Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 3 (15.3.1928)
- Date
- 1928-03-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 3 - Jüdisch eSchiilzeitung._ Seite 7 (früher Tcmpelb'urg, Ptzüimern) wohnenden greisen Vorkämpfer für nuferen materiellen und ideellen Aufstieg, Herrn Lion Wolfs, desgleichen Herrn Robert Hirsch sel b, Schulreferenten der jungen Gemeinde und Leiter der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin". — Sodann wird der vor kurzem dahingeschiedcnen Mitglieder Lewinsohn (Brandenburg a. Havel) und Pincus (Schlochau) in gebührender Weise gedacht. — Der anschließende Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden, die auch in München zur Diskussion stehenden Standes, und Berufsfragen (wie Lehrerbildung, Beamtenrecht, Hilfskaffc usw.) streifend, findet volle, debattelose Zustimmung. Insbesondere werden darin die dem Entwurf für eine „Beamtenordnnng" in Preußen noch anhaftenden Mängel hervorgehoben. Dem Kassensührcr Stern (Landsberg a. W.) wird Entlastung erteilt. Rose (Soran) und Steiner (Züllichan) werden zu Kassenprüfern gewählt. Anschließend daran wird eine Erhöhung des Vierteljahres-Beitragcs von 3 auf 5 Mark beschlossen. — Reicher Beifall wird den Kollegen Wolfs (Eberswalde) und Guttmann für ihre Sachreserate. W. spricht über „Unsere Stellung znm S ch u l g e s e tz e n t w u r f", den deutschen Juden im Kampfe um' dieses Gesetz Neutralität anempsehlend. G.'s Thema lautet: „Ueber Kiddnsch und H a w d o l o" (mit musikalischen . Beispielen). — Laut Antrag Wolfs (EberSwaldc) sind die Gemeinden anfznfordcrn, . dem Beispiele von Stadt und Land folgend, Gehaltsaufbesserungen der Beamten und Pensionäre vorznnehmen. — Jastro (Forst- Lausitz). empfiehlt Förderung der Jugendbewegung. Guttmann, Vorsitzender. Frank, Schriftführer. 45. Jahrcstagung des Bereins israelitischer Lehrer in Schlesien am 16. November 1927. Der Vorsitzende, B ä h r -Breslau, eröffnet die Sitzung um 11 Uhr vormittags mit Worten herzlichster Begrüßung an die zahlreich erschienenen Kollegen und Ehrengäste, besonders an die Herren Rabbiner, Seminardozenten, Vertreter der Shnagogcngemeinde Breslan, des niederschlesischen Shuagogengcmcindeverbands, der jüdischen Schulen, der jüdischen Logen, der jüdischen Jugendvcreine — und gedachte ehrenvoll des im letzten Vereinsfahr Heimgegangenen ausgezeichneten Koll. Lasker- Glogau, sowie der freudigen Ereignisse des 40 jährigen Orls- Amts;ubilänms des Koll. Falkcnstcin-Landeshut. — Nach Dankes¬ und Begrüßungsworten der Herren Rabb. Euguther, Nabb. Dr. Hossmann, Dr. Goldschmidt als Vertreter der jüdischen Schulen, Seminardozent Dr. Letvkoivitz als Vertreter des jüdischen theologische» Seminars, Dr. Karger-Görlitz als Vertreter der jüdischen Iugendvereine Deutschlands und Fallenslei» erstattet der Vorsitzende den Jahresbericht. Es sei zwar die Lage der Religionslehrer und Knltusbeamtcn etwas besser geworden, im ganzen aber bleibe die Konstellation wenig günstig. Ein Feuers»,ike leuchtete auf, blitzartig, wieder verschwindend. Die Beamtenordnnng, kaum geboren, ist in einer Kommission begraben, wird^wohl nicht mehr auserstehen von den Tote». Wo bleibt die feste Anstellung, Versorgung und ausreichende Besoldung? — Die jüdische Lehrerschaft verlange auch höhere Lehrerbildung, die Ausbildung müsse ans einer jüdischen Akademie erfolgen, und auch der Unterbau müsse in einer jüdischen Anstalt sein. Die Kollegen, die andere Ansichten propagieren, seien schlectit beraten. Unser Verein sei augenblicklich damit beschäftigt, die alljährlich hier stattsindenden Fortbildungskurse gleichsam in Permanenz zu erklären, deshalb die Kurse in Arbeitsgemeinschaften umzustellen und fortlaufend je einen Sonntag in drei Wochen der Fortbildung zu widmen unter der wissenschaftlichen Leitung der Herren Dozenten des jüdischen theologischen Seminars. Der Gcmeindeverband Nieder-Schlesiens ist in dankenswerter Weife gerne bereit, unsere diesbezüglichen Wünsche finanziell zu unterstützen. — Als segensvollen Fortschritt in unserer Organisation ist der Rcichsverband der jüdischen Lehrervereine zu begrüßen. Allezcir walte in der jüdischen Lehrerschaft: Ahawa, aehawa, scholaum wereuß. Hierauf hielt Herr Seminardozent -Dr. Nabin seinen groß angelegten Vortrag über „Die historischen Grundlagen der Reubcni-Molchosage". (Wir bringen eine ausführliche Inhaltsangabe dieses Referats demnächst in den Blättern für Erziehung und Unterricht. D. Red.) Sodann spricht Czollak über „Den Reichsschulgesetzentwurf in seiner Beziehung zur jüdischen Schule". (Nachdem der Gesetzentwurf inzwischen gescheitert ist, sehen wir von einer Wiedergabe des Referats und einer sich daran anschließenden Resolution ab. D. Red.) Zu Punkt 6 der Tagesordnung referierte Fräulein Menken über „Jugendbewegung und Lehrerschaft". Ihre lichtvollen Darlegungen gingen aus von den ursprünglichen Ursachen und Beweggründen, die zur Jugendbewegung im allgemeinen und auch zur jüdischen Jugendbewegung geführt haben. Es sei die Ausgabe der jüdischen Lehrerschaft, sich in die Psyche der Jugend hineiuzuvcrjetzeu, sie ganz zu verstehen, die ideal gesinnte Jugend mit echt jüdischen Idealen zu erfüllen und mit Hilfe der Jugend das jüdische Haus und die jüdische religiöse .Kraft wieder herzustclleu. — Reichen Beifall zollte mau der Reserentiu. Koll. Freundlich referierte noch über die Sitzung der Unterstützungskasse des Vereins und spricht Koll. Moops, der nach langjähriger, umsichtiger, sachverständiger und fürsorglichster Leitung der Kasse vom Vorsitz zurücktritt, den Dank der Lehrerschaft aus, und den des Vereins. Nachdem Koll. Fallensteiir unter Dank Entlastung erteilt, und der Vorstand wiedergewählt wurde, wird die Versammlung gegen 5 Uhr unter üblichen Dankesworten geschlossen. B ä h r-Breslau, Vorsitzender. Heidenfcld - Striegan, Schriflsührcr. Literarisches. Hoppe & Kretschmann: Vom Sprechen zur Sprache. Vcr,uch einer Sprachlehre im Sinne Benhold Ottos. (Union, Deut,che Berlags-Anstalt. Berlin.) Der Titel kennzeichnet das Buch schon hinreichend: eine Sprachlehre auf Grund der Arbeitspädagogil V. Ottos; die Sprache betrachtend nicht als etwas Seiendes. Gewordenes, sondern als ein Werdendes, aus dem Denken Hervorwachjendes; das aber dann, wenn es als Gewordenes dasteht, so wie es ist, sein m u fi. Begriffsbildung und Sprachbilduug gehen Hand in Hand. Die im Kinde unbewußt vorhandenen logijchen Kategorien werden ihm an feinen eigenen Sprechinhalten aus psychologisch feinsinnige Weise veranschaulicht und geklärt. Daß dabei hin und wieder Umwege gemacht werden, daß die „altersmundartliche" Terminologie hier und da Verstiegenheiten ausweist, tut dem Werte des Ganzen keinen Abbruch. Gerade für einfache Schulnerhältnisse und für Lehrer, die nicht in ausgefahrenen Gleisen fortwursteln, kann das Buch wertvoll und lustvoll fein.. 5). Stein..-" Arnold Zweig: Juden auf der deutschen Bühne. Mit 16 Bildtafeln. Der Heine-Bund, Berlin tXO. 1927. 302 Seiten. In ein unbestelltes Gebiet, in das Gebiet des gcgenwärngen deut,chen Vühnenlebens, in dem sich Juden als Dichter. Regisseure, Dramaturgen, Schauspieler und Kritiker betätigen, begibt sich ein Berufener mutigen Herzens. Gr bringt keine lückenlose, erschöpfende Caininliiiig, er blickt nicht sanatisierl nuj die Leistungen der Juden im gute» oder bitzey Sinn, er stellt sich auch nicht die Aiisg.ibe, de,, Ai,-..sl'i>jc-» dev ,.!,„Iijiik.i,chc-n Assektes" fortgesetzt entgegeuzutreten; ihm genügt lediglich, nie Tatsache des Vorhandenseins jener am Ausbau der deutschen Bühne wirkenden jüdischen Kräfte nachzuweisen, die, leidenschaftlich gelobt und umstritten, ihre Funktion ausüben, weil sie dem Ruf des künstlerischen Geistes ihrer Zeit gefolgt sind. Bei der Wahl des Stoffes muß auf die verschiedenartigen Wege des Kunstverständnisses _ und -genusfes, auf die Grundbedingungen für den Erfolg des künstlerischen Schaffens cingegangen werden; einer einzigen, unfehlbaren Methode wird aber dabei nicht das Wort geredet. Wohl wendet sich Arnold Zweig gegen jenen Typus von Theaterdichtern der Aera Blumenthal-Kadelburg, die „wegen ihrer unbe,chreiblich selbstgefälligen Nichtigkeit" längst als vernichtungswert empfunden worden sind, wohl weiß er den lauten Jubel, der auch in der neuesten Zeit jüdische Schriftsteller umlobt, in seine Schranken zu verweilen, wenn diese Schriftsteller fundamentale Grundsätze dichterischen Schaffens unbeachtet lassen und daher in kurzer Zeit der Vergänglichkeit anheim fallen müssen. Aber trotzalledem bleibt die Zahl der hervorragenden Repräsentanten so stattlich, daß es sich wohl verlohnt, wie es Arnold Zweig in seinem Buch in gründlicher Weise getan hat, den Gründen für diese Erscheinung nachzugehen. Und eigenartig verblüffend ist die Tatsache, daß gerade die treuesten Anhänger der unvergänglichen deutschen Kunstwerke auf dem Gebiete der Literatur, die Männer, die zum Teil epochemachend in die deutsche Vühnengeschichte eingegriffen haben, aus jenem' abgelegenen, unbeachteten Flecken stammen, wo Kaftanjuden in komischen Gestikulationen den harten Kampf ums Dasein führen. Mühsam ist ihr Weg bis zur erhabenen Höhe des Max Reinhardt, Rudolf Schildkraüt, Max Pallenberg, Alexander Eranach und vieler anderer, -elbst ein die Seele packendes Drama. Das mutige Eintreten für das sachlich Rechte und die sprachschöpferische Klctft des X'ecfüfjer-S rnsi^it h<tf,n ■ btiuafäti, weite Kreise des deutschen Volkes dem Buch ihre Aufinertjamkeü schenken. Studienraf Hugo Steinhardt.