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Jüdische Schulzeitung · 1929-02-15 · Heft 2 (15.2.1929) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 2 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Jüdische Schulzeitirng. erwähnte Kollege Hes. Wiesbaden, die Tatsache, daß Herr Nußb'aum nunmehr 25 Jahre mit sicherer Hand das Vereinsschifslein gesteuert habe, und er würdigte die Verdienste. die sich der Vorsitzende während dieser Zeit um den Verein als solchen, wie um jedes einzelne Mitglied erworben habe. Znin Hauptpunkt der Tagesordnung „Besprechung des Quellenlesebnches zur jüdischen Geschichte und Literatur von Dr. Julius Höxter" führte der Referent. Kollege Levi. Höchst, ans: Der Zweck dieses Bnches sei, jüdische Geschichte durch Belebung und Vertiefung dem Verständnis der Schüler näher zu bringen. Das Werk, welches eine fleißige, mühevolle Arbeit von 20 Jahren darstelle, gliedert sich in 6 Bände, vor: denen bisher 3 der Oesfentlichkeit übergeben worden sind. In diesen sind Quellen zur Geschichte der Juden in Spanien. Deutschland. Frankreich. Italien und der Türkei enthalten. Nach ihrer Herkunft unterscheiden wir jüdische und nichtjüdische Quellen. Dem Werke kommt insofern allgemeine Bedeutung zu. als auch nichtjüdische Historiker es als Fundgrube für ihre Studien benutzen können. Schon aus diesem Grunde sollte es uns jüdischen Lehrern als unentbehrliches Hilfsmittel dienen, das in keiner Schule, in keiner jüdischen Bibliothek fehlen sollte. An der darauffolgenden Diskussion beteiligten sich die Kollegen Lilienthal und Hes, Wiesbaden, sowie Herr Rabbiner Dr. Lazarus, welcher als Hanptschwierigkeit des Geschichtsunterrichts die Verbindung mit der allgemeinen Geschichte bezeichnete. die besonders bei der Verwendung von Quellen doppelt notwendig erscheint. Am Schluß der arbeitsreichen Tagung gibt Herr Oberkantor Nußbamn sehr interessante Ausführungen über die Bedeutung und Anwendung des Wörtchens „Omen". Der Vorsitzende: Der Schriftführer: Abr. Nußbanm. M. Hes. Ltterartsches. brZlV'11/Hebräische Lesefibel von I. B. Leoy. Frankfurt a. M.. I. Kauffmann. Erinnerung an ferne Linderjahre steigt in mir auf. Erinnerung an eine Bilderfibel, die sich in meinem Elternbause befand! Ihre Bilder, gering wohl an ästhetischem ‘ Wert, was waren sie doch für den 7 jährigen Knaben eine Quelle tausend stiller Freuden! Wie konnte er sich immer und immer wieder in ihre Betrachtung vertiefen! ' Da sah er sie sich ja nahegebracht die schönen Geschichten, die ihm die fromme Mutter erzählte: ..Der Patriarchen Leben. Die Einfalt ihrer Sitte. Wie Engel sie umgeben Auf jedem ihrer Schritte: Ihr Ziebn und Herdentränken. Das Hab' ich oft gesehn. Könnt ich mit stillem Denken Vor deinen Blättern stehn.". Solches Erinnern wurde in mir lebendig, als ich in der ...Hebräischen Lesefibel" blätterte, mit der unser Kollege I. B. Leon uns vor einigen Wochen beschenkte. Wer mag crmellen. welche Wirkung jene Bilderbibel, von der die > oben angeführten Verse Freiligraths sorechen. auf die Phan-!. taste des jungen Dichters gehabt haben mögen! lind wer! kann sagen, wie Sinn und Gemüt unserer Kinder für iüdilche Gesch'chte und jüdisches Leben angeregt werden mögen j durch die hübschen, flotten Federzeichnungen, mit denen ' Erna Vinner die hebräische Lesefibel I. B. Leons geschmückt l hat. Dd sind sie ja wieder, die trauten Gefährten meiner Kinderzeit: der Garten Eden und die Arche Noahs, der! Turm von Babel und das Zelt Abrabams. Jakobs Him- > melslciter und Moses im Binsenkörbchen! Da fand ich ). Tborarolle und Sabbatbtisch. Laubhütte und Purimmasken. und ich freute mich im Geilte mit den Kindern, die an der l Hand dieser Fibel in das Heiligtum der hebräischen Sprache j eingefuhrt werden. i'1 ' - - ■ , ' ■ •. ' ' ' . Nummer 2 Dies Büchlein hat ein wahrer Kinderfreund und ein guter Jude geschaffen! Dies war der erste Eindruck, den ich beim Durchblättern der Fibel hatte. Bei näherer Prüfung erkannte ich dann auch darin den tüchtigen Lehrer, den erfahrenen Methodiker. Wodurch anders hat denn der Verfasser die Möglichkeit gewonnen, »eine hebräische Lesefibel mit Bildern aus der heiligen Geschichte und dem jüdischen Leben zu schmücken, als dadurch, daß er den methodisch unbedingt richtigen Grundsatz vertritt, mit dem hebräischen Leseunterricht erst im 2. Schulsabr »frühestens am Ende des ersten) zu beginnen. Denn da den Kindern im 2. Schuljahr die Schriftzüge der Muttersprache bereits vertraut sind, braucht der Lehrer des hebräischen Unterrichts nicht mehr aus den Anschauungsbildern heraus Wort und Buchstaben zu lehren, also aus Bildern, die ihrem Zweck entsprechend sehr einfach und fast schematisch gehalten »ein müssen. Er kann vielmehr Bilder reicheren Inhalts bieten und durch den spezifisch jüdischen Gehalt dieser Bilder, das Interesse des Kindes für jüdische Geschichte und jüdisches Leben wachrufen. So besteht ein innerer Zusammenhang zwischen Bildschmuck und Lesestoff dieser Fibel, und so wird die Beschäftigung mit ihr dem Kinde nicht zu einer langweiligen Arbeit, zu einem bloßen Aneinanderreihen von Buchstaben und Wörtern, sondern zu einer mannigfachen Betätigung seiner Seelenkräfte: Verstand und Gemüt. Einbildungskraft und Aufinerksamkeit werden in Anspruch genommen. Und dabei wird doch das Hauptziel nie aus den Augen gelassen, das Hauvtziel. das jede Lesefibel sich setzen muß: Lesefertigkeit. Das iß neben der wohlbedachten, maßvollen Anordnung des Stoffs vor allein auch der Wahl der Type»» zu danken, die sich in ihren Formen durchaus an die der üblichen Gebetbücher anlebnen und ko aufs zweckmäßigste kür den Gebrauch dieser Gebetbücher vorbereiten. Andererseits find die Tnven doch so groß und weiträumig genug gestaltet, uni sich leicht dem kindlichen Gedächtnis einzupräaen. Es ist ein besonderer Vorzug der Fibel, daß der Verfasser auch vereinfachte Formen eines jeden Buchstaben zum Zwecke der schriftlichen Nachbildung binzugesügt bat. In bescheidenen Grenzen, wie sie für diele Altersstufe ldos 2. Schuljahr) angemessen sind, vermittelt die Fibel auch schon Elemente des hebräischen Sprachunterrichts. der ia. wie I. B. Leon mit Recht in seinem Geleitwort betont., an unseren Schulen in erster Linie Ilebersctznngsiinterri'cht sein muß: denn unsere Schüler »ollen nicht Zuin Hebräisch Snrechen berangebildet. sondern befähigt werden. am Gottesdienst mit Verständnis teilnehmen und die heiligen Schritten leten nnd erfassen zu können. Schsiebfich sek noch erwähnt. daß die Lesefibel auch in ihrer stofflichen Auswahl auf dos vortrefflichste der entlnrechend-n Altersstufe ongeugßt ist und unseren Skebeniabriaen;inn Schlussauch die für sie wulstigsten G-b-te und religiösen Beorstfe vermittelt. So verdient die Fibel auch in die'er Hinsicht nollonf ibren Namen: ni' ste ift in der Tat eine Leuchte die unseren Kleinen ans dem Weae ins heilme Land der südst'ben Neliakon voranaetroaen werden sollte. Bei einem solch verdienstvollen Werk erübriat sich der Schluß., ihm weiteste Verbreitung zu wünschen. Wir wünschen vielmehr den jüdischen Lehrern und den jüdischen Kindern. daß sie siih bald dieser hebräischen Lesefibel bedienen mögen. Sie werden, wie wir. ihre Freude daran haben. F. Karl Hermann. Einführung in das Studium der neukantischen Pb'losovhie lNeuknntinismus) mit ausgewählten Lesestücken u»'w. Hermann Schroeder. Halle 1927. 93 S. Dr. Otto B o u r n o t. Große Erzieher zweier Jahrtausende. Einführung in das philosophisch-historische Denken. Ebenda. 1927. 76 S. Beide Schriften sind vornehmlich für Lebrer bestimmt. Bittere Erfabrunaen hoben mich mit tiefem Mißtrauen gegen solche wissenschaftliche Werke acl ustim delphini erfüllt. Vor dem ersten der genannten Bücher wird mein Mißtrauen iedoch zuschanden. Es ist gründlich, knapp, klar auf der Basis einer eindringenden Kenntnis der Materie. Der Verfasser hebt grundleaende Probleme aus dem Kantischen System heraus, zeigt ihre Ergänzung bezw. Weiterbildung an den Hauvtvertretern der Marburger Schule. Coden. Natorv. Cassirer. und beleat die Theorie mit ausgewählten Kaniteln aus den Werken Kants und der genannten Neukantianer. Bemerkenswert ist seine Würdigung Hermann Cohens: „Ihm war etwas von den Gestalten der

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