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Jüdische Schulzeitung · 1927-06-15 · 6 (15.6.1927) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
3 (1927)
Issue
6 (15.6.1927)
Date
1927-06-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nummer 6 Jüdische Schulzeitun Seite 7 gesetzt. WaS da von privater Seite unter Prof. Schncerfohns Leitung, dem Kinderarzt Dr. Stahl, dem Büro in dreijähriger aufopfernder Arbeit Gutes geschaffen worden ist, verdient höchstes, uneingeschränktes Lob. Das, was die soziale Arbeit an Psychopathen besonders erschwert, ist die mühevolle Arbeit mit den Eltern - dieser Kinder. Vieles, was die Schule und das heilpädago-! gische Ambulatorium richtig begonnen haben, wird oft r durch die große Gleichgültigkeit der Eltern zerstört, bei j denen sich nur zu oft die fixe Idee sestsetzt, daß ihren N .Kindern nicht mehr zu Helsen sei. Sie wollen darum H nichts mehr tun, sträuben sich gegen jede bessere Einsicht; -j und wenn sie dazu noch, selber belastet sind, erscheinen \ oft die Bemühungen vergeblich, alle Hindernisse un- > überwindlich. Aus diesen Gründen müßten eigentlich die heilpäda- : gogisch vorgebildeten Lehrer, viel mehr aber noch die heil- . pädagogisch vorgebildcte Erzieherin (Fürsorgerin) nicht zu I unterschätzende Faktoren in dem heilpädagogischen Am- () bulatorium bedeuten. Schon darum ist der einen: solchen ‘ Ambulatorium anzuschließende Kinderhort unentbehrlich. : Soviel mir bekannt ist, ist auch die „Jüdische Kinderhilfe" j drauf und dran, das eben Gesagte in die Tat umzu- ' setzen. Der Kinderhort bedeutet in größerem Maßstabe! das sicherste Mittel, das Elternhaus samt dem belasteten j Kinde nicht eher aus dem Auge zu lassen, bis für das i Kind alles getan ist, was zur unbedingten Heilung führen > könnte. Der Inhalt von Prof. Schneersohns Schrift ist in vier Abschnitte gegliedert: I. Ausgabe und Organisation, II. Untersuchungsmethode (einschl. der Phantasieprüftmgsmethode des Verfassers), j 111. Behandlung, , j IV. Allgemeine statistische Ergebnisse mit Tabelle. j Besonders der nicht heilpädagogisch vorgebildete Lehrer! sollte sich einmal der Mühe unterziehen, das Büchlein j durchzuarbeiten. Ungeheuer lehrreich für ihn würde es j z. B. sein, wenn er das „Schema für heilpädagogische! Kinderuntersuchung" (Teil 11) einmal bei Schülern, die i aus dem Rahmen des Normalen hcraussallen, zur An- Wendung bringen würde. Aber auch der Heilpädagoge kann i so manche Anregung und Bereicherung seines Wissens für seine praktische Arbeit aus dem Schriftchcn entnchmen. Besonders hervorheben möchte ich, daß ich , die „Schneersohn Methode" (C Physische Untersuchung, o) für eine sinnreiche Ergänzung der Binet'schen Untersuchungsmethode halte und selber mit ihrer Hilfe schon zu guten und beachtenswerten Erfolgen gelangt bin. Ein großer Vorzug der Schrift ist es, daß sie für alles reichlich Beispiele liefert, die besonders dem Laien eine gute Handhabe geben. Zum Schluß wird eine Uebersicht über die Tätigkeit in den heilpädagogischen Sprechstunden in den Jahren 1923—25 gegeben. Ich-kann nur immer und immer wieder betonen, daß jeder Lehrer sich in dieses Schristchen vertiefen sollte. Es kostet nur 1 Mark und ist durch die „Jüdische Kinderhilfe", Berlin, Auguststraße 17, zu beziehen. Wenn ich durch diesen Hinweis erreicht habe, daß die Lesenvelt unserer „Jüdischen Schulzeitung" ihr Interesse; auch den Pschychopathen zuwendet, dann wird auch die; Zeit nicht mehr fern sein, daß sich jüdische heilpädagogischc : Ambulatorien des jüdischen Lehrers bei der psychotherapeutischen Behandlung psychopathischer Kinder als ihres - wertvollsten Mitarbeiters bedienen werden. Literarisches. Quellenlesebuch fiir jüdische Geschichte und Literatur, 111. Teil (Verlag I. Kaufsmann, Frankfurt a. M., 1927), herausgegeben von Dr. Julius Höxter. Besprochen von Rabbiner Dr. Salzberger, Frankfurt a. M. (Aus einem Referat in der Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfnrt a. M.). Referent spricht einleitend von der Schwierigkeit des Unterrichts in nachbiblischer jüdischer Geschichte; sie liege vor allem darin, daß es an Hilfsmitteln fehle, diese Geschichte anschaulich, lebendig, gegenwärtig und damit wirksam zu machen, wie es die Methode cher Arbeitsschule mit Recht verlangt. Hier fülle Höxters Quellenlesebuch eine von der jüdischen Lehrerschaft seit langem schmerzlich empfundene Lücke aus. Das Buch, mit größtem Fleiß und aufopfernder Hingabe, mit Umsicht und Sorgfalt ausgearbeitet, sei um so verdienstlicher, als Vorarbeiten auf dem Gebiete so gut wie gar nicht vorhanden seien. Die Lehrbücher für jüdische Geschichte, wie Kayserling-Doctor oder Fuchs, geben am Schluß oder im Text einige wenige Proben, meist nur von jüdischen Schriftwerken; man müsse schon ans Karpetes' Geschichte der jüdischen Literatur oder Winter und Wünsche zurückgreifen, um Auszüge aus Quellen zur Geschichte unserer Gemeinschaft systematisch geordnet und für den Laien benutzbar zu finden. Allenfalls Zedners „Auswahl historischer Stücke aus hebräischen Schriftstellern vom zweiten Jahrhundert bis auf die Gegenwart^ Berlin 1840, käme als Vorläuferin des Werkes von Höxter in Frage; aber Zedners Buch ist mehr für wissenschaftlich und speziell philologisch Interessierte gedacht, auch beschränkt es sich nur auf jüdische und hebräische Quellen. Referent gibt nun die Anordnung des Höxterschen Quellenlesebuches wieder, hebt die Uebersichtlichkeit des Ganzen hervor und stimmt den Gründen des .Verfassers für. Scheidung in nichtjüdische und jüdische Quellen bei. Einzig fraglich erscheint ihm, ob es notwendig 'war, unter die jüdischen Quellen solche rein religiösen und moralphilosophischcn Inhalts aufzunehmen. Die Gefahr, aus der jüdischen Geschichte eine bloße Literaturgeschichte zu machen, sei ohnedies groß genug. Vielleicht sei es zweckmäßiger, in solch einem ersten Bande einzig die historischen Stücke zu bringen. Referent verweist in diesem Zusammenhang auf die im Vorwort ausgesprochene Absicht des Verfassers, eine Auswahl jüdischer Dichtung und Prosa in der hebräischen Ursprache später als Sonderband erscheinen zu lassen. Zusammenfasscnd urteilt der Referent, daß Höxters Quellenlesebuch, von Lehrern und Schüler in richtiger Weise benutzt (wofür die systematische Inhaltsangabe hinter dem Vorwort ein ausgezeichnetes Beispiel gebe), ein unentbehrliches Hilfsmittel sür den Unterricht in jüdischer Geschichte sei, daß der Verfasser sich den größten Dank der jüdischen Lehrerschaft verdient habe und daß Lehrende wie Lernende nunmehr das Ihrige tun müßten, um ihm zur Vollendung seines Werkes den Mut und die Arbeitsfreudigkeit zu erhalten. Halpern, Felix: Geschichte der jüdischen Gemeinde Guttstadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden im Ermland. Selbstverlag 1927. Ueber die Löbliihkeit dieses „Merkchens" — so nennt es der Verfasser in Bescheidenheit — sind Worte nicht zu vertieren, es sollte tatsächlich „die verehrten Kollegen (Lehrer, Prediger usw.) zu gleichartigen geschichtlichen Arbeiten anregen". Aus der Teilnahme an dem Ge- MM

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