Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 1 (15.1.1928)
- Date
- 1928-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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scheu. Nächstenliebe n. a. m. in den Vordergrund, und diese Gesichtspunkte werden gerade betont, wenn das Christentum als die „vollendete" Weltreligion gepriesen wird. Die Lehrer, die über dieses Thema in der Schule und vielfach mit erwachsenen Andersgläubigen in Ilnterhalu tnng kommen, können gar nicht sattelfest genug gemacht werden. Jede Unsicherheit ihrerseits > richtet Schaden an. 4. Die Geschichte der Juden in den Osttändern während des 19. und 20. Jahrhunderts ist an Tragik. Heroik und Grandiosität vielleicht das Erschütterndste, das unsere Gemeinschaft ert lebt hat. Sie ist daher von hervorragender u n - . terrichtlicher Aktualität. Denn Geschichte weckt Begeisterung, löst also die Wirkung aus. die letzten Endes das Ziel des Unterrichts ist. Daher muß jeder Lehrer tiefe Kenntnis von diesem wirksamen Ausschnitt unserer Geschichte besitzen, zumal ohne sie das Verständnis für die jüdische Gegenwart schwer erreicht werden kann. 5. Es ist befürwortet worden, ein über den eigentlichen Rahmen des Kursus hinaussührendes atlgemein-religionsphilosophisches Theina zu besprechen. Man wird hierbei entlegene Spezial- , themata unbeachtet lassen und besser bevorzugen, was entweder von zeitloser Aktualität ist, also das religiöse Weltbild im Verhältnis zum arcligiösen und antireligiösen, oder was von zeitlich er Aktualität ist. d. h. gegenwärtig im Vordergrund der Religionsphilosophic steht z. B. Psychologie des religiösen . Erlebnisses, das „Heilige" von Rudolf Otto, das " _ ' Wiedererwachcn von Aristoteles (Maimonides war Anhänger des Aristoteles). Cohen, Bergson. Aus den Darlegungen und Beispielen sei als zweite Forderung abgeleitet: Bei der notwendigen Auslese sollen die Grundsätze berücksichtigt werden „Das Nahe geht dem Fernen voran"; „Aktualität". kV. Methodik. a)Die Goldbarren des Wissens nützen dem Lehrer für seine Schulzwecke erst, wenn er sie in unterrichtliche Scheidemünze umzuprägen lernt. Dieser Umschmelzungsprozeß bedeutet eben Methodik. Sie gehört daher grundsätzlich zum >, P r o g r a m m d e r F o r t b i l d u n g s - K u r s e. sonst sind sie in der Anlage bereits mangelhaft. In der Erkenntnis von der Notwendigkeit und Bedeutung methodischen Lehrverfahrens braucht freilich kein Lehrer fortgebildet zu werden. Aber andererseits gibt es keine allein berechtigte Methode. Dafür sind die Stoffe, die Lehrer, die Kinder viel zu verschieden. Alle drei würden durch, die Aufkommandierung einer für absolut gehaltenen Normal-Methode vergewaltigt werden. Eines schickt sich nicht für Alle. Schließlich macht sich jeder Lehrer seine Methode selbst, der er seiner Naturausstattung und Ausbildung nach zuncigt. Das ist berechtigt, denn der Lehrer ist Herr der Methode, nicht sie ist es. die sich seiner bedient. Einem überflutenden Subjektivismus ist aber gerade der Fortbildungskursus geeignet, den begrenzenden Damm entgegenzusetzen. Mag der Dozent seine eigene Methode vortragen oder historisch-kritisch im Museum der Methoden her¬ Nummer 1 umführen, immer hört der Teilnehmer, wie cs andere treiben, und erkennt auf diese Weise die Relativität der Methoden. Er lernt ferner die Vorzüge anderer Methoden kennen und gewinnt so den rechten Maßstab für die Beurteilung der eigenen, sowie die Bereitschaft — Ver. ständigkeit vorausgesetzt — sich selbst zu korrigieren und zu ergänzen. Er wird vielleicht aufatmcn und das alte Kleid gegen ein neues besseres, das er in Einzelheiten seiner Art anpaßt. Umtauschen. Es findet also doch für ihn Fortbildung in der Methodik statt. Vor allem offenbart die sortbildende Unter» Weisung, daß jedes eigene System, so subjektiv es auch gefärbt ist. letzten Endes gar nicht in dem Maße ein Produkt persönlicher Erkenntnisse und Erfahrungen darstetlt. wie die Selbstgesälligkeit sich vorspiegelt, daß es vielmehr geformt und gebildet ist aus freniden Elementen, von ihnen bedingt und abhängig. Der methodische Subjektivismus wird also eingeengt durch die Erkenntnis gemeinsamer Grundlagen von absoluter Giltigkeit, und sie sind das Gute, das nie Abgetane, das Ewige in allen Systemen. War beispielsweise die Memorier-Methode falsch, so kann auf Memorieren doch auch heute nicht gänzlich verzichtet werden. Artete das Frage- und Antwortspiel aus. so kann es in maßvollen Grenzen Lust und Bewegung in den Unterrichtsbetrieb bringen. Wird anoererseits die „Arbeitsschnle" mit vollem Recht empsohlen. so ist der Name wohl neu. aber nicht ganz der Gedanke; wiederum einmal fängt ein alter pädagogischer Gedanke an. aus dem Grabe des Lehrbuchs lebendig zu werden. Die „Arbeitsschule" hat zudem ihre Grenzen, wie grade die sie befürwortenden Werke von Neueadorff. „Die Schulgemeinde", und Eberhard. „Arbeitsschule und Religionsunterricht" deutlich genug erkennen lassen.*) Es gibt, wie überall, nicht minder in der MKHodik Vergängliches, aber auch ewig Gutes, d. h. absolut Giltiges. Hierfür die Sehschärfe zu erhühcu. ist die unbeirrte Aufgabe der Fortbildungskurse. Indem durch sie das pädagogische Gewissen aus der Grundlage pädagogischen Wissens aufgerüttelt wird, das Gute zu nehmen, wo innner es sich, findet, ist der Ausartung des Subjektivismus Halt geboten. Jeder macht sich zwar seine Methode, aber er macht sie aus rechten Elementen. Die gleichermaßen alle Teilnehmer treffende Schulung durch die Kurse schafft unmerklich an ihrem Teile — zumal in einem geschlossenen Kreise — eine gewisse Gemeinsamkeit des Lehrverfahrens. Die Kurse unterweisen: b) Theoretisch. 1. pädagogische Psychologie (d. h. Voraussetzung jeder Methode, denn der Unterricht kann zu nachhaltiger Wirkung nur gestaltet werden, wenn die Methode der jeweiligen seelischen Entwicktungsstufe des Kindes angepaßt ist. Kinderseelenknnde). . 2. Methodik des Religionsunterrichts (allgemeines Teil). *) Vgl. Niebergall, Der neue Religionsunterricht, S. 160 ff. Seite 4 Jüdische Schulzeitung.