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Jüdische Schulzeitung · 1928-01-15 · 1 (15.1.1928) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
4 (1928)
Issue
1 (15.1.1928)
Date
1928-01-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nummer 1 Jüdische Schulzeitung. ___ Leite 7 «Die Gestalten aus ..Tausendundeine Nacht" sind allen Kindern vertraut. Sie tauchen wieder aus bei der Behandlung der Entstehung des Islam. Gerade dieses Wort Islam steht wieder mit qVj, das im Hiphil ..sich unterwerfen" bedeutet, in Beziehung. Das Wort Araber steht mit Arowo in Zusammenhang, was nicht aussallen kann, da wir es hier mit einem Volk der „Steppe" zu tun haben. Der Name Mohammed ist an Hand des Wortes choniad zu behandeln, und da dem Schüler das Wort nechmod bekannt sein wird, so ergibt sich als Sinn sür den Namen des Religionsstifters „der Gepriesene". Der Ortsname Medina ist aus dm „richten" herzuleiten, ergibt somit die Bedeutung „Gerichtsstätte". Koran komm't von Koro „rufen, nennen, lesen". Der Propheten Nachfolger. die Kalifen, sind aus cholaf „an die Stelle treten" zu begreifen. Emir steht wohl in Verbindung mit ..sagen" Zu Sultan ist „herrschen", zu .Minen „rechts" und „glücklich" heranzuziehen. Zweifellos wird der Gesichtskreis des Schülegs durch solche Vergleichungen erweitert und es wird gezeigt, wie weite Gebiete weltlichen Wissens durch das Hebräische aufgehellt werden. Zugleich erscheint das alte Kulturgut dieser Sprache als ewig neu und jung. Die meisten Anknüpfungspunkte bietet naturgemäß die Geschichte, doch sind auch andere Sphären nicht ausgeschlossen. Das in Süd- und Westdeutschland sür norddeutsch. Sonnabend gebräuchliche Samstag ist aus mhd. samztag und ahd. sambaztag aus dem hebr. (zu rOS? „ruhen") herzulciten. Ja. gerade für die Namenkunde ist das Hebräische nicht zu entbehren. Familiennamen'wie Bonn. Mainz, sind ohne weiteres aus den gleichlautenden Städtenamen herzuleiten. Etwas schwieriger schon ist die Ableitung von Dreher aus Trier, von Herz aus Hirsch (mhd. birz), von Hahn aus prfrtt, von Katz aus den Anfangsbuchstaben von pHS |iTC. Eine interessante Anlehnung ist das hebr. «Wer ist wie Gott?" zu mhd. miede! „groß". Das den Schülern zumindest aus Schillers Drama bekannte Wort „Kabale" ist interessant genug, um in Oberklassen zum Gegenstand einer Besprechung gemacht zu werden. Es heißt heute durch einen Wandel seines ursprünglichen Sinnes soviel wie List. Ränke, Intrige, während das hebräische rpDp von (empfangen) etwa „Geheimlehre" (das empfangene Wissen) bedeutete. Hier könnte auf das unter Karl H. von England berüchtigte Cabal-Ministerium hingcwiesen werden. Das Wort erscheint mir als Akrostichon der Namen der damaligen Minister Clifsord. Ashley. Buckingham, Arlington und Lauderdale. Das Ministerium galt, wie Macaulay berichtet. als in hohem Grade ränkesüchtig. Endlich leistet das Hebräische bei der Deutung von Fremdwörtern und Lcsewörtcrn gute Dienste. Das Wort „schäkern", nach Kluge seit 1760 Literaturwort, ist aus dem hebräischen ~)p2? herzulciten. auch hier ist ein Bedeutungswandel sestzustellen. — Das bekannte Wort genieren. zu sranzös. gener gehörig (gene — Qual) ist über das kirchcnlateinische gedenna. aus dem hebr. gedinnom entstanden. — Das vielumstrittene Wort Ghetto ist vielleicht aus get „Absonderung" herznleiten, das Wort Maske wird von manchen Etymologen aus das hebräische massrve „Hülle, Schleier" zurückgeführt. Die vorstehenden Ausführungen dürsten erwiesen haben, daß das Hebräische als Konzentrationsstoff nicht übersehen werden darf. Die Gefahr, daß — wie die eingangs erwähnten Richtlinien befürchten — der Konzentrationsgedanke auf einzelnen Gebieten zrun Nachtr-i! eines Einzclsaches überspannt werden könnte, rrisst nnrnr-' lich für den vorliegenden Fall.nicht zu. Viel eher ist zn besorgen, daß gerade in diesem Bereich die Bestellung eines ertragverheißenden Feldes versäumt werden könnte. Versammlung -es Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens. Am l6. November 1927 fand in den Räumen der Kant-Loge in Königsberg die 33. Jahresversammlung des Vereins statt, die / . ' von dem Vorsitzenden, Direktor Peritz, geleitet wurde. Rach den üblichen Begrüßungsansprachen erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht, wobei er einleitend auch der seit der letzten . Versammlung dahingeschiedenen Mitglieder, der Herren Kantor - Kroner - Bartenstein und Kantor Jaffa-Gumbinnen, sowie '; des früheren Mitgliedes der Vereinigung, des Herrn Verlags- ' .' direktors Joseph R os e n t h a l - Königsberg mit ehrenden Wor- \ ten gedachte. Er begrüßte insbesondere die jüdischen Lehrer aus . dem Freistaat Danzig, die sämtlich dem ostpreußischen Verein >7 bcigetreten sind und zum Teil auch zur Versammlung erschienet ' L waren. ' Rach kurzer Aussprache folgte der Vortrag von Lehrer Echt- ' / Danzig über „Jüdische Jugendfürsorge". Die von- Grund auf veränderten Jeitverhältnisse haben ebenso wie bei der übrigen deutschen Jugend, auch bei der jüdischen Jugend eins besondere Jugendbewegung hervorgerufen. „Jugendbewegung" ‘ y muß man von „Jugendpflege" unterscheiden; doch sind beide in -. der Praxis nicht zu trennen. In den neunziger Jahren schon hat die Erosiloge Bne Vrith den ersten Anstoß zur Gründung des . - . großen neutralen Jugendbundcs und zur Schaffung einer guten Jugendliteratur gegeben. Vis 1018 war dieser Verband auf - 153 Vereine mit 40 000 Mitglieder angewachfen. Kurze Zeit ’ darauf aber stand man vor einem Trümmerhaufen. Schuld daran waren die Zerklüftung in Wcltanschauungs- und politischen Parteien und ferner die mächtige Entfaltung der Jugendbewegung, die von Steglitz in der Mark ausging und mit Zauberkraft die deutsche und jüdische Jugend packte. Es drückte sich darin der Gegensatz der Jugend zur älteren Generation aus. ein revolutionärer Eedankengang; „Los vom Asphalt der Kultur, zurück zur Einfachheit der Lebcnsgewohnheiten und Sitten, gegen Kino, gegen Nikotin, gegen Alkohol, wieder hin zur Statur". Solche Ideale packten, denn es ging um die sittliche Erneuerung. Der Redner schilderte eingehend Entstehung und Auslosung der . verschiedenen Jugendbünde. Ueberall Auflösung mit folgender '7 Wiedergeburt, scharfe Dezentralisation. Eine gedankliche Er- \ Neuerung erfuhr auch der von Dr. Gustav Löffler-Frantsurt a. Ri.. begründete neutrale Jugendbund. Neutralität soll nicht Un- -- entfchiedenheit, Besinnungsschwäche bedeuten; nur soll sie die Jccgend befähigen, nicht alles durch die Parteibrille anzufehen. 7. Trotzdem bedeutet Dezentralisation, d. h. Gruppierung der . 7 7. Jugend nach verschiedenen politischen und religiösen Grund- 7 ideen auch eine gewisse Stärke der Jugendbewegung. Dabei " - darf aber das Gefühl der Gemeinsamkeit in Aufgaben für das Eesamtjudentunc bei der jüdischen Jugend nicht verloren gehen. — Dein Lehrer fällt nun neben dem Rabbinat die Rolle zu, den verschiedenv-- artigen Bestrebungen der Jugend Verständnis cntgcgenzubringen, •/ sie bei ihrem Bemühen um sittliche Erneuerung auf Grundlage jugendlicher Lebensformen zu unterstützen und den Ge'meinfchaftsgedanken im Sinne des Gcfamtjudentums in ihr zu fördern. , / Dabei ist die Selbständigkeit der einzelnen Vereine und ihre parteiliche Gruppierung nicht zu berühren. Eemeinschaftsbestrebungen der jüdischen Jugendverbände haben sich im großen bereits in die Wirklichkeit umgesetzt bei Schaffung des R e i ch s - ausfchufses der jüdischen Jugendverbände, von nawa S

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