Lehrer als Vorbereitung auf das Fest die Geschichte des Estherbuches, und ob dies auch, Jahr um Jahr geschieht, immer folgen die Kleinen der Erzählung mit atemloser Spannung, die sich erst dann löst, wenn Hainau. der Dränger der Juden, gestürzt wird und alle Not ein Ende hat. Obwohl die Aufnahme des Cstherbuches in den Bibelkanon nicht ohne Widerspruch erfolgte, wurde es. als Denkmal für die Rettung der Juden aus schlimmster Gefahr, dennoch ein solch beliebtes Volksbuch, daß es im Talmud Jcruschalmi von ihm heißt: „Alte Bücher werden einst aushören (in Vergessenheit geraten), nur nicht der Pentateuch und das Estherbuch." Mit ganz anderen Blicken aber schaut ein großer Teil der protestantischen Theologen auf das Estherbuch. Seit Luther, der u. a. erklärte: „Ich bin dem Buche feind, denn es judenzt zu sehr." stößt ein erheblicher Teil der protestantischen Geistlichen in dasselbe Horn. -Bcisondcrs übel nimmt man es Esther, um nur ein Beispiel anzuführcn. daß sic Ahasverus rachsüchtig gebeten habe, auch noch am 15. Adar die Judenhasser Niederkämpfen zu dürfen, vergißt aber zu erwägen, daß wohl nur da- - durch die unverbesserlichen Pogromhclden unschädlich gemacht werden konnten, vergißt ferner, daß, trotz königlicher Ermächtigung, kein Jude sich einer Plünderung fremder Habe schuldig gemacht hat. was an drei Stellen der Megilla hervorgehoben wird. Demgegenüber tut cs einem als Juden wohl, wenn ein protestantischer Professor von Ruf sagt: „Nicht ohne Größe ist cs, mit welchem Heroismus Esther, obwohl sie aus Staatsklugheit eine Zeitlang ihre Zugehörigkeit zum jüdischen Volke verheim'- licht. sich in der Stunde der Gefahr zu ihrem Volkstum bekennt. Sie durchbricht die Schranken der Hofsitte und wagt ihr Leben für ihr Volk, obwohl sie selbst ganz gesährdet istt" Von welcher Seite man nun auch unser Buch betrachten mag. Tatsache ist es. daß sich, außer den verschiedenenparaphrasicrendcn Targumim zu Esther und außer den Zusätzen zum Estherbuche in der Septuaginta, in der - jüdischen Literatur eine so große Anzahl midraschischer Bearbeitungen der Megilla vorfindet. wie sie kein anderes Buch der Bibel aufweiscn kann. Dementsprechend ist auch kein biblischer Stoff so oft für die Bühne bearbeitet worden wie das Buch Esther. Man hat eben frühzeitig erkannt, wie gut sich das Estherbuch zur Dramatisierung eignet. Schon aus dem Jahre 1327 haben wir in der Sprache des Landes, auf dessen Boden sich die Esthers geschichte abgespielt hat. im P e r s i s ch e n. eine poetische Bearbeitung unseres Buches ans der Feder des jüdisch persischen Dichters Schahin aus Schiras. Der gelehrte Bibliophile Elkan N. Adler in London hat auf wiederholten Reisen in Persien und Mittelasien eine Menge jüdisch-persischer Handschriften gesammelt. Eine von diesen behandelt ein Epos, das den persischen König Ardeschir zum Helden hat. der mit Ahasverus identifiziert wird. In dies Epos hineinverwoben ist die Geschichte des Esther buches. — In deutschen Landen ist namentlich das ganze Reformationszeitalter hindurch die Geschichte der Megilla häufig dramatisch behandelt worden. Das biblische Schauspiel. welches von Luther und den Reformatoren begünstigt wurde, weil sie darin ein willkommenes Mittel zur Verbreitung der Bibelkenntnis und zur Bekämpftlng päpstlicher Lehren erblickten, entfaltete sich damals zu hoher Blüte und wurde bald von den Katholiken nachgeahmt. Auch Hans Sachs schrieb 1536 eine Esther- Komödie. die er später bedeutend erweiterte. Ueberhaupt ist die Zahl der Komödien. Dramen, Singspiele, Operetten und Opern, die den Megillastoff zum Inhalt haben, Lei givn. Nur einiger sei kurz Erwähnung getan. Die älteste den Estherstoff behandelnde Jesuiten-Komödie. von der wir wissen. ist im Jahre 1577 zu München auf öffentlichem Markte, in Anwesenheit des ganzen Hofes und zweier zu Besuch dort weilender Erzherzöge. aufgeführt worden. Sogar der Landgraf Moritz von Hessen schrieb eine „Tragicomoedia Esther", die 1597 auf der Hochzeit seiner Schwester zu Schknalkalden aufgeführt wurde. Hervorgehoben zu werden verdient, daß das Mari ouettentheat er Jahrhunderte hindurch an dem Estherstoffe festhielt. Noch in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunde:ts war Esther Repertoirestück der bekanntesten Marione.tenspieler. Wenn wir der Chronologie folgen, müssen wir nunmehr unseren Blick nach den romanischen Ländern richten. Der 1562 zu Madrid geborene Lope de Bega, einer der genialsten Dichter Spaniens, schrieb die Tragikomödie „La hcrmosa Esther", die Grillparzer sehr geschätzt und aus der er Einzelheiten übernommen hat. Recht eindrucksvoll und sich eng an die in der Bibel geschilderten Vorgänge anschließend, ist das Trauerspiel „Esther" von Racine aus dem Jahre 1689. Wie ein hohes Lied des Glaubens mutet es uns an. erfüllt von den erhabensten biblischen Gedanken und Sprachbildern. Zwölf Jahre war Racine ein stiller Mann geworden. Durch seine Heirat mit einer frommen Kathetitin aber mag er sich mehr und mehr Injt religiösen Stoffen beschäftigt haben, und als er dringend angegangen wurde, für die höhere Mädchenschule zu Saint-Chr bei Versailles einige Stücke zu schreiben, entflossen.seiner Feder zunächst „Esther" und bald darauf „Athalie"; letzteres Werk gehört mit zum Höchsten, was Racine der Nachwelt hinterlassen hat. „Athalie" gelangte im .Jahre 1904 bei der Jahrhundertfeier des Philanthropins in französischer Sprache zur Aufführung; eine Ausführung von Racines „Esther" auf einer deutschen Bühne hat. meines Wissens, noch nicht stattgefunden. Und doch ist dies Stück äußert ordentlich geeignet, vor oder von jüdischen Schülern und Schülerinnen zur Darstellung gebracht zu werden. Derjenige würde sich ein Verdienst erwerben, der es bewirkte.

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