Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (15.2.1928)
- Date
- 1928-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer^ außerordentliche Bedeutung des Werkes von den verschiedensten Gesichtspunkten aus hingewiesen zu werden. Wer. wie gerade der jüdische Lehrer, wäre so sehr interessiert an der Verbreitung jüdischen Wissens; wer, wie er. weiß so sehr, daß in dem Mangel an jüdischem Wissen eines der Grundübel des heutigen jüdischen Lebens zu sehen ist. und wer. wie er. kennt die tausendfachen Schwierigkeiten, die der Verbreitung jüdischen Wissens in Laienkreisen im Wege stehen! Die jüdische Literatur ist zerstreut über viele Jahrhunderte und viele Sprachen; ihre Grundwerke sind heute häufig kaum mehr zu beschaffen, und vor allem demjenigen, der nicht Hebräisch beherrscht, gar nicht zugänglich. Hier in dieser Enzyklopädie liegt ein Werk vor, in dem das beste und das wesentliche des Wissens über das Judentum, das Jahrtausende aufgespeichert haben, zusammcngetragen und verarbeitet ist. in dem jeder Jude, der über irgendeine Frage jüdischer Vergangenheit und Gegenwart sich informieren will, bequem und von autoritativster Seite erschöpfende Belehrung, erhält. Nicht minder bedeutsam ist das Erscheinen dieses Werkes vom Standpunkt der Aufklärung der nichtjüdischen Welt über das Judentum. Gerade in diesen Jahren, in denen die Judenfrage so sehr aktuell geworden ist. in denen weite nichtjüdische Kreise ihre Beziehung zum Judentum einer Prüfung unterziehen, ist es eine der wesentlichsten Ausgaben des Judentums, eine wirkliche Darstellung seines Wesens zu geben. Was die jüdische Literatur bis heute bietet, ist zum großen Teil. Apologetik, zum anderen Teil unzureichend. Hier in dieser Enzyklopädie wird der Versuch unternommen, fern jeder Absicht und Tendenz, das Judentum in seiner objektiven Erscheinung fcstzuhaltcn und darzustcllcn. Für alle Nichtjudcn. die an jüdischen Dingen ein wirklich inneres -und ernstes Interesse nehmen, für Wissenschaftler und Literaten. für Politiker und Publizist -a liegt hier das Werk vor. das sie werden kennen müssen, wenn sie wirklich den Grundfragen des Judentums in aller Welt ernsthaft Stellung nehmen wollen. Aus all diesen Gründen, von vielen anderen nicht zu sprechen, bedeutet das Erscheinen des erstell Bandes dieser großen Enzyklopädie einen Gedenktag in der Geschichte der jüdischen Wissenschaft. Das deutsche Judentum darf darauf stolz sein, diese neue jüdische Enzyklopädie in seiner Mitte entstehen zu sehen. Nur durch die lebhafte Förderung des Werkes seitens aller wichtigen jüdischen Institutionen in Deutschland und Fördererkreisen des deutschen Judentums ist die Herausgabe dieses großen und begreiflicherweise sehr kostspieligen Werkes möglich geworden.- Es wird auch weiterhin Aufgabe aller jüdisch interessierten Kreise in Deutschland bleiben, das Erscheinen des Werkes und seine Verbreitung mit allen Mitteln zu fördern, und gerade der jüdische Lehrer wird hier ein Stück wcr-tvoller Pionierarbeit zu leisten berufen sein. Weitere Bände werden in etwa halbjährlichen Abständen erscheinen, aber schon heute darf man die Herausgeber. Redakteure und Mitarbeiter des Werkes und allen denjenigen, die zu seiner Durchführung bcigetragen haben, zum Erscheinen des ersten Bandes beglückwünschen, und darf überzeugt sein, daß weite Kreise des deutschen Judentums bereit sein werden, durch Subskriptionen und sonstige Förderung alles zu tun, um das gesicherte weitere Erscheinen dieses Werkes zu ermöglichen. M. Steinhardt. Deutsche Volksidee und Deutsch-völkische Idee. Von Professor Dr. Julius G o l d st e i n. Berlin. Philo- Verlng. Preis M 8,90. ^eite? Dieses Buch enthält eine Prüfung der von dem ernst zu nehmenden Hamburger Antisemiten Wilhelm Stapel in seiner Schrift „Antisemitismus?" (Hamburg 192*2) ausgestellten Behauptungen. Ter Verfasser hatte, wie er in seinem Vorwort sagt, weniger die Absicht, aus dos Antisemitische einzugehcn, als die allgemeinen kulturphilv, sophischcn und soziologischen Voraussehungen völkischer Denkungsart zu erkennen und zu widerlegen. Und daß dem Verfasser diese Ausgabe glänzend gelungen ist. wird man nach Lektüre seines Buches unbedingt anerkennen müssen. In streng wissenschaftlicher Arbeit werderr die Irrlehren völkischer Denkungsart glänzend widerlegt, und unwillkürlich drängt sich die Frage aus: Wie. ist cs nur möglich, daß solche Irrlehren, die doch jeglicher Logik entbehren, überhaupt entstehen können, weiterverbreitet werden und von Menschen, die ernst genommen werden woslen, als Dogmen ausgenommen werden. Jeder, der die Absicht hat. dem „wissenschaftlichen" Antisemitismus entgcgenzutreten, muß sich unbedingt mit dem Inhalt d('S Goldstein scheu Buches vertraut machen.; A. - M, Rosenthal, B.: Heimatgrschichte der badischen Zttbcil seit ihrem geschichtlichen Auftreten bis zur Gegenwart. Konkordia A.-G., Bühl (Baden). Preis geb. JC 10,-. Die Heimatgeschichte unseres Kollegen, des Hauptlehrers B. Rosenthal in Mannheim, ist nicht etwa ciiic weitere nachbiblische Geschichte neben den schon bestehenden zahlreichen anderen. Das vorliegende Werk behandelt vielmehr ein Gebiet, über das in dieser Gründlichkeit und Ausführlichkeit bis jeht nichts Aehnliches vorhanden war. die Geschichte der Juden in dem Lande Baden. Diefts kleine Land an der Südwcstccke Deutschlands, ein Qkbilde von Napoleons Gnaden, ist aus zahlreichen ehemaligen weltlichen und geistlichen .Herrschaftsgebieten unb freien Reichsstädten zusammengesetzt. Daher liegen die Urkuriden zur Geschichte der badischen Juden vor dem Jahre 1800 in den verschiedensten Archiven zerstreut und wurden bis jetzt nur zur Darstellung der Geschichte einzelner Herrschaftsgebiete verarbeitet. Das Neue an Rosentha'.s Arbeit ist nun, daß er in jahrelangem, außerordentlich gründlichen und gewissenhaften Studium aller zugänglichen Quellen den Stoff zu seinem Werke gesammelt und cs verstanden hat. den Stoff so zu formen, daß bei alür wissenschaftlichen Gründlichkeit der trockene Chronistenstil vermieden wurde. In frischer, lebendiger Darstellung führt er uns vom ersten Auftreten jüdischer Gemeinden am Rhein bis an die Schwelle der jüngsten Gegenwart. In keinem derartigen Werke wird man die Zeit nach dem 30jährigen Kriege und die inneren und äußeren Kämpfe im 19. Jahrhundert in solch anschaulicher und gründsicher Weise behairdelt finden. Mit Recht nimmt die Darstellung der Geschichte der neueren Zeit die größere Hälfte des über 500 Seiten umfassenden Werkes ein. Denn die Geschichte hat für den, der sie nicht als Fach oder Liebhaberei studiert, nur insofern ihre große Wichtigkeit, als sie uns die Gegenwart aus der Vergangenheit verstehen lehrt und Wege in die Zukunft weist. Die Geschicke der badischen Juden, ihre Kämpfe um ' ein menschenwürdiges Dasein und insbesondere die Kämpfe um die bürgerliche Gleichstellung, die im badischen Landtage ausgefochten wurden, haben nicht nur für die in Baden Geborenen Interesse. Haben sie sich doch in mehr oder weniger ähnlicher Form auch in den anderen Gebieten des Deutschen Reiches so abgespielt wie in Baden, und hat doch kein Geringerer als Gabriel Rießer in die Emanzipations-Debatten des badischen Landtages der drrisrigl-j- In lue eingr'gn'ffen.. Daper das Werk ai&f .Indische Schulzeitung.