Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 3 (15.3.1929)
- Date
- 1929-03-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nummer 3 5. Jahrgang Monatsschrift sür Pädagogik und Schulpolitik Hcransgegeben vom „Reichsverband der jüdischen Lehrervereine" Monatsschrift sür Pädagogik und Schulpolitik Die „Jüdische Schnlzeitung" erscheint am 15. eines jedenMonatS und wird allen Mitgliedern der dem „ReichSverband der jüdischen Lehrervereine'' angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. — Post - Bezugspreis für Nichtmitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, LS.März 1029 Druck, Vertag und Geschäftsstelle: M. Letzmann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Tel.: Sammelnummer C 4 Dammtor 0757 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt. Magdeburg, für den Jnseratenreil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 40 für die i.'gcspaktene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser Rum.mer: Jakob Löwenderg von Jos. Feiner. Hamburg. Das Buch Esther in der neueren Literatur von Dr. David H artmann. Eindrücke von meiner Palästinareise von M. Abraham. Berlin. Literarisches. Bei der Schriftleitung emgegangene Bücher. Notizen. Ialivb Loewenberg | Es war im Jahre 1881 in den düsteren Räumen des alten Seininars in Münster, die so recht unsere „Aus' sichten" symbolisierten, als zum ersten Male der Name Loewenberg an mein Ohr schlug. Drei seiner Schülgr hatte er seiner alten alma in ater zugeführt, und diesewußten nicht genug Rühmens zu sagen von der starken, anregenden Persönlichkeit, die sie vorgebildet hatte. Uns Jungen und Jüngsten wurde Loewenberg so zum Vorbild, nach dem unsere Jugendsehnsucht bisher vergeblich verlangt hatte. In dem grauenvollen Cholerajahr (1892) lernte ich ihn kennen, trat ihm näher und fand in ihm dm „stillen Helden", der in „Gängen und Höfen" dem Würgengel, soweit tätige Menschenliebe es vermochte, Einlhalt zu tun versuchte. Und dann in der Folge sah ich den Dichter und Volksredner unzählige Male auf dem Podium stehen und 1000 bis 2000 Zuhörern aus seiner Erkenntnis und aus seinem Gefühl heraus die Herzen vorberciten für den Genuß der Dichtungen. die hinterher gesprochen wurden. Wie gern hätte ich diesen ragenden Menschen, der in seinem Dichten und in der Wirklichkeit den Geltnngsbcgriff des jüdischen Lehrers gesprengt hatte, der auch Mt ^ede'r Faser seines Wesens unser war und sich zu den Unserigen zählte, in unseren Reihen gesehen, als cs sich darum handelte. die jüdische Lehrerschaft aus geistiger und wirtschaftlicher Enge herauszuheben. Doch da widerstand er. Er. der durch das Martyrium des jüdischen Lehrers hindurchgegangen spar, der mit allen Kräften des Geistes und der Seele um seine „höhere" Bildung gerungen hatte — die Brosamen, die er bis zu seinem Universitätsstndium aufgelesen hatte, konnten diesen Geist wahrhaftig nicht befriedigen — wollte sich nicht in Bindungen begeben, die ihn vielleicht von seinen Zielen abgelenkt hätten. So blieb er draußen, aber extra muros kämpfte er für uns. Wenn in Hamburg schon vor dem Kriege mehr als 100 jüdische Lehrerinnen und auch einige Lehrer an den staatlichen Volksschulen Anstellung fanden, wenn auch an den höheren Staatsschulen nach dem Umsturz die Gleichberechtigung sich schneller und vollständiger als in anderen dentsujuw. "imüBrm durcchlchew Lmnttz. dumr ijfc dieses Attünnw nicht zum geringsten auf das Konto des Mannes zu sthen. der mit in vorderster Reihe stand bei der Reform der Unterrichtsweise, bei der Schaffung eines neuen Geistes in Schule und Verwaltung, die das unvergängliche Verdienst der Hamburger Lehreirschaft bleiben. Jakob Loewenberg. der jüdische Schuldirettor. stellte sich als einer der ersten an die Seite Alfred Lichtwarks. des genialen Direktors der Hamburger Kunsthalle und pflegte neben ihm die „Kunstbetrachtungen mit Schülern und Schülerinnen". Mit Heinrich Wol - g a st kämpfte der feinsinnige Dichter des „Rübezahl" gegen das „Elend unserer Jugendliteratur". In der „Lehrer? Vereinigung zur Pflege der künstlerischen Bildung" warc Loewenberg einer der Führenden und schuf in de<en Auftrag den „Goldenen Uebersluß" der einen öeispiel" losen Erfolg fand und bahnbrechend für alle späteren Anthologien wurde. Und soll ich noch sprechen von seinem bekenntnisstarten Werke „Aus zwei Quellen", das ihm besonders in der Lehrerschaft ungeteilte Bewunderung und Verehrung eintrug?! Unter allen Nachrufen, mit denen die hiesigen Blätter nicht kargten, hat mir keiner so wohlgetan wie der dsc „Hamburger Lchrerzeitung".- In ihm schreibt Georg Clasen u. a.: „Ich erinnere mich eines Storm-Abends, viel.später eines Kriegsunterhaltungsabends am 15. De-- zember. 1917 in Itzehoe. Loewenberg sprach über Theodor S t o r m, der vor 100 Jahren geboren worden war. Durch ihn ward es eine Feierstunde. Graus und Greuel des Krieges. Not und Qual des Tages waren vergessen. Menschlichkeit und. Menschenwürde durchwärmten den Saal. Woher kam diesem Manne, der sich stets zu seinem Judentum bekannte, diese Kraft der seelischen Einsühllung in so ganz andere Wesenheit? Er hat als Dichter selbst diese Frage zu beantworten versucht in dem Roman „Aus zwei Quellen". Die Enge innigster jüdischer Familienvecbundenheit und die Weite der westfälisch-deutschen Heimatlandschaft. die auch einer Droste ihren Stempel aufdrückte, sind danach die beiden Quellen seiner persönlichen und dichterischen Eigenart. Vielleicht darman sagen: das Niederdeutsche dieser Landschaft. Denn wer wie er Hebbel, Storm. Lili encron, Frens" s e n in ihrem Wesen erfaßte, muß doch wohl auch in nieder» deutscher Erde mit Marsch und Meer, mit Heide und Moor Wurzeln geschlagen haben. Das ist es denn auch wohl, was ihm Hamburg zur Heimat gemacht hat." Loewenberg war „Schulmeister von unten aus". Mit dem schon in ftüher Jugend gefaßten Vorsatz: „Ich will Lehrer werden" („Aus zwei Quellen") spricht in ihm nicht nur die Erkenntnis seines Berufs, sondern auch die Ahnung einer Berufung. Wir, die wir Hörer seines Wortes und Zeugen seiner Tat gewesen sind, dürfen darum auch, ohne' uns einer UtoVtflrtiwrf ,rlmlbch zU' imiftiV,- auf ihn das Wort anwenden, das Theobald Zieglerauf P e st a l o z z i gesprochen hat: „Dieses Gelöbnis (,Hch