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Jüdische Schulzeitung · 1928-03-15 · 3 (15.3.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
4 (1928)
Issue
3 (15.3.1928)
Date
1928-03-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 3 Jüdische Schulzeitung. Seite 6 ihn vernachlässigt, wie seitens der Lehrerschaft aus diesen Borwurf geantwortet wird? In der Wirkung bedeutet das eine wie das andere ein gegenseitiges Frcmdsein; aber die Tatsache ist wesentlich für die Aufhellung der gegebenen Situation. Eine Zeit, die das Leben mechanisiert und seinen Wert nach seinen äußeren Erfolgen bemißt, kann dem Träger eines Geisteslebens, das aus ganz anderen Urgründen emporsteigt, keine bevorzugte Steb lung einräumen. Die Konsequenz der Dinge hätte cs mit sich bringen müssen, daß der Lehrer einer Minorität. die ihre Sonderstellung aus ihrem religiösen Sondergute herleitet, als Vermittler dieses Gutes zu ganz besonderer Bedeutung gekommen wäre. Die Tatsachen aber lehren etwas anderes, und der Zusammenhang ist ohne weiteres klar. In der Tragik des jüdischen Lehrerstandes offenbart sich uns die Tragik des 'Judentums, und alle die unerfreulichen Situationen, in denen wir den jüdischen Lehrcrstand gesehen, entspringen der besonderen Geisteslage des jüdischen MenschenLreises, die die neue Jugend überwinden will. Es ist deshalb auch kein bloßer Zufall. daß die Lehrerschaft in dem Kampfe um ihr Recht die Bundcsgenosscnschaft der bewegten Jugend findet. In dieser Tatsache zeigt sich schon das Wehen eines neuen Geistes. Und gerade hierin erblickt die jüdische Lehrerschaft das Wesentliche, das unendlich mehr bedeutet als der Beistand in dem bloßen Ringen um den Erwerb materieller Güter. Ein neuer Geist offenbart sich ihr in der bewegten Jugend, der für die Zukunft Großes erhoffen läßt. Die Jugend. von anderen Auffassungen geleitet als die vorhergehende. Generation, erkennt die Bedeutung des Standes, dessen Dienst sie in ihrem Austvärtsschreiten zur Höhe nicht entbehren kann. Sie begehrt diesen Dienst und trifft in diesem Verlangen mit dem der Lehrerschaft selbst zusammen;, die nichts Sehnlicheres wünscht, als sich der Aufgabe zu widmen, die ihr hier verheißungsvoll winkt. (Schluß folgt.) Vereinsberichke. Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin. Jahresbericht 192 7. Die Generalversammlung der „W. V." fand diesmal der Münchener Verbandstagung wegen erst am 14. Januar 1928 statt. Aus dem Jahresbericht sei in Kürze das Folgende mitgeteilt: Mit einer gewissen Genugtuung dürfen wir es verzeichnen. daß seit einer Reihe von Jahren in unseren Veremsvcrsammlungen keine Kämpfe mehr um materielle Güter ausgefochten worden find; denn wir können der frohen Erwartung gewiß sein, daß die Sicherung der wirtschaftlichen und rechtlichen Stellung auch des jüdischen Lehrers sich allmählich als selbstverständliche Voraussetzung bei den maßgebenden Körperschaften durchs zusetzen beginnt. Darum konnte auch im Jahre 1927 unser Bestreben dahin gerichtet sein, unsere Arbeit unter dem höchsten Gesichtspunkte zu leisten, unter dem Gesichtspunkte der Förderung und Verbreitung der jüdischen Bildung durch Hebung des jüdischen Religionsunterrichts. Alle geistige und sittliche Bildung aber ist vergeblich, wenn darüber des Leibes vergessen wird. So ließ uns die Sorge um das leibliche Wohl unserer jüdischen Kindev, die Sorge um ihre körperliche Ertüchtigung, in einer Richtung tätig sein, die bereits zu nennenswertem Erfolg geführt hat. Gemeint ist der „Soziale Ausschuß des Reichsverbandes der jüdischen Lchrervereine im Deutschen Reiche", der auf Antrag der „W. V." aus der 9. Tagung des Reichsvcrbandes der jüdischen Lehrer- Vereine im Deutschen Reiche vom 26. bis 28. Dezember 1927 zu München ins Leben gerufen lvorden ist. Sein Aufgabengebiet ist die jüdische Jugendwohtfahrtspslege. Seine Arbeit soll in engster Verbindung mit der Zentral^ wohlfahrtsstclt: der deutschen Juden, mit den Sozialen Ausschüssen des Allgemeinen deutschen Rabbinervcrbandes und des Deutschen Lehrervereins geleistet werden. Leider mußte der alljährliche Weihnachtsfortbildungskursus diesmal der Münchener Tagung wegen aussallen. Es liegt aber ein Vorstandsbeschluß vor. ihn voraus--. sichtlich ui den Psingstserien 1928 ftattsinden zu lassen. Dafür aber trat die „W. V." mit zwei wichtigen Anfträgen in München vor die jüdische Lehrerschaft, deren Auswirkungenfür die künftigen Fortbildungskurse von großer Bedeutung sein können, nämlich mit den Anträgen, eine jüdisch-pädagogische Zentralbibliothek, die „Moses Mendelssohn-Bibliothek", und ein jüdisches Schulmusrum zu begründen. Es steht zu hoffen, daß beides sich verwirklichen lassen wird. Die „W. V." zählte zu Beginn des Vereinsjahres 151 Mitglieder. Neu ausgenommen wurden im Laufe des Jahres 5. Es schieden 11 aus, davon 2. der Kollege Louis Hirschberg und die Kollegin Löwenthal, durch den Tod. so daß wir mit 145 Mitgliedern in das neue Jahr hineingehen. Der Vorstand setzte sich im Jahre 1927 wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Robert Hirsch feld. 2. Vor>- sitzender Dr. Adolf Löwenberg, 1. Schriftführer Georg Sawady. 2. Schriftführerin Frau Auguste Rosenthal, Schatzmeister Siegfried Sander, 2 Beisitzer: Michael Abrahanr, Rabb. Dr. Salomonski, Ehrenvorsitzender Studiendirektor Dr. Gutmann. Es fanden im Jahre 1927 acht Vorstandssitzin,gen und zehn Vercinssitziliigen statt. Die Februar-Sitzung war eine Festsitzung zu Ehren der 100. Wiederkehr des Todestages von Johann Heinrich Pestalozzi. Im März fanden, wie üblich, zwei Sitzungen statt. Die zweite März-Sitzung bestand in der Feier des Stiftungsfestes. Die Vortröge und Referate des Berichtsjahres: Studiendirektor Dc. Gutmann: Johann Heinrich Pestalozzi. Ein Fcstvortrag. Dr. Golde: Mittelalterliche Illustrationen zu jüdischen Büchern (mit Lichtbildern). Rabb. Dr. Kantorowski: Das jüdische Kind in der weltlichen Schule. Bernhard Levy: Das jüdische Schulwesen in Palästina. Ein Reisebericht. Georg Sawady: Der „Soziale Ausschuß". H. Stern: Das neue Judengesetz (Entwurf des Preußischen Landesverbandes). Dr. Löw enbc rg: Die jüdisch-pädagogische Zentralbibliothek „Moses Mendelssohn-Bibliothek" und jüdisches Schulmuseum. Robert H i r s ch f e l d: Jüdische Jugendbewegung und jüdische Lehrerschaft. Rabb. Dr. S a l o - monski: Die Schwierigkeit im Religionsunterricht und ihre Bekämpfung. Außer diesen Thenien standen in den einzelnen Sitzungen noch andere Angelegenheiten zur Debatte, von denen besonders hervorgehoben seien: 1. Die 9. Vers, bandstagung zu München. Wahl der Delegierten. Versprechung der Verbandsthemen. 2. Jugendgottesdienst. 3. Die Frage der jüdischen Volksschule in Berlin. 4. Fragen der Fortbildung und Ausbildung des jüdischen Lehrers. 5. Berufs- und Standesfragen. Die einzelnen Sitzungen wiesen durchweg einen guten Besuch auf. Als ständige Ausschüsse bestehen: 1. Die Wissenschaftliche Kommission. 2. Wirtschafts- oder soziale Kommis-

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