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Jüdische Schulzeitung · 1929-01-15 · Heft 1 (15.1.1929) · page 7

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 1 (15.1.1929)
Date
1929-01-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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tun inet l Jüdische Schulzeitung. . Seue l Will. i Noch einige Worte über die Frage der Heimats--; geschichtc. Soll diese in einem besonderen Kurs behandelt i werden? Ich glaube, daß dieses nicht in Betracht kommt. i Sie schmiegt sich am besten gelegentlich in den Rahmen l der allgemeinen jüdischen Geschichte ein, da sie ja nur! . ein kleiner Ausschnitt des großen Geschehens ist. Aber gerade für die Heimatsgeschichte bieten sich Anknüpfungspunkte aller Art. Da ist das alte Ghetto oder noch Spuren davon, und selbst, wenn diese verwischt wären, erinnert noch der Name von Straßen und einzelnen Gebäuden an alte Vorkommnisse; Steine auf dem Wege. Grabsteine aus den Friedhöfen sprechen oft mit beredter Sprache von alten Zeiten und Verhältnissen. Oder, um ein anderes Beispiel zu nehmen, wenn wir von Judenvertreibungen und Wohnungsbeschränkungen des Mittelalters sprechen, ' so bietet gerade Württemberg mit seinen jüdischen Land- 1 gemeinden ein anschauliches Bild der Auswirkung dieser l Verhältnisse (Alt-Winttcinberg. Neu-Württemberg. Deutsch-; herrn-Orden — reichsunmittelbare — vorderösterreichische l Gebiete). [: Das Heimatkundliche in der jüdischen Geschichte kann | natürlich im Gegensatz zum Geschichtsunterricht selbst, f schon auf früheren Stufen auftreten. I IX. :f. Endlich noch die letzte Frage: Wie befestigen wir den T behandelten Unterrichtsstoff? Das Lernen ist gegenwärtig! nicht mehr so modern und dennoch wage ich zu behaup- ' ten, auch im jüdischen Geschichtsunterricht muß der Schü- , ler das Gelernte seinem Wissen einverleiben.' Ein Gek schichtsunterricht, bei dem das Gelernte nicht zum bleibcubcn Besitztum des Schülers wird, bleibt letzten Endes l unfruchtbar. Aus diesem Grunde schon ist das Buch in I ber Hand des Schülers unbedingt erforderlich. Eine andere Art der Einprägnng bietet die sogenannte synchronistische Tabelle, die der Schüler in Form eines Heftes selbst führt, und in der alle gleichzeitigen Erscheinungen j nebeneinander anfgeführt werden (z. B. Geschichtliches: [ Verfassung — Kulturgeschichtliches — Geistesleben). Wie- ■ der ein anderes Verfahren der Uebung und Wiederholung ■[■■■■ ist die Darstellung nach Längsschnitten, wobei der Schüler eine Erscheinung in verschiedenen Zeitperioden verfolgt und vergleicht, z. B.: Der Jude zur Zeit der Römer: Händler und Krieger —- frei. „ „ „ „ Karls des Großen: Händler, Bauer, Schiffer. y, „ - „ „ „ der Ottonen: Händler, kein Bauer mehr. j'' „ „ „ der Hohenstaufen: Kammerknecht. I „ „ „ „ der goldenen Bulle: Schutzjude. „ „ „ der Reformation: nur noch in einzelneu Gegenden geduldet. S „ „ „ der Aufklärung: Schutzjude und Beir ' fasse. £■ Daß das geschichtliche Bild als Ausgangspunkt der Wiederholung besonders geeignet ist. sei kürz erwähnt. fC Ich bin mit meinen Ausführungen zu Ende, sie werk-. den Ihnen gezeigt haben, wie schwierig oft die Materie, r wie unvollkommen und wenig ausgebaut unsere Hilfsmittel lsind, aber es geht auch auf diesem Gebiet aufwärts. Das j. beweist gerade das Interesse, welches der jüdischen Geischichte heute in unseren Kreisen entgegengebracht wird.. Eines sollen wir uns aber vor allem vor Augen halten: Wir behandeln jüdische Geschichte nicht, um bloßes Wissen § unserer Vergangenheit zu erzeugen, sondern wir sollen es erreichen, daß der Schüler sich seines Eigenwertes als Jude bewußt wird, ihn soll das Wissen um die Geschichte mit Stolz auf sein Volk, mit Begeisterung für seinen Gott und seinen Glauben erfüllen, denn nur dann, wenn das Wissenstrast erzeugt, hat der Unterricht sein Ziel erreicht. Mitteilungen aus dem Lehrerverbande. Bericht der Pädagogischen Kommission. (Vorsitzender: Scminaroberlehrer Stotl, Würzburg.)- Die auf dem Münchner Verbandstag beschlossene pädagogische Koinmission besteht im wesentlichen aus den in den größecen jüdischen Zentren schon vorhandenen Lehrerkollegien, in denen auf pädagogischem Gebiet Arbeit geleistet wird. Straff organisiert ist diese pädagogische Kommission bis jetzt eigentlich nur in Bayern. Die Arbeit, die hier in Angriff genommen ist, ist die Schaffung eines modernen Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht. Die einzelnen Kommissionen haben zu diesem Lehrplanentwurf. der von mir verfaßt wurde. Stellung genommen. Während der Weihnachtsferien wird die bayrische Gruppe der pädagogischen Kommission in Würzburg diesen Lehrplan endgültig beraten und es ist beabsichtigt, sodann diesen Entwurf den übrigen Zirkeln in Berlin. Essen. Frankfurt. Mannheim usw. zur Stellungnahme zuzuleiten. Es wird meiner Ansicht nach eine auf das ganze' Reich zerstreute pädagogische Kommission gemeinsam immer nur dann arbeiten Linnen, wenn eine das ganze Reich berührende Frage des jüdischen Religionsunterrichts zur Diskussion gestellt wird. Im übrigen kann die Arbeit der einzelnen Zirkel nicht von einer fernstehenden Zentralstelle aus dirigiert werden. Der Lehrplanentwurf ist dem Vorstand zur Information eingereicht. Würzburg, den 10. Dezember 1926. ' Jakob Stoll. * f Bericht der Jugendschristen-ttommission. (Vorsitzender: Oberlehrer Gut. Frankfurt.«. M.) Die Jugendschristenkommission hat alsbald nach dem Münchener Verbandstage ihre Tätigkeit begonnen. Es wurde zunächst durch eine größere Anzahl von Rundschreiben an die Mitglieder des Ausschusses die Grundlage. zur Herausgabe eines neuen Jugendschristenverzelchnisses geschaffen. Diese Vorarbeiten sind nahezu beendet, so daß in kurzer Zeit das Verzeichnis, das nicht nur Vorschläge für Schulpflichtige, sondern auch für „Jugendliche" vom 16. Jahr an enthalten wird, veröffentlicht werden kann. Diese Arbeit erschien unS als die wichtigste, da das letzte vom Lehrerverband herausgegebene Verzeichnis aus dem Jahre 1907 gänzlich veraltet ist. Zur Jugendschristenkommission gehören außer mir als Obmann die Herren Bamberger (Nürnberg). Driesen (Frankfurt a. M.). Hirschfeld (Berlin). Heimann (Plauen), Th. R.t^schild (Eßlingen) und Fräulein Cilly Marx (Köln), außerdem hat sich freiwillig Fräulein Menken (Breslau) zur Mitarbeit erboten. Frankfurt a. M.. den 12. Dezember 1928. E. Gut. * Jüdisches Schularchiv für das Deutsche Reich. Aufruf. Unter obigem Titel haben wir vor Jahren die jüdische Lehrerschaft aufgefordert, uns alte Materialien zuzusenden, die für die historische Forschung auf jüdisch-pädagogischem Gebiete von Bedeutung fein können: Zeirschrir^n. Fibeln, biblische Geschichten, Religionsöücher. WrrerbLüer, An-

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