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Jüdische Schulzeitung · 1929-01-15 · Heft 1 (15.1.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
5 (1929)
Issue
Heft 1 (15.1.1929)
Date
1929-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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} ■ Seite 2 Jüdische Schulzeitu,lg. Uiummeu 1 j! Cohnheirn. der übrigens als Virchows bedeutendster Schün ler zu charakterisieren gewesen wäre, von Eduard Gans. ^Heinrich Hertz, der schon als Christ geboren ist. u. a. in. In dem aufschlußreichen Artikel Berit mila konnte . durch knappe Fassung der wissenschaftlichen Theorieen ' über den Ursprung der Beschneidung Raum für die Fcst- ' stellung gewonnen werden, daß die kleine Operation von dem noch unentwickelten Nervensystem des Achttägigen; wenig schmerzhaft empfunden wird und bei sachgemäßer \ Ausführung keine nennenswerte Gesundheitsschüdignng bewirken kann, ferner. daß sie zweifellos einen gewissen prophylaktischen Wert hat und eine sexualpädagogische Wirkung zu üben vermag. (Vgl. auch den Aussatz von S. Mintz, „Die Hygiene in der Bibel" in Nr. 7 dieser Ztschr.) Dagegen durfte als nicht zur Sache gehörig der.Hinweis auf . die sogenannte Mädchenbeschneidung fortbleiben, die auch von anderen Völkern als den Chinesen geübt und von [: B. Kirschner unzutreffend erklärt wird. Bei Chasaka fehlt ' eine Darlegung der Grundbedeutung mit Beispiel, dazu ein! Hinweis auf Row.. . Die übliche Erklärung von Hadran: „wir lehren zu dir zurück" ist kaum haltbar, und es ist vielmehr „unsere Ehre komme auf dich" zu übersetzen. — In dem Artikel über die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hätte erwähnt werden sollen, daß ihre meisten ordentlichen Studierenden — hier nach österreichischem Sprachgebrauch Hörer genannt - - zu Rabbinern liberaler Richtung ausgebildet werden und daß an ihr außer anderen Interessenten zahlreiche Lehrer ihre wissenschaftliche Weiterbildung gefunden haben. „Präparandie" ist hier wie an " der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt zu Berlin offizielle - Bezeichnung, und diese Wortform ist somit für das Jüdischdeutsche ausreichend belegt; sonst lautet das Wort Präparande, gebildet wie Registrande, Agende, Legende. ' Das mehrfach vorkommende ..Lautere' Brüder" ist alter Uebersetzungssehlec für „die Lauteren", entsprechen!» der „jüdischen Tochter" — bath jisrael. .. 7 Der Stil — auch mancher Mitarbeiter mit deutscher " Muttersprache - - ist nicht immer tadelfrei. Das Relativpronomen „welcher" ist durchgängig ohne Rücksicht auf den Wohlklang getilgt, dagegen die Einschachtelung des ' Relativsatzes dem Goetheschen Sprachgebrauch entgegen belassen. Fehler im Hebräischen sind selten, doch korrigiere man I 135 me§8iacb 1'ki tuinmo und setze im hebräischen . Text Zere. Kibbuz und dagesch. Die II 207 gegebene, von Jakob Levy stammende Worterklärung von liefet: „Nachdenken" hat schon Fleischer zurückgcwi.sen; das Wort bedeutet wie im Biblisch-Hebräischen: „antceiben, anreizen, locken". Die mancherlei kleinen Mängel des Werkes tun jedoch seinem Gesamtwerte keinen Abbruch; seine Anschaffung kann jedem empfohlen werden, der überhaupt für seine wissenschaftliche Fortbildung irgendein materielles Opfer zu bringen gewillt ist. ' Methodische Fragen zur jüdischen (nachbiblischen) Geschichte. Referat, gehalten auf der vierten Fortbildungskonferenz - * in Württemberg (am 15. April 1928) von Religionsoberlehrer Adelsheimer. Stuttgart. ' . .. I. ' Ich habe den Auftrag, zu Ihnen über methodische Fragen zur nachbiblischen Geschichte zu sprechen. Es ist .nicht meine Absicht, hierüber einen in alle Einzelheiten eingehenden Vortrag zu halten, und zwar aus zwei Gründe,:. Für's eine wird die nachfolgende Besprechung manche Einzelsrage klären und neue Gesichtspunkte aufzeigen. Aber auch den Umstand möchte ich erwähnen, daß wir über das Gebiet der methodischen Behandlung der nachbiblischen Geschichte noch recht wenig Literatur besitzen, die uns in diese Fragen tiefer hineinführen konnte. Doch wird sich diese letztere Schwierigkeit in manchem dadurch beheben, daß wir die Anschauungen und die Forderungen, welche die moderne P.-röagogik hinsichtlich des allgemeinen Geschichtsunterrichts aufgestellt hat, auch auf den nachbiblischen Geschichtsunterricht anzuwenden versuchen. Denn auch die jüdische Geschichte ist ein Ausschnitt der allgenieinen Geschichte. und wir werden daher bei der unterrichtlichen Behandlung im allgemeinen die gleichen Wege einzuschlagen haben. Da fragen wir uns zuerst: Was ist eigentlich Geschichte, und was will sie in der Schule? Es kann darüber zwei verschiedene Ausfassungen geben; jede geht davon aas. daß Geschichte eine Darstellung des Lebens sei. Während aber die einen, die Vertreter der sogenannten objektiven Geschichtswissenschaft, darunter die objektiv haarscharfe Wiedergabe des Lebens verstehen, von allen gleich gesehen, wenn nur die Methode der Forschung selbst objektiv richtig war. vert.itt die moderne Pädagogik einen rnehr subjektiven Standpunkt und betrachtet geschichtlich nur da^ Leben, welches auf mein Leben bezogen ist. das Auf und Ab menschlichen Denkens. Handelns, Wollen«» und Strebens in seiner ganzen Man nigsaltigkeit und in all seinen Verknüpfungen. Das Leben zu packen und von ihm erfaßt zu werden, das ist die eigentliche Aufgabe. Darum ist das erste Ziel des Geschichtsunterrichts Wiedererweckung vergangenen Le' bens, historischen Sinn besitzt derjenige, welcher das Vergangene wieder in sich zum lebendigen Bild zu gestalten vermag und darum ein Verständnis für die Entwicklung des Lebens besitzt. Eine Frucht solchen geschichtlichen Verstehens ist die Erkenntnis der Gebrechen und Fehler der Vergangenheit und Einsicht in die Mittel, durch die es besser geworden ist. Daß jeder Geschichtsunterricht daher von großer erziehender Bedeutung ist. insofern durch ihn nicht nur Erkenntnisse, sondern auch Willensimpulse geweckt werden, braucht wohl nicht weiter ausgesührt werden. So ist auch der Grund, warum wir jüdische Geschichte lehren, ein zweifacher: das jüdische Kind soll durch diesen Unterricht sein Volk kennen lernen, nicht bloß das äußere Geschehen soll ihm nahe gebracht werden, sondern es soll auch eine tiefere Einsicht in die bestehenden Einrichtungen und Zustände unserer religiösen Gemeinschaft in ihm geweckt werden, durch diesen Einblick und dieses tiefere Verstehen aber erwächst dann in dem Schüler das Bewußtsein von der Hoheit der geistigen Ausgabe Israels, von denen der göttlichen Vorsehung, die Ueber zeugung von den: Sieg des Guten, die Frucht dieser Erkenntnis ist dns tiefe, weil bewußte Gottvertrauen Jüdische Geschichte ist zugleich Religionsgeschichte. darum will sie dartun. wie der religiöse Gedanke im Mittelpunkt alles Geschehens steht, wie von ihm die treibenden Kräfte ausgehen, in der Vergangenheit bis zur Gegenwart. Sie sehen aus diesen Ausführungen. daß der Zweck, zu dem wir jüdische Geschichte lehren, in manchem dem Unterrichtsziel der biblischen Geschichte gleicht. Doch geht die nachbiblische Geschichte nicht nur örtlich und zeitlich über den Schauplatz der biblischen Geschichte hinaus, sondern auch innerlich geht sie von etwas Neuem aus- Denn während in biblischer Zeit uns dargestellt wird, wie in ^Israel allmählich unter manchen Hemmungen und

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