Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- Heft 2 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 2 Jüdische Schulzeitung._ __ 'Leite 3 angcstrcbt werden, in der Weise etwa, daß die einzelnen Warle sich zu Säßen fügen und in der mimischen Darstellung das Eingreifen des Lehrers in den Gang der Darstellung immer seltener wird. In ebensolcher Weise würden die nächsten 6 bis 8 Themata zu behandeln sein, ohne daß durch das Borhergesagte etwa ein starres System gegeben sein sollte. Auf diese Weise wird man die Klippen, die der Unterricht in hebräischer Sprache und jüdischer Geschichte hat. nicht nur glücklich umgehen, sondern auch eine Vertiefung und Erweiterung des Bewußtseins der Volksvergangenheit durch kindesgemäßen Unterricht und kindesgemäße Darstellung erreichen. Von der Familiengeschichte zur Geschichte der jüdischen Sprach- und Kultgemeinschaft führt von hier ans ein klarer Weg. Die. historischen Ereignisse werden in dieser zweiten Etappe immer in sinnvolle Beziehung zum Familiengeschichtlichen gesetzt werden können, und nicht nur zu den Ereignissen der Vergangenheit, sondern ebensosehr und vielleicht noch deutlicher, zu denen der Zukunft. Es ist somit auf diese Weise vielleicht der Weg gesunden, ja. es scheint mir. sicherlich der Weg gefunden, der eine vernunftgemäße Bildung des jüdischen Menschen, also seine Zuformung zum Bilde jüdischer Größe, menschlicher Größe, gewiesen. Ein Weg. der über das Zeitliche hinaus, und späterhin unabhängig von der Geschichte geeignet ist. Eigenwerte zu schaffen. Maß und Haltung zu geben. Eindrücke von meiner Palüslinareise. Von M. A b r a h a Ni. Berlin. I. Dank der Verleihung des Palästina-Stipendiums seitens der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist es mir im März vorigen Jahres möglich gewesen, die schöne Reise zu ncachen. von deren Eindrücken ich jetzt erzählen darf. Natürlich wollte auch ich. wie die vielen, denen Palästina das moderne Reiseziel geworden ist. das Land mit den Augen des schönheitsfreudigen und Neues suchenden Touristen sehen. Zn dieser Neugierde gesellte sich, doch ungleich stärker als sie. jenes warme Gefühl innersten Interesses, das der empfindet, dem das Land der Väter durch den Umgang mit der Bibel geistig nicht unbekannt ist. dem die Stätten, an denen einst die großen Ahnen gelebt, gewirkt, gerungen und gelitten haben, wert und teuer sind, und dem dnrch ihren Anblick die Vorzeit wieder lebendig werden soll. Doch wollte ich nicht nur die Vergangenheit zu mir reden lassen, sondern ich wollte auch die Stimmen der Gegenwart hören und auch dem Ruf der sich ankündenden Zukunft mich nicht verschließen. Ich wollte so vorurteilslos und so offenen Sinnes, wie es mir als einem Nichtzionisten nur irgend möglich ist. beobachten und prüfen, was das neue Palästina bedeutet, was Wirklichkeit von dem geworden ist. wovon Kunde und Rühm so vielfältig und lauttönend in Wort, in Bild und in Schrift in alle Welt hinausgetragcn worden sind. Und noch eins: abgesehen von der allgemeinen Bekanntschaft mit den palästinensischen Schulen, wollte ich eine Antwort auf diese 3 Fragen suchen: 1. Wie steht es in Palästina um den Gebrauch und die Fertigkeit in der hebräischen Sprache? 2. Wodurch wird diese erzielt und erreicht? 3. f.rr~v, fv£3j brrrirfje ifödf/r&fss bi-3 .Arä'TÄ'- schen auf unsere Schulen übertragen werden? Von dem, was ich in letzter Beziehung: Schuten und hebräische Sprache beobachten konnte, habe ich bereits in den Blättern für „Erziehung und Unterricht" (Nr. 31 bis 33 von 1928) gesprochen. Das dort Gesagte, soll hier nicht wiederholt werden. 11. Marseille. Vom hochgelegenen Bahnhof führt eine monumentale Freitreppe in die Stadt hinab, seit langem ein Platz lebhaftesten internationalen Weltverkehrs. Tic. Stunde der Einschiffung in solch einen Riesendampser. wie es der Ostasiensahrer „Andre Lebon" ist. ist. voll ner> vösen. wirbelnden Lebens. Nun ein Glockenzeichen. Kaum merkbar löst sich das Schiff los. Lange noch nach der Ausfahrt winkt von der Höhe das Wahrzeichen von Marseille, die ragende Kirche „Notre Dame de Garde". Dann senkt sich die erste Nacht auf das nach dem Osten strebende Schiff. Ein herrlicher Anblick und eine herrliche Fahrt vom nächsten Morgen an. Korsika ist aufgetaucht. Sardinien erscheint. Inmitten der liparischen Inseln stößt der Stromboli seinen Ranch in die Lüfte. Sonne umspielt Sizilien. Auf der anderen Seite ragen die Stcilbergc Calabriens empor, und im Lichtglanz ruhen am User die Städte. Reizvoll ist solch eine Meersahrt mit dem Blick auf die Küsten. Vier volle Tage und eine Nacht gehen dahin im Frühlicht wird Land erkennbar. Immer näher rückt es. und immer deutlicher wird es. Das Land des Nils, das Land der Pharaonen, das Land der einstigen israe litischcn Knechtschaft ist in Sicht. Der ägyptische Lotse fährt heran und besteigt unser Schiss, um es sicher in den Hafen von Port Said zu steuern. Das Rcgierurrgs boot bringt die Beamten, welche an Bord die Pässe revidieren und gegebenenfalls Bisa erteilen. Langsam, lang sam gleiten wir vorbei an den großen bereits ankernden Dampfern, vorbei an der neugierig blickenden, neugierig betrachteten Uferstraße. Doch zum Verweilen ist keine Zeit. Rasch ansgebootet, die Formalien erledigt, hinein in ein Auto, halb wie im Traum finde ich mich im Zuge, der nach Aegyptens Hauptstadt dampft. Das staunende Auge trinkt gierig das neuartige Bild der malerischen Gruppen und Gestalten der Araber ans dem Bahnhof. - Eine weite Wasserfläche dehnt sich neben der Bahnstrecke, die jetzt durchmessen wird. Wüste löst sie ab und streut ihren Sand in das Eonvö. wenn sein Fenster nicht rechtzeitig geschlossen wird. Im Speisewagen bedienen Schwarze in blendend weißen Kleidern. Man ist in Afrika, aber der Zählkellner antwortet in anheimelndem Oesterreichisch. denn er stammt aus Wien. Kairo ist da. Nun das „Berliner Tageblatt", das verabredete Zeichen, geschwungen. Freundlich begrüßt, fühle ich mich geborgen in der fremden Stadt, in dem fremden Lande, bei einem Manne mit außerordentlich gütigem Herzen. 111. Kairo ist eine seltsame Mischung von modernstem Westen und treu bewahrtem bzw. ganz zurückgebliebenem Osten. Prachtvolle Privathäuser und Hotels, von gepflegten Gärten umschlossene Regierungsbauten und diplo motische Niederlassungen, hochstrebende, kostbar ausgestattete Moscheen mit zierlichen überragenden Minaretts, und dicht daneben Hütten und ganze Straßenzüge des Schmutzes und des Elends. — Eine ganz.neue Welt tut sich einem LL? LL bi'x Luv- L'.nd Steten. Staunend steht man vor den Riesenwerken der Vergangenheit. den prächtigen Pyramiden im Wüstensande, nachdenklich vor der gewaltigen, so rätselhaft lächelnden