Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 2 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2825247-2825274-2825276--0258-2825850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
idummef 2 ^Zübtsche ^chulzeimng. Seite 7 aktLestameutarischen Propheten eigen. 2n der Tat kann diese Verbindung schwerer Sorge nm die ethische Zukunft des eigenen Volkes nicht allein, sondern des M en sch enge schlechts, mit der seherischen Schärfe des kritischen Urteils, wie sie in Hermann Cohen verkörpert war. kaum treffender als durch den Rainen der Prophetie bezeichnet werden./ Auf ihm lastete noch das Verantwortungsbewußtsein Eines, der eine neue Welt aufzubauen hat." (S. 23.) Ausgefallen ist inir «mr die willkürliche Desinierung wichtiger Termini: ...Kriterien" sind doch keine ..Gesichtspunkte", sondern sind Kennzeichen: „Kategorien" sind nach Kant selbst ..reine Begriffe". „Stammbegrifse des reinen Verstandes". Warum macht sie der Verfasser zu „Regeln des logischen Denkens"? — Das Werkchcn wird demjenigen, der sich ernsthaft mit den fraglichen Problemen befassen will, gute Dienste leisten, aber sicherlich auch dem Eingeweihten noch manches zu bieten haben. Weniger befriedigen kann das zweitgenannte Buch. Die vierzehn Bilder führen von Sokrates und Plato über Friedrich Rer zu Rathenau und Kerfchensteiner. Man merkt deutlich das Bestreben, überall die Einzelgestalten aus der Eeisteshaltung ihrer Zeit hervorwachscn zu lassen. Das Wollen ist gut und richtig, aber die Ausführung Iaht doch viel zu wünschen übrig, sie ist gu aphoristisch: der Rahmen läht den Bildern nicht genügend Raum. Das Geschichtliche kommt nicht zu seinem Recht, weil der Verfasser zu subjektiv-eigenwillig verfährt, und die Philosophie ist nicht genügend durchgearbeitet. Der Verfasser hat Vorgänger. die das besser gemacht haben. H. Stern. A. Galliner. Bilder zur Bibel: Erzväter. (Jüdische Jugcndbücherei.) I. Kauffinann. Frankfurt a. M. In seinem stilkritischen Kommentar zu Ehrensteins „Das Alte T e lt a m e n t im Bilde" sagt Ernst Cohn- Wiener mit Recht (1925). daß es sich nicht um eine bloße Bilderbibel handelt und daß sein Interesse nicht nur illustrativ sei: es will nicht nur den Tert der Bibel mit den Bildern begleiten, sondern es will die bildnerische Ausdeutung der Bibelstellen in den verschiedensten Zeitaltern und durch verschiedene Künstler dartnn und damit soll das kunstgeschichtliche Interesse geweckt werden, das zum Studium des Stilgefühls der Zeiten und Meister werden soll. An diese Betrachtung wird man erinnert durch G a l - liners Bilder zur Bibel (Erzväter). In einem Abschnitt über Bibel und bildende Kunst führt uns G. ins Abendland, um dessen Stellung zu Judentum und Bibel aufzuzeigen. An unserein geistigen Auge werden nacheinander chriltologische Tupen. die frühchristliche Zeit, das Mittelalter vorübergesührt und dann wird das neue Weltgefühl im 15. Iahrbundert begründet und geschildert und daraus die Entwicklung der Renaissance und das Barock ausgezeigt. In einem weiteren Aussah wird Rembrandts Stellung zu den biblischen Erzählungen dargetan und folgerichtig die Auffassung jüdischer Künstler und ihre' Stellung zur biblischen Kunst gegenübergestellt. In einem Schlußwort zeigt G. zusammenfassend, wie auf diesem geschäftlichen Wege den Böllern des Abendlandes die biblische Welt mit der künstlerischen rerknüpst wurde. „Beide wuchsen durch diese Verbindung, gewannen an Leben, an Große, an Tiefe, gewannen an Wirkung auf die nach Schönheit dürstende kmd Gott suchende Menschenseele." Das Büchlein enthält 20 selbständige Tafeln und im Tert 9 Bilder zum Leben der Erzväter und unter den Künstlern dieser Bilder befinden sich 15 Meister, u. a. Brunclleschi. Bauts. Eoibarti. Murillo. Rafael. Rembrandt. Rubens. Sarto, von moderen Künstlern: Lesser Uri), Elkan. Schmalz. (5. ist sich dessen bewußt, daß diese Künstler in ihren Darstellungen vielfach die biblischen Stoffe. Menschen und Landschaft, nicht eigentlich in morgenländischem Gewände, vielmehr in der Welt des Abendlandes, zeigen und daß damit eigentlich die innere Beziehung zur Bibel und ihre äußere Darstellung keine Harmonie bilden. Die Bibel hat uns Schilderungen in Worten gegeben, die Künstler tun das in Formen und Farben. Man kann berechtigte Zweifel hegen, ob wir mit solchen Darstellungen der Kunst als Juden für unsere Beziehung zur jüdischen Bibel eine Bereicherung erleben und erfahren. Bibel und ' Kunst sind in diesem Sinne gewiß zwei grundverschiede ne.Welten, die keine inneren Beziehungen zueinander haben. Aber: „Auch in diesen Bildern mögt ihr sehen, eine ganze große Welt ist in ihnen geschildert." . . . Ein weites Gebiet menschlichen Denkens und Schaffens, ein bedeutsames Kapitel aus der Geschichte des ncenschlichen Geistes eröffnet «ich da dem reiferen Leser: das Kapitel „Bibel und bildende Kunst!" Unter diesem Gesichtspunkt einpfehlen wir dieses Bändchen wärmstens der „reiferen Jugend", die schon die Grundbegriffe des „Bildsehens" inne hat. und die schon über eine gewisse kritische Reife verfügt, uin den Gedanken des Künstlers zu erfasse««, zu prüfen und unter Uinftüitoeii auch abzulehnen. Wir sehen mit großem Interesse den weiteren Bändchen dieser „biblischen Kunstgeschichte" entgegen, die auf diesem Wege das vermittelt, was Ehrenstein mit seinem großen und teuren Werke „Das Alte Testament im Bilde" zu . erreichen sucht, das aber nicht jedermann zugänglich ist irr- : folge seines Umfanges und Preises. Wir bedauern das ' und freuen uns, daß Gallrner das auf feinem Wege zu verwirklichen sucht. Die Ausstattung und " die Reproduktionen sind einwandfrei. : \ Im Aufträge der Iugendschriften-Kommission des Lehrerverbandes: Dr. . I s. B a m b e r g e r. Nürnberg. Nehemias Anton Nobel, Versuch einer Würdigung von Oskar Wolfsberg, mit Porträt. 52 Seiten Text. Verlag von I. Kaufs» ' mann. Frankfurt. Preis: broschiert 3.—, gebunden JC 4.50. Dein Werden und Reifen einer genialen Persönlichkeit nachzuspüren, gewährt iminer einen besonderen Rei.z. Deshalb lagen es sich unsere Forscher mit Vorliebe angelegen sein, die unsichtbaren Kanäle aufzudecken, die die Seele des Genies nährten und speisten. Ihrer emsigen Tätigkeit verdanken wir manche wertvolle literarische Gabe der letzten Jahre. Aber trotz allem — das Letzte und Tiefste des großen Menschen, das, was den eigentlichen Kern feines Wesens ausmacht, bleibt uns oerschlossen und widersteht beharrlich jeder Bemühung, auch hier den Schleier weg,ziehen zu wollen. Da bleibt uns nichts anders übrig, als dieses Letzte und Größte wie eine Offenbarung an» zunehmen, deren geheimnisvolle Höhe und Bedeutung wir fühlen und ahnen, aber nicht erschöpfen. Oskar Wolfsberg hat in seiner Robel-Biographie den Nahmen nicht so weit gespannr. - Sein kleines Buch ist die freie Wiedergabe einer Rede, die er anläßlich einer Nobel-Gedenkfeier in Hamburg gehalten, aber innerhalb dieser durch die Situation gebotenen Grenzen läßt er vor unseren geistigen Augen ein treues Bild des viel zu «rüh verstorbenen teueren Mannes entstehen. Er spricht. Kritik und liebende Verehrung «niteinander verbindend, von demZauber und der Einzigartigkeit dieser Rabbinergeltalt der letzten Jahre, der er das Verdienst zuschreibt, daß sie dein Judentum Ursprünglichkeit und Tiefe wiedergegeoen, es aus sekundärer Erstarrung erlöst und einem neuen Morgen zugeführt Hätte. Zu dem ilnmensen Wissen Nobels, das seine Quellen in allen Kulturgcbieten hat. tritt eine außerordentliche sprachschöpferische Begabung. die den Kanzelredner über sich selbst hinaus erhebt und zu vollendeten Leistungen führt. Unter den Elementen des Jlldeiltums sind es besonders Sabbath und Prophetie, die für . i h n zentrale Bedeutung haben. In jenen sieht er den Schöpfer der Persönlichkeit, in dieser bei aller Treue zum Gesetz die Ueber» windung des Gleichmaßes und Stillstandes, des Verfalls und der Entartung im historischen Geschehen der Menschheit. Als bcancteter Rabbiner läßt sich Nooel noch weniger unter eine Schablone bringen. Jym fehlt das zielbewußte Planen des lebensnahen Realpolitikers: wie der echte Künstler weiß auch er nichts vorn Zweckhasten, und deshalb wirkt er um so echter und wahrer. Er ist frei von jedem Klerikalismus, aber ein großer gütiger Mensch, ein Kamerad der Weisen, ein Freund der Bedrückten, ein Lehrer der Strebenden. Vorbilder dieser Art mögen nicht so oft angetroffen werden, und deshalb fei Wolfsbergs Buch, das uns einen Hauch dieses großen Geistes in schöner und seinem Gegenstände angepaßter Sprache vermittelt, allen Kollegen aufs angelegentlichste empfohlen. A. Neuhaus. Dr. Franz Kramer, Studiendirektor in Berlin: Ge» danken zu einer Pädagogik des Ressentiments. Pädagogischer Wegweiser, Heft 14, Union Deutsche Verlagsanstalt 1028. Der Verfasser oeabsichtigt, mit seiner Schrift „neuartiges Erziehungsdenken" zu vermitteln. Nach seiner im Vorwort geäußerten Meinung ist — die Pädagogik bis heute an dem aktuellen Problem der Behandlung der Beeinträchtigten und sich beeinträchtigt fühlenden Jugendlicken vorübergegangen, ohne ihm die gebührende Beachtung zu schenken. — Ausgehend von dem Begriff des Ressentiments, schildert Kramer auf etwa 40 Seiten in 7 Kapiteln: Arten und Ursachen des Ressentiments der Jugend, den prinzipiellen Erziebungsgedanken einer Pädagogik des Ressentiments, das sexuelle und . das politische Ressentiment, das Bildungsressentiment, das „