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Jüdische Schulzeitung · 1928-05-15 · 5 (15.5.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
4 (1928)
Issue
5 (15.5.1928)
Date
1928-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer. 5 _Jüdische Schulzeitung._ _Seite 5 des Namens Gottes, wenn er falsch ist. Ein falscher Schwur liegt beim Zcugcneid vor. wenn etwas Wahres als unwahr oder Unwahres als wahr beschworen wird. Einen solchen falschen Zcugcneid nennt man Meineid. Einen Meineid leisteten die Zeugen wider Naboth (1. B. Könige 21). Aber guch der Verpflichtungseid kann zu einem falschen Eide werden, nämlich dann, wenn die im Eide cingkgangcnen Verpflichtungen nicht erfüllt werden. Die Verletzung des Verpflichtungseides nennt man Eidbruch. Zidkija machte sich eines Eidbruches schuldig (2. B. Ehr. 36. 13.). Desgleichen Saul bei der Ermordung der Gibeoniter (2. B. Sam. 21. 2). Meineid und Eidbruch gehören zu den schrecklichsten Sünden; denn der Meineidige und Eidbrüchige verhöhnt mit Wissen und Willen den allmächtigen, heiligen und gerechten Gott. Deshalb ist auf den Meineid sehr hohe Strafe gesetzt, nämlich entehrende Zuchthausstrafe. Viel härter aber ist die Strafe, welche der Meineidige vor Gottes Gericht empfängt. Darum sollen wir bei einem Schwur keine Rücksicht nehmen auf Freund und Feind, auf Ehre oder Schande, auf eigenen Vorteil oder fremden Gewinn, sondern sollen stets nur eins fragen: Ist das, was ich beschwören will, auch wirklich volle, reine Wahrheit, nicht zu viel und nicht zu wenig? Kann ich alles vor Gott und meinem Gewissen verantworten? Und könnte man sich durch einen falschen Eid auch aus der schlimmsten Lage retten, und brächte der falsche Eid auch den größten Gewinn, lieber „Gut und Blut verloren, als einen falschen Eid geschworen". „Was Hilst es dem Menschen, wenn er seine Schuld abgeschworen?" Er hat sich ja eine viel größere Schuld aufgcladen! Was Hilst es ihm. durch die Lüge in ihrer frechsten und gottlosesten Gestalt sich einen irdischen Gewinn verschafft zu haben? Hat er doch damit sich von Gott losgesagt und seiner Seele Seligkeit dahingegeben! Kein Friede mehr im Herzen, kein 'Segen mehr lim Hause, keine Ruhe' mehr im Gemüte! „Der Wind im Hain, das Laub am Baum saust -ihm Entsetzen zu, er findet nach des Lebens Raum im Grabe keine Ruh!" Wie Kain ist der Meineidige unstät und flüchtig auf Erden! Die fröhlichste Gesellschaft wird für ihn zum Schrecken! Der gerechte Gott geht hinter ihm her! Und wenn endlich der Tod kommt, und der Meineidige Glicht mehr leben mag und doch auch nicht sterben kann,- und wenn er endlich vor dem ewigen ^Richter steht, wer möchte mit ihm tauschen?" (Kehr.) Ein Mißbrauch des Namens Gottes ist ferner auch das leichtsinnige Schwören im gewöhnlichen Leben. Einen solchen leichtsinnigen Eid leistete Esau, als er Jakob die Erstgeburt für das Gericht Linsen abkanste. Dies war ein leichtsinniger Eid, weil die Sache (Linsen) Nicht so wichtig war. Auch bei uns werden -oft leichtsinnigerweise im gewöhnlichen Leben Eide geschworen. Schon Ausdrücke wie „wahrhaftig in Gott" usw. sind als leichtsinnige Eide zu betrachten und deshalb zu meiden; denn wer solche Eide schwört, dem fehlt die Ehrfurcht vor Gott! Endlich muß noch bas Schwören bei - geschaffenen Dingen als ein Mißbrauch des göttlichen Namens bezeichnet werden. Es ist ein Unding, bei geschaffenen Dingen zu schwören; denn, werden die Dinge, bei welchen man schwört, in Beziehung zu Gott gesetzt, so ist es ein Schwören bei Gott; geschieht dies nicht, so ist der Schwur wertlos. weil, die geschaffenen toten Dinge weder Zeugen der Wahrheit, noch Rächer der Unwahrheit sein können. Wer die Wahrheit spricht, der hat nicht nötig, seine Aussagen noch besonders zu bekräftigen; er findet auch ohnedies Glauben. Dem Lügner aber glaubt man nicht trotz aller Eide! Aber auch die anderen Unterrichtsgegenstände werden Gelegenheit bieten, auf die Bedeutung und Heiligkeit des Eides hinzuweisen, so z. B. der deutsche Unterricht bei Besprechung einzelner Lesestücke und Gedichte; der Geschichtsunterricht an einzelnen Stellen,- z. B. bei Rudolf v. Schwaben, welcher in der Schlacht bei Mölscn die rechte Hand verlor, mit der er dem König Heinrich IV. den Eid der Treue geschworen hatte. Durch die oben verzeichnete direkte Behandlung der Lehre vom Eide trägt die Schule sehr viel dazu bei, die Achtung von dem Eide zu erhöhen und der Ueberhandnahme der Meineide zu steuern. Ihre Pflicht geht aber noch weiter. Soll die spezielle Behandlung des Eides von dauerndem Erfolg sein, so muß die Schule die gesamte Schulzeit hindurch dafür sorgen, daß die Herzen der Kinder mit denjenigen religiösen und sittlichen Eigenschaften ausgerüstet werden, welche die Grundlagen des Eides sind, nämlich Gottesfurcht und Wahrheitsliebe. Es ■> sei deshalb auch hierüber noch ein kurzes Wort gesagt. Die Gottesfurcht ist in erster Reihe die Frucht eines guten Religionsunterrichts. Wie derselbe im einzelnen beschaffen sein muß, wenn er zur Gottesfurcht erziehen will, kann hier nicht näher erörtert werden; jedoch darauf sei ganz besonders hingewiesen, daß nicht durch eine große Zähl von Religionsstunden und nicht durch einen umfangreichen Religionsstoff der religiöse Sinn der Kinder gefördert wird. Gerade beim Religionsunterricht liegt nicht in der Menge der Stunden und des Stoffes der Gewinn. Dieser ist vielmehr nur dann zu hoffen, wenn der Lehrer, ganz von dem Stoff erfüllt und durchdrungen, den Religionsunterricht als einen Gottesdienst ansieht und mit jener Andacht erteilt, die wegen ihrer Wahrheit auch ohne Ostentation auf jedes Gemüt ihren Eindruck nicht verfehlt. Außerdem darf der Lehrer nicht vergessen, daß die religiös-moralische Erizehung nicht nur von innen, sondern auch von außen begründet werden muß. Man rede daher den Kindern nicht nur von Religion, sondern zeige sie auch in allen Einrichtungen, im ganzen Leben und Treiben. Je mehr das Kind in allem, was mit der Religion im Zusammenhang steht, das religiöse Leben veranschaulicht sieht,- desto mehr wird es selbst religiös gebildet werden, und desto leichter wird dann der in der Schule ausgestreute Samen des göttlichen Wertes ein fruchtbares Erdreich finden. Neben der Pflege der Gottesfurcht ist die Erziehung zur Wahrheitsliebe für die Wertschätzung des Eides von ganz besonderer Wichtigkeit. Die Schule hat also auch hierauf ihr Augenmerk zu richten. Es ist dies um so notwendiger, da keine Untugend unter den Kindern so weit verbreitet ist, als die Lüge, die bewußte und absichllich gewollte Täuschung anderer Menschen durch Unwahrheit. Man hat viel darüber gestritten, ob die Lüge und Unwahrhaftigkeit den Kindern angeboren oder von denselben erworben sei. Daß die Lüge den Kindern angeboren und dieselben demnach ihrer Natur nach vollendete kleine Lügner seien,- ist eine Ansicht, die in früherer Zeit von zahlreichen. Pädagogen vertreten wurde. Andere Erzieher, wie z. B. Rousseau, vertreten den Standpunkt, „daß alles gui fei, wie es aus den Händen des Schöpfers'hervorgeht, und . daß alles entarte unter den Händen der Menschen und der menschlichen Kultur". Die Sündenreinheit, der Hang zur Unwahrheit und Verlogenheit sind von Natur dem Kinde gleich fern. Es besitzt aber die natürliche Fähigkeit, moralisch oder unmoralisch zu werden. Allerdings kann nicht geleugnet werden,- daß die Anlage, der Hang nach der einen der andeeron Seite hin häufig angeboren, ererbt ist. Diese Anlage kann sich nun zur Tatsache

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