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Jüdische Schulzeitung · 1928-05-15 · 5 (15.5.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
4 (1928)
Issue
5 (15.5.1928)
Date
1928-05-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 . Jüdische Schulzeitüng. Nummer 5 Die Behandlung -es Eides im Religionsunlerrichk der Volksschule. Von Konrektor I. S p e y e r. Frankfurt a. M. (Schluß.) 1. WasistderEid? Die Beantwortung dieser Frage nötigt, über das Wesen des Eides zn sprechen. Am besten läßt sich das Wesen des Eides ans biblischen Beispielen in folgender Weise entwickeln: 1. Buch Samuel 20. 12. 13 "spricht Jonathan zu David: ..Der Herr, der Gott Israels (mag Zeuge sein,) wenn ich übermorgen um diese Zeit meinen Vater ausforsche. und er ist David gutgesinnt, ob ich dann nicht zu dir schicke und es dir mittcile. So tue der Herr an Jonathan und so fahre er fort, wenn cs meinem Vater gefällt, dich zu verderben, so laß ich es dir ebenfalls sagen, und du magst in Frieden ziehen. Möge der Herr mit dir sein, wie er mit meinem Vater gewesen ist." Jonathan gibt David damit ein Versprechen, und auch er hat den Wunsch, daß David ihm glaube. Er ruft zu diesem Zwecke Gott zum Rächer der Unwahrheit an. Jonathan hat demnach geschworen. Es schwört also der. welcher bei einem Versprechen oder einer Aussage Gott zum Zeugen der Wahrheit oder zum Rächer der Unwahrheit anruft. — Ans diese Weise sind die Kinder auf dem einfachsten und anschaulichsten Wege mit dem Wesen des Eides bekannt gemacht worden. Trotzdem wird die oben angeführte Erklairnng des Schwures von manchen Pädagogen verworfen. Rach meiner Meinung sind. alle Belehrungen über das Schwören ohne Grund und. Fundament, wenn die Kinder nicht von vornherein mit dem Wesen des Schwures bekanntgemacht werden. Wenn es auch durchaus eine richtige Forderung ist, daß die Anwendung von Definitionen in der Volksschule und namentlich im Religionsunterrichte zu beschränken ist, so sind die Definitionen doch nicht ohne weiteres zu verwerfen, da sie oft die bestimmteste nnd kürzeste Erklärung eines Begriffes und auch durchaus unschädlich sind, wenn sie in naturgemäßer und anschaulicher Weise entwickelt werden. 2. I st d e r E i d e r l a u b 1? Die Unterredung mit den Kindern wird bei Beantwortung dieser Frage etwa folgenden Gang haben: Im 1. Buch Moses 22. l(i, 17 heißt es: „Ich habe bei mir geschworen, spricht der Herr, weil du dieses getan, daß du deinen einzigen Sohn nicht verweigert hast: Werde ich dich segnen nnd deine Nachkommen mehren wie die Sterne des Himmels und den Sand am Rande des Meeres; deine Nachkommen werden besitzen das Tor der Feinde." Hier schwur also Gott selber. — Als Abraham wiederkehrte aus dem Kampfe gegen Keckor-l_evmer. sprach er zu dem König von Sodom: 1. B. 14. 22. 23. „Ich hebe meine Hände auf zu dem Herrn, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. daß ich von allem, das dein ist. nicht einen Faden noch Schuhriemen nehmen will daß du nicht sagest, du habest Abraham reich gemacht." Abraham hat hier geschworen. Desgleichen verlangte Abraham von seinem Knecht Elieser einen Schwur.- als er zu ihm sprach: 1. B. M. 24. 3, 4: „Schwöre mir bei dem Herrn, dem Gott des Himmels und der Erde, daß du meinem Sohne kein Weib nehmest von den Töchtern der Kananiter. unter welchen ich wohne, sondern daß du ziehest in mein Vaterland und zu meiner Freundschaft und nehmest meinem Sohne Isaak ein Weib." — Saul sprach zu David (1. B. Sam. 24, 22.): „So schwöre mir nun bei dem Herrn,- daß du nicht ausrottest meinen Samen nach mir und meinen Namen nicht austilgest von meines Vaters Hause", und David schwur Saul. Wir sehen also, daß Gott und fromme Männer geschworen haben, deshalb muß der Schwur auch erlaubt sein. — Anßcri dem hat Gott den Eid selber ausdrücklich gestattet, wenn er spricht (5. B. M. 6. 13.): „Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten, ihm dienen und nur bei seinem Namen schwören." — Endlich muß auch der Eid gestattet sein, weit er notwendig ist. Wir könnten den Eid entbehren, wenn in der Welt der Geist der Wahrheit herrschte. Das ist aber nicht der Fall. Mit Recht klagt die heilige Sch.-ift (Hosea 4. 1.) „Es ist keine Treue im Lande." Es muß daher ein Mittel geben, die Wahrheit festzustellen. und dieses Mittel ist der Eid. 3. Wann ist der Eid erlaubt? Die heilige Schrift gibt uns über diese Frage keine Auskunft. Darum gebe ich meinen Schülern die Antwort: Der Eid ist erlaubt, wenn ihn die Obrigkeit fordert. Es liegt auch kein Grund vor, in dieser Hinsicht weitere Zugeständnisse zu machen. Der Lehrer "wird daher den Kindern hier etwa Folgendes geben bzw. mit ihnen entwickeln können: Weil Gott den Eid gestattet, darum wird er auch von uns angewandt. Damit aber kein Mißbrauch mit ihm getrieben wird, darf er nur dann geleistet werden, wenn ihn die Obrigkeit fordert. Die Obrigkeit ist von Gott eingesetzt. Sie ist Gottes Stellvertreterin und hat die Aufgabe, das Recht zu schützen und das Unrecht zu bestrafen. Wenn sie aber diese Pflicht erfüllen will, so muß sie ein Mittel haben, die Wahrheit festzustellen. Dieses Mittel ist der Eid. Also darf die Obrigkeit den Eid von uns fordern. — Im Anschluß hieran sind den Kindern die nötigen Belehrungen über die Arten und äußeren Formen des Eides zu geben, etwa in folgender Weise: Die Obrigkeit fordert von uns den Zeugeneid und den Versprechungseid. Der Zeugeneid ist ein Bekräftigungseid. Der Schwörende bekräftigt darin seine Aussage. Der Versprechungseid ist der Amtscid. Huldignngseid und Fahneneid. Den Amtseid muß jeder Beamte leisten. Er verspricht in demselben gewissenhafte Erfüllung seiner Pflichten. Einen Huldigungseid leisteten die Untertanen ihrem Landesherrn. Sie gelobten in demselben Gehorsam und Treue. Den Fahneneid legt der Soldat ab. In demselben verpflichtet er sich zu Gehorsam nnd Tapferkeit. Der Schwörende beginnt den Schwur mit den Worten: „Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden" und schließt mit den Worten: „So wahr mir Gott helfe." Mit den erstgenannten Worten ruft der Schwörende Gott zum Zeugen der Wahrheit und mit dm letztgenanntm Worten zum Rächer der Unwahrheit an. Es stößt also derjenige, welcher falsch schwört, mit Wissen und Willen jegliche Hilfe und jeden Beistand Gottes von sich. Es ist aus diesem Grunde der falsche Eid eine der schrecklichsten Sünden. Beim Schwören wird die rechte Hand emporgehoben, um den Schwörenden an den im Himmel Thronenden zu mahnen. 4. Wann ift der Eid ein Mißbrauch des Namens Gottes? Bei Beantwortung dieser Frage bietet sich reiche Gelegenheit. auf das Gemüt - der Kinder einzuwirken. Es darf dies nicht versäumt werden; denn die Belehrungen über den Eid sollen die Kinder nicht nur in der Erkenntnis fördern, sondern auch ihr Gefühl und ihren Willen heilsam beeinflussen. Nur dann werden sie auch noch in spaterer Zeit den Meineid und Eidbruch als etwas Hassenswertes. verdammen. Die Besprechung könnte etwa folgenden Verlauf nehmen: Der Eid ist stets ein grober Mißbrauch

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