Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (15.2.1928)
- Date
- 1928-02-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Zum Delegierten für die Tagung des Reichsverbandes in München wurde Kollege Capell-Wiesbaden bestimmt. Der Vorsitzende. T-er Schriftführer. Abr. Nußbaum. M. Hes. Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens, Bezirk Oberrhein. Am 16. November 1927 fand in Koblenz eine Bezirkskonserenz statt, die eine verhältnismäßig zahlreiche Beteiligung auswies. Der Vorsitzende. Kollege Würzbucger- Linz. begrüßte die Versammlung, insbesondere die vom Vorstand des Hauptvereins erschienenen Herren Rektor Abraham-Essen, und Konrektor Andorn-Dortmund, sowie den Vertreter des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden. Herrn Koll. Reinhardt, und spricht ihnen seinen Dank für ihr Erscheinen und die bereitwillige Ucbernahme eines Vortrags aus. Darauf referiert Kollege Andorn über den Reichsschulgesetzentwurf. ^Ausgehend von dem in Weimar zustande gekommenen Schutkompromiß, verbreitet er sich in klaren, erschöpfenden Ausführungen über den Charakter der einzelnen Schulsysteme, ihr Für und Wider, über die Stellungnahme der einzelnen Parteien und den mutmaßlichen Verlauf der Ausschußverhandlungen. Auf Beschluß der Versammlung wird die Besprechung des mit großem Beifall aufgenommenen Referats zurückgestellt, und Koll. Abraham spricht nun über Pflcgschaftsbezirke. Der Name sagt es schon, was die neue Einrichtung will: ..in liebevoller Sorge sich des Unterrichts pflegerisch annehmen". An Hand seines in den Blättern für Erziehung und Unterricht s. Zt. veröffentlichten Exposes erläutert Rektor Abraham das Wesen der Pflegschaftsbezirke, ihren Aufbau und ihre Arbeit in der Praxis. Er beleuchtet alles, was ihre baldige Einführung notwendig macht. Vor allem verspricht er sich eine bedeutende Hebung des Unterrichts und eine regere Anteilnahme des Elternhauses an den Arbeiten der Schule. Mit regem Beifall danken die Anwesenden, die mit gespannter Aufmerksamkeit den interessanten Ausführungen gelauscht hatten. Nach der sehr lebhaften Aussprache. an der fast alle sich beteiligen, und durch die noch manche Unklarheit beseitigt wird, weiß der Referent alle zum Ausdruck gebrachten Bedenken zu entkräften, so daß die demnächstige Einführung der Pftegschastsbezirke von der Versammlung einstimmig beschlossen wird. Infolge der vorgerückten Stunde muß der noch vorgesehene Vortrag des Kollegen Würzburger für die nächste Konferenz. die im Frühjahr in Neuwied stattsinden soll, vertagt werden. — Die Kollegen scheiden voneinander mit dem befriedigenden Gefühl, daß hier wieder eine wertvolle Arbeit im Interesse der Schule und zum Wohle des Judentums geleistet wurde. Würzburger - Linz. L e v i - Mayen, Vorsitzender. Schriftführer. Literarisches. Lncvclopaedila Judaica. I. Band. Berlin. Efchkol- Verlag. Das Erscheinen des ersten Bandes der seit langem angekündigten und von allen jüdisch interessierten Kreisen mit Spannung erwarteten „Encyclopaedia Judaica" darf als ein bedeutsames Ereignis in der Entwicklung der modernen jüdischen Wissenschaft und darüber hinaus in der Geschichte des deutschen Judentums verzeichnet werden. Seit vielen Jahrzehnten besteht das Bedürfnis nach Nummer 2 einer in deutscher Sprache abgefaßten systematischen Darstellung des Judentums in der Form einer Enzyklopädie. Es wäre nur natürlich gewesen, daß das deutsche Judentum. das die moderne Wissenschaft des Judentums geschaffen hat. auch die erste jüdische Enzyklopädie zustande gebracht hätte. Bekanntlich ist dies nicht der Fall gewesen; vielmehr ist vor mehr als 25 Jahren in Amerika in englischer Sprache die erste große jüdische Enzyklopädie erschienen unter dem Titel „Jewish Encyclopaedia". In dem Viertetjahrhundert. das seitdem vergangen ist. ist die jüdische Wissenschaft über diese englisch-jüdische Enzyklopädie hinweggeschritten, und heute ist sie in vielen wesentlichen Punkten veraltet und überdies unbrauchbar, soweit es sich um die Darstellung des gegenwärtigen jüdischen Lebens handelt, das durch den Weltkrieg tiefgreifende Umwälzungen erfahren hat. So bedeutet es die Erfüllung einer großen gesamt-jüdischen Ausgabe, wenn nunmehr eine neue, umfassende Enzyklopädie des Judentums zu erscheinen beginnt, deren erster Band nunmehr vorliegt. Ein flüchtiger Blick nur in diesen ersten Band zeigt, daß in diesem Falle altes getan wurde, um eine Art 8tandard work zu schaffen. Die Redaktion, an deren Spitze als Chefredakteure die Herren Dr. I. Klatzkin und Prof. I. Elbogen stehen, liegt in den Händen der bewährtesten Fachmänner jüdischer Wissenschaft; wir finden unter den Redakteuren Namen wie: Prof. Brody. Prag; Obercabbiner Dr. Freimann. Posen; Tr. Nachnm Goldmann. Berlin; Rabbiner Dr. Jacob. Dortmund; Dr. M. Sotoweitschik. Berlin; Dr. Torczynec. Berlin; Dr. Wischnitzer. Berlin, und andere mehr; zu' den Mitarbeitern zählen fast sämtliche namhaften jüdischen Gelehrten und Schriftsteller aller Länder, wie auch zahlrcicbe bedeutende nichtjüdische Forscher. Das gesamte Werk wird 15 Bände umfassen und etwa 40ÜU0 Artikel enthalten. Der erste 640 Seiten umfassende Band enthält die tr appe Hälfte der Artikel unter A. Tie Lektüre der Artikel zeigt, daß. wenn sie auch in erschöpfender Bearbeitung des gesamten Quellenmaterials geschrieben sind, sie doch in einer solchen gemeinverständlichen Darstellung gehalten sind, daß sie auch jedem interessierten Laien durchaus verständlich sind. Eine der wesentlichsten Eigenheiten dieser Enzyklopädie besteht in den großen Monographien. in denen versucht wird, die Grunderscheinungen der jüdischen Geschichte und Vergangenheit in ersck)öpfender Gesamtdarstellung systematisch zu behandeln. Von solchen Monographien, die oft mehrere Bogen umfassen und kleine Werke für sich darstellen, sind in diesem ersten Band einige bereits enthalten, so die Artikel „Abgaben und Steuern", eine Gesamtdarstellung des innere jüdischen Steuer wesens aller Zeiten und aller Länder, der Artikel „Agada und agadische Literatur", der Aufsatz „Akademien, talmudische", in dem ein fesselndes Bild von der Organisation und der historischen Entwicklung der großen Pflanzstätten jüdischen Wissens in Babylon und Palästina gegeben wird, in denen der Talmud entstanden ist. Schon diese wenigen Aussätze machen diesen Band zu einer unerschöpflichen Fundgrube jüdischer Belehrung für jeden interessierten Juden, von den tausenden von Einzelftichworten gar nicht zu sprechen. Die Ausstattung des Werkes entspricht seinem Inhalt. Wohl kaum hat die jüdische Wissenschaft in Deutschland ein Werk von dieser glanzvollen äußeren Aufmachung hervorgebracht, die schon rein äußerlich die Enzyklopädie zu einem seltenen Monumentalwerk jüdischen Geistes stempelt. Es braucht wohl kaum an dieser Stelle auf die Jüdische Schukzeitung.