Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 4 (15.4.1928)
- Date
- 1928-04-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 4 JüdischeSchulzeitung. Seite 7 die Schule durch zweckmäßige Behandlung der Lehre vom Eide den Kindern den rechten Begriff von der Bedeutung des Eides zu vermitteln suchen. Der Lehrer wird zu diesem Zwecke auch in der einfachsten Volksschule folgende Fragen beantworten müssen: 1. Was ist der Eid? 2. Ist'der Eid erlaubt? 3. Wann ist der Eid erlaubt? 4. Wann ist der Eid ein Mißbrauch des heiligen Namens Gottes? Betrachten wir alle vier Fragen näher. (Schluß folgt.) Vereinsberichle. Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M. 183. Sitzung. (Generalversammlung am 30. Januar 1928.) Jahresbericht des Vorsitzenden Dr. I. H ö x t c r. Unter günstigen äußeren Umständen treten wir in das 25. Vereinsjahr. Mit 70 ordentlichen Mitgliedern, der biblisch und traditionell geheiligten Zahl, ziehen wir vom« 1. zum 2. Viert cljahrhundert unserer Vcrcinstätigleit hinüber. Wir fassen das als glückliche Vorbedeutung auf für die gedeihliche Aufwärtsentwicklung unserer Vereinigung, die nicht vom Ruhm vergangener Zeiten zehren darf, sondern aus eigener Kraft und in täglicher Verjüngung auf dem gefestigten Fundament der früheren Errungenschaft Neues und Wertvolles ansbanen muß. Als Leitmotiv für die werdende innere Arbeit diene uns das Wort der letzten Sidra: ••pi irapni irwin :rwa wn?D^nn '»i Wer find die, die gehen sollen! Mose sprach: „Mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir gehen." Unsere jüngeren und jungen Kräfte sollen voranmarschieren. wegbahnend und wegweisend, auf ihre starken, breiten Schultern die Bürde der Verantwortung laden und unter Zurückstellung egoistischer und materieller Interessen „dem Ewigen dienen", den großen und heiligen Verpflichtungen gegen die Gesamtheit der jüdischen Lehrerschaft und der jüdischen Jugend. Aber auch die „Alten" sollen gehen und ihren Opfersinn, ihre reiche Erfahrung, ihren immer lebendigen Gemeinschaftsgeist, ihre unermüdliche Arbeitskraft, ihren Idealismus und ihre pädagogische Produktivität und Aktivität auch weiter der Vereinigung zur Verfügung stellen und durch ihr Beispiel die Jungen zur Nacheiferung anfeuern. Beide Gruppen aber sollen in enger Verbundenheit in inniger persönlicher und geistiger Talgemeinschaft Zusammengehen. Die heutige Generalversammlung gilt nicht dem Gedenken des- 25 jährigen Bestehens unserer Vereinigung — dafür wählen wir noch eine besondere Zeit und Form —, sondern nur dem kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr und dem Ausblick auf die kommende Zeit. In acht Monatsversammlungen, die sich eines befriedigenden, gegen die Vorjahre zunehmenden Besuchs der Mitglieder erfreuten, hat die Vereinigung ihre Aufgaben zu bewältigen gesucht. Auf wissenschaftliche Vertiefung waren die Vorträge von den StudienrÜten Dr. Grau „Bibel und Ballade", Dr. Wagner „Seelische Strukturen", und Walter Rothschild „Reiseeindrücke vom französischen Judentum" eingestellt. Neue Wege für die pädagogische Praris. die Methodik des jüdischen Geschichtsunterrichts wies den Lehrenden und Lernenden Rabbiner Dr. Salzberger durch seinen Vortrag über „Härter: Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. III. Teil" und der Verfasser selbst durch sein Referat: „Einführung in die Praris des Quellenlesens". Heber „Neue jüdische Jugendliteratur" verbreitete sich Lyzealoberlehrer E. Gut. Das aktuelle Verbandsthema „Die jüdische Jugend und wir" behandelte Kollege Israel. Im Zeichen der Zeit würdigte ' Dr. Hörter die Bedeutung Pestalozzis für den jüdischen - Religionsunterricht. Auch die Standcsinteresscn fanden ihre Vertretung. Im Anschluß an einen Vortrag von Studiendirektor Dr. Driesen „Der Preußische Landesverband .jüdischer Gemeinden und die Lehrerschaft" wurde die größere Heranziehung der jüdischen Lehrer im Landesverband, die Gleichstellung der jüdischen Beamten mit den Staatsbeamten uns die gleiche akademische Vorbildung aller jüdischen Lehrer ohne Ausnahme gefordert. Eine gründliche Aussprache diente der vermehrten Anstellung von jüdischen Lehrern an Simultanschulen und von jüdischen Philologen an höheren Lehranstalten. Allen Vortragenden und Referenten wollen wir heute nochmals danken. Ganz besonders drängt es mich, meinen treuen Mitarbeitern im Vorstand für die freudige und selbstlose Hingabe meinen innigsten Dank auszusprcchen. Hcrvorhebcu möchte ich. daß der 2. Vorsitzende. Studienassessor M. Simon, sich die Förderung der wirtschaftlichen Fragen und der Geselligkeit angelegen sein ließ und unser Schatzmeister Konrektor I. Hosmann uns eine wohlgeordnete Buchführung und eine gut gefüllte Kasse übermittelt hat. bevor er das mühevolle und manche Unannehmlichkeit bringende Amt nach' mehrjähriger mustergültiger Führung niederlcgt. Allen voran aber gebührt unser aufrichtigster und unauslöschlicher Dan! dem Manne, der während der 25 Jahre unseres Bestehens der Schriftführer unseres Vereins war und dieses bürdenreichste Amt bis zu seinem 60. Geburtstage, den wir in dieser Woche mit freudigster Anteilnahme mit ihm feiern, innegehabt hat und es nun andern Händen überantworten will. Unser Kollege Dr. David Hartmann hat die Protokolle von beinahe 200 Sitzungen mustergültig geführt und damit die Geschichte unserer Vereinigung verzeichnet, sich selbst aber hat er damit ein schönes Denkmal geletzt, denn hinter diesen zuverlässigen, objektiven Berichten, hinter den unzähligen Schriftstücken, die er geschrieben, steht eine Persönlichkeit. die für unsere Vereinigung ein unschätzbarer Gewinn war. Für die jüdische Jugend hat Dr. Hartmann einmal die lebensvolle Erzählung „Treue" veröffentlicht. Diese Treue ist es. die uns seine Persönlichkeit so liebenswert machte. Treu gegen sich selbst, treu gegen andere, treu dem Amte für die Gemeinschaft. Seine nie enttäuschende und sich stets gleichbleibende Freundschaft, seine nie versagende Arbeitsbereitschaft, seine selbständige und doch sich willig einordncnde und anpassende Tätigkeit haben mir wesentlich die Leitung unserer Vereinigung in den 25 Jahren erleichtert, daher haben wir auch schweren Herzens und mit äußerstem Widerstreben seinem Wunsche nach Entlastung stattgegcben. Wir sind nicht imstande, in schwachen Worten unseren Gefühlen des Dankes Ausdruck zu verleihen, aber wir können versichern, daß. solange die Vereinigung bestehen wird, seine Verdienste um dieselbe unvergessen bleiben. 'Ein kleines', sichtbares Zeichen unseres tiefsten Dankes sei ihm das Werk, das ich ihm namens der Vereinigung überreiche. Die gut besuchte Versammlung dankte Herrn Dr. Hörter durch ihren spontanen Beifall für seine Ausführungen. Unser verdienter Schriftführer Dr. Hartmann dankte in herzlichen Worten. Im weiteren Verlauf des Abends wurde dem seitherigen Rcchnungsführcr, Konrektor Hosniann, Entlastung erteilt und die Neuwahlen für den Vorstand vorgenommen. ' Die Wahl zeitigte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Dr. I. Hörter. 2. Vorsitzender I. B. Levy. 1. Schriftführer I. Flörsheim, 1. Kassierer S. Eschwcge, 2. Schriftführer M. Simon, 1. Beisitzer Frl. Anna Adler, 2. Beisitzer I. Hofmann. In den Vorstand kooptiert wurden noch die Herren Dr. D. Hartmann, I. Spier. I. Bick und Frl. E. Jscnburger. I. F l ö r s h e i m. Literarisches. William Waldemar Petersen. Das Tier im Alten Testament, ein Beitrag zur modernen Tierschutzfrage. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1926. Der Verfasser, ein Tierarzt in Ekelskör (Dänemark), unterzieht sich der dankenswerten Aufgabe, zu untersuchen, welche Pflichten der Mensch vom religiösen Standpunkt des Alten Testaments aus gegen das Tier hat. über diese seine- Absicht äußert sich der Verfasser. Er behandelt nun im Hauptteil seines Buches sämtliche Stellen des Alten Testaments, in denen das Tier vorkommt, sei es im kultischen Gesetz, sei es in der Nahrungsfrage, sei es auch nur im Bilde, wie etwa bei den Propheten und in Psalmen. Er benutzt — das ist zu bedauern — die Luthersche Uebersetzung, arbeitet also weniger mit dem hebräischen Original. Seine Betrachtungen bleiben nicht an der Oberfläche, daher bieten sie auch gegenwärtigen Fragen neue Einblicke. Zum Vorteil der angestellten Untersuchungen werden talmudische Auffassungen mitgeteilt, wird auch vergleichende Religionsgeschichte getrieben. Wobei — zu leicht natürlich — aus Uebereinstimmungen auf nicht unbedingt richtige Schlüsse gefolgert wird. Der zweite Teil des Buches dient ausschließlich solchen Fragen. Er widmet sich der „Tierverehrüng im antiken und modernen Polytheismus". Hierbei kommt der Der-