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Jüdische Schulzeitung · 1928-02-15 · 2 (15.2.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
4 (1928)
Issue
2 (15.2.1928)
Date
1928-02-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Schulzeitung. Nummer 2 zwei Drittel beigetragen. in vollem Umfange zu zahlen; es wurde demgemäß beschlossen. In der Hauptversammlung hielt Weinberg- Wunstorf ein Referat über das Verbandsthema: Die jüdische Jugendbewegung und die jüdische Lehrerschaft. Der Referent beleuchtet den historischen Verlauf der Jugendbewegung in Deutschland und empfahl die Mitwirkung des jüdischen Lehrers in den jüdischen Jugendvereinen. Das Resultat der Debatte ergab die Resolution: ..Nach einem Referat des Kollegen Weinberg-Wunstorf über die Geschichte und Bedeutung der Jugendbewegung wird allgemein dem Verlangen Ansdruck gegeben^ daß der fLtnfche Lehrer bereu fei. der jüdischen Jugend seine Mitarbeit zu widmen." Zum Delegierten für den Verbandstag wurde Weinberg- Wunstorf. zum Ersatzmann Apt-Pattensen gewählt. Die „Freien Besprechungen" gaben den Kollegen, wie alljährlich. Gelegenheit, sich ihre Nöte vom Herzen zu reden. Neben Gegenständen von lokaler kommen auch solche von allgemeiner Bedeutung zur Sprache. U. a. wird eingehend die Vorbildung des künftigen Lehrers besprochen. Der Tank des Vereins für die Tätigkeit des Verbandsvorstandes im allgemeinen und für dessen Bemühungen in bezug auf die Ausbildung jüdischer Religionslehrer im besonderen findet seinen Ausdruck in einer einstimmig angenommenen Resolution, die bereits in Nr. 26 der Bl. für Erz. u. Unterr. zum Abdruck gelangt ist. In Angelegenheit der Vorbereitung des „Judengcsctzes" billigt die Versammlung die Stellungnahme der Delegierten im - Provinzialverband der Hannov. Synagogengemeindcn. Einhellig spricht sich die Versammlung für die Institution der Beibehaltung des Landrabbinates aus, ganz besonders aber für die weitere Mitwirkung der Regierung bei der Anstellung und Entlassung des jüdischen Lehrers. Demzufolge sei die Hannoversche Judengesetzgebung für die Provinz Hannover in dem neuen,.Judengesetz" zu verankern. Bericht über dir Bereinssttzung israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau vom 16. November 1927 zu Limburg. An der diesjährigen Mitgliederversammlung beteiligten s ich außer fast allen Lehrern des Bezirkes die Herren Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Lazarus-Wiesbaden. Bezirksrabbiner Tr. Weingarten-Ems, Justizrat Marxheimer- Wicsbaden und die Vorsteher der Gemeinde Limburg. Im Mittelpunkt der Tagung stand das von Capell- Wiesbaden erstattete Referat: „Der Rcichsschulgesetz-Entwurs und die jüdische Lehrerschaft Nassaus". Ausgehend von der Bedeutung dieses Entwurfs für die Allgemeinheit und vornehmlich für die Judenheit Deutschlands, meint der Referent, daß wir Juden auf Grund dieses Entwurfs insofern einen Gewinn buchen können, als der Entwurf uns in dem Verlangen nach der Konfessionsschule volle Gleichberechtigung mit den anderen Bekenntnissen garantiert. Leider werde dieses Geschenk dadurch illusorisch gemacht, daß unsere Gemeinden, besonders in den großen Städten, in den wenigsten Fällen die eigene Schule vom Staate nicht verlangen werden. Auf die nassauischen Verhältnisse übergehend, hebt Redner hervor. daß die in diesem Landchen nunmehr über 100 Jahre bestehende Simultanschule in Wirklichkeit als christliche Simultanschule anzusprechen sei, da auch nicht ein jüdischer Lehrer an ihr Anstellung gefunden habe. Seite 5 In diesem entscheidenden Moment, da die Schutverhältnissc für ganz Deutschland neu geregelt werden sollen, und der Allgemeine Lehrcrverein für den Regierungsbezirk Wiesbaden in einem Aufruf für die Erhaltung der nassauischen Simultanschule eintritt, gilt es für die jüdische Lehrerschaft unseres Bezirks, ihre Stimme gegen das ihr zugesügte Unrecht zu erheben. In Verfolg dieser Absicht wurde die bereits in den „Blättern für Erziehung und Unterricht" veröffentlichte Resolution einstimmig angenommen. Referent beleuchtet daraus die Stellung der einzelnen rv.'ti'.beo, $\\\\ tz'.llwvn's. 'S'tt tzM'iNü des Zentrums sei klar; sie trete bedingungslos für die Bekenntnisschule ein. Die Demokratische Partei fordere die christliche Simnltanschnle. besonders in Nassau, Hessen und Baden, wie ihr prominenter Vertreter Dr. Hellpach diesen Standpunkt in vielen Vorträgen und Aufsätzen zum Ausdruck gebracht habe. während die Sozialdemokraten die Gemeinschaftsschule ohne jeglichen konfessionellen Charakter fordern. Zum Schluß weist der Redner darauf hin. daß der Entwurf für den Religionsunterricht staatliche Einführung .vorsehe, sobald 12 Kinder des be. 'treffenden Bekenntnisses vorhanden seien. Auch dieses sei als vorteilhafte Aendcrung für uns zu werten. In der Besprechung verteidigt Herr Rabb. Dr. Latzarus die Stellungnahme Dr. Heltpachs. welcher von feinem Standpunkte aus die christliche Simultanschule fordern müsse. Das einzige Rettungsmittel für die deutsche Judenheit, um jüdischen Geist der Jugend einzupflanzen, sei daher die jüdische Volksschule. Auch die Kollegen Rosenberg. Hes und Vravmann betonen, daß die jüdische Volksschule oberstes Ziel sei, das wir. anzustrebcn haben. Kotl. Lilienthal klärt in längeren Ausführungen den Vlweggrund zur Resolution. Vorläufig müßten wir Lehrer Nassaus unsere Stimme dafür erheben, daß auch 'jüdische Lehrer an der Simultanschule Anstellung finden. Koll. Isaak erblickt in der erforderlichen Schülerzahl von 40 ein großes Hindernis für die Errichtung von jüdischen Volksschulen. Vielleicht könne der Landesverband daraus hinarbfiten, daß mfst Z,ihl im lLiiiwurs herabgesetzt werde. Der zweite Vortrag des Vorsitzenden Nußbamn-Wiesbadeu über „Selichoth", der sich in einen historischen und musikalischen Teil gliederte, vermittelte alten Anwesenden wertvolle Kenntnisse und mannigfache Anregungen für dieses im allgemeinen wenig bekannte Gebiet des Kantorats. Die ältesten uns vorliegenden Selichoth sind inr 7. Jahrhundert entstanden, vornehmlich in Deutschland. Italien, Spanien. Frankreich und der Türkei lebten die hervorragenden Dichter dieser Vitt-, Klage- und Trostgebete. Man unterscheidet einen aschkenasischen und sephardischen Ritus, die nicht nur in der Verschiedenartigkeit der Selichoth selbst zum Ausdruck kommen, sondern auch der Tage, an denen sie gebetet werden. Der sephardische Ritus sieht außer den bei uns üblichen Tagen Selichoth vor am 9. Aw, am Neujahrsfest und im ganzen Monat Elül. Aus dein musikalischen Teil, den der Referent durch Beispiele veranschaulichte, ist besonders zu erwähnen, daß irr der Regel der Text mit der Melodie überliefert wurde. Diese Melodien sind zum Teil profanen musikalischen Werken entnommen, wie beispielsweise ein Rezitativ aus den „Hugenotten" verwandt wurde. Der sehr beifällig aufgenommene Vortrag schloß mit einem Appell an die Kollegen, bei der Fortbildung dieses Gebiet des Kantorats nicht zu vergessen.

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